Endlich Live aus dem Klinikum senden.

Heute überraschte uns @hospitalporter auf Twitter mit der Nachricht, dass seine Klinik überlege, Lifestreams aus den Häusern zu senden. Da so viele auf Dokus aus den Krankenhäusern abgehen, und meinen, ich nörgele nur, habe ich mich entschlossen, das super zu finden und das Projekt in jedem Fall zu unterstützen.

Endlich gäbe es Aufmerksamkeit nicht nur für Stars. Jeder wird Star sein. Gut, ob er will oder nicht, aber man muss das große Ganze sehen. Immerhin verlangt die Pflege ein Einstiegsgehalt von 4000 Euro, das will ja irgendwie finanziert werden. Und natürlich wollen alle, dass die Gesellschaft endlich weiß, wie es wirklich ist.

Deshalb lasse ich mich nicht mit ein paar Ideen lumpen.

Zuerst einmal denke ich, man muss das Projekt ja nicht auf Zugucken beschränken. Weshalb eigentlich kann man nicht über Jochen Schweizer Erlebnisgutscheine Herzoperationen verticken? Da kann dann jeder für einen kleinen Obolus mal die Haken halten, dabei sein. Das geht nicht nur ans Herz, das geht ins Herz. Und um Herz gehts doch. Als Gadget kann man sich dann ein OP-Oberteil mitnehmen. Bioklappe! Ich war dabei! Und danach gibt es Schweine-Herzragout in der Klinikkantine als den besonderen Kick.

Jahrelang hat die Pornoindustrie den echten Kliniken Gemeinerweise den Rang abgelaufen. Das echte Geld wird doch eh auf YouTube gemacht. Also los, legt Euch ins Zeug. Wenn wir massenhaft Videos hochladen, wo man gaaaaaanz junge Schwestern gaaaaaaaanz langsam gaaaaaaanz alte Männer waschen sieht, begründen wir einen neuen Trend. Das gibt Likes ohne Ende. Und auf Likes kommt es doch an. Dabei schön alle 2 Minuten die eigenen Lippen lecken, das geht ab „vong Like her“ wie Schmitts Katze.

Stuhlgangfetische, Urinfetische. All die Jahre taten wir es falsch! Statt Privatsphäre zu schützen, muss man heute ein bisschen exhibitionistisch sein, wenn man was erreichen will. Also hoch die Becken, in die Kamera. Ich sehe uns ein ganzes Imperium aufbauen, ja quasi die monetäre Weltherrschaft durch Pflegetube-Videos erreichen.

Natürlich muss ein Fans Only Zugang möglich sein. Für, sagen wir, 19,99 Euro kann man dafür den erschöpften Kollegen beim Heulen auf dem Klo zugucken. Die dürfen sich nur nicht so anstellen und müssen sich bis zur Sendezeit einfach zusammenreißen. Von dem Geld kann man wenigstens eine Leihkraft anstellen, ohne dass es ins Geld geht, dann war das Mimimimi wenigstens zu irgendwas gut. Traumapornkanal, YEAH!

UMKLEIDEVIDEOS! Das muss nunmal sein. Damit kann man schon eine Zielgruppe ab 14 Jahren erreichen.

Für einen Fans Only XXL Zugang könnte aus dem Lifestream dann ein LIfescream werden. Voll gut! Abgehackte Beine, abgehackte Finger. Man weiß doch, wann die Discounter wieder die Kreissägen anbieten. Natürlich darf der Zugang nur ab 18 sein. Wir sagen einfach, das dient der Aufklärung über die Gefährlichkeit von Haushaltsgeräten. ZNA-Porn in der Endstufe.

Aber nicht alle haben das große Geld.

Ich schlage vor: REA zugucken, 1 Euro

Klogang 2,50

Endlich kann Pflege dazu beitragen, sich selbst zu finanzieren.

Dass mir hier keiner nölt. Ihr wart doch für Aufmerksamkeit um jeden Preis, ich war für Aufmerksamkeit durch Profis. Das ist der Kompromiss. Jetzt kann jeder ein Star werden, ob er will, oder nicht.

Jeder Patient. Das verringert auch Besuchszeiten, denn jetzt kann jeder Omi-Nightwatch machen. Auch da sind die Möglichkeiten unendlich. Jetzt kann jeder mal ne Sitzwache machen. Da machen wir gleich telenursing draus. Dann kann die echte Nurse arbeiten und die Zuschauer übernehmen die virtuellen Zimmerrunden. Im Minutentakt. Was soll da schiefgehen?

Das wird der nächste Hype auf der Exklusivstation. Die nämlich lassen wir nicht überwache….. äh… streamen. Dann will da jeder hin. Das wird wie Squidgame. Nur mit Kliniken. Und es kann jeden treffen.

„Geh zurück ans Bett, Miss Piggy!“ Der Mann den Fame, die Frau den Hate. Der kleine Unterschied.

Zwei sehr bekannte Pflegeaktivisten, ein Mann und eine Frau, unterstützen unabhängig voneinander eine pflegepolitische Performance. Pflegende stellen sich ans Kreuz und mahnen an, dass es mit der Nächstenliebe gegenüber Pflegenden nicht weit her sei. Passion Pflege heißt die Gruppe, die Protest zu Performanz umgearbeitet hat und sich in regelmäßigen Abständen an prominenten Orten der Hauptstadt sehen lässt.

Wenige Stunden später bricht die virtuelle Hölle über die Unterstützung herein. Hatespeech, übelste Beleidigungen, Drohungen, Drohungen auch gegen die Kinder. Die Frau muss den Post löschen, so übel wütet der Shitstorm in ihrem Postfach und unter ihrem Posting. Sogar Kollegen beteiligen sich hämisch.

Der Mann spürt davon nichts, außer wundervollsten Dank, dass er sich für die Pflege einsetzt. Er kommt davon. Was für ein Held.

Ein Mann und eine Frau setzen sich pflegepolitisch ein, sprechen öffentlich über die Missstände. Die Frau wird gekündigt. Monatelang bekommt sie keinen Job, denn sie hat ein Spiegelinterview gegeben. Es juckt genau keinen.

Der Mann wird als Zeitarbeiter von seiner Klinik nicht mehr gebucht. Das ist nicht weiter schlimm, denn er kann in anderen Kliniken arbeiten. Die Presse hakt aus ob der Ungerechtigkeit, obwohl der Mann nicht existentiell bedroht ist. Im Internet wird der Mann bedauert, dem so eine Ungerechtigkeit widerfährt. Katrin Göring-Eckhart von Die Grünen solidarisiert sich mit ihm. Die gekündigte Frau in Existenznot hat nie von wem gehört.

Die Frau, die das vorsichtig richtigstellt, dass eine Stornierung mitnichten eine Kündigung ist, erhält einen Shitstorm vom Kumpel des gar nicht so armen Opfers. Sie sei männerfeindlich, eine alte knurrige Frau, und sie solle den Mund halten, wenn sie was ändern will und zurück ans Bett zum Arbeiten gehen. Ricardo Lange „gefällt das „. Als sie den Mund nicht hält, wird ihr unterstellt, psychisch krank zu sein. Bipolar. Logisch, wer als Frau nicht hört, mit dem stimmt was nicht.

Schauspieler entern eine Klinik, um dort ein bisschen zu pflegen. Eine Frau findet, das kann man nicht bringen. Eine Klinik ist kein Zoo sagt sie. Zwei Tage später geht sie in eine Talkshow, der Mann setzt einen Tweet mit einem nun ähnlichen Wortlaut ab. Der Mann bekommt nicht nur die Schlagzeile, sondern auch die Zustimmung. DAS GEHT GAR NICHT mit den Schauspielern. Die Frau? Sieht aus wie Miss Piggy und soll den Mund halten. Das findet auch einer der Schauspieler aus dem Format. Sie soll den Mund halten. Als sie das nicht akzeptiert, emotionalisiert er sie. Voller Hass sei sie. So ist das, wenn Rapunzel sich selber retten will. Dem Ritter gefällt das nicht.

Interessant an den Geschichten ist, wie die Verteilung des öffentlichen Raums vor sich geht und wer für Pflege sprechen darf, wenn man das mal aus einer Genderperspektive betrachtet. Die Frau, die den Shitstorm für Passion Pflege bekam, ist jung und schön. „Die würde ich gerne mal bumsen“ schreiben User unter ihr Foto. Und fragen sie, warum sie sich überhaupt für Pflege einsetzt, warum sie das wagt. Sie hat doch einen Arzt geheiratet. Da darf man nicht mehr fordern. Als sei 2021 das Glück, einen Mediziner abbekommen zu haben und berufspolitische Ungerechtigkeit damit entschädigt. Die man eben nur bekommt, wenn man jung und schön und so ist.

Die zweite Frau ist älter. Sie darf nun nicht mehr für Pflege sprechen, weil sie ihre Fertilität hinter sich hat. Sprechen das dürfen Männer wie Sandro Pé, Alexander Jorde und Ricardo Lange. Arbeiten sollen die Frauen leise sein und sich fügen. Jede zweite dieser Frauen hat laut Statistiken Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt im Job.

Wenn zwei das Gleiche sagen dann ist es noch lange nicht das selbe. Die Frau soll nämlich gefallen, wenn sie schon den Mund aufmacht. Auch ihre Worte sollen gefallen.

2021 und die Frauen, die zu 80% in diesem Beruf arbeiten, werden gesilenced und Männer aus dem Beruf bemitleiden sich selbst als Opfer von Sexismus gegen Männer, wenn diese Problematik angesprochen wird. Wirrer wird es nicht mehr. Die Blonde hat nur ein Recht, nämlich zurück ans Bett, hopp hopp, oder den Shitstorm mit all seinen verbalen Konsequenzen abbekommen, samt den Vergewaltigungswünschen und der angekündigten Gewalt gegen ihre Kinder. Und bloß nichts benennen, denn das wäre Zickenterror, Hysterie, nicht rational und einfach creepy mimimi.

Das ist beachtlich, weil Männern so der öffentliche Raum überlassen werden soll, in dem sie genauso überproportional vertreten sind wie in Leitungspositionen. Schon das trägt die Misogynie vom Krankenbett hinaus in den öffentlichen Raum zurück, wo Frauen nichts zu suchen haben, wenn es nach der Öffentlichkeit geht. Wie im Altertum, als Frauen hinter Mauern pflegten und nur die Männer öffentlich reden sollen, hat sich dieses Prinzip bis heute erhalten.

Wir kommen nicht drumrum, das Ganze vielleicht einfach mal umzudrehen. Vielleicht hilft wirklich nur noch eine Quote der Frauen, die über den weiblich besetzten Beruf reden.

In Berlin streikten seit einem Monat Frauen für ihren Beruf. Sie wurden medial nicht gehört. Als ich das thematisierte, regten sich Genderkritiker auf, dass ich nur die Frauen nannte. „Da waren doch auch Männer! Das ist unfair!“ Ach, guck an, plötzlich ist „mitgemeint sein“ doch nicht so geil, wenn Männer mal mitgemeint sind. Da wird auch der toxischste Kerl gleich ganz vulnerabel.

Nein, dieser Raum um über Pflege zu reden, der wird nie wieder frei von Frauen sein. Es wird Zeit, dass wir auch das sichtbar machen. Es ist Teil des Problems.

Dr. Mai von der Pflegekammer sagte mir auf einem Pflegetag mal, es bräuchte keine Emanzipation in der Pflege. Gut, dass ein Mann das beurteilt.

#Herzblutaufgabe my ass. Promis gehen Pflege spannern als Geschäfts-und Unterhaltungskonzept ist widerlich!

Jahrelang, ach, was sage ich, Jahrzehntelang, hat der Notstand keine Sau interessiert. Egal, welche Berichte seit den 1920ern laufen, egal, ob in Berlin gestreikt wird, es juckt einfach niemanden.

Aber seit #nichtselbstverständlich eine GoPro an eine Pflegefachfrau geklemmt hat und ganz Deutschland vor lauter Pandemielangeweile nicht mehr wusste, wie leer man YouTube gucken kann, besteht ein Bedarf an Bildern. Bilder, die alltäglich sind. Kranke Menschen! Und Menschen am Rande des Nervenzusammenbruchs, die diese Menschen pflegen. Geil! Zwei Seiten Katatstrophentourismus von der Couch aus! Two in one! Da kann man Hammer mit der fetten Chipstüte vor dem Flatscreen abhängen und sich mal live Leid reindrehen. Gönn Dir, Bro!

Ich war schon nicht begeistert vom ersten Format. Aber das da schlägt dem Fass die Krone aus!

Da latschen Promis, die sonst für keine weiteren Engagements bezüglich Pflege haben genüsslich in eine Klinik (für Geld macht man alles, sogar Pflege, wenn es ernst wird, gell?) und laufen mit einer Zitat! „Pfleger*in“ mit.

Für die eigenen Schüler hat Pflege keine Zeit, aber wenn Leute wie Jenny Elvers und Patrick Lindner und Lilly Becker eine Klinik für Kohle stürmen, dann muss Zeit gemacht werden. Mir wäre nicht bekannt, dass die irgendwelche Befähigung hätten, sich Pflege zu widmen. Vielleicht ist der eine oder andere mal Im Nurse-Kostüm irgendwo langgelaufen. Und dann noch dieser Hashtag. Herzensangelegenheit. Pflege mit Herz!

Es ist so ekelhaft, wie das Paradigma des 19. Jahrhunderts wieder ausgepackt wird, und irgendwelche Gestalten, um sich selbst zu promoten, in eine Klinik düsen, um mal richtig für Kohle Händchen zu halten. Die aktuellen Bilder haben wohl nicht gereicht. Immerhin gab es ja n Fernsehpreis. Dafür aufgestanden bei den Standing Ovation sind die Promis nicht gerne, aber selber einen kriegen, mal richtig schön gucken, das ist was.

Die Branche liegt, im Gegensatz zu Pflege, lahm in der Pandemie. Und deshalb vereint sich jetzt alles, was vorher außer bei der eigenen Schönheitsoperation noch keine Klinik von innen wahrnehmen wollte, um zu helfen. Vong Sichtbarkeit her! Ich kriege das kalte Brechen.

Ich bin es leid. Noch vor einem Jahr wurde Promis der Zugang zu Kliniken zurecht verwehrt. Eine Klinik ist kein verdammter Zoo.

Woher nehmen die das Recht, das Thema jetzt so auszuschlachten? Jahrelang hat Sat keine Pflegefachfrau zum Diskutieren eingeladen. Jahrelang war das Thema scheißegal. Und nun, w o Pflege langsam für sich spricht, braucht es Jenny Elvers und Lilly und irgendwelche Barden? Gab es nirgendwo einen gesicherten Dreh für einen Krimi oder Schiller?

DAs ist nicht die Pflege retten, das ist sich auf Kosten von Pflege profilieren. Und es ist – nochmal – in meinen Augen unzumutbar, instrumentalisiert Pflegende und macht sie zum Popanz.

Pflege wird bereits genug zum Popanz gemacht, zum Deppen der Nation. Es tut nicht Not, jetzt aus einer Klink Dschungelcamp Charité für die dritte Liga der cracky Musen zu machen. Bettpfannen und Tränen statt Ziegenhoden, oder was?

ICH MÖCHTE DIESE VERMARKTUNG DER DASEINSFÜRSORGE NICHT!

Nie sah Euch jemand an seinen Veranstaltungen, nie auch nur ein Wort. Aber nun. Denn irgendwo muss man ja den nächsten Flash hernehmen.
Und Pflege klatscht dazu noch Beifall.

Krankenschwestern müssen keine Promis spielen. Sie sind selber welche. Im Gegensatz zu irgendwelchen musengeküssten Gestalten stehen die in anderen Ländern im Museum und haben eigene Museen. Weil sie politisch etwas bewirkt haben. Nur hier in diesem Land tobt sich auf Kosten der Pflege noch die Muppetsshow aus, und das Thema auszuschlachten, ohne es zu ändern.

Wer auch immer diese Klinik war. Schämt Euch.

Und was die Sender angeht: seit WOCHEN kein Wort zum Streik, kein Bericht. Aber jetzt gehts um Emotionen-Bilder. Da muss jeder zuschlagen. So eine Chance kommt nie wieder, gell?

ES wieder mich nur noch an.

Und steckt Euch Eure Fernsehpreise sonstwohin, zusammen mit jedem Applaus!

Zum richtigen Arbeiten war keine Zeit wegen der Ruhezeiten!

Echt jetzt? Ihr verarscht uns doch!

Pflege oder sich zum Horst machen für Likes? Was mich an TikTok und Insta Selbstdarstellungen nervt

Früher, als alles genauso schlecht war wie heute, hat man beim Witzeerzählen die Tür zugemacht, weil die Witze so derb waren, die Pflege gemacht hat, dass die am Besten keiner hörte und auch am Teamtisch schüttelten wir den Kopf. Manches geht einfach nicht. Trotzdem lief er jahrelang. „Was ist 30 Meter lang und riecht nach Pi…. Urin?“ -> eine Polonaise im Altenheim. Höhöhö so funny. NICHT!

Ich mag Humor, vor allem Britischen und Wortwitze. Aber manches, vielleicht, weil ich alt bin, verträgt sich nicht mit meinem Ethikverständnis.

Ich weiß noch, dass wir jedes Bild, in dem uns Firmen als Berufsgruppe zum Narren halten, wo wir als feiste Einhörner Kuchen essen oder als Horsts der Nation in Imagekampagnen gezeigt werden, empört diskutieren. DAS ist doch nicht Pflege. Das verletzt uns moralisch. Wir wollen als Profession ernstgenommen werden.

Tja. Und dann gibt es Insta und TikTok.

Da beschmieren sich Pflegende mit Nutella und verhöhnen Menschen mit Demenz indem sie Stuhlschmieren imitieren. Da besetzt einer ein Patientenbad, um sich wie ein Horst selbst zu duschen, weil höhöhö so funny, Waschtag ist. Da singen Pflegende Schlager nach und konstruieren Situationen.

Und ich gucke mir das von außen an und frage mich, ob ich Euch als Profession ernst nehmen soll? Das kann ich nicht. Aber gelikt werden diese Beiträge in Massen und geben dem, der sich zum Deppen macht, das Gefühl, alles richtig zu machen.

Kann man denn nicht ein bisschen Spaß haben? Klar. Hab Spaß. Aber komm dann auch damit klar, dass niemand für voll nimmt, wenn Ihr Euch auf die Straße stellt und sagt,Ihr hättet einen total harten Job, der total wichtig ist. Das nimmt Euch niemand so ab.

Ihr vergesst, dass Menschen nicht die Einblicke haben. Davor haben wir schon beim Jerusalemavideo gewarnt. Und prompt bediente sich eine radikale Verweigerungspolitikszene dieses Videos. Kann ja nicht so schlimm sein mit Corona, die tanzen da in Massen. Die haben Zeit.

Alles, wirklich alles ist sichtbar. Weshalb sollte ich jemanden als Professional ernst nehmen, der sich selbst mit dem Duschhahn übergießt? Weshalb sollte ich meinen, die kämpfen für Würde, wenn die sich mit Nutella einschmieren, um dementiell Erkrankte zu verarschen?

Doch, man darf Humor. Aber, da ist die Crux. Nicht alles, was platt ist, ist Humor.

Wir befinden uns in einer schwierigen Phase. Mit Likes kann man Geld generieren. Aber dann erzählt doch nicht, ihr kämpft für Pflege.

Nein, man muss nicht jedes Mal Händel in Moll abspielen und ein trauriges Gesicht machen.

Aber es muss Euch klar sein, dass Ihr damit ALLE in die Pfanne haut, die sich draußen hinstellen und sagen: Nehmt diesen Beruf ernst, er ist total wichtig.

Wenn Ihr damit leben könnt, macht weiter.

Ihr macht es allen damit nur schwerer.

Lappi erklärt: „Warum es keine Kammer braucht!“

Kommt es Euch auch wie ein Dejavu vor? Wieder protestieren sehr viele gegen eine Pflegekammer, wieder gehen alle aufeinander los. Eine Endlosschleife. Wieder die gleichen Argumente: Wir brauchen eine politische Vertretung versus Pflicht ist blöd.

Auch ein sehr beliebtes Argument ist, dass ja England eine Kammer hat und man deshalb auch eine bräuchte. Ich möchte ein paar neue Argumente ins Spiel bringen.

Das England-Argument.

Die Anglo-amerikanischen Länder sind Vorreiter in vielem. Pflege wird dort studiert, und als ich am Wochenende eine Tagung hatte und mit vielen Kollegen aus Amerika zusammenkam, konnten die die Schlüssel, die ich ihnen nannte nur mit offenem Mund glauben. England ist in nichts Vorbild für Deutschland. Nicht, was das Studium angeht, nicht, was die Aufstellung der verschiedenen Berufsbereiche angeht. Dort gibt es nämlich viel mehr Einsatzgebiete für Pflegende als hier. Deshalb und weil die Leute da sehr eigenverantwortlich verstreut arbeiten, macht eine Registrierung und eine Kammer Sinn. Auch bezüglich mentaler Gesundheit wartet UK mit so einigem auf, weil denen nämlich schon lange klar ist, dass man besser keinen verliert. Hier reicht etwas Heldengeseier und das war es dann. Wenn ich also als Land nicht habe, was England bietet, brauche ich auch das Instrument nicht, dass das Verwalten des Berufs unabdingbar macht.

Das Politik-Argument

Bayern, in dem es keine Pflichtmitgliedschaft gibt und wo die VdPB gratis ist, macht vor, dass es auch anders geht. Ja, ist das Gegenargument, aber dann sprechen die ja gar nicht für alle. Doch, das tun sie. Während ich von der Kammer nichts außer Blabla höre und von feierlichen Versprechen, wie artig alle sein sollen, hat Bayern eine epochale Studie verfasst. Anhand von Bevölkerungsdichte und anderen Parametern wie Kliniken und anderen Versorgungseinheiten, haben sie sehr genau den Bedarf berechnet. Und der Bedarf geht alle an. Die haben sich richtig ins Zeug gelegt und gearbeitet. Wissenschaftlich gearbeitet und Ergebnisse präsentiert. Ganz ohne dass da jemand Mitglied sein muss (obwohl ich jedem Bayern dazu rate).

Warum England?

Das Hauptargument bildet, dass Pflege politisch vertreten sein muss. Dabei handelt es sich um ein Anhörungsrecht (von dem offenbar keiner außer Bayern, die eben keine Kammer sind, regelmäßig Gebrauch macht). Wer will hier eigentlich was von wem? Die Politik doch von Pflege. Weshalb müssen Pflegende dann diese Anhörung finanzieren? Andere Berater in der Politik verdienen sich astronomische Summen auf den Konten, aber Pflege zahlt für Anhörung? Das ist doch absurd.

China hat zum Beispiel das gleiche demographische Problem der überlasteten Gesellschaft. Die haben – zack- ein Bylaw geschaffen. Da hat Pflege die PFLICHT, politische Vorschläge zu machen, damit die Sache läuft. es geht JEDEN an. Und nicht nur eine Elite. Hier hingegen kriegt man nichtmal Antworten auf Brandbriefe.

Die Kammer, und ich betone es nochmal, ich bin freiwilliges Mitglied (auch, wenn die Kammer seit 1 Jahr meine Ausweise nicht bereitstellt und ich auch sonst nichts von ihnen höre), braucht so kein Mensch und dass Pflegende das Anhörungsrecht auch noch bezahlen sollen, ist absurd.

Schönen Tag.

Es braucht mehr engagierte Menschen wie in Bayern und ein Bylaw.

Tschüß, Jens, es war nicht alles schlecht!

Wer den letzten Tag im Dienst schonmal hinter sich gebracht hat, der weiß, wie sich das anfühlt, dieses Gefühl, dass einem jetzt mal das Ganz geschmeidig den Buckel runterrutschen kann, dieses „Macht Euren Shice doch alleine, ey!“ und dieses „In meine Arme, Freiheit!“. Dieses Keine-Gefühl. Keine 21 Dienste am Stück mehr, keine Schichten, keine verbale Gewalt mehr, kein Gehetze sondern das pure Lebensglück a la Frederick Freiherr von Furchensumpf: „HETZ! MICH! NICHT!“

Ich frage mich, ob Bundesgesundheitsminister das auch haben. Ob die, nachdem sie ja angetreten waren, um diesen Beruf, den jeder kann, mal ordentlich aufzuräumen, mit einem Seufzer der Erleichterung die Tür runterrutschen bei der Wahl, wenn es keiner sieht. „Endlich raus hier!“, Gott sei Dank! Und ob sie heimlich still und leise ihre private Krankenversicherungskarte küssen, weil ihnen das, was sie da herausgefunden haben, niemals passieren kann. Manche sind gleicher.

Nach einer Weile weiß man, es war nicht alles schlecht. Ich könnte, wenn ich mich bemühen würde, ein paar Dinge aufzählen, die lustig waren. Aber auf 30 Jahre gerechnet waren das so wenige, dass die Rückkehr nicht lohnt. Wie ist das wohl beim BMG? Von BMG Gröhe haben wir nie wieder was gehört. Und vielleicht ist Euch das auch mal aufgefallen: Es äußert sich auch nie ein ehemaliger BMG, dass das alles nicht so schlimm war und dass nicht alles schlecht war. Scheinbar verdrängen sie, wo vergessen nicht reicht.

Es war nicht alles schlecht. Ok, Jens hatte da den Spruch mit den „wenn Pflegekräfte nur 3, 4 Stunden pro Woche mehr arbeiten würden, dann wäre schon viel gewonnen“ und dabei vergessen, dass Teilzeit arbeiten Vollzeit arbeiten mit Teilzeit-Bezahlung ist.

Und hey, er hat wirklich 13.000 neue Stellen in der Pflege geschaffen. Dass es niemanden gibt, der die besetzt, das war ja klar. Das hatte er aber auch nie versprochen. Und 270 sind halt in der Pandemie gestorben. Dann sind es jetzt 13270 Stellen.

Es war nicht alles schlecht, das bezeugen sicher auch die politischen Kollegen, die noch damit beschäftigt sind, ihre Maskenprämie gewinnbringend anzulegen und die Konzerne, die jetzt die Feldbetten, die sie als Intensivbetten verkauft hatten, langsam wieder einklappen – und auch die Kohle zählen.

Leistung, das hat sich ja bewiesen in der Pandemie, lohnt sich wieder. Jedenfalls, wenn man nicht in der Pflege arbeitet, sondern über sie verfügt.

Bundesgesundheitsminister erinnern mich an junge Ärzte, die selbstbewusst auf die ZNA kommen und glauben, sie könnten jetzt die Welt retten. Alles hört auf mein Kommando. Dass das Kommando meistens Schwachsinn ist, davon muss man sie in hartnäckiger Arbeit überzeugen und kaum können sie was, sind sie weg. So ähnlich ist es auch mit Pflegenden und dem BMG.

Jetzt wird es wahrscheinlich einen neuen Minister oder, Gott, steh uns bei, eine neue Ministerin geben. Esken liebt Debatten mit dem Pöbel nicht, wie Rüddel hat sie die meisten Pflegenden blockiert.

Wir sind allerdings darauf eingerichtet und verlagern unsere eindringlichen Botschaften auf andere Medien. Da ist kein Blockieren möglich.

Was oder wer auch immer kommt: es wird neue Imagekampagne geben, wieder werden Pflegende eingeladen werden, um die Selbstinzenierung der Minsiter*IN medial zu spreaden wie das Coronavirus. Alles nochmal von vorne. Und wieder wird ein Berufsfremder denen im Beruf erklären, dass sie von nix ne Ahnung haben und wieder werden 4 Jahre vergehen.

Folgen hat das Ganze nur für Pflegende. Die sind mental durch, werden krank. 4 Jahre, das ist eine halbe Berufsverweildauer. Alle 2 Legislaturperioden flüchtet eine Generation aus dem Job. Anders als in der Politik gibt es aber keine Pensionen in erheblicher Höhe und andere warme Sessel. Es ist ja nicht alles schlecht, als BMG. Die Ansprüche jedenfalls nicht.

Es tut mir auch ein bisschen leid und ich hätte gerne mal mit ihm über seine Desillusionierung geredet. Und ob er Pflegende jetzt politisch ernster nehmen kann, als vor 4 Jahren. Jetzt muss es ein neues Bullshit-Bingo geben und die neuen Ideen abgewartet werden.

Viel Neues ist nicht zu erwarten. Es würde mich nicht wundern, wenn wir das Bullshit-Bingo sogar recyceln könnten. Jedenfalls wäre ich mega neugierig darauf, ob die scheidenden und die ankommenden Minister auch eine Art Übergabe machen. Vor wem sie sich hüten sollen da draußen in der Pflege-Welt und mit wem sich auf Bildern gut lächeln lässt.

Bis all die Entscheidungen durch sind, die anstehen, sind schon die Kirschen reif. Mal gucken, ob mit uns gut Kirschen essen oder Saure-Gurken-Zeit kommt.

Ciao Jens, es war nicht alles schlecht.

Vorsicht, Privatpatient! ;)

Ich befürchte, dass die Leute langsam einfach am Rad drehen und nicht verstehen, dass ein Flatscreen keine Pflege ist.

Aber hört selbst. Das ist nicht von mir, aber ich veröffentliche es gerne.

„Seit Jahren poppen diese Privatstationen aus dem Boden. Ein Strohhalm gar, an den sich die Kliniken klammern, denn Privatstationen bringen richtig Geld in das marode System. Dafür werden tausende von Euro ausgegeben, ganze Trakte umgebaut zu Wellnessoasen – weil die Nachfrage da ist. Der Privatpatient von heute möchte, bitteschön, wenn er schon krank ist. das Ganze im Luxus genießen. Dabei ist völlig irrelevant, ob die pflegerische Qualität vorhanden ist. Der Komfort steht im Vordergrund auf der Komfortstation.

Steht das Shampoo an der richtigen Stelle? Kommt das Wahlmenü auch wohltemperiert? Dann wird sich auch bestimmt der Krebs verabschieden. So scheint es ihnen.

Extra geschulte Servicekräfte bevölkern die Stationen und bedienen die Damen und Herren. Pflegerische Leistungen von Fachkräften, die Notfälle verhindern könnten und therapeutisch Leiden lindern? Was sind die schon wert, wenn man sich in den hauseigenen Bademantel kuscheln kann, trist in die XXL-Glotze starren und bedient werden kann?

Während sich also auf den normalen Stationen das Volk von ausgebrannten Pflegekräften versorgen lässt, umschmeicheln Servicekräfte sanft unsere High-Society, die zufrieden sich räkelnd ihren Krebs besiegen.

Und das mit einer Anspruchshaltung, die weit entfernt von eine Wertschätzung für Pflegende ist.

Warum mich das so aufregt? Ich hatte heute eine nette Begegnung mit einem Privatpatienten, der sich echauffierte, dass die Decke, mit der ich ihn im OP zudeckte, eine so schlechte Qualität habe, dass sie „Zitat Seiner nicht würdig sei“.

Was ich erst als Scherz einordnete, entpuppte sich als purer Ernst, denn er erklärte mir, dass er sich nicht in die Klinik begeben hatte, um sich mit (Zitat) „Volk zu umgeben“.

Ich fragte ihn, was er denn meine. „Das kann ich Ihnen sagen. Von Personal wie Ihnen (erbeutete auf mich) habe ich mich freigekauft!“

Das ist sie denn wohl, unsere Zwei-Klassen-Gesellschaft.“

Anmerkung Monja: Dazu gehört entweder Chuzpe oder pure Blödheit, die OP-Nurse, die einen gleich von innen sieht, blöde anzumachen.

Die Sache mit dem fehlenden „l“!

Im Header meiner Facebookseite fehlt seit Jahr und Tag ein kleines l im Wort „Pflegephilosophie“. Eigentlich vergeht kein Tag, an dem ich via PN oder in den Kommentaren nicht darauf angesprochen werde und deshalb möchte ich Euch etwas über meine Sicht auf Fehlerkultur erzählen.

Manche Menschen, gerade Neue, schreiben mich in Nachrichten an.

„Sehr geehrte Frau Schünemann, es ist Ihnen vielleicht noch nicht aufgefallen, aber da fehlt ein l.“

Ich finde das sehr nett, bedanke mich und freue mich. Wie reizend, mich darauf aufmerksam zu machen. Oft unterhalte ich mich im Chat dann mit den Leuten. Was ich da schon alles rausgefunden habe über die Menschen, die mich lesen. Toll! Höfliche Leute mit ihren Sorgen und sie erzählen mir, wo sie arbeiten und wie es da so ist. Das alles wäre mir entgangen ohne das fehlende l. Was das kleine Kerlchen leistet! Ohne das fehlende l, also MIT l, hätte ich von all den lieben Menschen nie erfahren. Wenn das, was fehlt, zu mehr Kommunikation führt, dann ist das toll.

Manche machen es so:

„Sind Sie blöd! Sie können ja nichtmal Philosophie richtig schreiben!“

Ich persönlich halte das für eine steile These, denn spätestens in meinem Nutzernamen ist das l ja da. Ich bedanke mich trotzdem. Warum? Wer auch immer das so schreibt, der hat jetzt einen feinen Tag. Der muss unendlich viel Frust geladen haben. Ja, der habe ich es mal so richtig gezeigt. Hah! Mal so richtig bescheidgegeben! Tschakka! Tja, also, wenn das etwas ist, was Menschen glücklich macht, dann immer ran. Wer weiß, wie viele Menschen da schon ihren Druckkessel mal so richtig entlastet haben und was passiert wäre, wenn sie es nicht bei mir getan hätten! Danke, liebes l.

Oder, auch beliebt: „Das hätten Sie schon lange ändern können!“

Hm. Hätte ich. Dazu hätte ich mich einloggen müssen, die Einstellungen öffnen und die Änderung des Namens beantragen. In der Zeit hätte ich aber auch: meine Kinder anrufen können und ihnen sagen, wie lieb ich sie hab, meinem Mann einen Kuss geben oder meinen Freundinnen einen schönen Tag wünschen und ihnen sagen: „Halte durch!“ DAS finde ich viel wichtiger als das l.

Dazu kommt, dass das Anforderungen von völlig fremden Menschen sind, die eine Norm erfüllt haben wollen, weil es ihren inneren Monk triggert. Dann denke ich darüber nach, wieviele Normen ich von Fremden zu erfüllen habe, denn ich kenne die Leute ja nicht wirklich. Und dann komme ich drauf, dass ich eigentlich keine Lust habe, Normen bei so etwas Unwichtigem wie dem l zu erfüllen. das ganze Leben besteht aus Kompromissen zwischen mir und Normen. Wie ich aussehe, wie ich esse…. Ich GÖNNE mir das fehlende l.

Wie gehen wir mit Fehlern um? „Du hast einen Fehler gemacht!“ ist noch immer für viele ein ganz schlimmer Satz. Dabei ist ein Fehler nur das, was fehlt. Ich kann es, wie beim l, hinzufügen, und schon ist alles gut. Kann ich es nicht, ist es eine Katastrophe, vor allem, wenn der Fehler Auswirkungen auf das Leben anderer hat und so zur Katastrophe wird.

Das l ist jetzt aber nicht so ein Fehler wie aus Versehen Salz statt Zucker in den Sonntagskuchen geben, oder beim Einparken – wie peinlich- es nicht gleich in die Lücke schaffen. Es ist einfach nur ein Buchstabe, der auf Facebook fehlt. 7, 5 Milliarden Menschen auf dieser Welt kennen die Seite nicht. das fehlende L macht nichts Schlimmes mit ihrem Leben, es macht auch nichts Schlimmes mit dem Leben derer, denen der Fehler auffällt. Ist es dann ein Fehler oder ist es nicht einfach völlig egal?

Wir alle machen Fehler. Warum sollte ich nicht zu meinem gemachten Fehler stehen? „Schaut her! Ich bin Geisteswissenschaftlerin und mache Fehler! Ich stehe dazu, es passiert nichts Schlimmes, wenn man zu einem Fehler steht!“ ist doch eigentlich ne tolle Message. Würde ich den Fehler beheben, wäre sie kaputt.

Mittlerweile habe ich eine Beziehung zu dem fehlenden L. Vielleicht hat es gerade Besseres zu tun als in meinem Wort abzuhängen? Vielleicht ist es beschäftigt im Wort Liebeslied, Lust, Ladenhüter, Lappalie, Larifari, Liebe, Leben, Lachen! Da ist es auch viel wichtiger.

Magnetkrankenhaus- echte Magie oder fauler Zauber?

Gerade ist viel die Rede von einem europäischen Projekt, an dem ausnahmsweise auch Deutschland teilnimmt und das in den höchsten Tönen gelobt wird. Es heisst magnet4Europe und Ihr solltet darüber Bescheid wissen.

Alles Gute kommt aus Amerika. Coca-Cola, Mickey Mouse, Jeans und Kaugummi, Langstreckenraketen (aber das ist ein anderes Thema).

Auch die Pflege ist in den angloamerikanischen Ländern völlig anders aufgestellt. Die meisten haben studiert, die Tätigkeitsfelder sind andere, die Modelle sind anders und auch da kommt das Gute her.

Nun trug es sich zu, dass in den 1980ern Kliniken um Pflegende rangen. Soo beliebt war der Beruf dann doch nicht und das medizinische System in Amerika, das vollends kapitalisiert ist, bringt es mit sich, dass die Klinik da schon was bieten muss, wenn sie dem durchschnittlichen Privatzahler etwas bieten will. Die wenigsten Menschen dort haben eine KV (Insurance), die klaglos alles zahlt. Da nämlich geht Markt los (oder endet, je nach ethischem Verständnis).

Also sann man hin und her, denn manchen Kliniken ging es gut und manchen schlecht. Es wurde überlegt, was die Kliniken, denen es gut ging, anders machten als die, bei denen keiner arbeiten wollte. Es ist fast ein bisschen lustig, aber es kamen 14 Punkte heraus, die in 5 Gruppen mündeten. Wer das erfüllte, der hatte zufriedene Kunden und zufriedene Mitarbeiter. Beides wurde magnetisch angezogen. Magnetkrankenhäuser. Ja, das ist ein bisschen langweilig und deshalb kürze ich das stark ab.

  1. Die Führung darf kein Arschloch sein (wer hätte das gedacht?)
  2. Die Pflegenden haben ein Mitspracherecht an der Art und Weise, wie sie arbeiten, Ärzte sind nicht die Kings of Kotelett, alle sind hierarchisch gleich (ich spüre Montys Schmerzen 😉 )
  3. Alle arbeiten evidenzbasiert. Das ist logisch, es haben ja auch alle studiert.
  4. Schnell wird Neues in die Praxis mitgenommen.
  5. Es gibt Patientenbefragungsbögen (äh, klar)

Prima, dachte man sich, damit könnte man den Notstand in Europa ja auch beheben! Und los ging es. Es gibt weltweit 500 Magnetkrankenhäuser. Jetzt kommt de Wermutstropfen: es gibt nur EINES in Europa. Und das ist ganz gewiss nicht in Deutschland.

20 Kliniken in Deutschland ringen nun darum, den Titel zu bekommen. Es hört sich auch ZU fein an. Man muss nur diese Punkte irgendwie erfüllen und schon kann es losgehen mit der Mitarbeiter Zufriedenheit, dann kommen sicher alle zu einem arbeiten. Die Freude, vor allem die Vorfreude, ist groß.

In vielen Fortbildungen wird nun das europäische Projekt gepriesen wie der Heiland. Haltet durch und geht in Magnetkrankenhäuser, könnte man denken. Aber so einfach ist die Chose nicht und ich rate zu kritischem Mitdenken.

Rollt man die Sache nämlich nicht von Europa sondern von Amerika aus auf, wird aus dem tollen Projekt in Deutschland nämlich gar keine Coca-Cola, sondern eher ne abstandene Club_Cola, die gar nicht spritzig ist sondern muffig schmeckt.

Die Forderungen nämlich, die die amerikanischen Kollegen hatten, sind nicht nur völlig logisch, weil sie ja Akademikerinnen sind und selbstredend den Anspruch haben, auf ihren Stationen eigene Studien und evidenzbasierten Pflege zu machen, sondern sie sind auch noch ZUSÄTZLICH zu einer viel geringeren Belastung, als deutsche Pflege sie hat. Und die gilt auch in ganz Europa – außer in Deutschland natürlich.

In Deutschland versorgen Pflegende nämlich das DREIFACHE an Patienten. In ganz Europa versorgen Pflegende weniger Patienten, nur Deutschland ist eine Massenabfertigung.

Wenn also man in Amerika nur 1/3 der Patienten versorgt, ist das Arbeitsaufkommen einfach so gelagert, dass ZEIT vorhanden ist. Wenn aber 15 Patienten versorgt werden müssen, und der ganze Krempel (in Anführungszeichen) kommt da drauf, es GIBT GAR KEINE AKADEMIKERINNEN und auch keine Möglichkeit, die eigene Sachlichkeit umzusetzen, weil man eh durch den Tag hetzt, dann ist „Magnetkrankenhaus“ einfach ein Label, wie „Bio“ auf einem gespritzten Apfel. Sich mit DEM Schlüssel an dem Projekt zu beteiligen, ist einfach nicht lauter.

Deshalb rate ich Euch, nicht allzu euphorisch zu sein und das Ganze mal kritisch zu hinterfragen.

Noch mehr Arbeitsaufwand kann nicht zu Zufriedenheit beitragen.

Aber das ist natürlich nur eine Einzelmeinung.

Weshalb „Nein“ im Job so oft Empörung hervorruft – und trotzdem so wichtig ist!Nein zu Nein-Shaming!

Es gibt „Neins“, die fallen mir persönlich leicht. Zum Beispiel auf die Frage, ob ich schon aufstehen möchte? (NEIN!) Oder ob ich weiß, wo die Schokokekse geblieben sind (BEIM! *kauend gesendet*)? Oder ob ich Lust habe, im Regen die Gassirunde zu gehen (NEIN!)?

Nein ist ein so wichtiges Wort, das wir alle mal wie Gewehrfeuersalven beherrscht haben. Das war, als wir so ungefähr zwei Jahre alt waren und bemerkten, dass das Wort eine unfassbare Dynamik auslösen kann. (NEIN! NEIN! NEIN!) Diese Dynamik ist so irritierend, dass sie Kleinkinder oft selbst irritiert. Aber dann ist irgendwas passiert und die Dynamik des Wortes geriet in Vergessenheit.

Findige PR-Werbefuzzies wissen das und so manche Flasche Kosmetik und Parfum wurde schon verkauft, weil der netten Verkäuferin, die fragt, ob sie uns mal eben das Neueste vom Neuen zeigen (und letztlich dann einpacken) darf, kaum wer ein entschiedenes NEIN entgegnet. Wer will denn kleinlich sein? Das Nein wird zum Peinlichkeitsmoment und man fragt sich, wie man da wieder rauskommt. Die Antwort ist ganz einfach: NEIN!

Nein ist das Wort der Ablehnung, aber auch der Entscheidung. Nein bedeutet, dass ich etwas anders entschieden hatte, weil es eine Wahl gab. Und so ist nahezu jedes Nein legitim. Gerade das Nein von Frauen aber wird nicht grundsätzlich ernstgenommen. Nicht ohne Grund ist der Slogan gegen die sexualisierte Gewalt „Nein heißt NEIN!“.

Im Beruf, der ja von der Gesellschaft (und manchmal auch vom Team selbst) als ein Hort der Selbstaufopferung gesehen wird, kann man sich auch entscheiden. Aber merkwürdigerweise fällt ein Nein, das mit Helfen konnotiert ist, vielen schwer.

„Möchtest oder kannst Du an Deinem einzigen freien Tag einspringen, weil die Not gar so groß ist?“ wird fast immer zur moralischen Gratwanderung, denn es hat sich eingeschlichen, dass, wer NEIN sagt, das Team alleine lässt, die Patienten unversorgt lässt und überhaupt ein ganz schrecklicher Mensch ist. Das löst Gruppendynamik aus. Und macht das NEIN, das eine Selbstverständlichkeit ist, so für so manchen unmöglich. Da schnappt die Falle dann zu, denn so so oft werden dann Selbstpflege, der freie Tag, die wichtigen Termine mit der Familie gecancelt, um bloß nicht wie der letzte Arsch dazustehen. Gut, man steht dann im Privatleben da wie der letzte Arsch, aber das scheint dem Team nicht ganz so wichtig zu sein.

Die Tatsache, dass nach mehreren Jahren Beruf ein Nein wie eine Unverschämtheit daherkommt, haben nicht nur die einzelnen Teammitglieder gelernt, sondern auch das Management. So kommt es, dass oft genug plötzlich Tätigkeiten angeordnet werden, die gar nicht mit dem Vertrag vereinbart sind. Besonders bei pflegefremden Tätigkeiten scheiden sich die Geister, die da oben werden es schon wissen. So packen Pflegende oft genug Kisten aus, räumen Schränke auf und putzen Zimmer. Auch der Patient per se wird seltenst mit einem Nein konfrontiert. So kommt es, dass auch dem mobilsten Kandidaten noch der Tee gekocht und serviert wird – oft genug von Anfängern, die sich noch nicht trauen, ABEDL durchzusetzen.

Nein ist also eine der Auswahlmöglichkeiten auf eine Frage. Aber NEIN wird in der Pflege oft nicht akzeptiert. Das führt dazu, das man meint, seine Entscheidung noch begründen zu müssen. Diese, oft an den Haaren herbeigezogenen Begründungen (es haben wegen des NEINS des Nichteinspringend-Wollens mehr Großmütter Geburtstag, als überhaupt existieren!), können in Notlügen münden, weil das NEIN einfach keine Konjunktur hat und man hofft, so dem Shaming zu entgehen.

Gleichzeitig behaupten Teams, in denen genau diese Dynamik herrscht, oft, dass sie doch ein TEAM seien. Wie gut kann ein Team sein, dass meine Entscheidungen nicht respektiert? Genau!

So habe ich dieser Tage höchst interessiert einen Tweet verfolgt, in dem eine Ärztin eine Hebamme shamete, die Nein zu der Frage gesagt hatte, ob sie der Operateurin einfach mal den Kittel zur Sectio zumachen könne. NÖ! Das sei nicht ihre Aufgabe.

Die Empörung schlug hoch und zwar mit den altbekannten Mustern. Ja, man dürfe schon noch NEIN sagen, aber nicht IN DIESEM FALL! Es war keine Notsectio und die Springer anbei. Das nämlich sei GEGEN den TEAMGEDANKEN! Und ich fand das weird. Denn die Hebamme hatte recht: es IST nicht ihre Aufgabe. Sie konnte sich entscheiden. Sie hat sich entschieden. Aber zig Kollegen stimmten zu: SO EIN NEIN GEHE GAR NICHT!

Ich finde es spannend, weil die Dynamik so offen zutage tritt. Die ganze Toxizität der Situation liegt darin, dass auf der einen Seite behauptet wird, man sei ein Team, aber auf der anderen Seite spekuliert wurde, was denn die Hebamme dazu verleitet habe, NEIN zu sagen.

Ob sie sich zu fein sei? Ob ihr ein Zacken aus der Krone fallen würde? Ob sie hochmütig oder gar nicht teamfähig sei? Ob sie Menschen sterben lassen würde? Ob sie Ärzte hasst? Nein! Sie hatte ihre Entscheidung einfach sachlich begründet: mit: „Es ist nicht meine Aufgabe!“

Das Gegenargument war, dass die Ärztin ihr auch schonmal den Kittel geschlossen habe. Nun, da hat die Ärztin anders entschieden als die Hebamme und mir ist völlig unklar, weshalb das nun Role-Model sein soll. Noch spannender: Wer der Ärztin beipflichtete, der wurde gelobt. Wer sachlich dagegenargumentierte, wurde auf dem übelsten Niveau rundgemacht, das sich denken lässt.

Beispiel: „Mit so jemandem möchte ich nicht arbeiten müssen!“ Nun, Fakt ist, mit jemandem, der meine Entscheidungen nicht akzeptiert und im Netz dann beifallsheischend nach Legitimierung seiner eigenen Toxizität sucht, möchte ICH nicht arbeiten müssen. Man muss sich fragen, ob da auch der Hierarchiegedanke eine Rolle spielt. Ob gar der Ärztin heimlich eine Zacke aus der Krone gefallen ist, weil sie der HEBAMME den Kittel irgendwann mal schloß. Und das dann als Geben-und Nehmen-Erwartung heimlich mitspielte. Sozusagen als Wiedergutmachung für den erlittenen quasi-Imageschaden, einer Hebamme die Schleife gebunden zu haben. Ich weiß es nicht.

Fakt ist aber, dass, wenn ein Team schon ein NEIN so schlecht wegstecken kann und dann anfängt, diesen Moment zu nutzen, um die Entscheidungsfreiheit einer Kollegin abzuwerten und zu shamen, wie es dann aussieht mit den großen Neins.

Dem Nein zum Einspringen, dem Nein zur Übernahme nicht pflegerischer Tätigkeiten oder – ich meine, es ist eine Gynäkologie! – dem NEIN HEISST NEIN gegenüber!

Genau das sind die toxischen Situationen, aus denen Pflege so schlecht herauskommt. Und ich meine, Ihr solltet das NEIN langsam aber sicher wieder üben. Und zwar das NEIN ohne Begründung, ohne Notlüge. Ihr trefft eine Entscheidung! Steht dazu. Ihr könnt das üben. Nicht nur auf die Frage, ob Ihr schon aufstehen wollt oder ob Ihr ein Fläschchen nicht präsentiert haben möchtet. NEIN!

Ihr könnt das Wort einfach so nutzen. Ja, die ersten male kribbelt es unangenehm, aber der Effekt verfliegt schnell. Wer über sich verfügen lässt, weil ihm irgendwann einmal die Entscheidungsfreiheit, die ihm obliegt, abgesprochen wurde, der muss damit anfangen, sie sich ganz schnell wieder zurückzuerobern. Sonst wird das kleine Verfügen weiterhin zum großen Verfügen über eine Verfügungsmasse!

My Body, my Choice gilt auch für alle Neins auf der Arbeit!

Viel Spaß beim Diskutieren. 🙂

Ob ich das nochmal mitdiskutiere? NEIN!