Nichtmal ne Siegerurkunde für die Pflege

Mein Verhältnis zu Urkunden ist gespalten. Ich gebe zu, dass ich meine Graduierungen ordentlich in einem Ordner abgelegt habe und sie nicht, wie manch anderer, an meine Bürowand gerahmt genagelt habe. Ich habe einige Siege im Golf eingeheimst. Ich kann, bzw. konnte, den Golfball weiter driven als die Männer und dereinst putten wie eine junge Göttin. Aber ansonsten war ich eine sportliche Flachzange. Außer in Schach. Vielleicht war ich nicht sportlich. Vielleicht bin ich aber auch nur in einem Stadtteil von Berlin aufgewachsen, wo man im Winter drinnen war und im Sommer im Garten. Da fuhr ich Rad. Es gab keinen logischen Grund, irgendwohin zu sprinten, zu joggen oder weitzuhüpfen. Das hat absolut keine Rolle gespielt. Schwebebalken waren mein Endgegner, Ringe habe ich gehasst, ich konnte nie einen Handstand, nichtmal an der Wand. Aber das spielte absolut keine Rolle.

Außer dieses eine mal im Jahr, wenn Bundesjugendspiele waren. Für mich der sinnloseste Tag im Jahr. Nein, ich habe nie eine Siegerurkunde bekommen. Und wenn, kann ich mich nicht dran erinnern und hab sie nicht mehr. Es ist aber unwahrscheinlich, denn ich war schon immer Moppel und konnte auch nichtmal im Ansatz die Freude darüber nachvollziehen, sich für das Stückerl Papier so zu quälen. Es war unlogisch. Es war ein Stück Papier ohne größeren Wert. Nichtmal ne ordentliche Note ließ sich daraus ableiten, es gab keine Gratifikation wie bei ner ordentlichen „1“ (das war bei uns so üblich).

Derzeit gehen sie um, die Urkunden. Es gibt allenthalben Pflegepreise. Die bestehen aus ner Urkunde. Ich frage mich, wie ich mich fühlen würde, würde ich einen solch inflationären Preis bekommen. Ja, in meinem Beruf gibt es auch Preise. Da tritt man gegeneinander an, am Ende gibt es tatsächlich für einen ein paar hundert oder tausend (keinesfalls aber hunderttausend!) Euro. Das ist nice. Aber nur ein Stückerl Papier für die ganze harte Pflegearbeit hat für mich noch immer den Geruch der Siegerurkunde ohne Gratifikation.

Bayern hat heute so eine Medaille verliehen. Die „Bayerische Staatsmedaille für Verdienste um Gesundheit und Pflege ging an….. *Tusch* eine Pflegende Angehörige. Geehrt werden nämlich nur die, die sich jahrelang ehrenamtlich engagiert haben. Profis sind also draußen. Das leuchtet mir nicht so richtig ein, so oft, wie Profis ehrenamtlich einspringen, aber gut.. ist das halt so.

Nein, ich neide diese Medaille nicht. Echt nicht. Ich war lange im Ehrenamt, beim ASB im Rettungsdienst und bei der Feuerwehr. Ich hab so ne Odermedaille. Und mal so nen Orden bekommen. (Wo ist das Ding eigentlich?) Tatsächlich fühlten wir uns so verschaukelt, dass sich manche den kleine Orden ins Ohr gesteckt haben. Damit sie „wenigstens“ was haben. Gab gleich Ärger wegen der Ehre und so. (ICH war das nicht!)

Wie geht man damit um, dass es für Profis auch Siegerurkunden gibt, die nichts bedeuten und Ehrenamtliche, die eigentlich für ihre Arbeit auch Aufwandsentschädigung bekommen sollten, mit ner Medaille abgespeist werden? Ehrenamt, das war Pflege im 19. Jahrhundert. Ein Nichtberuf, den reiche Frauen aus Langeweile ausübten. Die Kontinuität kennen wir. Pflege kann jeder, Pflege muss nix verdienen, Pflege ist haushaltsnahe Tätigkeit.

Symbolpreise. Wertschätzung auf dem Papier. Ich persönlich finde, dass Pflege ja mehr verdient hat, als den gleichen Symbolwert, wie ihn weit in den Sand hüpfen könnende Kinder bekommen . sind Papierurkunden die Re-Infantilisierung der Pflegeprofis? Ein Papier ohne Sahnebonbon? Ein Goodie fürs Artigsein? Sind sie Ausdruck der systematischen Hilflosigkeit oder glauben die Macher solcher Preise wirklich, dass man sich das über das Bett hängt und dem Besuch am (vielleicht) freien Wochenende sagt: „Guck mal, ich hab ne Pflege-Siegerurkunde bekommen!“

Ich glaub, ich versuche lieber mal das mit dem weit hüpfen nochmal….

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FDP: Wer von „Vollkasko-Mentalität der Pflege“ salbadert, aber Sniper auf dem Dach hat, hat was Grundlegendes nicht verstanden

Nun pfiffen es also die Scharfschützen von den Sylter Reetdächern: Sicherheit ist eine wichtige Sache. Und deshalb durfte der Steuerzahler die Sicherheitsvorkehrungen für die VIP-Hochzeit zahlen. Das mit der Sicherheit ist Pflegenden nicht neu. Unter ABEDL 11 der Aktivitäten des täglichen Lebens sollen Pflegende ganzheitlich für Sicherheit derer sorgen, die sie pflegen. Pflegende sind also quasi die Pflegesniper derer, die, genau wie Lindner, nicht in der Lage sind, für ihre eigene Sicherheit zu sorgen. Tut man das nicht, ist deren Leben bedroht. Die Folgen sind: Stürze, Ängste, Suizide, Unfälle, Ersticken, falsche Medikamente… die Liste ist lang.

Aber während es für den FDP Minister anscheinend völlig normal ist, dass der Staat für seine und die Sicherheit seiner Gäste aufkommt, ist die Sicherheit in Pflegeeinrichtungen schon lange nicht mehr gegeben. Im SGB kommt dieses Sicherheitsbedüfnis nur noch am Rande vor. Sicherheit benötigt, genau wie Lindners Snipertruppe, ausreichend Personal, um überhaupt was gewährleisten zu können. Für Alte und Kranke geht das schon lange nicht mehr. Wie oft es vollends danebengeht, das weiß niemand so genau. Wer keine Daten erhebt, kann nichts Unangenehmes rausfinden (praktisch, oder?). Aber es passiert. Das Zeigt auch das Schwarzbuch Pflege.

Sicherheit also kann sich nur der leisten, der das Geld dafür hat – oder es sich einfach feist nimmt. Während aber bei Scharfschützen nicht diskutiert wird, weil das eben wichtig ist, spricht die FDP bei Ausgaben für Pflege von einer „Vollkaskomentalität“, der dringend Einhalt geboten werden müsse. Claudia Raffelhüschen sieht das so: Einschnitte im Sozialbereich sollen helfen. „Den Rotstift müssen wir beim ausufernden Sozialstaat ansetzen und ihn wieder auf ein gesundes Niveau zurückführen“

Es ist eine Feudalmentalität, die da aufblitzt. Wer es sich leisten kann, oder, vielmehr, wer einem nicht den Rotstift ansetzen kann, der kann Sicherheit auf Staatskosten haben, so viel er mag. Wer nicht, der erstickt halt ohne Sauerstoff – und hat das „gesunde Niveau des ausufernden Sozialstaates“ gehörig übertreten. Frei nach dem Motto: Wenn sie keinen Sauerstoff haben, sollen sie doch Luft holen.

Während es in Kliniken und Altenheimen keine Klimaanlagen im Sommer gibt (und auch kein Personal, damit da niemand dursten muss bei 42 Grad) und man den Leuten sagt, man müsse jetzt mal sparen und solle nicht so viel Strom und Benzin verjazzen, flog Friedrich Merz mit dem Privatflieger auf die Insel. Cool. Diesel hat er da nicht verbraten, das ist löblich und schon sicher die Umwelt, weil ja Atomstrom auch umweltfreundlich ist, wird sich zum Beweis schon irgendeine krude Theorie finden lassen. Einen 9Euro-Ticket- Stehplatz im überfüllten Coronaversifften Regionalzug jedenfalls hat Merz niemandem weggenommen. Das ist doch fein. So bürgernah wünscht man sich die Politik im ausufernden Sozialstaat.

Ich möchte gar nicht wissen , wie lange die da alle geduscht haben. Wir selber sollen (und können, weil es teuer ist) ja eh nur noch kalt und schnell mal unter die Brause hüpfen. Auch das ist für Heimbewohner gar nicht neu. Einmal die Woche duschen die in der Regel – falls Personal da ist. Und schnell muss es da auch gehen, denn die paar Minuten, die dafür angesetzt und bewilligt werden, reichen für Energieverschwendung gar nicht aus.

ONEHEALTH heißt das Programm der WHO, nachdem wir Pflegenden darauf achten sollen, dass Pflege nicht die Umwelt belastet. Den Planeten pflegen und Gesundheit fördern, gehören jetzt Hand in Hand. In Deutschland freilich können Pflegende da nicht mitmachen. Aber könnte ich es, würde ich den Rotstift des ausufernden Sozialstaates vielleicht nicht beim Überwachungspersonal für O2-Pflichtige ansetzen und dann was von „Vollkaskomentalität“ höhnen. Heiraten ist ja, zusammen alt werden. Ginge es nach mir, hätte diese Hochzeit also so stattfinden können, wie der Vollkaskosozialstaat seine Alten. leben lässt. Vor einer Woche 3 Minuten duschen, Essen für 1, 50 pro Mahlzeit und Sicherheit ist leider alle. Manchmal zweifle ich tatsächlich, wer der Souverän dieses Landes ist. Im demographischen Wandel hungert und friert der Souverän und seine Bediensteten bedienen sich schamlos. Irgendwas daran gefällt mir nicht.

Und nun mit geballter Power! Pflegetsunami- das Buch!

Manche von Euch wissen es vielleicht- vielleicht auch nicht – aber ich kann auch ohne Rant schreiben, Sachzusammenhänge denken und formulieren.

Und ich befinde, dass es jetzt Zeit war.

Zeit für dieses Buch! Zeit, Menschen zu erklären, woran es hapert, dass Pflege nicht waschen ist und was man ihnen hier vorenthält.

Zeit, Lösungen aufzuzeigen. Zeit, deutlich zu werden. Zeit, ohne große Emotion den Finger in die Wunde zu legen.

Manche von Euch haben sich das gewünscht. Ich bin froh, dass der Verlag mich so toll unterstützt hat.

Wer heute nicht lesen mag: hier ein Fitzelchen Trailer .. der aber nur ein winziger Sneakpeak in ein komplexes Buch ist, das keine Tabus kennt, unbequem ist und nichts mit Herziherz zu tun hat.

Das mit den Augen 👀 üb ich noch!

#Anne Will – Schwurbelt der? Darf der das? Ein Rant mit extra CN!

Nein, wir sind noch immer keine Best Buddies, der Lange und ich, und ja, meine Güte, seit der Sendung klatscht eindeutig die falsche Base. Ja, das kann man kritisieren.

So und jetzt mal Klartext.

Kaum war der Satz gesagt, ging auf Twitter das Geschrei los. Und das Geschrei war groß. Der Lange ist nur Leiharbeiter, der sucht sich ja da Beste aus.

-> Ja, der sucht sich das Beste aus. Der darf das. Du darfst da auch. Wenn es dich so abnervt, dass Du DAS zum Thema machen musst, dann such es Dir doch aus, Herrgottsch****!

Dieser Neid auf alles und jeden, der da irgendetwas anders macht, ist doch nicht normal.

Nächster Take, einen Scroll weiter: „INFLUENCER Reden nicht für die Pflege!Das machen Berufsverbände „

-> Keiner, wirklich KEINER von uns hat sich ausgesucht, „für die Pflege zu reden!“. Das ist so passiert, WEIL die Berufsverbände und die ganzen Kammern nicht reden. Lustige Sache, aber seine Meinung, wie auch immer die geartet ist, sagen zu dürfen, ist Teil eines echten Grundrechts. Und es ist peinlich genug, dass eben die Verbände und Kammern NIE etwas sagen, sondern ein virtuellen Paper durch den Schlitz schieben. Jeder, das ist klar, redet nicht für die Pflege, sondern für sich. Es gibt 1,7 Millionen Pflegende also 1,7 Millionen Meinungen. So wie es 80 Millionen individuelle Pflegesituationen gibt.

„Der Schwurbelt.“ – Nun, ich bezweifle arg, dass er schwurbeln wollte. Und dann hab ich mal n guten Tipp. Wenn ihr das alle so phantastisch könnt, vor der Kamera, dann geht doch einfach hin und macht es. Schreibt Bücher, geht zu Vox, schreibt Kolumnen, macht Sendungen.
Wie da tatsächlich läuft? Kaum einer, nichtmal der DPR, bekommt Medientraining. Da sitzte dann halt mit Deinem Talent und musst was draus machen. Und dann verhaspelste Dich auch mal.Oder, wie Frau Vogler, sagst einfach nix, weil Du – fatal in Talkshows – Konventionen hast, die Dir verbieten, einfach zu sabbeln. Zack – Sendezeit um.

Können wir und eventuell mal dran erinnern, dass wir alle NICHT für Medien ausgebildet wurden? Keiner hat den Tanzbären hier gelernt. Wenn Ihr das wollt, was das erfordert, geht in den Musikantenstadl, die können da gleichzeitig singen, klatschen und tanzen.

Was mich abnervt? Pflege wartet IMMER auf den Helden. Einer soll kommen, es machen und regeln. Bis jetzt sind welche gekommen und haben es immerhin gesagt.

Fazit? Keiner, nicht einer, ist da, der irgendwie genügt hat. Ähnlich wie beim mystifizierten Pflege-Corona-Helden soll ein Allrounder aus der Kiste springen, eloquent sein, schreiben können, gut aussehen, nie das Falsche sagen, lächeln, aber nicht zu sehr, dringend sein, aber nicht zu sehr, es aussprechen, aber so, dass man es versteht: DAS IS KEIN PONYHOF HIER! Menschen sind nicht Pinocchio. Die kannste Dir nicht schnitzen. Du musst schon die Menschen nehmen, die es gibt. Oder: mach es einfach selbst. Aber mach es eloquent, sieh gut aus, mach nie das Falsche….

An JEDE/R/M gibt es irgendwas zu nölen. Und viel schlimmer als der Ausrutscher (oder von mir aus auch die tatsächliche Haltung) sind dann die Heerscharen von Leuten, die es ganz sicher besser gemacht hätten. Sind alle wie Pathologen- wissen alles, aber halt immer zu spät.

Ja, mich nerven sie auch. Die Versicherungsverkäufer, die Typen mit Ernährungsdrinks und das ganze Gebabbel. Aber – hallo – wer hat die denn so gehyped? Lass mal überlegen – ach so, das ward ja Ihr. Is n bisschen irre, merkt Ihr selbst, oder?

Das, was da abgeht, ist auch ne Form des Silencing. Kein Mensch kann für alle Bereiche was Kluges oder Tolles sagen. So läuft das halt.

Wenn es denn wenigstens bei der inhaltlichen Kritik bliebe – wäre kein Ding. Aber das da geht sogar mir über das Ziel weit hinaus. Und jetzt stell Ich mir das mit einer Base vor, die 100 mal so groß ist, wie meine. Na schönen Dank auch.

Chillt mal. Ich tu das auch. Es wäre viel besser, zu überlegen, wie wir alle (denn die meinen uns alle) aus dieser Sache wieder rauskommen. Und dann gibt es da noch wesentliche Sachen. Streikende Kollegen. Tagchen.

Mansplaining „Schwangere in der Pflege“ oder „Guten Tag! Würden Sie uns bitte Ihr ungeborenes Kind opfern?“

Berufspolitik ist eigentlich wie Zentrale Notaufnahme. Du denkst jeden Tag, dass Du alles gesehen hast und dann kommt er doch wieder: der Hammer und es blutet unvermutet aus allen Ritzen. Heute blutet es aus meinen Augen, denn ich habe da was gelesen.

Als Mansplaining wird eine Erklärung bezeichnet, die ein Mann macht, der einer Frau erklärt, er wüsste, wie es (meist besser) geht, ohne dass er davon Ahnung hat. Es gibt viele merkwürdige Arten dieses Machtspiels, aber wahrscheinlich ist nichts so lächerlich wie ein Mann, der Dir Schwangerschaft erklärt. Doch damit nicht genug.

Birge Schlürmann ist ein Mann. Und was für einer. Seit Jahren erklärt er Menschen die Pflegewelt als Berater und Autor und setzt dabei auf Wirtschaftlichkeit. Ganz neu ist der Plot freilich nicht. Birge weiß auch, wie Schwangerschaft in der Pflege am Besten geht. Und er hat da ganz interessante Vorstellungen, die sich ungefähr so zusammenfassen lassen: „Dann machste halt n Neues.“ Aber von vorne.

Chirurginnen, so sein Artikel, die seien da anders drauf. Pflegende und Lehrer, die ließen sich ja sofort krankschreiben, aber Chirurginnen, die HÄTTEN DAFÜR GEKÄMPFT, möglichst lange am OP-Tisch stehen zu DÜRFEN!

Ja, Birge, das liegt an ihren schlechteren Karrieremöglichkeiten und daran, dass man gemobbt werden kann, wenn man schwanger ist. Dann kriegt man seine Facharztpunkte nicht und ist im Eimer. Das nennt man institutionelle Gewalt.

Birger schreibt: „„Gefühlt wurden schwangere Pflegekräfte vor allem in der Altenpflege zuletzt deutlich schneller krankgeschrieben als noch vor zehn Jahren“, meint ein Pflegewissenschaftler, der seinen Namen lieber nicht veröffentlicht sehen will. Der Experte vermutet eine Art „Schutzmechanismus“: Die Leistung von Pflegekräften stehe heute viel mehr im öffentlichen Fokus als früher, so dass Ärzte wie Arbeitgeber aufmerksamer geworden sind. Sie fühlten sich stärker verantwortlich für die schwangeren Frauen, wenn deren Wohlbefinden bei der Arbeit beeinträchtigt ist.“

Wer kennt ihn nicht? Den geheimnisvollen Dritten? Was Birge sagt? Scheiße, man kann heute nichtmal mehr mit Schwangeren machen, was man will. Ja, Birge, das leuchtet eigentlich jedem ein. Pflege ist so schwer wie ein Bauarbeiterberuf. Und wir sind heute nicht mehr in den Zeiten, wo jede Frau dem Pflege-Führer ein Kind gebären muss, das dann vom System aufgefressen werden soll. Es ist ok, sein Ungeborenes zu schützen. Zumal es nichtmal Elternschutzzeiten bei Fehlgeburten gibt. Dass Wirtschaftsgläubige das ganz blöd finden, das kann ich verstehen.

Aber Kinder Pflegender sind eh schon durch den Schichtdienst benachteiligt, da wirst Du erlauben, dass wir unsere Kinder wenigstens einigermaßen heil auf die Welt bringen, ja?

Aber Birger geht noch weiter. Der kennt gar keine Grenzen. Scheiß nämlich auf das ungeborene Kind. Das ist nämlich der Zeitgeist. „Pflegemanager und Organisationsberater Birger Schlürmann sieht die schnellen Krankschreibungen auch dem „Zeitgeist“ geschuldet: „Man achtet heute auf jede kleine Befindlichkeit, und die Ärzte haben Angst vor Schadensersatz. Früher hat man sich darüber nicht so viele Gedanken gemacht.“ Im Gegensatz zu den Chirurginnen, die dafür gekämpft haben, trotz Mutterschutz mehr und länger im OP arbeiten zu dürfen als bislang erlaubt, sei in der Pflege leider eine „Opferkultur“ verbreitet. „Das sind schon andere Mentalitäten“, sagt Schlürmann.“

An der Stelle muss man sich fragen, wo es da hakt. Mein Kind beschützen ist keine „Opferkultur“. Typen wie de sind lediglich sauer, dass Pflegende einfach nicht mehr bereit sind, Ungeborene auf dem Altar der Gesundheitswirtschaft zu opfern, das ist doch der Fakt an der Sache. Ich habe keine Ahnung, wie ein MANN von anderen Mentalitäten reden kann. Die Führungseben bedauert wohl, dass Pflege heute ihre rechte wahrnimmt. Ist schon blöd. Furchtbarste Arbeitsbedingungen, kaum Kollegen auf dem Markt und nun will die Ische auch noch gesund gebären.

Auch bei der Caritas, das sind die Kirchlichen mit der NÄCHSTENLIEBE, findet man das Fortpflanzungsgebot der Bibel eher lästig. „Heim- und Pflegedienstleiter Stefan Smolinka kennt „das Problem mit Schwangeren“ seit vier Jahren zwar nicht mehr: solange sei in dem von ihm geleiteten Altenheim St. Martin mit 69 Plätzen in Bad Orb (Caritasverband im Bistum Fulda) keine Pflegekraft mehr schwanger geworden.“ GEHT ES NOCH EIN BISSCHEN ÜBERGRIFFIGER???

Es. gibt auch gleich ne Idee. Schwangere sollen dokumentieren! „Die Heime haben Angst, dass die Schwangeren sich einen Keim einfangen.“ Dabei sei es „ausgesprochen sinnstiftend“, Schwangere in der Pflegedokumentation einzusetzen. „Die meisten Pflegekräfte stöhnen doch über die Dokumentationslast im Alltag. Da ist es wunderbar, wenn schwangere Pflegekräfte ihnen diese Arbeit abnehmen. Gerade in ambulanten Pflegediensten ist das auch völlig gefahrlos, denn sie haben dann ja überhaupt keinen direkten Kontakt mit Patienten.“

Ja, blöd nur, dass die Dokumentation derjenige machen muss, der am Patienten arbeitet. Was ist denn das für eine Qualität?

Man solle ja darauf achten, Schwangere entsprechend einsetzen zu können. „Dabei sollten alle Heime passende Konzepte für Schwangere parat haben, schließlich ist 80 Prozent des Personals weiblich.“ ICH GLAUBE, ES HAKT!

Mit Schwangeren lässt sich auch Geld sparen, wenn man sie im Büro einsetzt: „Wir nehmen die Schwangeren-Fälle mit in die Pflegedienst-Konferenz und fragen dann dort um, wo gerade ein entsprechender Arbeitsplatz frei ist. Wenn dann zum Beispiel gerade eine halbe Büroassistenzstelle frei ist, dann bekommt die Schwangere diesen Platz und für ihre andere halbe Stelle erhält sie ein Beschäftigungsverbot. Die Klinik zahlt dann die halbe Stelle, den Rest zahlt die Krankenkasse.“

UND DAS IST DANN WOHL INSGESAMT DER MISOGYNSTE KRAM; DEN ICH JE GELESEN HABE!

https://www.pflegen-online.de/schwanger-arbeiten-das-geht-auch-in-der-pflege

Kleiner Witz am Rande: Das Magazin ist auch zuständig für da Kammermagazin RLP und für das des Deutschen Pflegetags. Wisst Ihr, woher der Wind weht, ja?

Warum Du Dein Krankenhausessen lieber isst und Dich schämst, anstatt es zu fotografieren und Dich zu empören! (ein Rant der Extraklasse)

Da war er wieder, dieser Twitter-Moment, bei dem ich und andere Pflegende aus der Haut fahren könnten.“Die Leserin 1982“ fotografierte ihr Krankenhausfrühstück. Ein Brötchen, ein Vollkornbrot, Käse, Marmelade. Und alle, alle kamen und empörten sich. 2101 Twitterer waren geradezu schockiert vom Anblick.

Eine Frechheit? Ist eigentlich nur, dass Dir das erst auffällt, als es Dich selbst betrifft!

Eine Frechheit sei das! Der GESUNDHEITSMINISTER solle sich das ansehen.

Krankenhaus- und Altenheimessen zu posten, ist in. Im Gegensatz zum Insta-Foodporn ist das gepostete Essen dabei immer das Symbol für kulinarische Impotenz des Gesundheitswesens, eine Vorwegnahme des eigenen Verhungerns, ein Symbol dafür, dass – ja, diese Kommentare sind reichlich – man den Ukrainern alles gönnt (besondere Kommentare unterlegen das mit Bildern von Hotelbuffets, die den Unterschied kontrastieren sollen), und die armen Deutschen verhungern, also klassistischer und rassisticher Kackscheisse und anderem Gedöns.

EPISCH war der Fall eines Kartoffelsalattoasts, den frecherweise eine ambulante Pflegende gemacht hatte (weil nichts anderes im Haus war). Die, so die Meinung, könne doch von ihrem privaten Geld der armen Omi mal ein Essen spendieren (so weit kommts noch!).

Was diese Bilder sagen? Sie sagen: „Oh je, ich wusste von Privatisierung der Kliniken und von Pflegemangel, aber es war mir am Arsch egal, solange ich nicht diesen Scheiblettenkäse fressen musste. Nun aber betrifft es mich und ich bin nahezu schockiert!“ Was das ist? Wohlstandverwahrlosung.

Jeder Hans und Franz weiß, dass der Tagessatz in Kliniken um 3, 80 Euro liegt. Zum Vergleich? 4,77 Euro beträgt der Tagessatz unter Hartz IV. Man muss nicht ausgesprochen gut rechnen können, um sofort zu verstehen, dass man in Kliniken also noch ärmer ernährt wird, als der Ärmste im Land. Und so, meine Damen und Herren, sieht das dann halt aus. Was habt Ihr gedacht? Dass da jetzt pochierter Lachs kommt?

Was die Empörungsposter nie erwähnen? Sie erwähnen nie, dass sie sich genau diesen Krempel ausgesucht haben, als der Service zur Abfrage durchs Zimmer kam. Was da also auf ihrem Tablett gelandet ist, ist genau das, was sie bestellt haben. Und was mich am Wütendsten macht?

Wer in der Lage ist, seinen Klinikfraß zu posten, der hat ein Smartphone, kann Arme und Beine bewegen (die Arme auf jeden Fall) und sollte, wenn ihm was nicht passt, einfach Lieferando anklicken und sich was bestellen. Die andere Möglichkeit wäre, sich vom Besuch ein Obst oder selbstgemachtes Essen mitbringen zu lassen. Aber nein, Dekaden lang hat man dem AOK-Versicherungskartenbesitzer eingetrichtert, dass eine Riesenklinik im Grunde nichts weiter ist, als das Alanya-Ressort auf Krankenkasse. Das, meine lieben Freunde, ist aber leider eine kleine Werbelüge. Wer nicht ausgesprochen dummbeutelig ist, der wäre da alleine drauf gekommen.

Es gibt akkurat zwei Dinge, an denen man in Kliniken sparen kann. Das Essen und das Personal.

Während es die Gesellschaft zutiefst erschüttert, dass sie nun die knappe Verweildauer lang ein Vollkornbrot zum Frühstück essen muss, ist es ihr weiterhin egal und völlig mumpe, dass, DAMIT sie dieses Essen überhaupt noch mit Joghurt und Kaffee und Wasser kriegen, draußen auf dem Gang die raren Pflegenden Polka tanzen, um den Marathon durch den Dienst zu stemmen. Davon macht aber keiner ein Bild, denn das interessiert genau keinen.

Die Schrippe, die Dir da nicht passt, hast Du aber trotz Pflegenotstand bekommen. Was das bedeutet? Das bedeutet, dass Du trotzdem alle Verbände bekommen hast, Dir bei der Körperpflege geholfen wurde, Dein Bett gemacht, Deine Pillen gestellt und Deine Vitalzeichen überwacht. UND DAS IST EIN WUNDER! Also weine nicht über drei Tage Vollkorn, sei dankbar, das so viel Kapazität da war, dass sie Dir den Krempel überhaupt noch gebracht haben.

Mich regt dieses ignorante Getue nur noch auf. Da sitzt Du mipm Arsch in einer Streikwelle und heulst über Dein 3, 80 Essen und neidest Geflüchteten den Sozialsatz. Ich drücke das mal so aus. Wärst Du mit Deinem damals noch gesunden Körper auf die Straße gegangen und hättest zusammen mit anderen für eine bessere Gesundheitsversorgung demonstriert, müsstest Du jetzt nicht denen, die nichts mehr haben, für drei Verweiltage die Summe von 80 Cents neiden. Was läuft bei Euch nur im Kopf schief?

Seit Jahren sagen Pflegende, dass sie die Versorgung nicht mehr aufrechterhalten können. In Altenheimen rühren sie die Pampen nur noch mit Wasser an, um Milchpulver zu sparen, und Du weinst jetzt echt darüber, dass Dir die Scheiblette nicht passt? Lord, ich sage Dir: es kommt der Tag, da ist diese Scheiblette der Himmel für Dich! Weil?

Hey! Surprise! Noch schlechter, weil noch gewinnmaximierter, wird Dein Essen im Alter aussehen, wenn Du erst in einer der Ketten Dein Dasein fristest. Aber das interressiert Dich nicht. Nur: dann haste keine Chance, Dir auch noch das kleinste Marmeladeglas zuzukaufen.

Ich habe ne gute Idee. Statt Dich zu empören, schäme Dich einfach. Schäm Dich, dass Dir das Debakel erst aufgegangen ist, als es Dich selbst betroffen hat. Schäm Dich, dass Du noch nie darüber nachgedacht hast. Preise den Herrn, dass Du kauen kannst und nicht via Magensonde am Nutritropf hängst. Zeitgleich nämlich schreiben Journalisten, dass es gemein wäre, dass Pflegende für DEIN BESSERES ESSEN UND FÜR DEINE VERSORGUNG auf die Straße gehen, weil Du keinen Bock darauf hast. Schäm Dich einfach.

Oder iss es einfach nicht. Aber tu nicht so empört, denn das zeigt nur, dass Du einfach nicht verstanden hast, worum es geht.

Ach ja, den Gesundheitsminister juckt das nicht. Dass Du nichtmal das weißt, ist spätestens schämenswert. Kliniken sind privatisiert. Nicht mehr staatlich. Dazu habt Ihr alle um 2000 rum gevoted. Mit JAAAAAA! Was haste gedacht, kommt dabei raus, wenn man staatliche Einrichtungen gewinnmaximiert? Biogemüse und frisches Spiegelei? Lol.

Während Du da feist rumknipst, denk an all die, die das nicht mehr können und nie tun konnten. Die, die den Murks jeden Tag essen müssen. Und – auch wichtig – denk dran: Auch Du wirst demnächst dazugehören. Ob da noch jemanden da ist, der Dir wenigstens das bringt, steht allerdings in den Sternen. In Asien zum Beispiel kochen die Angehörigen, wenn man was essen möchte und sie waschen einen auch, wenn man gewaschen werden will. Das ist da nämlich keinesfalls Pflege. Du hast genau zwei Möglichkeiten: geh auf die Straße und kämpfe für Deine Gesundheitsversorgung oder: Löffel dir Suppe aus, die Du Dir (durch politisches Nichtstun) selbst eingebrockt hast. Im wahrsten Sinne.

Reformen gehen nicht – wegen Krieg und Pandemie – sagt Pflegebevollmächtigte Moll. Da fangen wa gleich an :-D

Um 1920 schrieb Otto Reuter das Lied vom „gewissenhaften Maurer“. Der würde gerne das Haus zu Ende bauen. Aber es geht nicht. Erst passt die Uhrzeit nicht, dann schafft er es nicht zur Arbeit, dann ist Pause und Lust hat er eh nicht. „Da fangen wa gleich an“. Wer das Lied nicht kennt: Bitteschön

Pflegereform war 1992. Als die ganzheitliche Pflege eingeführt wurde. Krohwinkel. Man kennt das. Aber dann war die Pflegeversicherung da und keine Möglichkeit mehr, sie einzuführen. Man wollte ja. Aber dann war Wiedervereinigung. Kein Geld da. Und dann war Wirtschaftskrise. kein Geld da. Und dann war Privatisierung. da war eigentlich nichts mehr da. Stetig da war eigentlich nur der Pflegenotstand. Seit mindestens 1920.

In der Pandemie haben Manager erklärt, jetzt solle Pflege sich mal beweisen, dann würden die Veränderungen kommen. Die Idee, dass man sich zu beweisen habe, war eigentlich schon verrückt genug, um laut zu lachen (Pflege beweist ich seit Jahrzehnten), aber wo sind nun die Veränderungen?

Die gehen gerade nicht, sagt Moll. Wegen Pandemie und so. Und wegen des Kriegs. Als sie 100 Milliarden für Waffen beschlossen haben, da haben wir uns gleich gedacht, dass irgendwas dafür eingespart werden muss. Aber Waffen, da waren gleich alle dafür. Nun ist also klar, woran gespart wird. An der Pflege. Ist klar, die betrifft ja wieder mal keinen mehr. Da lässt es sich sparen.

2030 tritt der Kipppunkt ein. Ab da ist der demographische Wandel ein Point of no return. Zur Erinnerung, weil ich es auch nicht immer vor Augen hab. Das sind noch 8 Jahre.

Später, ja später, sagt Moll, würde da noch was kommen. Wie bei Otto Reuter also: „Da fangen wa gleich an!“.

Moll, die Missstände ja nie erlebt hat und die findet, es gäbe quasi auch keine, wenn man nur über die schönen Seiten der Pflege berichtete, findet also, man habe noch Zeit. Dass es keinen was angeht, findet auch der Deutsche, für den die Pandemie jetzt vorbei ist. Das läuft nämlich so: solange man keine Pflege braucht, schert sie einen nicht. Braucht man. sie dann, schreit man rum, sie stünde einem zu.

Es wäre völlig ok, sich mal wieder verarscht zu fühlen. Verraten und verkauft. Es ist nicht die Pandemie, die Reformen verhindert. Für die nächste Welle, die bestimmt kommt und für die nächste Pandemie und den demographischen Wandel braucht Deutschland sie sowieso. Sie nicht zu reformieren ist, als wenn man keine Autoreifen mehr hat, und nun auf der Felge fährt. Aber neue Reifen gehen nicht, weil man dringend neue Scheibenwischer braucht. Beides hat miteinander nichts zu tun. Aber hey, was wissen wir schon. Normalerweise gehen die Entwicklungen von Pflege und der Krieg immer Hand in Hand. Man braucht schließlich wen, der die Verwundeten versorgt. Dies ist der erste Krieg, in dem das nicht passiert. Das ist kurzsichtig, dumm und geschieht auf dem Rücken der Pflegenden genauso wie auf dem Rücken der Bevölkerung.

Parkbänke gibt es kaum noch, Pflege gibt es kaum noch. Die Konzerne verdienen, der öffentliche Raum verkommt. Ganz sicher fangen se gleich an. Solange gibt es halt für die Pflegebevollmächtigte nichts zu tun. Spätestens bei der nächsten Wahl werden sie wieder sagen, dass die Pflege so schlecht dran sei. Mit er wirbt die SPD ja für jeden Wahlkampf. Sie tut nur nichts. Ähnlich wie die Grünen, die sich auch bedeckt halten, aber immerhin Influencer am Tag der Pflege umsonst für sich arbeiten lassen wollten. Vong Respekt für die Pflege her. Hahahaha.

Ich weiß nicht, wann sie aufgehört haben, Pflege und Gesundheit intelligent zu veräppeln. Was sagt Ihr dazu? Fühlt Ihr Euch auch so verhohnepipelt ?

Aber die Story beleidigt irgendwie meine Intelligenz.

„Was ist eine Frau?“ Über die vielleicht absurdeste Debatte aller Zeiten. Und weshalb sie gefährlich ist.

Auf Twitter debattierte man sich die Tage die Finger wund. Ok, das passiert auf Twitter jeden Tag, aber diesmal war es vergleichsweise abwegig. Unter dem Hashtag „Was ist eine Frau?“ warf jeder seine zwei Cents in den Ring. Der Grund? Die Frage war: Sind Transfrauen Frauen?

Und von vornherein: diese Debatte ist vermint, wird keinesfalls sachlich geführt und hat ihre Tücken.

Schon die Grundfrage, „was“ eine Frau ist, sollte jede Frau dazu bringen, einen Rundumschlag an virtuellen Backpfeifen auszuteilen. Was – das ist eher neutral und hat mit Person ja erstmal nichts zu tun. Die richtige Frage wäre also gewesen: WER ist eine Frau? Aber was weiß ich schon? Die Meinung darüber ist gespalten. Es gibt die Verfechter der Position, dass jeder Mensch, der sich als Frau identifiziert, eine Frau ist. Eine der bekanntesten Frauen, von der wir das derzeit wissen, ist Frau Tessa Gansener, Politikerin der Grünen und über die Frauenquote in den Bundestag gekommen. Die Debatte entzündet sich bei ihr oft daran, dass sie weder ihren Personenstand geändert haben soll, noch eine angleichende Operation erwägen soll. (Die Konjunktive sind beabsichtigt. Ich habe Freundinnen und Freunde, von denen ich weiß, dass sie diesen Weg gegangen sind. Ich weigere mich strikt, sie nach ihrem Perso zu fragen, oder in ihre Unterhosen als quasi Beweis zu gucken. Wer tut sowas?)

Dann gibt es die gegenteilige Position. Die nennt man TERF (Trans-ausschließender radikaler Feminismus). Das sind Frauen, die sagen: Naja, wir waren mit den Frauenrechten noch nicht so weit. Nun kommen Männer, die sich als Frauen ausgeben und die bedrohen unsere Rechte, weil sie sich quasi ungehindert unter uns mischen und über uns mitbestimmen können.

Zwischen diesen beiden Polen existiert NICHTS.

Spannend an dieser Debatte ist aber, wer dann die Deutungshoheit übernimmt. Und das sind (hier einen Tusch einfügen), Menschen (ich vermute meist Männer) mit einem derart rückständigen Frauenbild, dass es selbst unseren Uromas eiskalt den Rücken herabgelaufen wäre.

WTF?

Das Problem daran? Besonders rückständige Frauenbilder finden sich vermehrt in der rechten Szene. Ab da ist klar, dass diese Debatte sich keinesfalls einzig zwischen den Frauen abspielt, sondern dass da jeder seine zwei Cents in den Ring werfen möchte.

Was das mit Pflege zu tun hat? ABEDL 10 Krohwinkel hat die Identifikation als Frau und oder Mann zum Thema. Es ist also Aufgabe der Pflegenden, diesen Diskurs zu beherrschen und das nicht nur im Hinblick auf Rollen, die durch Krankheit beschädigt sein können und viel Fingerspitzengefühl bedürfen, wie beispielsweise Haarausfall, Krebs, Mammaamputation..etc. , sondern auch die Frage nach einer geschlechtsangleichenden Operation oder das Einleiten einer solchen bedürfen der Pflege. Gerade in der so vulnerablen Zeit, wenn der Personenstand noch nicht geändert wurde, oder der Name noch nicht offiziell geändert wurde, kann es schnell dazu führen, dass man die Personen mit ihrem Deadname anspricht. Das ist für die Patient*innen äußerst verletzend. Ähnlich verletzten ist es, sie mit dem falschen Pronomen anzusprechen. Nun wissen wir aber alle, wie hart der Zeitdruck wirkt. Was auf den Papieren steht, wird angenommen. Deshalb passieren solche Verletzungen immer wieder. Kliniken unter Hochdruck sind wahrlich kein Safespace dahingehend. (Gerne würde ich dazu ja mal ein Interview führen, seufz).

Aber je mehr Transpersonen gesellschaftlich unter Druck stehen, desto weniger werden sie darüber reden. Schon gar nicht mit Pflegenden unter Hochdruck. Ein Teufelskreis.

Was bei beiden Positionen völlig verlorengeht? Selbstverständlich steht der Annahme eines Menschen, der sich als Frau identifiziert nichts im Weg. Verloren geht aber bei „jede, die sich als Frau identifiziert, ist eine Frau!“ eine ganze Sparte der Medizin und Pflege, über die viel zu wenig gesprochen wird. Biologie und zwar die ganz schnöde Biologie, bestimmt sehr wohl über den medizinischen Werdegang eines Menschen. Jungs haben viel häufiger kindliches Asthma als Mädchen, Frauen haben andere Symptome beim Herzinfarkt als Frauen, weshalb der bei ihnen häufiger übersehen wird und sie häufiger daran sterben. Frauen werden anders medikamentiert als Männer, weil sie bestimmte Medikamente (Betablocker zum Beispiel) anders verstoffwechseln. Medikamente werden noch immer zumeist am männlichen Körper getestet. Diese Sparte der Medizin nennt sich Gendermedizin. Und sie ist total wichtig, um Menschen beiderlei Geschlechts eine gute Versorgung gewährleisten zu können. Frauen sind dabei viel zu häufig hintern runter gefallen.

Die Sprachregelung „jeder, der sich als Frau identifiziert, ist eine Frau“ ist also, medizinisch gesehen, schwierig. Reden die Beteiligten nicht darüber, dann kann es zu Fehldeutungen von Symptomen und schlechter Einstellung von Medikamenten kommen. Letztlich kann das den Tod der Betroffenen bedeuten. Wird aber zwischen den beiden Polen der geltenden Lager alles, aber auch alles ideologisch weggeblockt, ohne die Debatte zu versachlichen, dann wird dieses Thema zum Tabuthema. Auch das kann im schlechtesten Fall Leben kosten, Prävention unmöglich machen.

Schon nichtbetroffene Menschen haben den Anteil, den Pflege im gesellschaftlichen Leben hat, nicht auf dem Schirm. Gendermedizin und entsprechende -pflege kann nun also nicht mehr wertfrei angesprochen werden, ohne dass sie in den Geruch kommt, TERF zu sein, weil sie, obwohl das keine Rolle spielen soll, leider doch biologisch argumentieren muss, um eine gute Gesundheitsversorgung zu gewährleisten. TERFS wiederum können diesen Part der Versorgung ideologisch instrumentalisieren. Das ist unendlich bedauernswert. Bedauernswert ist auch, dass auch Ärzte und Ärztinnen, Pflegende und ihre Anrainerberufe Gendermedizin selten im Blick haben.

Fakt ist, dass wir als Pflegende diese Pflegeproblematik offen ansprechen müssen. Ja, wer sich als Frau identifiziert, ist eine Frau. Im schlimmsten Fall hat das Negieren der Biologie offenbar Konsequenzen, an denen niemandem gelegen sein kann. Wie damit umgehen? Ich würde mich zu gerne einmal mit Betroffenen darüber unterhalten. Einfach, damit wir verstehen können, wie diese Gratwanderung gelingen kann.

Aber das ist in der Hitze der Debatte wohl derzeit nicht möglich.

Wenn wer mehr weiß… ich freue mich auf Infos.

LongCovid Reha? Nicht für Pflegende!

Während der Pandemie dachte ich, ich hätte wirklich alles gesehen, was es an Diskriminierung von Pflegenden zu sehen gäbe. Benachteiligung, weil man nichts ins Homeoffice durfte, unzureichendes Schutzmaterial und wie die Fliegen sterbende Kolleg*innen, weil es einfach niemanden scherte. Schließlich wurde ja die Aufopferung Pflegender beschworen – und die meinten das ernst.

Hunderttausende aus den Gesundheitsberufen infizierten sich. Ungeklärt viele bekamen nach der Infektion LongCovid Symptome. Müdigkeit, Einschränkung der Merkfähigkeit und andere, weitreichende neurologische Symptome.

Es ist klar: wer diesen Marathonlauf in der Pflege durch die Pandemie mitgemacht hat und selbst erkrankte, der braucht eigentlich sofort Hilfe. Nicht nur aus medizinischen Gründen, sondern auch, weil er sich die Gesundheit ruiniert hat, während alle im Homeoffice vor sich hinchillten, sicher und versorgt mit Klopapier und allen Pastasorten, die da Herz begehrt.

Jetzt gibt es ASAP. Nein, das heisst nicht „as soon as possible“ sondern „Assistierte sofortige augmentierte Post/LongCovid Plan“. Eine Studie, gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege (!!) will jetzt helfen.

Menschen, die im Alltag kaum funktionsfähig seien, sollen deshalb an einer Studie teilnehmen. „Wir suchen nach Studienteilnehmer:innen im erwerbsfähigen Alter (18-60 Jahre), die in Bayern wohnhaft sind, an COVID-19 erkrankt waren und seitdem Symptome haben bzw. neue Symptome auf die Infektion mit SARS-CoV2 zurückführen. Dazu zählen zum Beispiel anhaltende Erschöpfung, ein fehlender Geruchssinn oder auch psychische Beschwerden.“

Der Haken? Will man teilnehmen, dann muss man folgende Bedingungen erfüllen:

  • Sie sind zwischen 18 und 60 Jahre alt 
  • –Sie hatten eine vermutete oder nachgewiesene COVID-19-Erkrankung 
  • –Sie kommen aus Bayern 
  • –Sie wurden aufgrund Ihrer (Post-/Long-COVID-)Symptome noch nicht oder nur unzureichend versorgt 

Und: man darf unter keinen Umständen aus dem Gesundheit-oder Pflegebereich kommen!

Bitte was??

Ja, so habe ich auch geguckt. Die, die am meisten für die Gesellschaft getan haben, die sind bei dieser Studie nicht erwünscht. Warum? Das erzählen die Forscher aus der Studie nicht. Keine optimale Unterstützung für Bayerische Pflegende also. Ob da wieder das Wort Holletscheks gilt „Vergelts Gott sei auch keine schlechte Währung!“? Man weiß es nicht.

Was der Benefit der Teilnehmer ist? „Dr. Cordes betreut das ASAP-Projekt in der Dr. Becker Kiliani-Klinik.  „Die Patienten werden danach unsere Klinik mit klaren Empfehlungen für die weitere Behandlung verlassen“, so Dr. Cordes. Das könne z. B. eine stationäre Rehabilitation sein oder Empfehlungen für ambulante Maßnahmen wie Bewegungstherapie, Atemübungen oder psychotherapeutische Betreuung. Während der gesamten Projektlaufzeit begleiten Lots:innen die Teilnehmer:innen und stehen ihnen für Fragen zur Verfügung.“

Außer, man ist aus der Pflege. Oder dem Labor. Oder war sonstwie mit Covid konfrontiert.

Ob man gar befürchtet, mit echten Daten von Pflegenden konfrontiert zu werden, die sich, obwohl sie nicht mehr können, trotzdem immer zur Arbeit schleppen? Man weiß es nicht.

Man weiß auch nicht, weshalb Laboranten davon ausgenommen wurden oder wie genau sich Wohlfahrtspflege definiert. Sicher ist nur: Das hier wird – paradox – zwar vom Ministerium für Pflege initiiert und unterstützt, aber IHR seid (mal wieder) nicht gemeint.

Ich darf das verdächtig widerlich finden, solange man mir nicht den Grund sagt, weshalb es nun auch eine Zwei-Klassen-Gesellschaft bei LongCovid gibt.

Und deshalb: Nein, ASAP unterstütze ich as soon as possible nicht.

Es ist mir ein Rätsel, weshalb die Presse da nicht nachfragt oder gar die Studienleiter das alles erklären. Vielleicht, weil man glaubt, Nurses fänden das eh nicht raus. Vielleicht, weil man glaubt, Nurses seien tatsächlich besser beim Arbeiten als bei einer Rehabilitationsmaßnahme aufgehoben.

Ich verstehe, weshalb man Adulte dafür sucht. Aber ich verstehe die Diskriminierung von Pflegenden als Ausschlussgruppe nicht. Ich will sie auch gar nicht verstehen. Ich will schlicht, dass es sowas nicht gibt. Ich will, dass die, die sich den Arsch für uns aufgerissen haben, die bestmögliche Behandlung bekommen. Sie bekamen schon kein Geld und kein Frei. Nun bekommen sie auch keine Chance. Mit welchem verdammten Recht eigentlich ist Dein Leben und Deine Gesundheit nichts mehr wert, wenn Du in der Pflege bist?

Die eigentlichen Bedingungen lauten also: Wenn du hinter Klopapiermauern Covid bekommen hast, dann komm gerne her. Kommst Du aber aus der Gesundheitsversorgung, dann geh arbeiten, vergelts Gott. Wir brauchen Dich am Bett und nicht bei der Rehabilitation.

Und vielleicht kommt mir da ein bisschen Kotze hoch.

Der Abgesang der Pflege in Moll – oder: weshalb mir die Pflegebeauftragte Moll so unfassbar auf die Nerven geht!

„Das haben wir schon immer so gemacht!“ ist der Satz, bei dem ich steil gehe. Er kommt gleich nach: „Es war doch nicht ALLES schlecht!“ und steht für mich für Situationen und Menschen, die einfach so unbeweglich im Kopf geworden sind, dass sie mental am Rollator laufen müssten.
Ich gehöre nicht zu den Leuten, die die Apothekenrundschau konsumieren, aber diesmal kam ich nicht dran vorbei. Die Pflegebeauftragte gab dort (oder wars die Ärzterundschau? Irgendeine gesundheitliche Bäckerblume halt) ein Interview.

Es sei doch nicht alles schlecht! SIE habe nie irgendwelche Missstände mitbekommen! IN ALL DEN JAHREN NICHT! Und: Lehrjahre sind keine Herrenjahre! Und dann habe ich nicht verstanden, weshalb nicht alle die Kittel in die Ecke geschmissen und mit einem lauten „Macht Euren Scheiss doch alleine!“ die Tür hinter sich zugeschmissen haben. WAS ZUR VERDAMMTEN HÖLLE!?!?!?! Und, falls jemand meine Spucke gesehen hat – sie ist seitdem weg.

Deshalb hier ein kleiner Rant.

Alter Verwalter. Ich wusste vom ersten Moment an, weshalb mich das dauergewellte, mittelalte Pflegewunder der SPD so unglaublich an Schwester Renate von „Klausis Stricklädchen“ erinnert!

Renate von Klaus (Klaus Petereit)

Da kommt nix bei rum. Während woanders Studien über „Nurses eat theyr young“ laufen, sind 2022 Lehrjahre eben noch immer keine Herrenjahre und wenn Schwester Renate aka Claudia Moll das sagt, dann sind die Flachzangen, die schreiend aus dem Beruf stürmen, offenbar einfach nur völlig verweichte Mimosen, die einfach nicht gerafft haben, dass es zum Job gehört, sich ausbeuten, an den Hintern fassen und abservieren zu lassen. Denn: Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Ich möchte etwas nehmen und werfen! Die paternalistische Höllenscheisse zu einem Klumpen formen und sie der Pflegebevollmächtigten in die Haare schmieren, weil sie selbst offenbar nicht ersteht, wohin diese rückwärtsgewandt Grütze hingehört. In den Müll der Zeitgeschichte.

Es war doch nicht alles schlecht? Doch, Claudinate! Es war seit Jahrzehnten ALLES schlecht! Und wenn Du, Genossin, das nicht mitbekommen hast, in 30 Berufsjahren: keine Dekubitus, keine Verwahrlosung, keine Burnouts, keine Mangelernährung und keine gefährliche Pflege, dann – das MUSS die einzige Lösung sein – hast Du nach dem Umziehen Deinen verdammten Wandschrank nicht verlassen oder – die einzige Alternative – irgendwer hat Dir jeden Morgen Pflegeschaum auf die Augen gesprüht und Du KONNTEST nichts mitbekommen. Wie kann man eigentlich so (dumm)dreist Wähler, Patienten und Kollegen anlügen?? Da draußen ist nichts, aber auch gar nichts, wie es sein sollte. Und wenn die Pflegebevollmächtigte das nicht gerafft hat, dann kann, abseits vom mangelnden Willen, nur maßlose Inkompetenz bezüglich der systematischen Mangelwirtschaft der Grund sein. Offenbar hat sie das eigene System nicht gerafft, nie ein Buch gelesen. Weshalb macht man solche Menschen zu Politikern?

Dabei war die SPD angetreten, um „gute Pflege“ (gute! nicht etwa sehr gute oder die Beste oder exzellente) zu erreichen. Und nun setzt sich Renate hin, beschwört ein paar Formeln aus den 1970ern und fertig ist die Laube? Nach der Pandemie und bei fast 10 Millionen unabgegoltenen Überstunden in der Altenpflege ist alles Friede, Freude, Eierkuchen?

Pflege „mit Herz und Hand“ möchte sie. Bloß nicht mit Hirn! Herziherzi- ich möchte .. was werfen. Ich habe mich gefragt, weshalb man, bzw. sie, so einen Unsinn erzählt. Und ich komme nur auf eine Lösung. Während die Ampel plus Lauterbach fröhlich die Kinderdurchseuchung laufen lässt und Corona zwar gefährlich aber eigentlich schnurzpiepegal ist, dreht sich Claudia offenbar in ihrem Bürostuhl singend um die eigene Achse und freut sich. Anders kann das nicht sein.

Ich weiß sogar, was sie singt. Es muss die Deutschlandhymne sein. Und dazu fällt mir nichts weiter ein, als Schwester Renate. Wie ich darauf komme? Wer als einziges nicht akademisiertes Pflegeland noch von „Herz und Hand“ spricht, der kann einzig und allein die Hymne summen. Nur da kommt „brüderlich mit Herz und Hand“ vor. Offenbar hat die Apothekenrundschau die Interviewanfrage mitten beim fröhlichen Liederreigen gestört. Und dann dachte sie sich: „Deutschland zahlt mir fürs Nichtstun so viel Schütte, das finde ich…..“

Vorzimmer von Frau Moll : „Frau Moll? Die Apothekenrundschau fragt, wie Sie die Pflege gestalten wollen?“

Frau Moll:“ …. mihit Herz uhund Haaaaaand!“ (blüüüüh im Glanze dieses GLühüüückes….)“

Vorzimmer: „Ich richte es aus!“

*dreht weiter Karussellrunden auf dem Bürostuhl*

Und dann war sie fröhlich und dachte sich: es war doch nicht alles schlecht.

Und vielleicht, das ist das schlimmste daran, ist das sogar weniger geträumt, als ich glaube.

Das ist sie also, die Arbeiterpartei, bei der sich die Arbeiter einfach nicht so haben sollen und wo früher alles viel besser war. Lehrjahre sind halt keine Herrenjahre.

Warum nur will niemand in der Pflege arbeiten? Ich komme nicht drauf!