Zur Tradition von Gehorsam, Gelöbnis, Ehre und Anstand

Die Berufsordnung der Pflegekammer RLP ist, wie ich bereits betont habe, aus meiner Sicht hochproblematisch, weil die Begriffe, auf denen sie undefiniert basiert, stark belastet sind – vor allem im pflegerischen Kontext.

Ein Gelöbnis abzulegen kommt aus den Urtiefen des Berufs. Ab dem 6. Jh. schworen Mönche und Nonnen – und das sind zumal die Wurzeln des Berufs – Gehorsam in der Benediktsregel. Später, beim Aufkommen des Hospitalwesens in den Kreuzzügen im 11. und 12. Jahrhundert, waren es ebensolche christlichen Werte, Tugenden, die geeignet schienen, Menschen für Gotteslohn zu verpflichten, für andere zu sorgen.

Absolut schwierige Tradition aber ist der Ehrbegriff und das Gelöbnis in Deutschland seit der Zeit des Nationalsozialismus. Es erschliesst sich mir nicht, weshalb der Satz:

„Liebe deutsche Schwester. Auch Du wirst immer mehr lernen müssen, daran zu denken, dass Du in erster Linie Frau Deines Volkes bist und dass Du diesem Volke Verantwortung schuldest für all Dein Tun und Handeln und vor allem für die Art der Ausrichtung Deines Handeln und Deines Denkens.“

fast schon unkritisch in „in allen Situationen werden ich die Ehre und das Ansehen des Berufsstandes wahren!“ aufgeht.

Gelöbnisse selbst gab es für Pflege auch unter den Nazis:

„Ich schwöre Adolf Hitler, meinem Führer, unverbrüchliche Treuer und Gehorsam. Ich verpflichte mich, an jedem Platz, an den ich gestellt werde [also in allen Situationen] meine Berufsaufgaben als nationalsozialistische Schwester treu und gewissenhaft im Dienste der Volksgemeinschaft zu erfüllen, so wahr mir Gott helfe!“

Genug gelobt, genug geschworen. Genug der Ehre.

Im Namen der Ehre mussten wir genug Gehorsam leisten. Man kann nur vermuten, weshalb diese Parolen wieder auftauchen, in einer BO, die offenbar geschrieben wurde von Menschen, die kein Interesse an Geschichte und Definitionen haben.

Ich jedenfalls gelobe nichts, bin nicht treu, lasse mich nicht im Namen einer undefinierten zweifelhaften Ehre verpflichten und Bin kein anständiges, braves Mädchen. Das würde nämlich einen Arbeitgeber entlasten, mir Bedingungen zu schaffen. Wir werden tagtäglich gedemütigt und entehrt. #respectnurses zeigt das deutlich auf. Schafft man es nicht, sich ehevoll zu fühlen, dann stimmt ab heute was mi meiner Ehre nicht? Nein, Leute, so einfach läuft das nicht.

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