Wenn Deine Station eine Autowerkstatt wäre.. ein Whataboutismusthriller FSK 18

„Ausgepowert!“ titelte heute „Die Welt“.. die Automobilbranche sei am Ende, der Staat müsse sofort eingreifen. Weil? Ja, weil die jetzt Elektroautos bauen und die althergebrachten Mechaniker sich damit gar nicht auskennen. Ja, so hab ich auch geguckt. Wie wäre das, wenn Deine Station eine Autowerkstatt wäre und die Situation so, wie in der Pflege? (Ich setze hier mal vorsichtshalber ein FSK 18!) Es läse sich so:

„Bernd, Egbert und Cemal müssen jeden Tag 35 Autos reparieren, sonst gibt es großen Ärger (klingt schon jetzt absurd, oder?). Die Kunden dürfen dabei zugucken. Die 3 fangen jeden Morgen um 6:00 an und wenn ein Kunde mal nicht zufrieden ist, kann Cemal schonmal eine geknallt kriegen. Cemal muss sich dann beim Kunden entschuldigen, weil ein ordentlicher KFZ-Mechaniker das nunmal so macht. Bernd haben sie den Urlaub für dieses Jahr gestrichen, weil die 3 zu langsam waren. Ja, es waren schwierige Reparaturen dabei und deshalb haben sie es nicht geschafft, Egbert wurde leider krank. Keine Zeit für Urlaub. Die drei arbeiten jetzt schon 12 Monate durch, freie Tage werden auch gestrichen. Ungefähr alle 3 Tage kommt der Chef zu ihnen und sagt ihnen, dass sie nach der Arbeit nicht nach Hause gehen dürfen. Egbert hat einmal gesagt, dass er aber nicht mehr könne und das Arbeitszeitgesetz das doch verbiete. Da hat der Chef gesagt, dass er heute keine Pause nehmen kann und ist einfach weggegangen. Die Kunden sind oft sehr gemein zu ihnen. Sie beschweren sich, wenn ein Wasserfleck auf der Felge ist, obwohl die 3 gerade den ganzen Motorblock rausgehoben und wieder eingesetzt haben. Der Zeitdruck ist enorm. Eigentlich könnten sie für solche Tätigkeiten einen Kran nutzen, aber das dauert zu lange, sagt der Chef, deshalb müssen sie ihn zu dritt rausheben. Das ist nicht gesund, aber es geht etwas schneller. Die Kunden sagen, die sitzen da nur in ihrer Werkstatt und saufen Bier. Manchmal sitzen sie da auch nach Arbeitsschluss, ganz apathisch. Bernd hat letztens vor Überarbeitung gezittert und geweint, aber das hat keinen interessiert. Er soll sich mal nicht so haben. Egbert hat eine Überlastungsanzeige geschrieben, aber der Chef hat sie in den Mülleimer geschmissen und gesagt, die 35 Autos seien ja repariert worden, er soll ihm nicht auf den Sack gehen. Oft kommen einfach Kunden mit Kinkerlitzchen, wie Kühlwasser auffüllen. Die pöbeln dann, was da so lange dauere und beschimpfen die drei dann als faule Schweine. Für die schwere Arbeit kriegen die 3 2500 Euro brutto. Das reicht nicht für eine Wohnung in der Stadt, in der sie leben, deshalb haben die 3 einen Nebenjob in einer Autowaschstraße. Sie wissen, dass die Arbeit viele von ihnen krank macht. Alle wissen das. Aber es geht doch um Autos, die sind doch wichtig.“

Wenn Dir das jetzt gewalttätig, irre, krank und völlig weird vorkommt, hast Du das verstanden, was wir in der Pflege „Arbeitsbedingungen“ nennen. Arbeitsbedingungen nennen sie das, was eigentlich Gewalt ist und sie sagen, sie können es nicht ändern. DAs ist nicht ganz richtig, denn Bedingungen sind ja etwas, was beide Vertragsseiten aushandeln. Aber Pflege kann da nichts aushandeln. Pflege kann diese Gewalt nicht einmal irgendwo melden. Es gibt keine Daten dazu. Deshalb haben Martina und ich jetzt dem BGM geschrieben, dass wir eine App wollen, mit der Ihr diese Gewaltformen melden könnt – anonym. Auch, damit Ihr lernt, einzuschätzen, was eigentlich Gewalt in der Institution ist. Bislang hat sich niemand dazu gemeldet.

Zu dem Thema habe ich mich in einem Video mit Ugur unterhalten… und mich interessiert sehr, was Ihr dazu sagt… eine App….

Einfach draufklicken, es wird schon gehen…

Ein Kommentar zu „Wenn Deine Station eine Autowerkstatt wäre.. ein Whataboutismusthriller FSK 18

  1. Sehr geehrter Herr Schettler,
    Landesgericht Niedersachsen AZ 14 FA 140/18: .. es komme darauf an, dass bei der Anzeige einer Gefährdungsanzeige durch den Arbeitnehmer ein subjektiver Maßstab gelte… “ Beide Begriffe sind Synonyme . Rechtliche Konsequenz dahingehend, dass der Gefährdung abgeholfen werden muss, haben sie nicht. Lediglich im Schadensfall, der sich IMMER und AUSSCHLIESSLICH auf den Patienten und nie auf den MA bezieht, retten sie ggf. den einzelnen MA vor dem Kadi. Für mich persönlich ist der dauerhafte Zustand der Überlastung konkrete Gefährdung (DAK Gesundheitsreport ab 2016) und insgesamt haben wir, deshalb will ich unbedingt die App, kein geeignetes Instrument, das diese Missstände öffentlich mit Daten belegen würde, denn der Ag ist nicht verpflichtet, diese Anzeigen, wie auch immer sie heißen, transparent zu machen.
    Herzlich Monja K. S.

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