#ichpflanzfürdich – wie Politik Pflege verhöhnt, symbolisch missbraucht und ihr nichtmal einen eigenen Blumentopf gönnt!

Es gab viel symbolisches Danke in den letzten Monaten. Danke, das sich allerdings nicht im Geldbeutel zeigte. Aber viel, viel Symbol. Es gab Dankschreiben mit einem Keks, Dankschreiben mit einer Maske (wie praktisch, die PSA zu verschenken, statt bereitzustellen), es gab Geklatsche. Aber was es vor allem gab, war, dass sich die Politik selbst in den Vordergrund rückte. Wer vorne im Bild ist, der hat ja Danke gesagt. Der muss ja gut sein. Nein, war er nicht. Er hat lediglich die Pflege für PR missbraucht. Während sich hinten die Kollegen abmühten, die Menschen am Leben zu halten, hielten vor der Kamera Politiker ihre schlecht verdeckten Nasen in die Kamera.

Es schämt sich auch niemand der verfehlten Symbolpolitik, schämt sich nicht der 70 Toten. Und es nimmt kein Ende. Erst heute gab es in Mainz die Aktion #ichpflanzfürdich. Dort, ja ist es nicht wunderbar, wurden Kräuter und Lavendel gepflanzt, die, haltet Euch fest „den Coronahelden gewidmet sein können!“

Pflege bekommt also weder Geld, noch einen eigenen Blumentopf. Aber viele, viele kamen.

Da hielten sie dann ihre Schildchen lächelnd in die Höhe. Es wurde nichtmal eine Maske getragen, um wenigstens so Respekt und Anstand zu zeigen. Während sich in den Kliniken die Leute die Hacken ablaufen, pflanzen Politiker lächelnd Blümchen für die fleißigen Bienchen (ein Schelm, wer die Symbolik nicht sieht) und nicht einmal diese Symbolik gehört den Pflegenden alleine. Da stellen sie sich wieder in den Vordergrund, auf dem Rücken der Geschlauchten werden lächerliche Bildchen gemacht. Ach egal doch, das Corona, wozu Maske tragen, wenn das doch am Ende das PR Bild versaut?

„Der gepflanzte Lavendel soll neben Bienen und anderen Insekten auch die Besucherinnen und Besucher des Gutenberg Health Hub erfreuen. Nichtmal die Blumentöpfe haben die Pflegenden für sich allein. Entleerter wird das alles somit nicht mehr.

Wer sich derweil über die vollends verfehlte Politik beschwert, dem gebietet die SPD den Mund zu halten. Man dürfe zwar kritisieren, aber der Ton müsse dabei stimmen. Pflege, das sind Frauen, die den Mund nicht aufmachen sollen. Auf ihrem Rücken profilieren sich lächelnde Politiker, auf deren Rücken liegt die Last des Gesundheitswesens einer ganzen Struktur. Aber niemanden interessiert es. Frau Esken ist der Meinung, Verkäuferinnen leisten auch was. Und ein Blumentöpfchen, das sei doch nice.

Blumentöpfe auf die Gräber der verstorbenen Kollegen zu pflanzen, das macht halt keine Publicity. Da müsste man sich dann das Scheitern eingestehen. Da wäre man dann in seinem ewig lächelnden Wolkenkuckusheim tatsächlich mit Tod und Sterben konfrontiert. Und soweit möchte man dann doch lieber nicht gehen, für seine Coronahelden.

Fazit.

Das ist die peinlichste Aktion ever, ever ever. Und obwohl ich sonst nicht Ai Wei Wei zitiere, tue ich es doch und zwar seine „study of Perspektive“ , den Mittelfinger des verwirrenden Protestes.

Lavendeltöpfchen pflanzen, für die, die es gerade noch schaffen, sich auf die Couch zu pflanzen? Heldengeschwafel statt Änderungen? GO FUCK YOURSELFES!

Merke: #ichpflanzfürdich kann jeder Pfosten. #ichbeatmedich nicht

Ich bin mit meinem Protest nicht alleine geblieben, grüße die Kollegen in Mainz und alle, die sich auf Social Media beteiligen und helfen!

Klei mi am mors mit Empathie

Wohl mit keinem anderen Satz kann man in Pflegeforen dermaßen viele likes generieren, wie mit der Behauptung, zur Pflege benötige man Empathie.

„Ich bin so empathisch, deshalb pflege ich!“. Diese Haltung spiegelt sich deutlich auch in den Stellenanzeigen wieder, in denen Häuser Personal suchen. Die Empathie darf niemals fehlen, so wie das Gütesiegel „torffrei“ auf Blumenerde. Da werden PDLs gesucht, die „durchsetzungsstark und empathisch “ sind, was nichts weiter bedeutet als : „Wasch uns den Pelz, aber mach uns nicht nass!“ Zu Pflegende beschweren sich, dass Pflegende einfach nicht empathisch seien. Aber was hat es eigentlich auf sich, mit diesem Wort, dieser Fähigkeit? Und weshalb bekommen Leute Schnappatmung, wenn wir sagen: „Klei mi am mors mit Empathie!“?

Es ist der vielleicht meistgefallene Satz in Zusammenhang mit einer Dienstleistung. „Wer mit Menschen arbeitet, der braucht Empathie“. Was ist eigentlich Empathie?

Empathie ist, laut Definition, die Fähigkeit und Bereitschaft die Motive, Gefühle, Persönlichkeitsmerkmale eines anderen zu erkennen, zu verstehen und nachzuempfinden (Lexikon der Psychologie 2017). Diese, so die landläufige Meinung, werden also benötigt, arbeitet man im Dienstleistungsbereich. Schauen wir uns das Ganze einmal genauer an .

Pflege ist die Dienstleistung (also eine Leistung gegen Geld), Defizite im Bereich der ABEDL zu kompensieren. Doch das Ganze erstreckt sich ja scheinbar nicht allein auf die Pflege, wenn angeblich ALLE Dienstleistungen gemeint sind.

  • Der Sommelier: bestelle ich eine Weinbegleitung, dann beruht der Rat des Sommeliers ganz allein auf seiner Kenntnis, welche Traube denn nun zu meinem Essen passt. Meine Motive, Gefühle und Persönlichkeitsmerkmale sind in dem Prozess keinesfalls von Bedeutung. Außer, ich teile ihm mit, dass ich Rotwein generell verabscheue. Das hat dann aber mit seiner Empathie nichts zu tun, sondern mit meiner Mitteilung. Niemand wird von einem Sommelier erwarten, meine Entscheidung, Rindfleisch ohne Rotwein zu präferieren, erwarten. Im Gegenteil. Meine Ablehnung des Gängigen und Erprobten dürfte ein dickes Augenrollen bei ihm hervorrufen. Da ist die Empathie des Gastes gefragt.
  • Hotelier: In Bettenburgen landen gerne bis zu 700 Gäste. Hoteliers, also definiert als die Menschen an der Rezeption, sind zumeist freundlich. Die Werbung verspricht zwar, dass man mir jeden Wunsch von den Augen ablesen wird, aber tatsächlich muss ich diese Wünsche artikulieren. Die Forderung, er müsse meine Motivationen, Gefühle oder Persönlichkeitsmerkmale nachempfinden, käme mir bei 700 Leuten absurd und verlogen vor. Im Gegenteil. Ich fände das creepy.

Die Liste ließe sich so lange fortführen, sie ginge über Zimmermädchen, Friseure, die Fußpflege bis hin zu Kosmetikern. Bei keiner dieser Dienstleistung ist Empathie eine Voraussetzung für das Gelingen der Dienstleistung.

Entsetzt kreischen mir Menschen dann entgegen, dass Empathie ja aber viel besser sei, als unhöfliche oder harsche Menschen. Der Absage an Empathie wird also automatisch entgegengestellt, das Gegenteil von Freundlichkeit oder Höflichkeit zu sein. Beide Begriffe haben aber null miteinander zu tun. Auch wenn mir die Motivationen und Gefühle des anderen völlig uneingänglich sind, kann ich durch die Bank weg höflich sein. Aber dieses „wer nicht empathisch ist, ist UNHÖFLICH und rüde!“ scheint des Pudels Kern zu berühren.

Googeln wir statt des schwammigen Begriffes Empathie einmal einfühlsam und bringen ihn zusammen mit dem, was Pflege ist, nämlich ein gefühlter Frauenberuf, dann wird das Ausmaß des Dilemmas etwas klarer.

Suchergebnisse auf die Googlesuche „einfühlsame Frau“.

  • warmherzige Frauen sind sexy
  • Männer bevorzugen einfühlsame Frauen
  • einfühlsame Frauen machen Männer scharf
  • wird eine Frau als intelligent wahrgenommen, ist sie abturnend. Warmherzigkeit kann da helfen, diesen scheinbaren Makel zu überwinden

Das scheint mir der Punkt zu sein, um den es bei diesem Anspruch, eine emphatische Pflege zu haben EIGENTLICH geht. Wer die Empathie eines anderen beansprucht, der hat in unserem Dienstleistungsbereich eine sexy, warme, scharfe Frau vor sich. Tata.. das hat ja nicht lange gedauert, bis die Verbindung von Pflege und Sexyness aufploppte.

Die Empathie zu fordern, marginalisiert also den Beruf als Ausdruck einer intelligenten, berufstätigen Frau und reduziert ihn auf ein Gefühl. Er sexualisiert ihn sogar. Er bedient damit uralte Stereotype aus dem 19. Jahrhundert, nachdem Pflege etwas für Frauen sein, weil die in ihrer Natur läge.

Das findet sich häufig in Konflikten wieder. Wer hat nicht schonmal bei Fehlverhalten eines Patienten gehört, dafür „müsse man jetzt Verständnis haben“ oder „das müsse man doch verstehen!“? Dahinter verbirgt sich wiederum nichts weiter, als das häufig hierarchisch höhergestellte Kollegen demjenigen, den die Situation betrifft, absprechen, ein Urteil und demzufolge eine Konsequenz fordern zu können. Denn “ wer das nicht versteht, der hat ja keine Empathie“. Das Absprechen einer Empathie ist das Totschlagargument. Empathie zu fordern kann also im Gegenzug als Freifahrtschein für jedwedes übergriffiges Verhalten herangezogen werden. „Hab Dich nicht so“

Das macht diesen Begriff gefährlich. Wer sich „nicht so haben“ soll, wer alles erdulden und erleiden soll, wer alles mitmachen und eine eigene Urteilsfähigkeit hintan stellen soll, der gilt: nichts. Und wie sehr Pflege nichts gilt, das haben wir gerade erlebt.

Wenn eine Dienstleistung also auf ein schwammiges Mitgefühl und Einfühlen reduziert wird, dann muss sich niemand mit dem Können und der Kompetenz auseinandersetzen. Man kann den Mitarbeiter marginalisieren und ihn emotional auskühlen. Das Ende vom Lied: Coolout, Burnout.

Ob sich die Leute , die Stellenanzeigen auf dieser Basis schreiben, bewusst sind, was sie da tun? Auf jeden Fall!

Es gibt tatsächlich nur ein einziges Pflegemodell, das Empathie bedingt. Das psychiatrische Modell. Allerdings kommt die Empathie da nicht allein des Wegs. Sie geht in Person Hand in Hand mit Kongruenz (also authentisch zu kommunizieren, was „Ei mein Lieber Guter, wie gehts uns denn heute?? *säusel) von vornherein ausschließt, und der Authentizität (sich so geben, wie man fühlt, weil das Gegenüber sich emotional ggf. zwar nicht mitteilen kann, aber niemand wird Menschen mit Demenz absprechen, hochgradig emotional intelligent zu sein und auf Stimmung zu reagieren).

Dieses Modell ist also das GEGENTEIL von selbstaufopfernder, sich nicht spürender Empathie, wie der AG und Laien sie fordern. Ach guck.

Wenn Laien (und auch Kollegen) etwas von Empathie erzählen, frage ich mich immer, wie das in ihrer Traumwelt in einem Hochleistungsbetrieb abgeht. Empathie in der Pflegebatterie zu suchen ist für mich genauso sinnvoll, wie zärtliche, streichelnde Tierliebe im Mastbetrieb zu suchen.

Absurd ist die Forderung nach Empathie auch aus anderer professioneller Sicht. Es wird dem Beruf niemand absprechen, gerade bei den Cooloutraten und Burnoutraten, dass die Arbeitsverdichtung durch die Decke geht. In einem solchen Betrieb ist das sich selbst Wahrnehmen nicht möglich. Sonst gäbe es ja oben genannte Krankheitsbilder nicht bei Pflegenden.

Empathie kann aber nur bringen, wessen Selbstwahrnehmung gesund und ungestört ist. Die Arbeitsbedingungen und Empathie schließen sich also gegenseitig aus. (Singer, 2013) Sie sind neurologisch und neuropsychologisch nicht möglich.

Arbeitgeber und Gesellschaft fordern also an dem Punkt entweder unter dem Deckmantel der Empathie „heiße, warmherzige mütterliche Frauen“, mit denen sie umspringen können, wie sie wollen, oder sie verarschen die Kompetenz Pflegender bewusst, wenn sie etwas fordern, was sie politisch und gesamtgesellschaftlich unmöglich gemacht haben.

Der Schuldkomplex einer mangelnden Empathie wird dabei vollends auf die Pflegenden übertragen, anstatt sich mit der absurden Forderung zu befassen. „Du bist NICHT emphatisch!“ „Ich bin SO empathisch!“

Pflegende, die heute von sich behaupten, empathsich zu sein, die haben also noch nicht ausgelastete Arbeitskapazitäten, was ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann. Oder sie lügen in Ermangelung eines Bewusstseins für den Begriff.

Arbeitgeber, Politik und Gesellschaft, die Empathie fordern, fordern an den Bedingungen vorbei.

Was sie dann offenbar nicht haben? Empathie.

Solange das so ist: Klei mi am mors mit Empathie und sucht euch einen neuen Kampfbegriff der Ausbeutung. Dieser ist enttarnt.

Nachrichten aus der Anderswelt

Wisst Ihr, was mich wirklich zum Verzweifeln bringt? Nursetwitter UK. Wenn ich mir deren Nachrichten, deren Presse und deren Fragen zum Beruf anschaue, die sie einfach mal eben so zwischendurch abhaken und bereden, dann wird mir klar: Das sind Nachrichten aus einer völlig anderen Welt.

Lange war ich bei Escardio und ACNAP, den internationalen Kardioschwestern. Das wurde schnell etwas peinlich, weil wir in D eben nicht laufend irgendwelche Studien selbst machen und Dinge zu präsentieren hatten.

Heute war wieder so ein Tag. Die Frage war ganz einfach. „What about broader physical and mental wellbeing health information for your patients? How can we ensure this information is high quality?“ (Was ist mit umfassenden Informationen zum körperlichen und geistigen Wohlbefinden Ihrer Patienten? Wie können wir sicherstellen, dass diese Infos von hoher Qualität sind?)

Was willst da antworten? Es klänge irgendwie so:

Ja, ganz generell wird in der Ausbildung gelehrt, dass Pflege auch in D eine beratende Funktion habe. Wie diese genau aussieht, darüber herrscht in der Praxis völlige Uneinigkeit. Das ist aber auch egal, solange wir den richtigen Haken abhaken und das richtige Kürzel an der richtigen Stelle machen. Noch immer berichten Kolleginnen, dass Patienten sie bestürzt anschauen, wenn sie sagen, dass sie jetzt den ZVK ziehen oder Fäden. Ob sie das denn könnten und auch dürften? Kompetenz von Pflegenden wird nicht wahrgenommen und wem man kaum Fädenziehen zutraut, der berät ganz sicher nicht und wird, wenn er es denn tut, auch nicht ernstgenommen. Lustige Anekdote dazu.

An einem sehr sehr außergewöhnlichen Tag hatte ich im Schockraum wenig zu tun und einen Patienten mit VWI. Stundenlang warteten wir auf den Troponintest I und II und ich hatte ewig Zeit, ihn beim Monitoren zu betreuen. Weil außerhalb alles rannte und sich stapelte, klärte ich ihn auf, was denn nun weiter passieren würde. Über seine Fragen für den anstehenden Katheter, über eine kommende Reha, über die Kabel und was sie bedeuteten. Er lachte. Später kam die ärztliche Kollegin und fragte: „Hat sie die Kollegin aufgeklärt? Was soll ich mit Ihnen auf dem Zettel noch durchgehen?“ Der Patient schaute sie verblüfft an. „Aber sie ist doch nur Schwester. Ich dachte, sie scherzt!“ Danke. 2 Stunden nicht ernstgenommen. Soviel also zu wie ich meine Infos sicherstelle.

Überhaupt scheint ein großes Problem zu sein, dass Patienten oft nicht wahrnehmen, was eigentlich der Beruf der Pflege ist. Selbst Pflegende nehmen das nicht wahr. Vor ein paar Tagen postete eine Ausbilderin (und soweit ich weiß, ist sie Referentin eines Berufsverbandes), dass sie doch tatsächlich einen FLECK auf ihrer Bettdecke habe!! (hier Kreischen einfügen). Was denn mit der Pflege los sei? Wir haben versucht, ihr sehr geduldig zu erklären, dass Pflegenotstand ist. Wir haben versucht, ihr zu erklären, dass die Theorie und die Praxis eine Lücke haben und zumindest ich verwunderte mich sehr, das ihr das in all den Jahren nicht aufgefallen war. Nein! Das Bett hat neu bezogen zu werden. Pflege, das ist in D immer noch waschen und irgendwas mit Bettenbeziehen. Aus irgendeinem kühnen Grunde kommen wir davon nicht weg.

Es besteht auch scheinbar gar kein Interesse seitens der Patienten, herauszufinden, was das eigentlich ist, diese Pflege. Pflege wird dermaßen einer Fremdzuschreibung unterzogen, dass die Leute nicht verstehen möchten, dass der Hauptgrund zum Verlassen des Berufs ist, dass man ihn nicht so ausüben kann, wie man ihn gelernt hat. Zum Teil ist das strukturell und systematisch bedingt, zum anderen Teil aber hat an diesem System der Faktor Patient als Bürger einen maximalen Anteil dran.

Solange der Patient Bürger ist, geht ihn die Sache ja nichts an. Ist der Bürger dann Patient, dann fühlt er sich nicht verantwortlich. Man muss ihm helfen. Das muss man doch! Und das muss man zu den Konditionen, die er wünscht. Gefälligst. Und das ohne Rücksicht auf die eigenen Gefühle, Ressourcen und Möglichkeiten. Er, der Patient, möchte mit der Sache, die ihn betrifft, nichts zu tun haben. Alles soll so bleiben, wie er es sich ausgemalt hat. Wenn auch der Paradigmenwechsel in der Pflege seit 1990 nicht bei ihm angekommen ist, aber das hat er begriffen: irgendwas mit wichtig.

Merkwürdig wütend wird man dann, wenn er gesagt bekommt, dass Pflege zu diesen Konditionen gar nicht arbeiten muss. Dass sie gehen kann. Und was er dann macht? Dann? Dann sei man halt schuld, dass er stirbt. Man sei ein Egoist. Ein Verachter. Ach, guck. Die Frage, ob es etwas gegeben hätte, was macht, dass das Personal bleibt, diese Frage stellt er sich nicht. Geht ihn ja nichts an.

Und das finde ICH verächtlich.

Im minimalsten Konsens soll man dann „zusammenarbeiten“, aber letztlich ist das etwas Unmögliches, weil damit oft einfach nur gemeint ist, man soll zu seinen Bedingungen das unter Pflege Verstehen, was er fremdzuschreibt.

Wie nur stelle ich also sicher, dass die Informationen über körperliche und physische Wohlbefindlichkeit sicher sind?

Währenddessen schachert Saskia Ecken um die Prämie. Die sei Angelegenheit des Arbeitgebers. Zuständig für Pflege ist: Niemand. Außer Pflege. Ganz allein. Aber so, wie irgendwer es 1800 festgelegt hat. Nicht wir. Denn dafür sind wir nicht zuständig.

Also, was antworte ich auf solche Fragen aus UK?

Tote Kollegen. Das neue tote Kapital, von dem niemand spricht im Year of the Nurses and #achhaltetdieKlappe

Ein Rant von Donna Rabiata

Spoiler: wegen der Schleifen haben wir den DBfK und die Kammer angeschrieben…. Still ruht der See der guten Idee… das alles ist nur noch peinlich.

Deutschland 2020 – postmoderne Gesellschaft in einem der reichsten Länder der Welt. Gut aufgestelltes Gesundheitssystem und alle Welt schaut auf Deutschland, voll des Lobes, ob der Maßnahmen zu #flattenthecurve. In Werbeclips mit rührseliger Musik werden wir von Prominenten dazu ermuntert, zu Hause zu bleiben und es geht das Gerücht, dass in manchen Gegenden immer noch gegen 19:00 ganz dolle geklatscht wird, um Pflegepersonal seine Dankbarkeit zu zeigen. 

Währenddessen entgeht den Heldenbeklatschern, der Politik und den selbsternannten Genies des Personalmanagements mit Klopapierüberschuss im Lager, das Jetzt, in der Krise, die ihren Höhepunkt noch nicht einmal erreicht hat und mitten im Yearofthenurseandmidwife min. 35 Menschen, die bei mangelnder Schutzausrüstung ihr Leben für diese Gesellschaft riskiert, ebenjenes verloren haben. COVID-19 fordert auch unter Pflegenden Opfer.

Während in anderen Ländern, z.B. Italien, wenigstens noch die Namen und ihre Bilder veröffentlicht werden (hoffentlich mit Zustimmung der Hinterbliebenen), gedenkt man der Toten hier: gar nicht. Es scheint nebensächlich, uninteressant um nicht zu sagen: inexistent. 

Diese Menschen sind mitten hineingegangen in die Infektionsherde und haben dort ihr Leben gelassen. Die Hinterbliebenen müssen damit zurechtkommen, dass ihre Herzensmenschen nicht „nur“ mal wieder ständig einspringen, oder Zusatz Dienste schieben. Sie werden NIE wiederkommen. Nie wieder. Weil sie andere retten wollten und es vermutlich auch haben. Um den Preis ihres eigenen Lebens, was der Gesellschaft, die ja ach so dankbar ist, komplett gleichgültig ist. Oder habe ich den Aufschrei nicht mitbekommen? 

Die Proteste zugunsten der vielen „Alltagshelden“, die gerade um die versprochene Prämie betrogen und aus Supermärkten verwiesen werden, wenn sie als solche erkennbar sind?

Die Petitionen an den Bundestag, in der eine Entschädigung/Rente für die Hinterbliebenen gefordert wird, während man Pflegekräften erklärt, sie hätten ja jetzt ihr krisensicheres Gehalt und bräuchten die Prämie gar nicht?

Die Demonstrationen gegen die gekippte max. Stundenzahl von 10Std/Tag während man sie dafür auslacht, dass sie sich diesen Beruf ausgesucht haben?

Es ist blanker Hohn, Pflegekräften Toilettenpapier als „Bonus“ und „Dankeschön“ mit großer Geste UND Pressebericht zu überreichen, während man an ihre verstorbenen Kolleg*innen keinen Gedanken verschwendet.

Es ist schon beinahe lustig, dass man der Gruppe der Pflegenden, der man in aller Selbstverständlichkeit ALLES – inklusive Empathie als Äquivalent zur Professionalität und der Möglichkeit des qualvollen Ablebens, mal eben so abfordert, selbst nicht einmal genügend Empathie entgegenbringt, um ihren Angehörigen, die in diesen Fällen zu Hinterbliebenen wurden, anständig zu kondolieren oder gar ehrliche Unterstützung angedeihen zu lassen. 

Wertschätzung Made in Germany…

Da ich auch wütend eine große Freundin von Lösungen bin: 

Eine schwarze Schlaufe, nach dem Vorbild der Schlaufen für Brustkrebs und/oder Aids, gekauft für einen kleinen Geldbetrag, der an die Hinterbliebenen geht – Steuer- und Abgabenfrei natürlich(!) sollte mindestens drin sein.

 MINDESTENS. 

1€ und eine schwarze Schlaufe zum Gedenken an unsere Kolleg*innen.

Gelebte Empathie. Werden wir das schaffen?

Disclaimer: Das viele den Text gar nicht, oder nur schwer verstehen werden, weil ich mehr als 17 Worte pro Satz verwendet habe, interessiert mich heute nicht die Bohne. Haben sich schließlich selbst ausgesucht, diesen Text zu lesen.

Forderung: Ein Pilotprojekt „Red Button für Pflegekräfte“ – selbst etwas ändern können, wenn man nicht mehr kann!

Corona, das zeigen schon die ersten Wochen, demaskiert wie nichts Anderes die maroden und schlecht überdeckten Lecks im Gesundheitssystem. Pflegekräfte, das ist nun klar, sind einerseits systemrelevant, andererseits aber nicht systemrelevant genug, um sie mit Isomaterial zu schützen. Nicht systemrelevant genug, um Angriffen aus der Bevölkerung zu entgehen. Howard Cartoon, der Leiter des ICN, sprach in diesem Zusammenhang deutlich aus, dass es sich dabei um abuse (Missbrauch) an Pflegekräften handele. Er sieht Zusammenhänge einerseits mit den Ländern, die generell nicht viel für den Schutz der Pflegenden tun, andererseits offenbaren sich für ihn auch Missstände in der Gesundheitserziehung. Nicht anders sei es für ihn zu erklären, weshalb Menschen in Supermärkten Pflegende angriffen (Nursing Times).

Nicht, dass Pflegende das nicht längst schon wüssten. Es sind einerseits strukturelle Probleme, andererseits gibt es seit Jahren immer wieder Übergriffe in Form von verbaler, körperlicher oder sexueller Gewalt. Dazu kommt noch das Problem, dass ein jedes Haus paradoxerweise mit seinen Pflegenden nahezu verfahren kann, wie es will.

Für alle anderen Interessengruppen gibt es bei Problemen Meldesysteme. Patienten können sich an Patientenfürsprecher und Organisationen wenden, es gibt eine Heimaufsicht, den MDK.

Doch, und das ist die Schere der Branche, obwohl es durch die Gesundheitsreporte bekannt ist, dass Pflegende durch ihren Job erkranken, werden sie nicht gut genug präventiv geschützt. Sie werden, auch das zeigt Corona, auf Verschleiß gefahren, bis sie aus dem Beruf ausbrechen. Die Sorgen und Nöte, die sie in ihrem Alltag haben, sind keine, die ein Betriebsrat ändern könnte oder gar ein Arbeitsgericht.

Niemand ist in einer Behörde zuständig, wenn es kein Material gibt. Niemand ist zuständig, wenn sich ein Krankenhaus oder ein Pflegedienst weigert, gegen verbale und körperliche Gewalt vorzugehen. Es besteht keine Sensibilisierung gegenüber sexualisierter Gewalt und, ob der einzelne zu oft zum Einspringen emotional genötigt wird, bleibt in der Grauzone des Wortes.

Auf den Werbeblättern der Kliniken und Pflegedienste wird eine liebliche, fürsorgliche Welt versprochen, die in der Realität gar nicht existiert. Die Enttäuschung darüber paart sich dann seitens des Patienten zumeist mit seiner veralteten Vorstellung von Pflege, die sich im Schwester Stephanie Bereich ansiedelt. Da hilft auch keine konzentrierte Aktion Pflege. Es müssen sowohl Aufklärung der Bevölkerung her, als auch die Möglichkeit, die Probleme einerseits sichtbar zu machen, andererseits auch konstruktiv anzugehen.

Dabei muss definitiv der Einzelne gefordert sein, transparent zu machen, was ihn belastet. Und es muss die Möglichkeit geschaffen werden, neben Betriebsräten und Gerichten, eine Stelle adressieren zu können, die zuständig ist. Was her muss ist: ein roter Knopf für die Pflege. Ein Alarmbutton, der Missstände aufzeigt und sie konstruktiv löst.

Wie könnte ein Pilotprojekt dazu aussehen?

Durch den Fachkräftemangel hat Pflege eine nie dagewesene Möglichkeit, selbst Druck auszuüben. Pflege stimmt einfach mit den Füßen ab. Dem Arbeitgeber ist daran gelegen, dass er möglichst viele Pflegende hat. Das erste, was zu realisieren ist, besteht aus der Implementierung zweier Schritte.

a) es muss eine virtuelle Plattform geben, auf der die einzelnen Einrichtungen (Kliniken, Rehas, Ambulante Pflegedienste, Altenheime, Tagespflegen, WGs etc.) gelistet sind. Jede Einrichtung, die Pflegende beschäftigt, ist zu erfassen.

b) es ist eine Meledeform dort zu implementieren, bei der die Einrichtung und die Beschwerde erfasst werden können. Sollte diese Meldung des Einzelnen anonym erfolgen sollen, dann muss die Möglichkeit dazu gegeben werden.

c) pro Bundesland sollte es je eine Stelle geben, die das Bundesland betreut. Die Meldungen sind zu erfassen und mit dem jeweiligen Haus ist in Kommunikation zu gehen und sind Lösungen zu suchen. Hierbei muss ganz klar das gesundheitliche Wohl der Pflegenden im Vordergrund stehen. Die Meldung ist von Pflegenden klar einsehbar. Sie wird (ähnlich der Verweildauern im PC) im Ampelverfahren angezeigt. Ein rotes Verfahren bedeutet, dass eine Meldung eingegangen ist und der Pflegende sich die Meldung ansehen kann. Das schafft Transparenz über die Arbeitsbedingungen vor Ort. Gelb bedeutet, dass die Situation in Bearbeitung ist und die Einrichtung sich kooperativ verhält. Grün bedeutet, dass das Problem gelöst ist. Nach einem halben Jahr wird die Situation evaluiert. Ist sie dauerhaft behoben, wird der Eintrag gelöscht.

Zusätzlich ist eine App zu implementieren, damit der/die Pflegende im Bedarfsfall schnell eine Meldung absetzen kann. Das entlastet emotional.

Die Meldungen sind seitens der Meldestelle (nennen wir sie Schiedsstelle?) zu erfassen und transparent zu machen.

Das würde bedeuten, dass Problemerkennung, das Angehen des Problems und das Mitlösen auch beim Einzelnen liegt und er aktiv an seinen Arbeitsbedingungen mitarbeiten kann.

Zu erwarten wäre, dass sich die Einrichtungen darauf einstellen, möglichst wenig Einträge zu haben, damit es ihnen möglich bleibt, weiterhin Personal rekrutieren zu können.

Zu erwarten wäre auch, dass eine Auswertung zeitnah zeigen würde, wo der Gesetzgeber generell nacharbeiten muss, um den Schutz der Pflegenden zu gewährleisten.

Auch wäre zu erwarten, dass gerade Angehörige und übergriffige Patienten alsbald begreifen, was sie dürfen und was nicht. Der Schiedsstelle sollte das Recht eingeräumt werden, im Bedarfsfall auch eine Anzeige zu erwägen. Das ist wichtig, weil sich Einrichtungen gerne sträuben, Gewalt zu ahnden. Der Mitarbeiter traut sich das Vorgehen meist auch nicht und so kommt es quasi nie zu einer juristischen Auseinandersetzung. Es muss deutlich werden, dass eine Einrichtung mit ihren Pflegenden kein Selbstbedienungsladen für Übergriffe ist. Und dass auch der Ausbeutung mal ein Ende gesetzt werden muss.

Dies gilt insbesondere für ambulante Pflegedienste. Weil der Kunde dort oft derjenige ist, der von vornherein meint, besondere Rechte an Pflegenden zu haben, ist hier ein Riegel vorzuschieben. Eine aufgeklärte Gesellschaft muss zurück an den Punkt geführt werden, wo sie im Rahmen der Gesundheitskompetenz die Kompetenzen der Profis anerkennt.

Das träge aber auch den Bereich des Bad Leaderships, in dem schlechte Vorgesetzte Druck auf Pflegende ausüben, somit emotionale Gewalt, zeitgleich aber aus dem Bewusstsein, in einer uralten toxischen Hierarchie den Hut aufzuhaben, meinen, sich alles herausnehmen zu können.

Da Politik und Gesellschaft ja nun erkannt haben, wie wichtig Pflege ist, sollte es dem Bund doch ein solches Projekt mit 16 Stellen wert sein.

Das kostet unterm Strich weit weniger, als die Folgekosten, wenn Häuser nicht mehr arbeitsfähig sind und Pflegende aus ihrem Beruf ausbrechen.

Mit freundlichen Grüßen

In Not? Hier drücken!

„Mein Team ist phantastisch!“ – Führen in Zeiten der Krise.

Sowohl die Teams der einzelnen Stationen, als auch die gesamten Organisationen befinden sich derzeit im Ausnahmezustand und wohl selten kam es auf das Führungsgeschick in den einzelnen Organisationseinheiten so sehr an, wie jetzt.

Nicht nur, dass andauernd neue Informationen über Hygiene, Besucher, das Virus selbst, politische Entscheidungen in den Stationsalltag fluten, wie kaum je zuvor. Gerade jetzt kommt es darauf an, dass sich diese Informationen schnellstmöglich durchdeklinieren. Und ganz ehrlich, wer kennt es nach Stationssitzungen nicht, dass Wochen später noch immer der Letzte keine Ahnung davon hat, was jetzt neu im Handling ist und es ein furchtbares Durcheinander gibt? Nur: Dafür ist jetzt keine Zeit.

Unfassbarerweise hat aber gerade die Wurzel des Berufs, das Klosterwesen, eine ganz erstaunliche Vielfalt an Krisenmanagement zu bieten, auf das Pflege flugs zurückgreifen kann. Nicht gleich die Nase rümpfen. Die Benediktsregel (dem hl. Benedikt von Nursia 5. Jh. nach Christus zugeschrieben) ist das Fundament zum Führen eines Klosters. Dort gründen unsere Wurzeln und diese Regel ist tatsächlich so aktuell, dass auch gestandene Manager von großen Konzernen immer noch „Benedikt für Manager“ kaufen können. Gucken wir uns das also einmal an.

Unterscheiden

Das alleroberste Gebot ist tatsächlich die Fähigkeit des Unterscheidens. Und gerade im ethisch-moralischen Kontext ist diese Fähigkeit jetzt wichtig. Denn nicht wenige Pflegende stürzt der neue Umgang mit Besuchsregeln in ein Dilemma, dem sie sich schwer entziehen können. Wir sind gewohnt, den Beruf aus humanistischen Gründen, möglichst individuell und am Patienten orientiert zu planen und auszuführen. Humanismus (eine seiner Wurzeln ist Kant) sagt, dass kein Leben ein anderes beschneiden darf. Auf dieser Basis handeln nicht wenige, die von sich selbst sagen, sie seien berufen. Alle Menschen haben dabei die gleichen Rechte.

Doch nun sind die Grundrechte eingeschränkt zum Wohle aller. Tatsächlich befinden wir uns nicht in Zeiten des Humanismus. Wir befinden uns quasi im pflegerischen Utilitarismus. Das Wort kommt von utility, Nützlichkeit, und bedeutet im philosophischen Ansatz, dass das Wohl des Einzelnen dem Gesamtwohl unterworfen ist. Deshalb sollen alle daheim bleiben, auf ihre Grundrechte teilweise verzichten. Zum Wohl der Gemeinschaft wird dabei die Pflege (und andere systemrelevanten Berufe) doppelt belastet. Zum Wohle der Gemeinschaft ist die Quarantäne für Pflege eingeschränkt, gelten Gesetze nicht mehr.

Das Dilemma besteht darin, dass nun professionelles Handeln sich nicht mehr grundsätzlich am Einzelnen ausrichtet. Und nicht ausrichten darf. Auch, wenn es das Wohl des Einzelnen wäre, jetzt inmitten seiner Familie zu sein, muss auch das Wohl der Schutzbefohlenen sich dem Wohl der Gemeinschaft unterwerfen. Das bedeutet, dass den Mitarbeitern klar sein muss, dass die Besuchsbeschränkungen keine fiese Sache sind, sondern das Wohl der gesamten Gesellschaft nur bestehen kann, wenn Pflegende safe sind. Es ist einfacher für Ihre Mitarbeiter, das durchzuhalten, wenn Sie das mit ihnen bereden. Es bedeutet, dass das Absetzen der Masken keine coole Höflichkeit sind, sondern ebenfalls gefährdet. Es bedeutet aber auch, dass Ihre Patienten und Bewohner die Pflegenden mitschützen müssen. Nicht nur zum Wohl aller, sondern auch zu ihrem eigenen Wohl.

Das Dilemma besteht darin, dass dies die humanen Maxime schützt!

(Benedikt sagt, es gibt einen guten und einen schlechten Eifer, der vom Abt zu beobachten sei. (72,1;2) und es ist ein schlechter Eifer, jetzt außerhalb der Regeln zu agieren)

Schwächen mit Geduld ertragen

Nicht alle Mitarbeiter verarbeiten die Krise auf die gleiche Art und Weise. Es wird Zeit, dass wir eine Basis finden, über Gefühl zu reden. Das Gefühl, dass derzeit viele eint, ist Angst und Unsicherheit. Auch die, die bereits in Bergamo im Zentrum arbeiteten, berichteten von unfassbarer Angst, ihre eigenen Familien infizieren zu können. Teilweise war die Angst so groß, dass sich Kollegen selbst töteten. Es wird also Zeit, auch Ängste für voll zu nehmen, die unter normalen Umständen eher nicht kommuniziert würden. Ein einfaches „wie geht es Euch heute?“ wirkt da wunder. Auch, einfach mal über Angst zu reden (Wie steht es um Eure Ängste? Wie kann ich sie Euch nehmen?) kann so ein Gespräch eröffnen. Die Plattform dafür kann Skype sein.

Achtung! Bereits jetzt finden Interaktionen statt. Es gibt Teams, die die Befürworter der logischen Maßnahmen dissen, weil „die Tatsache, dass wir unsere Pause nicht zusammen machen können, unser Team zerstört“. Wer da zur Logik aufruft, wird schnell zu dem, der das ganze Team hasst und quasi zerstören will. Seien Sie sensibel für solche Gruppendynamik. Es kann nicht sein, dass nun die, die die Schutzmaßnahmen konsequent betreiben, hintertrieben werden. Mobbing ist schon vor der Krise kultureller Bestandteil von Pflegeteams gewesen. War er vorher schon unerträglich für Menschen in einem sozialen Beruf, kann er jetzt zur tödlichen Gefahr werden, wenn die Maßnahmen gelockert oder hintertrieben werden. Es geht nichts (auch das wusste schon Benedikt) ohne den Beistand des anderen.

Es ist jetzt Zeit, sofort positive Rückmeldungen zu geben. Die soziale Distanz meint keinesfalls, dass man jetzt nicht mit guten persönlichen Worten auch mal zeigen könnte, dass Wertschätzung im Strudel des Chaos nicht unterginge. Was schließlich bleibt gerade sonst noch?

Für all das ist jetzt Zeit. Papier schreit Sie nicht an und kann warten. Aber an Ihrer Seite arbeiten Menschen, die in Presse und Vokabular oft genug unter „Häuser, Heime, Kliniken, Betten“ subsummiert wurden. Sie führen kein Haus! Sie führen Menschen.

P.S. den Managementmagazinen war dieser Beitrag zu progressiv. Das sagt viel über die Kultur des bad Leadership

Hier noch n Link zum philosophischen Dilemma.

https://www.nzz.ch/feuilleton/coronavirus-warum-der-humanismus-dem-utilitarismus-ueberlegen-ist-ld.1549687?mktcid=smsh&mktcval=OS%20Share%20Hub

+++ Eil+++ Arne Evers arbeitet! +++Eil+++

Seit gestern ist völlig unklar, was Satire darf. Aber das hat jetzt eine neue Stufe. Arne Evers hat einen neuen Artikel bei Bibliomed.

Wir sollen staunen.

Arne Evers möchte uns mitteilen, dass er jetzt arbeitet. Als PDL muss er jetzt ganz viel organisieren. Darüber gibt es einen seitenlangen Artikel.

In dem Artikel wird mit keinem Wort die übermenschliche Leistung seiner Mitarbeiter erwähnt. Aber der Arne, der muss jetzt ganz viel arbeiten.

Während sich allerorten PDL s die Hacken aborganisieren, Material organisieren, schafft es Arne noch, n flotten Artikel zu schreiben. Während alle unter Lebensgefahr schindern, möchte uns Arne mitteilen, wie fleißig er ist.

Leute, was darf Satire? Und weshalb?

Ich kenne viele PDl, die jetzt organisieren. Die schreiben keine Artikel, die loben ihre Mitarbeiter und stehen ihnen zur Seite.

Ich spare mir jetzt den ganzen Kram über Narziss, der sich selbstverliebt im See selbst anschaute. Ich verrate über die Mythologie aber soviel: er ist letztlich von Raubtieren in der Arena getötet worden.

Liebe Mitarbeiter von Arne. Ich bin sicher, Ihr macht einen tollen Job und ich möchte Euch dafür danken. Ich kann mir vorstellen, das ist eine schwere Zeit für Euch. Leute, das Peterprinzip ist stark in der Pflege. Verzweifelt nicht.

Ciao, Monja, die sich mal die Eckzähne feilen geht. *roarrr* *fremdschämend gesendet*

Ja, das ist jetzt in der Krise echt die Frage, die sich ALLE stellen: Was macht Arne?

Heil Spahn, DBfK, Pflegenetzwerk und Kammer! Die Todgeweihten grüßen Euch! – Verheldet, verhöhnt, verlassen.

Sueton übeliefert in seinen Kaiserviten die Geschichte von 19.000 Sträflingen. Im Jahr 52 n Chr. soll Kaiser Claudius einen Kanal haben bauen lassen. Um diesen einzuweihen, mussten die Sträflinge eine gestellte Seeschlacht schlagen. Als sie antraten, sollen sie den Kaiser gegrüßt haben: „Ave, Imperator! Morituri te salutant!“ ( Heil, Kaiser, die Todgeweihten grüßen Dich), worauf der Kaiser selbst geantwortet haben soll: „Aut non“ (Oder auch nicht), denn einige würden die Seeschlacht ja überleben. Wer von ihnen, war allerdings ziemlich offen.

Offen ist auch, wie es ohne Isomaterial für die Pflege weitergeht. Was aber feststeht ist, dass dem Problem durch Ignorieren der Pflegenden selbst begegnet wird. Pflege, das lässt ich derzeit am Wording sehr schön beobachten, wird nicht als Teil der Gesellschaft begriffen. Pflege, das sind andere. Andere, die nicht dazugehören, die abgegrenzt werden. Die, die kämpfen sollen, während man selber zuschaut. Schon auf den Balkonen, die jeden Abend um 21:00 klatschen, stehen nicht die, die unten auf den Straßen jetzt in die Kliniken und Heime einziehen. Und ohne Isomaterial wird diese Schlacht, die von Anfang an militärischer Sprache ausgesetzt war, immer mehr zu einem irren Gladiatorenkampf, bei dem andere nur zusehen. (Wenngleich die 19.000 auch keine Gladiatoren waren).

So spricht das Pflegenetzwerk-Deutschland auf seiner Homepage dann auch zur Begrüßung folgenden Satz: „Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Pflegekräfte“

Was darf Satire?

Nun muss man wissen, dass das nicht von ungefähr kommt, denn die Anredeformel in Briefen und Ansprachen folgt seit Jahrhunderten bestimmten Regeln, die aus der Briefstillehre der päpstlichen Kurie hervorgingen. Es hat seinen durchweg hierarchischen Grund, wie Anreden aufgebaut sind. Gerade, wer in der öffentlichen Kommunikation arbeitet, dem ist das vollends bewusst. Dafür gibt es Kommunikationswissenschaftler. Nichts ist Zufall oder Unfall. Alles ist Absicht. Während es also im Pflegenetzwerk die sehr geehrten Damen und Herren der klassischen Anrede gibt, also Menschen, die sehr geehrt sind, gibt es eine Ebene, die hierarchisch weiter unter diesen sehr geehrten Menschen steht: die lieben Pflegekräfte. Nicht nur, dass die als „lieb“ geframed werden, nein, dieses plumpe, vertrauliche lieb soll eine Nähe verdeutlichen und zeitgleich ausgrenzen. Historisch Interessierte kennen die Legende der Rede des Bundespräsidenten Heinrich Lübkes, der bei einem Staatsbesuch in Afrika eröffnet haben soll mit : „Sehr geehrte Damen und Herren, liebe N*“. Schon zu seiner Amtszeit galt das als vollends am Ziel vorbeigeschossene Kommunikatiossstrategie. Wenngleich das Zitat bis heute nicht belegt ist, zog es seinen Witz daraus, dass die Hauptakteure (hier die Bewohner Afrikas) eben nicht zu den sehr geehrten Damen und Herren gehörten und sich als rassistisch diskriminiert ansehen mussten. „Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Pflegekräfte“ ist in diesem Kontext nicht weit davon entfernt. Wenngleich sich hier Rassismus ausschliesst (und auch über Rassismus an Pflegekräften, die seit ewigen Zeiten bunt sind, müsste man eigentlich endlich reden), so gehören sie als Hauptakteure der Kampagne eindeutig nicht dazu.

Nicht anders verfährt der DBfK.

Im Berufsverband ist die/der einzelne Pflegekraft Mitglied. Sie zahlt dafür persönliche Mitgliedsbeiträge und möchte sich persönlich, zusammen mit ihrem Beruf, vertreten sehen. Doch diesen Auftrag hat der Berufsverband längst vergessen, so scheint es. Da spricht der Verband von Heimen, die jetzt Isomaterial bräuchten. Nein, die HEIME brauchen die nicht. Die HEIME sind Institutionen, meinetwegen auch Häuser. Die brauchen keinen Schutz. Die Mitarbeiter brauchen den. Statt nun auf die Situation der Pflegenden zu verweisen, betonte Carola Stenzel-Maubach „wie wichtig jetzt die Schutzausrüstung dort ist. Es geht um die Hochrisikogruppe – diese Patientinnen und Bewohnerinnen könnten bei nicht ausreichendem Schutz die Krankenhäuser fluten.“ NEIN! Die Schutzausrüstung ist wichtig, weil die MITAREITER geschützt werden müssen, um nicht im Endeffekt Bewohner anzustecken oder – genauso schlimm – Sich selbst anzustecken. Dann nämlich bräche die Pflege im Land komplett zusammen. Als zahlendes Mitglied erwartete ich mir schon, dass es um MEINE Interessen ginge. Den Häusern und Patienten selbst mangelt es nämlich nicht an Stimme und Lobby. Da gibt es Arbeitgeberverbände und Patientensprecher. Vom Schutz der Pflegenden im Berufsverband der Pflegenden kein Wort? Sorry, das ist weird.

Es zeigt aber auch, dass die Basis schon lange nicht mehr Teil des Gedankengeschehens der Verbände ist. Oder, und das wäre schlimmer, dass an dieser Position Menschen sitzen, die Kommunikation nicht beherrschen und selbst noch so von den Institutionen eingenommen sind, dass sie weder Fairmedia noch Außenkommunikation beherrschen. Dann allerdings, sind sie selbst ansatzweise nicht für diese Position geeignet. Denn dann, das muss man ja auch mal sagen, gelingt ihnen das Sichtbarmachen der eigenen Basis nicht, sondern alles wird abgestellt auf die Bedürfnisse der Patienten. Dass Pflegepersonal derzeit nur bekommt, wer Personalpflege betreibt, das hat sich dann in die Einrichtungen nicht durchdekliniert, weil es nicht erkannt wurde. Das wäre allerdings die peinlichste Botschaft ever, ever. Wie streng derzeit gerade das Wording wahrgenommen wird, zeigt der Fall des Geschäftsführers, der fand, wer in der Pflege Geld verdienen wolle, solle einen Chefarzt heiraten. Keine Konsequenzen hingegen sind hier zu befürchten. Die Mitglieder haben in weiten Teilen einfach resigniert. Wie auch anders, wenn sich der DBfK beteiligt an Aktionen, die „Schluss mit der Polemik!“ fordern, wenn Pflegende für sich Isomaterial und Gefahrenzulagen fordern, was Menschen wie Arne Evers nicht gern sehen. Wer DAS unterstützt, der hat das alles längst vergessen.

Dann wird selbst der Berufsverband nur zum interpassiven Zuschauer am Spektakel der kämpfenden Pflegenden, zum Kommentator des Spiels auf Leben und Tod von der Zuschauertribüne aus. „Sehen Sie hier in der ersten Reihe Schwester Erna, sehen Sie, wie Ihre Maske tropft. Vielleicht wird sie sterben. Aut non. Oder nicht!“

Kammer: Die neue Marie-Antoinette

Wer nun hofft, wenigstens die Kammern würden sich anders verhalten, der irrt. Gerade beim Thema Isomaterial ist das Wording unerträglich. Da kein Isomaterial vorhanden ist, solle man einfach die Empfehlungen des RKI nochmals gründlich lesen. Ah ja. Kein Wort davon, dass man sich vor die Mitglieder stelle, keine Rüge an die verfehlte Politik. Stattdessen Tipps, wie man Einmalmaterial nochmals verwenden könne. Wer damit die Last des nicht vorhandenen Materials aufgebrummt bekommt? Die Basis. Frei nach dem Motto: „Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen!“ (ein Satz, den Marie-Antoinette nie sagte), wird hier gesagt: „Wenn Sie kein Isomaterial haben, sollen sie doch die RKI Richtlinien lesen!“ Was darf Satire? Und das geschieht zu Zeiten, wo die Arbeitgeber längst nicht mehr anhand der Empfehlungen arbeiten, wo selbstgenähte Tücher zum Einsatz kommen. Was sollen die Leute mit den Richtlinien ohne Material machen?? Sich vors Gesicht halten beim Lesen und beten???

Ein Lied

Es geht aber noch ferner ab von Allem. So twitterte gestern Abend Jens Spahn, er bedanke sich mit einem Lied des Rias Kammerchors bei allen in medizinischen Berufen.

Verschon uns, Gott, mit Strafen

„Verschon uns, Gott, mit Strafen und lass uns ruhig schlafen. Und unsern Nachbarn auch“ Da sind Pflegende draußen, die verzweifelt nicht mehr wissen, wie sie sich, ihre Kinder und ihre Patienten schützen sollen. Die bereits gestraft wurden mit Aussetzung der PPUG, der Arbeitszeitgesetze, der Abschaffung der Arbeitsschutzrichtlinien, die sich kasernieren lassen müssen. Zwangsrekrutierungen drohen. Und Jens Spahn lässt singen. „Verschon uns Gott mit Strafen!“???? Wer hat da heimlich die Leitung des BMG übernommen? Ist Jan Böhmermann ins Ministerium gegangen und hat getwittert? Ein übler Scherz Claus von Wagners? Nein, das ist das BMG selbst, das kaltschnäuzig, ohne jede Rücksicht auf die, die den Kampf kämpfen schon das Requiem abspielen lassen, Aut non. Oder eben nicht. Das ist der persönliche Abgesang einer verfehlten Materialvorhaltung. Was bleibt? Ein Lied zum Trost. Es muss sehr ernst sein. Diesmal gab es nichtmal die obligatorische Schachtel Merci. Jemand schrieb wütend darunter: „Nie habe ich mir mehr gewünscht, dass es einen Gott gibt, der sich gut merkt, dass Sie Menschen, die ohne angemessene Schutzausrüstung an die Coronafront schicken, mit einem LIED bedenken!“ Eine Entschuldigung? Gab es nicht. Es gab ja schon ein Lied.

Im zwölfköpfigen Gremium zur „größten Bewährungsprobe der Geschichte in Deutschland“ sitzt Pflege nicht. Aber Armin Laschet. Und wie sicher der Isomaterial einsetzt, durften sich alle bei „Die Welt“ anschauen. Die Angelegenheit war so peinlich, dass der MP sich Zeit nahm, um nochmal ein Video mit der richtigen Handhabung zu drehen. Dafür ist Zeit? Und für ein Lied?

Kann es auch nicht

Die Todgeweihten grüßen Euch also. Danke. für nichts.

Show Us, You Care! Beweisen Sie, dass SIE Pflege schützen!

Mittlerweile wäre es eine lange Liste, aufzuzeigen, welche Einschneidenden alleine die letzten Tage für den Pflegeberuf nach sich gezogen haben. Eine Liste aller Nachteile, die sich hinter dem Begriff „Systemrelevanz“ verbergen.

Änderung des Arbeitszeitgesetzes, Aussetzen der Personaluntergrenzen, zu wenig Material, um sich selbst zu schützen, erweiterte Quarantäne (= positiv getestet weiterarbeiten), Kinder in Gruppen unterbringen müssen, Kurzarbeit, Urlaubssperre, weitere Überstunden. Kein Schutz gefährdeter Personen aus dem Beruf. Um nur die Heftigsten zu nennen. Und bei dieser Liste ist das geplante Gesetz zur Rekrutierung ehemaliger Pflegender noch nicht gelistet.

Das Paket der Maßnahmen wird allein auf dem Rücken der Profession getragen und bislang lässt sich nicht erkennen, dass auch nur ansatzweise über ein Entgegenkommen des Staates nachgedacht wird. Während andere Länder Unsummen zahlen, wenn sich eine Pflegende bereiterklärt, Covid-Patienten zu behandeln, redet Deutschland noch immer vom Händchenhalten. Jetzt sei nicht der Zeitpunkt, um über Geld zu reden. Wir sind uns einig, dass Sie uns danach die Rezession unter die Nase halten und empört sagen waren: „Wie können Sie jetzt mit Forderungen kommen, wo es dem Land so schlecht geht?“. Empirik formte diese Ansicht.

Aber tatsächlich ist das nicht alles, was für Pflegende getan werden kann. Im Gegenteil. Es kann nicht sein, dass alleine Pflegende jetzt Sorge tragen – im wahrsten Sinne des Wortes – müssen. Auch die Gesellschaft, also die Politik, muss nun Zeichen setzen, dass sie bereit ist, den unfassbaren Forderungen an den Berufsstand Sorge zu tragen und – im wahrsten Sinne – für ihn zu sorgen. Show us, you care!

Nachfolgend also einige Impulse, wie das Paket zu Lasten der Profession wieder in eine etwas balancierter Position kommen kann.

Mental Health: Jetzt schon vorbeugen. Better Safe than Sorry!

Bereits vor Corona war Pflege psychischen Erkrankungen und der Gefahr, an ihnen zu erkranken, ausgesetzt. Das, was in den kommenden Wochen und Monaten erwartet wird, wird seine Folgen haben. Nicht allein die Angst um das eigene Leben beim Arbeiten unter mangelhafter Schutzausrüstung, sondern insbesondere die Sorge, die eigenen Kinder, die Familie anstecken zu können, nimmt Pflegende unfassbar mit. Dazu kommen noch die Belastung durch die prolongierten Schichten von 8 Stunden auf 12 Stunden und die verkürzten Ruhezeiten, sowie die jetzt schon (oder immer noch) stattfindenden Auseinandersetzungen mit aggressiven Angehörigen, die sich den Regeln widersetzen. All das geschieht unter höchstem ethisch-moralischen Druck. All das bedeutet Stress. Stress und Erleben, das sich nachteilig auswirkt. Es besteht ganz klar die Gefahr, dass Pflegende nicht allein auskühlen , ausbrennen, sondern auch weiter Depressionen entwickeln und schlimmstenfalls ein posttraumatisches Stresssysndrom entwickeln.

Wie in jedem Katastropheneinsatz kann Pflege nun erwarten, dass in ihren Kliniken Seelsorgeteams zum Einsatz kommen, die die mentale Gesundheit der Einzelnen im Auge behalten. Es muss Ansprechsstellen, notfalls Hotline geben, an die Pflegende sich wenden können. Das unfassbare Erleben kann nicht einfach daheim verarbeitet werden. Hier muss von vornherein Gesundheitsprävention allein der Pflegenden und für Pflegende im Vordergrund stehen, wenn diese nach und innerhalb der Krise nicht erkranken sollen. Es nutzt niemandem, wenn jetzt knapp 1 Million Pflegende durchhalten und danach zusammenklappen. Schützen Sie sie, anstatt später „tut uns leid zu sagen“.

Zu dieser Maßnahme gehört es an sich selbstredend, dass für eine gewisse Zeit danach die zumeist knappen Therapieangebote vorzugsweise an diejenigen vergeben werden, die nun in der Krise an vorderster Front stehen.

Berufsunfähigkeit

Es muss sichergestellt werden, dass diejenigen, die heute unter diesen Bedingungen die Bevölkerung versorgen, im Falle einer dadurch sich manifestierenden Berufsunfähigkeit nicht noch zusätzlich monetär bestraft werden. Garantieren Sie, dass in einem solchen Fall nicht allein die viel zu knapp bemessene BU greifen wird. Es kann und darf nicht im Raum stehen, nach Beendigung dieser Einsätze als Covid-Hungerveteran das weitere Leben zu führen. Garantieren Sie in solchen Fällen den letzten Mindestnettolohn.

Überstunden

Schon jetzt sind die Meisten der Pflege mit horrenden Überstunden überhaupt in die Krise gestartet. Überstunden, die nie ausgeglichen werden konnten, weil dafür das Personal fehlte. Und zum Bezahlen das Geld. Machen Sie sich Gedanken, wie die weiteren Plusstunden in Freizeit ausgeglichen werden können. Es steht zu befürchten, dass bei weiteren Ausfällen von Personal nach Wiederaufnahme des Regelklinikbetriebs das alte Argument „jetzt gerade nicht!“ dazu dienen wird, die Plusstunden bis ins Unendliche zu ziehen. Legen Sie einen Plan vor, die Fallzahlen soweit zu senken, dass der Abbau von jetzt erworbenen Plusstunden garantiert wird. Ob die Pflege dann jeweils „Geld oder Zeit“ wählen wird, sollte dabei dem einzelnen Mitarbeiter überlassen werden.

Isomaterial

Die weitere Ausdünnung der RKI Empfehlungen darf nicht hingenommen werden. Schon jetzt müssen Mitarbeiter ohne Material arbeiten. Nehmen Sie solche Arbeitgeber in die Pflicht. Es kann nicht Sorge des einzelnen Mitarbeiters sein, wie er an Schutzausrüstungen kommt. Die Pflegedienste sind Wirtschaftsbetriebe. Sie haben sich um das Material zu kümmern. Das Einfordern, ohne Schutzausrüstung Patienten betreuen zu müssen, darf nicht geschehen. Die Konsequenzen müssen klar auf der Hand liegen. Und zwar nicht die Konsequenzen für den Arbeitnehmer. Die Gesellschaft und die Dienste möchten etwas vom Einzelnen. Die Forderung der Krankenhausgesellschaften, dann eben ohne Material arbeiten gehen zu müssen, gefährden zwei Leben: das der Patienten und das der Mitarbeiter. Das ist gegen das Recht auf Unversehrtheit! Das ist gegen die Verfassung. Das ist vorsätzliche Körperverletzung.

Gefahrenzulagen

Die derzeitige Infektionszulage von knapp 50 Euro brutto ist ein Witz unter diesen Bedingungen, denn die Bestimmungen gingen davon aus, dass PSA bereitgestellt sei und es sich lediglich um eine erschwerte Versorgung handele. Das ist hier aber nicht der Fall. Roundabout zwischen 25-30 Euro mehr für das Gefährden des eigenen Lebens ist definitiv zu wenig.

Mitwirkungspflicht Angehörige/Patienten

Krise ist nicht nur Angelegenheit der medizinischen Berufe. Schon unter Metoo wurde klar, dass Pflegenden kaum strafrechtlich relevanter Schutz zugebilligt wurde. Die Berichte darüber, dass Gewalt an Pflegenden fast zur Regel geworden ist, Rettungsassistenten und Pflege bedroht, bespuckt und geschlagen wird, sind gemeinhin bekannt. Auch unter Corona hat das nicht zu einer vermehrten Einsicht bei allen geführt. Noch immer stürmen Besucher mit Gewalt Stationen, versammeln sich Gruppen um Assistenten und gefährden die Behandelnden. Hier muss eine eindeutige strafrechtliche Regelung her, die die Behandeln endlich schützt. Es kann nicht sein, dass Patienten sich noch mit Angehörigen in Parks getroffen haben und so das Leben Pflegender gefährden. So, wie jetzt nicht die Zeit sei, über Geld zu reden, MUSS jetzt die Zeit sein, um über solche Übergriffe zu reden. Dazu gehört auch, den Pflegenden unter den gegebenen Umständen die Zeit zur Patientenbehandlung zu lassen. Es kann nicht sein, dass nun stundenlang an Pforten und an Telefonen Sturm geklingelt wird und die Häuser belagert.

Sorgen Sie für Sprechstunden der Pflegenden und für deren zeitliche Ressourcen, mit Angehörigen zu sprechen. Aber ahnden Sie Übergriffe auf Stationen und im Rettungsdienst.

Solidarität ist keine Einbahnstraße!

Fairmedia für Pflegende! Weshalb die Medien eine besondere Verantwortung in der Krise haben. „Ich bin nicht Euer fehlendes Bett!“

In den letzten Jahren reden wir zurecht immer wieder in allen Bereichen des Lebens über das wording, also die Frage, wie man etwas sagt, wie man etwas darstellt und zeigt. Diese Frage stellt man sich zurecht, denn Sprache schafft Wirklichkeit.

Es wird Zeit, dass nun die Medien diese Verantwortung auch für den Pflegeberuf mittragen. Einen Beruf, den noch immer 83%-86% Frauen ausführen und begreifen, dass sie mit ihrer Sprache einen erhebliche Mitschuld am Bild von Pflegenden haben. Daran, dass diese Arbeit nicht gesehen, missverstanden wird, niedliche Zuschreibungen das Bild prägen, statt die Realität.

In allen TV-Beiträgen, in fast allen Zeitungsartikeln ist das, was die Redakteure vornehmlich beschäftigt: „Haben wir genug Betten?“. Ich versichere Ihnen, wir haben eine extrem hohe Anzahl an Betten. Sie stehen in Bettenzentralen. Aber Sie meinen gar keine Betten, sondern die Frage, die Sie eigentlich stellen wollen: Haben wir genug Pflegepersonal, das Intensivpatienten in einer hochkomplexen Apparatemedizin sicher und kompetent betreuen kann? Das ist eine völlig andere Liga als die Frage nach dem Bett. Ich bin nicht Euer fehlendes Bett. Ich bin kein Ding, keine Masse, kein Gerät. Nicht tot.

Intensivkrankenpflege ist hochkomplex. Sie lernt sich nicht einfach so, das Beatmen und das Lesen der Monitore und Parameter ist schwer. Eine Kommunikation auf Leben und Tod über eine Matrix. Den Monitor. Eine Sprache, die nur sehr, sehr wenige beherrschen. Doch, und das muss sich die Gesellschaft eingestehen, sie wissen eigentlich gar nichts von den Aufgaben, die Intensivpflege dort leistet. Im Hinterkopf geistert Waschen, dabeistehen, lächeln, dem Arzt helfen in den Köpfen herum. Dass Pflege insbesonders auf den sensiblen Bereichen eigenständige, hochverantwortungsvolle Aufgaben macht, wird bei der Frage nach dem Bett völlig negiert.

Das diskriminiert, das grenzt aus, das macht unsichtbar. Das ist nicht förderlich für das Bild, das die Gesellschaft von Pflege hat. Und an dem sind Medien beteiligt.

„Sie sind gar nicht der Arzt?“

Wie schwer die Einordnung der Personen auf Intensivstationen und Funktionsbereichen ist, hat jede Pflegekraft dort schon erlebt, wenn sie Medikamente gibt, reanimiert, Dialysen fährt. Im Bewusstsein der Gesellschaft sind das ärztliche Aufgaben. Doch dem ist nicht so. Jeder wurde dort bereits einmal gefragt. „Ach sie sind gar nicht der Arzt?“. Das ist beschämend. Das entwertet.

Pflege wird geframed als aufopferungsvoller Empathiejob. Das ist er nicht. Niemand dieser Tage möchte sich und seine Familie als Alltagsheld opfern. Die Pflegenden in den Kliniken sind bereit, phantastische Arbeit weit über den Grenzen der Möglichkeiten zu leisten und die Bevölkerung zu schützen. Das machen sie nicht mit Händchenhalten und Liebe. Das machen sie mit Wissen.

Peinlich, wenn dann Medien zulassen dass da Politiker von der tröstenden, händchenhaltenden Schwester reden. Ein verantwortungsvolles Blatt dieser Tage durfte das gar nicht drucken, denn die Selbstoffenbarung ist zweierlei: Weder der Politiker noch die Presse haben Ahnung, wovon sie da reden. Das ist umso peinlicher, wenn alle nach etwas rufen (Pflegende), von dem sie nichts verstehen. Wie unsichtbar muss diese Arbeit eigentlich sein?

Berufsbezeichnungen

Kommt die Frage nach Pflege auf, dann wird gerne mit Zahlen hantiert. Dann werden Pflegende gezählt. Dass es aber verschiedene Kompetenzen und Zuständigkeiten gibt, interessiert an diesem Punkt niemanden. Altenpflege ist keine Intensivpflege. Intensivpflege ist keine Altenpflege. Betreuung ist keine Assistenz.

Ich selbst war in den letzten Tagen in der Presse: Pflegerin, Krankenpflegerin. Nicht ein Blatt hat sich für die Berufsbezeichnungen interessiert. Als hätte ich nicht Examen und Zusatzscheine gemacht, als sei mein Studium inexistent! Was muss ich noch studieren, leisten und bewegen, welche Bücher muss ich noch schreiben, bevor ich mehr bin, als everybodies popowischendes Liebchen, das sich mit Vornamen ungefragt anreden lassen muss? „Die Monja hat Tipps“ – gehts noch?

Es gibt bis 2004 Krankenschwestern

Es gibt Kinderkrankenschwestern, Altenpfleger, Fachkrankenschwester, Gesundheits- und Krankenpflger*innen, Krankenpfleger, Altenpfleger, Fachpflegekräfte, Bachelor of Science, Master of Science in Nursing und 50 weitere Studiengänge.

Die haben wir bestanden. ICH WILL GEFÄLLIGST SO GENANNT WERDEN! Das steht mir zu!

Es ist das Mindeste, hier nicht wieder Unsichtbarkeit einer Leistung, eines Wissens unter dem „Pflegerin“ zu subsumieren, das alles sein kann. Aber nichts mit Wissen. Das ist schlicht nicht fair.
Weshalb kann man jede Gruppe gezielt ansprechen, aber Pflege ist davon ausgenommen?

Ich möchte auch nicht mit meinem Vornamen, wie geschehen, in irgendwelchen Blättern erscheinen. Mein Vorname ist das Privileg meiner Familie und Freunde, mich so zu nennen. Die anderen haben nicht mit mir im Sandkasten gespielt. Der Respekt, ein einfacher Respekt, gebiert doch, Menschen bei Ihrem Nachnamen zu nennen. Seit 20 Jahren.

Es gibt keine Schwestern !

Es gibt keine Schwestern. Das ist kein Titel. Schwester kommt aus dem klösterlichen Bezug. Diese Zeiten der Klostermedizin sind lange vorbei. Aber noch immer, weil das Wording unverändert ist, ist es die Basis des Ansehens als entweder verruchtes sexualisiertes Wesen, als Ersatzmutter, auf die jeder etwas projizieren kann. Meine Patienten sind nicht meine Familie. Ich sorge nicht für sie. Ich pflege sie nach wissenschaftlichen Kriterien.

Pflege ist krank. Das belegen die Gesundheitsreporte. Pflege ist emotional ausgekühlt und ausgebrannt. Weshalb also sollte ich mir nun über den Aufbau eines gesellschaftlichen Bildes dem niemand entsprechen möchte, ein Label aufdrücken lassen, das mit dem professionellen Beruf nichts zu tun hat? Das Aufgeben der professionellen Distanz war für alle der erste Schritt in die eigene Erkrankung. Das Labeln als emotionales schwarzes Loch der Bedürfnisse hat seinen Teil dazu beigetragen. Und spätestens da sollte sich Fairmedia und Pflege begegnen. Denn das sind psychische Erkrankungen, die sie verniedlichen, wenn Sie weiterhin das Label der „macht irgendwas mit Händchenhalten“ Pflege bemühen. Das kann nicht richtig sein.

Fairmedia für Pflege also.

Wahre Berufsbezeichnung.

Wahre Berufskompetenzen.

Wahre Selbstbilder.

Auch das gehört dazu.