Migration und Pflege. Oder: Als Salvatore nach Hause ging

Ich komme aus einer Pflegedynastie. Das bedeutet, dass schon immer der eine oder andere gepflegt hat. Schon meine Uromas in Lazaretten, die eine sogar mit besonderen Fähigkeiten, die mit Kräutern zu tun hatten. Das war zu Zeiten, als man darüber am Besten nicht sprach. Mein Großvater war Pfleger, Einjähriger, in den 1970ern umgeschult worden. Ich bin Pflege, meine Kinder sind Pflege… bzw. Anrainerberufe.

In den 1970ern war ich klein. Mein Opa bastelte auf unserem Küchentisch eine riesige Karte. Er war traurig, denn es sollte eine Abschiedskarte werden. Der Abschied wurde im Altenheim gefeiert. Ich habe das nicht so richtig verstanden als Kind. Es war Salvatore, der unbedingt nach Hause wollte. Ich habe nicht verstanden, weshalb alle traurig waren. Ich jedenfalls ging gerne nach Hause, meine Familie kam nach der Arbeit nach Hause. Weshalb Erwachsene das traurig machte, habe ich nicht verstanden. Salvatore hielt es hier nicht aus und zu Hause, das war übrigens in Italien, war er auch gar nicht Pfleger. Ohne es zu wissen, denn wer weiß mit sieben Jahren schon, woran er gerade teilnimmt, habe ich also die erste Welle Pflegenotstandsoffensive und ihre Auswirkungen, sowie das mitbekommen, was man „Gastarbeiter“ nannte. „Nach Hause gehen“ bedeutete damals, dass man sich nie wiedersehen würde. Denn wir in Neukölln hatten damals weder Handy noch PC, noch EasyJet. Und der Süden, wo Salvatore nach Hause ging, der hatte zwar Telefon, aber diese Gespräche hätte sich niemand leisten können.

Zu dieser Zeit gingen viele wieder „nach Hause“. Südkoreanerinnen, die ausgebildete Krankenschwestern waren, flüchteten vor den deutschen Kliniken nach Hause, wo sie ihre Arbeit nicht so machen konnten, wie sie sie aus Südkorea gewohnt waren. Manche blieben. Ich wusste bis vor Kurzem nicht viel über Rassismus in Kliniken.

Als ich in die Welt der Klinik eintrat, war ich ein Teenie und hatte von der Welt entsprechend nicht viel Ahnung. Ich glaube bis heute, dass man die Welt am Besten über das Essen verstehen lernt, wenn man die Landschaft nicht sehen kann. Und ich betrat die Welt naiv und neugierig. Damals, ältere erinnern sich vielleicht, war die Putzfrau nicht outgesourced. Sie gehörte zum Team. Als Stationshilfe. Damit unterstand ihr die Küche. Und, missverstehen Sie mich nicht: Ich weiß, es ist ein Stereotyp, dass die erste Generation der türkischen Frauen Reinigungspersonen mit Kopftüchern waren. Aber Sie missverstehen die Situation auf der Inneren Station vollends, wenn Sie Fatma nicht gekannt haben. Fatma putzte, das ist wahr. Fatma briet Sucuk zum Frühstück und das roch und duftete über den ganzen Flur, bis sich Leute beschwerten. Wer sich beschwerte, der bekam es mit Waltraud zu tun. Das war die Oberschwester. Uns glauben sie mir, Sie WOLLEN sich nicht mit Waltraud anlegen. Zum Frühstück gab es also oft Knoblauchwurst mit Ei und die wichtigste Lektion war etwas, dass sie – kein Scherz!!!- heute noch auf Managementseminaren lehren! MAN LÄUFT NICHT DURCHS FRISCHGEWISCHTE! GEFÄLLIGST! Man behandelt alle mit Respekt. Ehrlich. Das lehren die heute Managern. Manchmal duftete es lange nicht nach Wurst. Und Fatma hatte keine gute Laune. Das war die Zeit, in der wir lernten, was Ramadan ist, wie Zuckerfest schmeckte. Fatma sprach nicht gut Deutsch. Aber wir sprachen bald etwas Türkisch, stotterten „Günaydin“, verhaspelten uns bei „tessekür ederim“ und irgendwie war das ziemlich gut, denn bald lachten auch türkischstämmige Patienten mit uns. Wir lernten zählen. Vor ein paar Tagen sah ich im Internet, dass es jetzt Kurse für Kliniken gibt. „Muslime verstehen“. Ich dachte, das liegt daran, dass die Kommunikation heute nicht klappt. Was mag geschehen sein, wenn die Kollegen nicht mehr erklären, weshalb so viele Menschen zu Besuch kommen können und wie man die Situation erklärt?

Später waren meine türkischstämmigen Kollegen nicht mehr alleine Reinigungskräfte, sondern Krankenschwestern. Sie brachten uns Schulterwackeln bei und Bauchtanz, das konnten wir auch von den Kollegen aus Marokko lernen. Die wiederum verstanden sich phantastisch mit unserem Schullehrer, Herrn Pruneau, der aus Frankreich kam. Er war Hygienefachpfleger und schwerst im Culture-Clash mit den Deutschen, weil die kein Bidet kannten. Oh la la!! Das hat dazu geführt, dass ich nie versucht habe, mir im Hotel die Füße damit zu waschen. Ja, es gab Glaubenskriege. Und zwar darüber, ob Baklava mit viel oder wenig Zuckersirup das einzig Wahre war. Ja, es gab Kollegen mit Kopftüchern. Das entsetzte uns zutiefst! Weil? Wir bis dahin nur die Variante kannten, sich die Enden unterm Kinn zu verknoten, was immer ein bisschen aussah wie die Hexe Schrumpeldei. Wir mussten eh alle die Haare hochstecken. Was scherte uns also ein Kopftuch? Nix. Hatice machte es nichts aus, Heiligabend Spätdienst zu machen. An dem sie trotzdem mit Lebkuchen überhäuft wurde. Wir nahmen Rücksicht auf die Ramadanzeit und lernten, dass die meisten Feiertage flexibel sind.

Und entdeckt wurde ich von Hong-Soon. Die war aus Korea und lange Zeit im Herzkatheter gewesen, wie so viele von den akademischen Pflegern aus dem Ausland. „Das hier ist nichts für Dich!“sagte sie beim Betten zu mir und organisierte mir einen Hospitationstermin. „Du bist zu schlau!“ Ich verliebte mich auf der Stelle. Sie hatte Recht. Kathetern machte Spaß. Jahre später verstand ich, weshalb sie aufgehört hatte. Nach zig Judgins links und rechts….

Bis heute kauft meine Familie keinen Glasnudelsalat, denn Tamika, die sich mit Hong-Soon darüber nie ganz verständigen konnte, brachte uns bei, was ihrer Meinung nach in diesen Salat gehörte. Bis zu dem Tag hätte ich Koriander nicht von Petersilie unterscheiden können. Wir kannten also nun die kleinen türkischen Läden, wo wir selbst Knoblauchwurst und Knotenkäse einkauften und entdeckten bald auch unsere Liebe zu – oh bitte, hassen Sie mich nicht – Instantnudelsuppen aus dem Asialaden. Später wurde die abgelöst durch unser Liebe zu polnischen Bonbons, die nur nach grauer Zuckermasse aussehen, aber im Mund süß explodieren. Wohl dem, der eine polnische Stationsschwester im Umfeld hat.

Es gab sprachliche Aushandlungsprozesse. Nach 1989. Wir nannten es Braunüle, „die“ nannten es „Flexüle“. Gottlob kam irgendwann die Viggo auf. Eine schwarze Kollegin erzählte mir, wie sie als Kind König Haile Selassie gesehen hatte. Und jedes Mal, wenn wir Brot wegwarfen oder unachtsam mit Essen umgingen, dann sagte sie „Liebchen!“, seufzte und erst später sollte ich verstehen, dass es in anderen Ländern Hunger gab. Dass sie lange sparen musste, um „nach Hause“ zu fliegen und das Geld, das sie für diesen Flug ausgab, dort sehr lange für Essen gereicht hätte, das wir achtlos wegwarfen. In Äthiopien. Und dass Tee eine vollständige Mahlzeit sein kann.

Ja, es gab alte Menschen, die versucht haben, diese Kollegen zu diskriminieren. Ich weiß heute, dass es auch damals schon rassistische Tendenzen auf den Stationen gab. Aber ich weiß, dass ich mehr von meinen Kollegen über die Welt gelernt habe, als ich es ohne sie gekonnt hätte. Und ich wünschte mir, es gäbe mehr von migrantischstämmigen Geschichten, von Culture-Clashs der Pflege. Von voneinander lernen. Denn das ist einer der coolsten Aspekte der Pflege. Wir sind und pflegen Menschen. Uns ist egal, woher sie kommen. Und dafür hätte ich nichtmal einen Codex gebraucht.

Ans BMFSMJ

Ihr habt doch auch alle ans Ministerium geschrieben? Hier meine Kritik, auch auf Wunsch von Jana Langer.

Sehr geehrte Frau Dr. Giffey, sehr geehrter Herr Dr. Viering,

als ehemalige Pflegende und als Pflegehistorikerin möchte ich Ihnen meine Kritik an Ihrem Projekt „Ehrenpflegas“ der KAP zukommen lassen und wünsche mir, dass Sie auch einmal eine andere Perspektive auf die von Ihnen genutzten Narrative einnehmen.

Ich nehme an, dass Sie die Reaktionen auf die Serie bereits wahrgenommen haben und wie ich meine Kollegen kenne, nehme ich auch an, dass sie vielleicht einen destruktiven Charakter haben. Ich versuche nach Kräften, das jeweilige Problem zu historisieren und aufzulösen.

Beginnen wir bei der Rollenverteilung, die auch wahrgenommen werden kann als den jeweiligen Berufsgruppen inhärente Eigenschaften der drei Protagonisten, somit also implizit auch soziale Rollen repräsentieren. Schon immer, das bestätigt ein Blick in die gängigen Rollenklischees der Pflege auf Witzseiten, Comics oder gar in die Pornoindustrie, galten Altenpfleger als ein bisschen unterkomplex. Die Statuten des Deutschen Vereins, die diesen Beruf in den 1960ern aus der Taufe gehoben haben, machten dies sogar zu seinen Charakteristika. Damals sollten die Frauen älter sein, der Zugang zur Krankenpflege ihnen intellektuell nicht möglich, sie wollten, nachdem ihr „weibliches“ Leben vorbei war, einen erneuten Betreuungssinn finden, helfen. Und dann präsentieren Sie Boris, der bereits mehrere Ausbildungen abgebrochen hat und, sagen wir es salopp, nicht gerade die hellste Kerze auf der Pflegetorte ist. Es gibt auch innerhalb der Pflege die Vorstellung, Altenpflege könne nicht so viel. Die Gruppen, die wir jetzt in der Generalistik vereinen, sind zutiefst heterogen. Deshalb halte ich es für strategisch ungünstig, ausgerechnet eine Klischeerolle zum Aufhängeschild zu machen. Es beleidigt die jetzigen Altenpfleger. Zudem findet sich darin niemand wieder.

„Mach Karriere als Mensch“ unterstreicht das Ganze doch im Grunde. Mensch ist jeder, jeder kann pflegen, Pflege braucht keine besonderen Eigenschaften. Diese Aussage stärkt Pflege doch nicht. Sie reproduziert nur Norbert Blüms „Pflege kann jeder“ und ab dem Moment stagniert das Stärken doch und die Berufsgruppe wird auf die pure Existenz reduziert, der keine Kompetenz zugrunde liegt. Es ist doch zutiefst schwierig, dass wir uns in Deutschland gerade in diesem Punkt von allen anderen Ländern unterscheiden, die diese Reduzierung eben nicht vornehmen.

In anderen Ländern, gerade in Nightingales England, war Pflege adelig und weiblich. Der Versuch Kaiserin Friedrichs im 19. Jh., die professionelle Pflege nach Nightingale nach Deutschland zu holen, scheiterte grandios genau daran, dass Deutschland Pflege als eine Tätigkeit sah, die von Niederen, von Frauen, von Verlorenen und sozial klassistisch gesehen wurde. Nun sind doch aber 150 Jahre vergangen. Wie nur kann es sein, dass ein Spot 2020 die gleichen Stereotype reproduziert? Das enttarnt doch zutiefst die so fest in der Gesellschaft verankerten Vorurteile Pflege gegenüber. Und abseits der systemischen Probleme ist es doch genau diese Vorstellung von Wilhelm I., über Norbert Blüm bis hin nun ausgerechnet zu Ihnen, Frau Dr. Giffey, die Pflege genau in diesem sozialen Pool verorten. Ja, sozialer Aufstieg über Pflege ist möglich. Aber Klassismus ist nicht die Voraussetzung für ein Staatsexamen.

In den 1920ern waren es „abwandernde Landmädchen“, die man rekrutieren wollte, also Menschen ohne Bildung, 2007 befand die SPD „wenn man aus der Prostitution kommt, ist Pflege der nächste logische Schritt!“. Pflege darf doch nicht die Schmuddelecke sein. Damit wird Pflege immer mit „Genitalien und bildungsferne Menschen“ in Verbindung gebracht. Pflege ist keine Sexarbeit, Sexarbeit ist keine Pflege. Beides sind wichtige Dienstleistungen, aber sie sind nicht eins. Würden Sie dann in so einen Beruf gehen? Wertschätzung? Wie soll Gesellschaft da Wertschätzung lernen? Wenn Pflege immer der ist, der als der Dorftrottel hingestellt wird.

Kinderkrankenschwestern galten immer als belesen, als „too posh to care“. Und Sie präsentieren Harry Potter. GuKs als blonde Schönheiten wurden seit der amerikanischen Rekrutierungskampagne für den WKII zur pflegerischen Ikonographie Das geht doch besser! Sexualisierte Gewalt ist aber die Regel geworden in den Kliniken. Eine Werbenurse muss nicht blond sein.

Ein weiteres Problem ist das Phänomen, das wir „Nurses eat their young“ nennen. Ein Mobbingphänomen. Mobbing ist eine der schlimmsten Copingstrategien einer überforderten Pflege. Und schon in Serie 1 präsentieren Sie eine Nurses eat their Young Gewaltszene bei der Pädagogin, die sich fortsetzt („Du bist doch schon eine alte Schachtel“). Das ist nicht witzig. Gerade beim Präsentieren der männlichen Pflegerolle schleifen Sie auch konsequent die Stereotype des männlichen Krankenwärters mit. Gewaltaffin, herablassend (die Szene mit dem dementen Mann war furchtbar), emotional abwesend. Dass Sie in der Serie zudem Übergriffe marginalisieren, die Privatsphäre des Bewohners ungeschützt ist, haben Sie sicher schon gehört. Männliche Rekrutierung, das zeigte die Kampage Bremens in den 1960ern, funktioniert über zwei Strategien. Weiche Männer können hier ihre weichen Seiten ausleben, oder ganz harte Männer sind die, die in Funktionsbereichen arztnahe Tätigkeiten ausüben. (Ch. Schwamm, Dissertation). Das ist doch kein zeitgemäßes Bild. Deshalb verfehlt die Figur so unfassbar.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass Sie meinen, intrinsische Motivation stünde im Vordergrund bei der Berufswahl. Das kann sie sein, aber sie ist es eben auch, die über den Theorie-Praxis-Gap zu so unendlich viel Desillusionierung und letztlich zum Pflexit führt. Werben Sie so, ist die Kampagne nicht nachhaltig.

Pflege stärken bedeutet doch auch, die, die schon Pflege sind, im Beruf zu stärken. Schon die ganz jungen Kollegen bemerken bei dieser Strategie doch, dass das Heim, das Sie zeigen, mit der Realität nichts gemein hat. Was also nutzen Azubis, die uns schreiend weglaufen, wenn die Erwartungen sich nicht erfüllen?

Was ist Pflege, Frau Dr. Giffey?

Gerade diese Frage lässt sich Gottseidank nicht beantworten. Es gibt 1 Million Menschen mit den unterschiedlichsten Motivationen und Rollenvorstellungen. Das Coole an Pflege ist, dass eigentlich jeder seine Nische finden kann, in der er in ganz diversen Bereichen ganz verschiedene Tätigkeiten ausüben kann. Pflege ist bunt! Auch diesen Aspekt habe ich vermisst. Wir sind große Teams mit Menschen aus allen Nationen, aus allen Religionen. Wir feiern verschiedene Feiertage zusammen, wir sind interkulturell, wir lernen voneinander, wie diverses Zusammenleben funktioniert. Wir haben schon Sucuk gefrühstückt, als Sucuk noch uncool aber lecker war. Wir sind seit den 1970ern multikulturelle Teams, lernen verschiedene Frauenbilder und -rollen kennen. Wir arbeiten mit Menschen aus aller Herren Länder, wir pflegen Promis und Eliten, wir haben Tempo. Wir sind digital und kannten eine Matrix lange vor dem Film. Wir arbeiten zu solch unfassbaren Uhrzeiten, wir kennen quasi keinen Stau! Wir können über unsere Monitore mit Menschen in Narkose kommunizieren! Wir haben fast so viel Technik an Bord wie ein Raumschiff. Wir können auf den ZNAs visuell mehr Drogenkonsum auseinanderhalten, als die Szene (und wir beide kennen Marzahn und das Urban!). Wir sind die, denen man Geheimnisse anvertraut. Wir erleben die schrillsten Dinge, vom Sexunfall bis hin zu Tragödien, die uns nicht mehr loslassen. Pflege ist vom Stationsdienst über den MDK bis hin zum Professor für Pflege 1000 Berufe in einem. Nur, im Gegensatz zu irgendwelchen Computerspielen sind unsere Grafiken besser, realer und wir retten Leben damit. Wir bewahren. Oder, wie der Engländer im NHS sagt: we serve! Und das alles sind für Sie Dinge, die Sie nicht kommunizieren, und dafür führen Sie eine Boris-Skala der Idiokratie ein? Bitte lassen Sie uns reden. Wir helfen Ihnen gerne.

Ehrenpflegas

Ehrenpflegas geht mir aus mehreren Gründen auf die Nerven.Zum einen, weil es die Kampagne nur von Funktionären unterstützt wird, weil sie sich damit selbst mal so wichtig wichtig fühlen dürften, ohne es zu sein. Zum anderen aber auch, weil die Welt, aus der ich komme, schon seit der frühesten Pflegejugend ein Problem zwischen Theorie und Praxis, zwischen der Realität und der Erwartung der Patienten gespürt hat. Ein Dilemma, das ein Ethikdilemma ist. Nun also reden Leute wieder einmal über Pflege, die davon keine Ahnung haben.Ok, Boris haut halt gerne dann und wann jemandem auf die Schnauze, dann kann er noch immer mit alten Leuten arbeiten. In meiner Welt kann er das nicht. In meiner Welt gibt es Validation und für die musst Du mehr können, als Drogen verticken und dumm sein. In meiner Welt sind die Altenpfleger nicht der Ausschuss zwischen Kinderpflege und Krankenpflege. Aber für das BMG ist das wohl so.Heute sprach dann noch der Deutschalndfunk dazu. Zwei Männer, nicht aus der Pflege, laberten über die Fremdzuschreibungen. So wollen sie Pflege sehen. Die Mädels schön knackig und die Herren halt ein bisschen blöde. Auch über die Kritik wurde erzählt. Aber wird das eben so ist mit dummen Menschen, die nur Arschwischen können: Gehör finden sie nicht. Deshalb wird die Kritik auch nicht als Kritik wahrgenommen. Nein, wir, in unserer unfassbaren Blödheit, haben einfach die MESSAGE nicht verstanden, die grandiose Zuspitzung und das Satirische. Sterben ist geiler Sci-Fi. Das haben wir, nach Jahren am Patienten, einfach nicht gerafft, wir Nullen! Deshalb erklären uns die Ehrenministas das nochmal, und die Ehrenärztä, damit wir mal wissen, wo der Hammer der Imagekampagne hängt.Schauen wir in andere Länder, werben die schon seit 20 Jahren nicht mehr dafür, Bildungsbenachteiligte in den Beruf zu kriegen. Es ist, weil wir so unfassbar dumm sind, ja auch nicht so, dass wir der Politik seit genau 1993 sagen: es muss eine Veränderung her! Nee, sondern es soll alles so bleiben wie man sich den feuchten Traum der Krankenschwester, die man ums Verrecken (sorry, um das Sci-Fi Versterben) nicht Pflegefachmann/frau nennen will, vorstellt. Berufsbezeichungen? Ach, druff gschisse! Und natürlich hört der DLF auch keine Frauen dazu, keine Profis. Stattdessen finden das Laien so cute, weil Pflege was von Herzen ist. In der Schule musst Du natürlich auch nicht zuhören, weil – da sind wir uns einig- der Notstand so groß ist, dass jeder einen Schein bekommt. Ist doch egal, ob er Deine Medikamente ordentlich berechnen kann. Ist doch Mumpe, ob Du einen Dekubitus kriegst, groß wie ein Medizinball. Gibt es doch DRG für Wundplastiken für. Solange man es mit Herz macht!Und dann kann Boris Opi halt durch den Park schleifen, weil alles so funny ist.Ehrenpflega. Ich habe Hunderte Kollegen mit Migrationshintergrund in meiner Stadt kennengelernt, denen es bei Slang die Magenschleimhaut umwühlt. Die mehrsprachig sind. Die ganz sicher nicht „krass erste Klasse Pflägäschulä“ gehen. Und nein, das ist nicht Jugendslang. Und nein, wir reden so nicht mit Menschen mit Demenz. Und nun fabulieren Laien drüber, wie toll sich Loser Boris vielleicht entwickeln würde. Ja, vielleicht, Vielleicht rennt er aber auch Amok, weil er den Kranken nicht auf die Schnauze hauen darf und läuft im Nachtdienst mit ner Spritze durch die Gänge. Vor Frust und Überforderung. Das gab und gibt es nämlich auch.Jahr der Pflegenden? Mentalhealth? Gleichberechtigung? Pflege als Bildungsberuf? Habe ich hier nicht gesehen. Nur zwei Ministerien, die sich einerseits auf die Fahne schreiben, Frauen und Pflege stärken zu wollen, aber andererseits alles dafür tun, 700.000 Euro ausgeben, damit genau DAS nicht passiert. Ehrenregierung? Leider nicht!Nein, negative Aufmerksamkeit ist nicht der Schlüssel. Und damit kenne ich mich aus. Sie ist mein Stilmittel. Aber sie geht hier fehl.Es ist nicht so, dass WIR Pflege nicht erstanden haben. Politik und Gesellschaft haben Pflege nicht verstanden. Sie soll wieder so werden, wie sie 1850 war, mit dummen Frauen und sozial benachteiligten Menschen. Denn die müssen alles glauben alles arbeiten, egal zu welchen Bedingungen.Traurigste Message ever. Und die haben WIR verstanden. Arschkrampen! (<- negative Aufmerksamkeit, Satire, Überzeichnung, Löllerchen)

Klinikhemden sexy tragen.

AEDL 7: sich kleiden können. Kennt jeder. Sich kleiden können, sagt aber auch aus: wie man will.  An meinem 17. Geburtstag war Schluss damit. Ich kam für 23 Jahre ins Krankenhaus. Krankenhaus – das ist der Hort der Modehölle. Es gibt ja mittlerweile Modeblogger und Modevlogger. Die bekommen einen Haufen Geld dafür, den anderen zu sagen, wie man sich schick und modisch anzieht.

Hier meine Tipps für 1,5 Millionen Krankenschwestern und ihre Patienten.

Farben und Schnitte: 

Es ist allgemeingültige Logik, dass Schwestern Weiß tragen. Hosen heute. Manche tragen auch Babyhellblau. Das ist echt nicht witzig, denn es steht nicht jedem. Begründet wird das mit der Hygiene. Kein Mensch kann erklären, weshalb die dann auf der Intensiv Gelb, Blau und Grün tragen. Ja, wegen der Farbenblindheit. Hand aufs Herz: wann hat es auf der ITSE das letztemal so stark geblutet, dass einer farbenblind geworden ist? Das Ganze ist ein Graus. Die Farbe, der wir im Alltag am meisten begegnen, ist nunmal Gelb. Uringelb, um genau zu sein. Wahlweise Kackbraun. Ich würde mich privat weigern, Braun, Gelb und Blau zusammen zu tragen. Ich würde mich mittlerweile auch dienstlich weigern. Die Schnitte zu den Kasaks und Jogginghosen mit Bindegürtelchen innen würden Joop in den Wahnsinn treiben. Lagerfeld sagte mal: wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren. Und er hat recht. Bei im Durchschnitt 50 Stunden pro Woche kann keiner von Kontrolle über sein Leben sprechen, wenn er morgens um 4:00 aus dem Bett kraxelt um dann sein Frausein-Mannsein in einen blauen oder weißen Hosensack zu stecken. Es reduziert einen einfach auf ein uniformiertes Wesen, das dazu geboren ist, im Nichts des weißen Heeres zu verschwinden. Da kriege ich die weiße Wut. Manche Kliniken haben als modischen Chick eine farbliche Ecke in der Dienstkleidung. Ich nannte sie Aktionsecke. Rosa für die Schülerinnen und Schüler – ROSA- und Mint für die Examinierten. Kau dich frisch. Es ist und bleibt ein Gau und jeden Morgen gehen also in eine Klinik ca. 300 Individuen, um dann in einem Einheitsbrei an Jogginghosen ihren Tag zu verbringen.

Man kann das aufpeppen. Eine Klemme an der Kitteltasche sorgt neben der Griffbereitschaft in Hüfthöhe auch für ein gewisses Glitzern. Gleichzeitig ist es eine Warnung an Arschgrapscher und Konsorten: Du kannst und wirst Dir hier wehtun, Burschi.

Socken und Schuhe: Was ich in meinem Leben an verzweifelten Versuchen unternommen habe, ein ganz minibisserl Privatheit an meinen Körper zu bekommen, geht auf keine Kuhhaut. Weihnachtssocken. Ostersocken. Mit lustigen Hasen und Rentiernasen und Glöckchen. Ich sag Euch eins: wenn sie nicht mehr weiterwissen, dann kommen sie Euch mit Hygiene. In einer Klinik, die auf durchscheinende Wäsche steht, wurde angeordnet, dass die Schwestern in weißer Unterwäsche zu erscheinen hätten. Tataaa- fast wären wir NICHT im praktischen Einheitsschlüppa zum Arbeiten erschienen. Na, den Flitz haben sie uns ganz schnell ausgetrieben. Ob man sich beschwert hat? Ja. Ich habe dann trotzig Schwarz und Rosa getragen.

Schuhe. Vom Clog, über Federschuhe, orthopädische Rückenschützer, Latschen in allen Farben und Formen (NEIN, Birkenstock ist NICHT sexy! NEIN! auch nicht mit Schafkopf links und Schafarsch rechts!) und auch Turnschuhe. Ich sags Euch: es ist nichts Hübsches dabei. Die Abartigkeit total hingegen sind Moosgummischuhe mit – Privatheitsversuch 281616- kleinen Ansteckern dran. Ja, ich rede von Crocks. Eine Zumutung, in den Dingern auf eine Leiter zu steigen oder zu laufen. Und die meisten Kollegen schlurfen mit Crocks und Latschen über den Gang. Das Geräusch macht mich aggressiv. Heb doch die Botten, blöde Kuh! Es macht sich überdies auch keiner eine Vorstellung, wie alte Schuhe in Umkleidekabinen stinken.

Accesoirs: Na, wer von Euch hat auch die Taschen voller Kleinzeug? Braunülen, mit denen man eine ganze Fußballmannschaft versorgen könnte, Pflaster für alle Größen und auch ne Rolle braunes Pflaster an der obligatorischen Schmuckklemme. Ich befürchte: das ist einfach der Versuch, den Busen durch Vollstopfen der Brusttaschen größer zu machen. Es ist aber auch der erbauliche Versuch, seinen Rücken beim Bücken zu schützen. Nach vorne bücken – das macht man genau ein einziges Mal. Bis man dann den ganzen Kram wieder aufgehoben hat, hat man verinnerlicht, dass man lieber in die Knie geht. Ich hatte mal eine Kollegin, die TG als Socken trug. Ich finde, das ist kein Ausweg.

Patienten: Ich habe stets betont, wenn es Quengeleien gab, dass das Nachthemd scheisse aussähe, dass es sich hier um ein Frühwerk eines bekannten Designers im Alter von drei Jahren handelt. Ich habe gelogen.Eigentlich, still und heimlich, verlangen meine Augen bis heute Schmerzensgeld für den Anblick. Den Anblick von Millionen schamlos rausgestreckter Ärsche aus dem weißen, kleinblumigen Zwirn. ALDA! Es gibt da ein zweites Bänsel, das können die ruhig benutzen. Es ist auch ohne korrektes Anziehen schon genug.

Accesoirs: Ich habe nicht gezählt, wie oft sich Leute ihren Urinbeutel vom Dauerkatheter an die Morgenrocktasche steckten. Ich will dann aber kein Geheule über die Blasenentzündungen beim Rücklaufen des Urins. Und auch Netzschlübba sind keine Alternative. Ich habe dafür die Verbesserung noch nicht gefunden. Finde aber, dass ein Schlafanzug eine wundervolle Sache sein kann. Früher haben die sowas sogar verkauft. Sogar vor 30 Minuten noch. Antithrombosestrümpfe runtergerollt: doch, passiert, sieht aber auch nicht sexier aus. Ist zudem auch nicht hilfreich.

Fazit: Als Modeblogger im Klinikbereich gäbe es eine Menge zu tun. Bis das Projekt endet, empfehle ich die dunklen Bergsteiger-Sonnenbrillen. Dann musste das Elend wenigstens nicht sehen

Sind DAS unsere Eliten? Ich verzichte

1992 ging der Ruf nach „Eliten in der Pflege“ los, nach Akademisierung, die ich wirklich gut finde. Schließlich studieren nahezu überall Pflegende ihren Beruf und das befähigt sie, ihren Beruf selbst mitzuentwickeln, zu gestalten und auszugestalten. Super Sache. Elite bezeichnet dabei Zweierlei. Einerseits eine Gruppe besonders qualifizierter Personen, aber andererseits auch herrschende Kreise einer Gesellschaft. Und offenbar kommt es hier immer wieder zu Verwechslungen.

So kursiert gerade auf der Seite des DRK ein Artikel über das Contra zum Contra der Pflegekammer Niedersachsen. Gut, kann man machen. Der Artikel hat jedoch imho inhaltliche Fehler, denn er argumentiert mit einer philosophischen Größe, Karl Popper. Nach Karl Popper gibt es keine (absolute) Wahrheit. Das ist wahr.

Popper hat hier nichts zu suchen

Aber das ist auch wieder nicht wahr (was übrigens aufwirft, was Wahrheit eigentlich ist), denn Popper meinte damit Texte, die interpretiert werden müssen. Popper meinte damit die Tatsache, dass Menschen unterschiedliche Vorstellungen haben und damit unterschiedlich berichten, ihre Vorstellungen einfließen und eine Tendenz bilden. Es gibt also bezüglich historischer Texte keine absolute Wahrheit. Aber… und da sitzt die Crux. Eine Abstimmung, die in Prozent angegeben wird, ist kein interpretatorischer Text. Sie ist einfach ein Messinstrument. Punkt. Popper geht hier fehl.

Es geht weiter.

Denn nicht weniger als Aristoteles wird nun bemüht. Als sei die Abstimmung eine Gerichtsrede.

Aber eine Abstimmung ist keine Anklage und damit wird die ganze Argumentation unsauber. Im Bereich der Wissenschaft nennt man das nicht korrekte Anwenden von irgendwelchen Theorien „Namedropping“. Das Fallenlassen eines möglichst berühmten Namens soll den Debattierenden einschüchtern. Wer so argumentiert, hofft, dass das Gegenüber den großen Namen als Autorität anerkennt. Und nicht wagt, zu widersprechen. Dahinter verbirgt sich die Annahme, dass das Gegenüber das Werk des großen Namens hoffentlich nicht kennt. Der Argumentationsstrang ist alt. „Ich bin schlau, Du hoffentlich nicht!“

Namedropping ist verpönt, weil es sich so schnell enttarnen lässt. Es ist unsauberes Argumentieren. Und in der Wissenschaft, also bei den „Eliten“, geht es hauptsächlich darum, im Diskurs dialektisch möglichst sauber zu argumentieren. Deshalb treffen wir uns auf Tagungen, deshalb diskutieren wir Tag und Nacht, schreiben Artikel, gehen in Peer Reviews. Sauber arbeiten. Habe ich alles richtig gemacht oder sieht noch irgendwo wer einen Fehler? Das diskutieren wir bis aufs Messer.

Dabei wütend zu werden, gilt als absurd. Wir diskutieren hart, das ist oft anstrengend. Aber das ist es uns wert, denn es geht um Wissenserweiterung, die möglichst für alle anderen sicher ist. Am Ende bedanken wir uns oft bei den anderen. Danke, dass ich lernen durfte. Das machen wir völlig unabhängig von Rang und Titel.

Außer, man möchte posen, man möchte einschüchtern. Dann wird man ein bisschen wütend.

Das ist hier passiert. Ich wies nett darauf hin, dass die Theorie da imho falsch angewandt wird. Was dann geschah, war episch.

Ernsthaft jetzt?

Die Kritik wurde abgebügelt. Wer mit dem Finger auf andere zeige, der solle dabei nicht vergessen, dass drei Finger an seiner Hand…. Entschuldigung? So funktioniert Diskurs. Nur halt nicht, wenn man keine Lust hat, sich zu reflektieren. Dann reicht Geschrei und Mimimi.

Warum ich das erwähne?

Pflege braucht Eliten. Was Pflege nicht braucht, sind wütende männliche Poser mit Mastertitel. Was Pflege nicht braucht in ihren Führungsetagen sind Menschen, die vermeinen, ihr Master sichere ihnen Deutungshoheit bei unsauberem Arbeiten. Und mache den anderen unwürdig, ihn in den Diskurs zu nehmen. Wer so denkt, der kommt bei mir schnell in den Geruch, keine Substanz zu haben. Sich aufzuspielen. Denn letztlich ist ein Diskurs keine Dramatik.
Pflege braucht Eliten, aber Eliten, auf die ich mich verlassen kann, die nicht jede Theorie hinbiegen und mental vergewaltigen, bis sie ihnen in den Kram passt, um vermeintlich „dumme Menschen“ auszudriven. Universitas befähigt, nimmt mit, Universitas sperrt nicht aus.

Nein, nicht alle Akademiker sind so. Aber wir bekommen langsam ein Problem damit, dass alleine auf die inflationär vergebenen Abschlüsse geschaut wird und nicht auf (wissenschaftliche) Kompetenz. Es sei nur ein Meinungsartikel gewesen. Aha.

Wenn ich Meinungen verarbeite, setze ich nicht drölfzig Fußnoten und verwurste Theorien.

Elite braucht dabei nicht zwingend einen Grad. Ich kenne wundervolle Eliten ohne Grad und – wie wir sehen – schaurige Eliten, die NUR einen Grad haben.

Ich habe angeboten, dass der Autor MEINE Arbeiten logsicher weise auch kritisch auseinandernehmen darf. Er meldete, er habe „keinen Bedarf“.

So gehen gebildete Menschen nicht miteinander um. Und das wirft für mich ein zweifelhaftes Bild auf diejenigen, die von Organisationen eingestellt werden und dort etwas repräsentieren, was sie intellektuell nicht halten können.

Dabei verkommt der Gedanke. Das formt nichts, das deformiert.

Ich erkläre mich damit nicht einverstanden . Ein Mastergrad ist kein Argument für das akademische Leben. Wer so agiert, demaskiert alles und jeden und vor allem sich selbst.

Ob ich nun überzeugt wurde, dass die Kammer Niedersachsen von diskursfähigen Eliten hätte geführt werden können? Nein.

Nur von wütenden Mastermännern, die mehr Schein als Sein bieten. Das ist nicht mein Selbstverständnis von Elite. Davon möchte ich mich explizit distanzieren.

Und ich empfinde dabei eine grenzenlose Fremdscham.

Das kann Elite besser. Das MUSS Elite besser können. Sonst ist sie keine.

Viele Kammern unter einem Dach? Ich vermisse Transparenz.

Berlin ist vielleicht eine der verrücktesten und angesagtesten Hauptstädte Europas. Arm, aber sexy. Bunt. Weltoffen. Voller Leben und Kultur. Unser vielleicht größtes Problem ist die Wohnungsnot. Aber dass die SO ausgeprägt ist, wie ich sie derzeit erlebe, wusste ich nicht. Ich habe Fragen. Aber von vorne.

Rückwirkend klingt es vielleicht naiv, aber Jahre kämpfte ich für eine politische Vertretung der Pflegenden auch in meiner Stadt. Und ich weiß das so genau, weil ich zu den Gründungsmitgliedern der Initiative Pflegekammer Berlin gehörte. In unserem vielleicht naiven Taumel haben wir daran geglaubt, dass Pflegende die Richtung bestimmen würden. Viele würde es interessieren, aus den Reihen der Basis würde dann jemand gewählt. Ich sagte damals von vornherein, das will ich nicht sein. Hier der Link.

https://www.initiative-pflegekammer-bb.de/wer-sind-wir-1/

Verrückt, aber was auch immer zum Thema in Berlin geschah, geschah ohne uns. Es war nicht so, dass mal jemand gefragt hätte, oder uns oder jemanden eingeladen. Ganz im Gegenteil. Statt sich zu verbinden, gab es Parallelstrukturen, die – ich bin das schon gewohnt- alle anderen ignorierten. Und nun ist sie da. Zumindest auf der Internetseite. Die Berliner Pflegekammer.

Wo kommst Du denn her?

Die Allianz, so steht es geschrieben, versteht sich als freiwilliger Zusammenschluss von Menschen und Institutionen. Das hört sich ganz phantastisch an, aber dieser Zusammenschluss ist bereits in sich geschlossen. Die „Berliner Pflegekammer“ wird somit repräsentiert von Akteuren, die schon immer Akteure waren. Und die mit den anderen Akteuren nichts zu tun haben möchten. Beitritt? Unmöglich. Gut, so ist das Leben, könnte man denken, aber die Adresse der Allianz ist die Adresse des DBFK Berlin.

Unter dieser Adresse findet sich auch die Bundespflegekammer und der Deutsche Pflegerat. Von der ich nicht weiß, wer da wann welche Leute gewählt hat. Ein Gremium, das irgendwie wie ein Spross einfach da war. Alle vier firmieren zusammen unter dem selben Dach.

Damit ist die Allianz, die Bundespflegekammer, der DPR und die Bundesgeschäftsstelle der zentrale Ort, an dem sich die selben Leute selbstverwalten, die schon immer alles verwaltet haben. Ich möchte kritisch hinterfragen, weshalb sich an diesem Ort des DBFK die Adressen so bündeln. Wie wir alle wissen, ist der DBFK nicht mit so vielen Mitglieder gesegnet, dass davon auszugehen wäre, dass dort das Ballungszentrum der Basisinteressen wäre.

Das macht es für mich implizit zu einem sehr merkwürdigen Ort. Ein Ort, der für mich persönlich nicht zugänglich für Basis ist. Ein Ort, der sich selbst abschirmt. Ein obskurer Ort.

Dass dort die Basis nicht wahrgenommen wird, konnte man sehr schön am Statement sehen, dass von der MV rausging. Eine Kollegin, Franzi, die ein Buch schrieb, ist das Thema dieser Mitgliederversammlung gewesen.

Bedauerlich???

Und da frage ich mich, ob die nichts Besseres zu tun haben, als in ihren Gremien über die Werke derer zu lästern, die sich außerhalb ihrer Gremien für Pflege einsetzen. Ich frage mich, wie das alles sein kann. Wie man sich selbst gegen die eigene Berufsgruppe so hermetisch abriegeln kann. Wen die da noch alles besprechen. Wie dort Ämter Funktionieren, wenn alles über den kurzen Dienstweg des langen Flures geht. Und ich bin nicht einverstanden.

Emails werden nicht beantwortet! Das, was die da treiben, so beweist das Nichtantworten, denn man kann nicht nicht kommunizieren, geht mich nichts an. Geht nichtmal die an, die sie da durchhecheln. Das ist unethisch. Das ist intransparent. Das ist nichts, was ich befürworte.

Schade. Kein Wunder also in meinen Augen, dass sich immer mehr gegen diese Form von berufspolitischer (nicht)Partizipation aussprechen. Denn der DBFK macht sich so zum selbstgewählten Einfallstor der anderen Gremien. Um die, die es angeblich betrifft, scheint es dabei am Allerwenigsten zu gehen.

Da lobe ich mir unsere alte Gartentruppe, die immer für alle offen waren, wenn sie sich wenigstens mit nem Stück Kuchen an der Gemeinsamkeit beteiligten. Das war vielleicht nicht von hochprofessionellen Bildern begleitet, aber doch immerhin offen für alle und inhaltlich danach ausgerichtet, was diejenigen besprechen wollten, die dazu kamen. Und, nennt mich verrückt, aber genau das sollte es nach meinem naiven Gedankengut einmal sein.

Long Story short. Es ist mir zu viel gekungelt und zu wenig Transparenz. Es ist mir alles auch zu wenig durchlässig geworden. Das da hat für mich mit Basisarbeit nichts mehr zu tun. Das da integriert nicht. Das da schließt aus.

13:40 edit

Peter Hunold schickte mir ein Bild des Briefkastens der Adresse.

Es sind nicht 4, sondern 14 Verbände Vereine und GmbHs. Der der Bundespflegekammer ist daneben.

Etwas voll da. Aber das ist nur meine Meinung

Peter schreibt:

In Alt -Moabit 91 residieren im Büro des DBfK insgesammt 14 Interessenverbände mit erheblichen personellen Überschneidungen.

Musterbeispiel Franz Wagner : dieses pflegepolitische Schweizer Offiziersmesser ist Geschäftsführer des DBfK, Präsident des Deutschen Pflegerats und Mitglied der sog. Bundespflegekammer.
Auf ebenfalls drei Schreibtische in einem Großraumbüro kommt als weiteres berufspolitisches Multifunktionstool Frau Christine Vogler als Stv Präsidentin des Deutschen Pflegerates, Stv. Vorsitzende des Deutschen Pflegerats und Stv. Vorsitzende des Bundesverbands Lehrender für Gesundheits- und Sozialberufe (BLGS e.V.).
Susanne Adjei, Geschäftsführerin der Agnes Karll GmbH mit Sitz in Alt-Moabit 91 ist gleichzeitig unter derselben Adresse Managerin des DBfK Nordost, dessen Vorsitzende Franziska Rahmel gleichzeitig Geschäftsführerin der RbP GmbH ist, die mit der Registrierung beruflich Pflegender als Registered Nurse Geld verdient.

Gute Pflege nur für Weiße? Wie gut sind unsere skills außerhalb des weißen Spektrums? #blackskinmatters

Die Präambel des ICN Ethikkodex ist eindeutig. „Pflege wird mit Respekt und ohne Wertung des Alters, der Hautfarbe, des Glaubens, der Kultur […]durchgeführt.“ Und wenn wir diesen Satz lesen und hören, dann nicken wir alle. Es scheint selbstverständlich. Doch ist es das?

Natürlich kann ich Hautveränderungen beobachten, Dekubiti beurteilen, Schwellungen deuten, Gangräne sehen, Mykosen, Wundheilung beurteilen, schon den kleinsten Schorf entdecken, Hautbeläge erspähen, Venen punktieren, Blässe deuten, Zyanose erkennen.

Das Problem? Ich kann all das wirklich nur anhand weißer Haut. Alle Waschpuppen, alle Demonstrationstafeln, alle Bildwerke, alle Anschauung zu Dermatologie, Chirurgie, Prophylaxe und was Pflege sonst so ausmacht, habe ich anhand Weißer gelernt. Was in mir Alarme auslöst, der Kontrast zwischen weiß und rot als Zeichen für Entzündung, oder weiß und schwarz als Zeichen für Nekrose, ist eine antrainierte Sehgewohnheit, die ihren Zweck komplett verfehlt, wenn ich sie ohne diesen Kontrast denken muss. Wie alarmiert bin ich bei schwarzem Belag neben schwarzer intakter Haut? Wie sieht Zyanose bei dunklen Lippen aus? Wie ein Schockzeichen? Und wie erkenne ich den ersten Grad eines Dekubitus, also eine Rötung, wenn die Hautumgebung dunkel ist und ich nicht durch den Kontrast gewarnt bin?

Kontraste als Sehgewohnheit. Wie sieht das an schwarzer Haut aus?

Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht. Niemand hat es mir je gezeigt, es gibt keine Tafeln, keine App, die mir helfen könnte. Mit dem Problem bin ich nicht alleine. Vor vielen Jahren gab es einmal Pockenalarm in Deutschland. Es waren schon Pocken… Windpocken auf schwarzer Haut. Doch gelernt haben wir seitdem nichts darüber, die Anekdote wurde mir Ende der 1980er in der Ausbildung erzählt, aber gehandelt wurde nicht.

Es gibt keine Waschdummies, keine Skalen, keine Hilfe. Und damit gibt es schlicht und ergreifend eine Lücke in der Qualität der Versorgung von Menschen mit farbiger Haut. Damit ist das, was dort passiert, schon im Ansatz nicht mit dem Ethikkodex vereinbar. Alle Menschen sollten, nein müssen, die gleiche Chance darauf haben, dass Pflege Symptome richtig deuten kann. Das darf keinesfalls eine Frage der Hautfarbe sein. Wie groß unser blinder Fleck ist, zeigte sich, als ich vor ein paar Tagen einen Hinweis zum Fehlen von entsprechenden Lehrbüchern postete. Jemand war der Meinung, mit Bildern von Menschen mit schwarzer Hautfarbe würde ich Kollegen meinen. Doch das meinte ich eben nicht, sondern zu Pflegende mit nicht-weißer Hautfarbe.

In England ist zumindest die Medizin einen Schritt weiter. Der Student M. Mukwende hat in mühevoller Arbeit einen Symptomatlas erstellt, der im Netz frei zugänglich ist. (https://www.blackandbrownskin.co.uk/mindthegap )

Doch Pflege ist ein Beruf mit „special needs“. Immerhin sehen wir viele Symptome weit vor der ärztlichen Begutachtung, haben eigene Skalen, beurteilen andere Veränderungen. Dort klafft nicht nur eine Lücke, sondern eine riesige Kluft. Denn das Problem zieht sich weiter, auch in die verschiedenen Altersstufen. Wie ist es in der Pädiatrie? Wie sieht alte Haut aus? Wie trockene Haut? Wo ist de Grenze zwischen Norm im Senium und Alarm? Wie können wir all das unterscheiden lernen, was wir uns im Praxisalltag durch jahrelanges Anschauen, Visualisieren und bildliches Merken antrainiert haben? Noch gibt es keine Antwort darauf.

Das größte Problem dabei ist die Beschaffung von Bildmaterial. (Also wenn Ihr je über die Möglichkeit stolpert, ein klinisches Bild mit Erlaubnis von Patient und Haus zu machen.. bitte, immer her damit). Aber damit ist es nicht getan, denn unsere weißen Sehgewohnheiten müssen übersetzt werden, damit wir eine ethische Versorgung auf diesem Gebiet gewährleisten können. Deshalb versuchen wir, uns auf dem Gebiet der #blackskinmatters Bewegung zu engagieren.

Wir, das sind wie gewohnt Donna Rabiata, das Hörnchen und ich, würden uns über Unterstützung freuen. Damit wir die Lücke schnell auch für die Pflege schließen können.

Gerne würden wir von Euren Erfahrungen auf dem Gebiet hören.

Habt einen schönen Sonntag.

Dieser Streik braucht Euer Verständnis nicht!

Lavendel, Nivea und sehr viel Beifall. Das war der Lohn für Überstunden, Abbau der Personaluntergrenze, Aussetzung des Arbeitszeitgesetzes in der Pandemie. Gefakte Artikel mit ebenso gefakten Protagonisten (Ich erinnere an die klagende „Schwester Theresa“, die aufrief, jetzt bloß nicht zu streiken, weil ihre Kraft das nicht schaffe!!) appellierten eine Moral, jetzt (mal) für die Gesellschaft dazusein, jetzt bloß nicht zu kneifen, als sich die Entscheider in der Pandemie hinter Bruttoregistertonnen Klopapier und Nudeln versteckten und den öffentlichen Dienst die Drecksarbeit machen ließen. Nach der Pandemie würde man über alles reden.

Erzieher, seit jeher mit viel zu vielen Kindern in Gruppenstärken unterwegs, die nur noch Verwahrung zulassen, die kaum noch Anspruch auf Frühbildung und -förderung durchsetzen können, hatten nichtmal Nivea und Lavendel. Doch, so stellte es sich raus, man solle noch drei Jahre eine Nullrunde drehen. Dann, aber dann ganz wirklich, würde man…. einen Spott an Lohnerhöhung bekommen. Mit anderen Worten, es soll sich nichts ändern. Arbeitgeber der Altenpflege bekamen Panik und Schnappatmung , als sie hörten, man fordere jetzt 18, 40.

Konservative Medien sind jetzt entsetzt. Der Warnstreik spalte. Gerade jetzt in der Wirtschaftskrise…

Lohnungerechtigkeit spaltet auch.

Doch Lohnungerechtigkeit spaltet auch. Und es lässt sich nicht erklären, weshalb man Lufthansa rettet, Millionen an Karnevalsvereine verschenkt, Lehrern Laptops ermöglicht (die in 2 Jahren veraltet sind) und denen, die die Schwächsten in unserer Gesellschaft betreuen, erklärt, jetzt sei nicht die Zeit dazu.

Streikt Pflege, war es nie die Zeit dazu. Die Presse meldet dann regelmäßig, das geschehe auf dem Rücken der Patienten. Dass die Verwahrung seit Jahren auf deren Rücken stattfindet, fällt den Medien dann regelmäßig nicht ein. Aus den Reihen des Mittelstandes regt sich Entsetzen.

Man könne jetzt auf kein Verständnis hoffen. Die Verständnisfrage stellt sich nicht, wenn Cockpit und die Piloten in der Hochsaison streiken oder die Lokführer. Die Medien billigen den Arbeitnehmern zwar zu, mehr verdienen zu wollen, aber doch nicht jetzt. Gerade jetzt, wo sie bewiesen haben, dass sie unersetzlich sind, dass man auf einen Flug gut verzichten kann, auf Betreuung und Pflege und die Müllabfuhr aber nicht, wäre meine Antwort. Dieser Streik braucht Euer Verständnis nicht. Und es sollte Euch eher ängstigen, Eure Kinder und Verwandten zu überlasteten unterbezahlten Leuten geben zu müssen. Kitas und Pflege werden noch immer als haushaltsnahe Tätigkeit gehen. Die gute Ersatzmutter, die eierlegende Wollmilchsau der Gesellschaft, ist billig, lieb, leise und streikt nicht in der Hochsaison. Ganz im Gegensatz zu den „männlichen“ Berufen .. und den Stewardessen… denn wer will schon auf seinen Tomatensaft verzichten und da beim Fliegen geht es ja auch um die Sicherheit… oh..wait. Das geht es beim beatmen und bei der Heranbildung der künftigen Generation auch.. Aber das hat man bei Pädagogik und Pflege eben nicht auf dem Schirm.

Frauenverachtender wird es denn wohl auch nicht mehr. Und das erkennen auch Pflegende.

Das Gegenargument ist, dass man ja einen sicheren Arbeitsplatz habe.

Dass weder Kitas noch Pflege „Sesselfurzer“ sind, das haben die zumeist männlichen Akteure dabei gar nicht auf dem Schirm. Was ja klar ist: Kinderbetreuung und Pflege geht traditionell Männer nichts an. Die geht an, wenn sie das neue Auto nicht anmelden können… und da sitzen sicher nur dumme Sesselfurzer. Die sind zwar verbeamtet..aber wer will da schon unterscheiden. Selten hat ein teil der Gesellschaft bewiesen, wie inkompetent er ist. Sichere Arbeitsplätze?

Die beiden Kitas, die heute in Berlin „streiken“ sind wegen Corona geschlossen. Soviel dann also zur Arbeitssicherheit. 60 Pflegekräfte sind gestorben..und das an Corona.. weil eben ohne Isomaterial nichts sicher war.

Pandemie ist Hochsaison. Wie in jeder Hochsaison wird klar, wer wichtig ist.

Hingehalten wurde nun seit Ausbruch der Pandemie. Und die Versprechungen und weiteren Vertröstungen auf die Zeit danach verfangen nicht mehr.

Doch natürlich stösst das sauer auf. Die Careberufe werden gerne in der Bittstellung gesehen. Betteln dürfen die Frauen, fordern nicht, höchstens erwarten, damit sich dann irgendwer als Beschützer inszenieren kann.

Doch das ist falsch gedacht. Die systemrelevanten Berufe beschützen die Gesellschaft und brauchen demnach Euer Verständnis nicht. Ihr seid .. so ungern Ihr das hört.. von DENEN abhängig..nicht die von Euch.

Das ist halt andersrum als beim Fliegen oder Karneval. Man kann auf Fliegen verzichten … auf Pflege und Betreuung nicht.

Das sollte Euch faire Löhne wert sein. Applaus hat ausgedient.

HERRGOTTSCHEISSE!

Erzählmirnix: Herrgottscheisse!

Auf meiner Facebookseite empörte sich vor einigen Tagen eine Leserin. Ich hatte tatsächlich „Herrgottscheisse“ zu irgendeinem Blödsinn geschrieben, den irgendwer gerade wieder verzapft. Wo wir denn hier seien? Liebchen, wir sind in der Pflege, Herrgottscheisse! Gleichzeitig hatte ich gefragt, was ich denn schreiben soll? Ein Rant wurde bestellt. Es kommt mir wie Erlösung vor.

Ich habe eigentlich genug über da Thema Silencing und Tonepolicing geschrieben und ich habe über den Kommentar gelacht. Warum? Es gibt noch immer Leute, die angeblich nicht gewusst haben, was eigentlich eine Kammer ist, obwohl das 30 Jahre in der Presse stand. Deshalb wundere ich mich nicht, dass die Leserin die Autorin Nadja Hermann (Erzählmirnix) offenbar nicht kennt. Herrgottscheisse. Es ist zum Mäusemelken. Pflege, das ist auch immer ein Spiel mit dem, was man schon immer so gemacht hat. Gerade die alten Kollegen haben Erwartungen. Vor allem ans Benehmen. Artige Mädchen fluchen da nicht. Das geziemt sich nicht. Im Grunde, so habe ich gelernt, geziemt sich nichts. Aber es gibt eine Menge, woran sich Herrgottscheisse anhängen lässt, wenn wir über den Beruf reden. Über Pflege, Herrgottscheisse.

Vorarbeiten, das ist zum Beispiel ein Thema, an das sich das wunderbar anhängen lässt. Vorarbeiten ist der sinnloseste Mist. Am Anfang, so erklärt man, sind das Arbeiten, die man macht, falls noch Zeit übrig ist, um für den nächsten Dienst vorzuarbeiten, damit die das nicht so schwer haben… Falls man noch Zeit hat… HAHAHAHA… und es dauert gar nicht lange, Arbeitslisten hin oder her, da wird diese Vorarbeit dann erwartet. Sie gehört einfach zu dem, was man zu leisten hat, über den Faktor Zeit redet niemand mehr. Am Ende entschuldigt man sich für die nicht geleistete Mehrarbeit und es wird sich stattdessen nicht mehr für das Vorarbeiten bedankt. So läuft das. Herrgottscheisse. Es ist der größte Blödsinn, den sich Schichten je ausgedacht haben. Weil einfach seit Jahren niemand mehr „noch Zeit übrig hat“. Zeit übrig haben.. Herrgottscheisse… was für eine Parallelwelt! Der nächste Dienst arbeitet dann wieder für den nächsten vor.. und nach 24 Stunden schon haben alle für alle vorgearbeitet. Und somit ihre Tätigkeiten einfach nur verlagert. Herrgottscheisse…. weshalb setzen sich die, die Zeit übrig haben, nicht einfach HIN??? Ich habe es nie, nie nie verstanden. Vorwaschen, Medis vorstellen, Vorschreiben, Vorbestellen, Vorkochen…

Auch ansonsten keinen alle durch zu sein. Herrgottscheisse. Deshalb wurde auch die Kammer Niedersachsen gekippt. Zur Freude derer, die keine Kammer wollten. Wer nun dachte, das alles hat ein Ende..nein…. die Posten schleppen sich einfach weiter zur nächsten Kammer, Herrgottscheisse… und witzigerweise habe ich gehört, dass die, die keine Kammer wollten, jetzt alle in den Bochumer Bund eintreten wollen. Da kriegt man noch was für sein Geld. Ich habe auch gehört, dass der Bochumer Bund, also das, wo die Gegner jetzt Mitglied sind, im Errichtungsausschuss der Kammer NRW sitzen. So kann gehen, Herrgottscheisse. Wenn das nicht das Verrückteste ist, was ich je gehört habe. Derweil geht Verdi in den Streik und verwahrt sich gegen eine Nullrunde. Denn laut Arbeitgeber soll es erst in drei Jahren mehr Geld geben. IN DREI JAHREN… Herrgottscheisse! Da ist dann rechnerisch keiner mehr von denen, die heute nicht mehr können, am Bett. So spart man.

Apropos nicht am Bett. Der DBFK fährt gerade eine Aktion für Badezimmer. Die richtigen Bäder würden die ambulante Pflege entlasten. Herrgottscheisse, wann haben die eigentlich nicht mitbekommen, dass die meisten Familien nichts weniger wollen, als die Wohnraumanpassungen mit ihren ambulanten Diensten absprechen? In der Realität posten Angehörige das Essen, das ihren zu Pflegenden gemacht wird und dann regen sie sich auf, das der Pflegedienst nicht eingekauft hat (vom eigenen Geld!). Das ist die Realität… und nicht Badewannen..Herrgottscheisse. IPREG-Patienten würden nichts lieber, als darüber nachdenken, wie sie ihr Bad gestalten, aber dort droht das Gemeinschaftsbad. Herrgottscheisse…. alle reden aneinander vorbei. Das Einzige, was irgendwie fehlt, ist die Firma Kärcher…. das wäre auch realistisch. Aber dafür gibt es noch kein Positionspapier.

Diejenigen, die sich noch vor Kurzem um Kammer und Nichtkammer gekloppt haben, kloppen sich jetzt also um Verdi und Nichtverdi. Und dabei wurde etwas übersehen. Jens Spahn möchte nämlich 20.000 PflegeHILFSkräfte gegen den Pflegenotstand finanzieren. Herrgottscheisse! Wann endlich kommt in der Politik und bei Entscheidern an, dass es nicht um Hände, sondern um Köpfe und Kompetenz geht? Und wann endlich begreift Pflege, dass nach der Depersonalisierung (Pflege kann jeder) sofort die Deprofessionalisierung kommt, HERRGOTTSCHEISSE! Und wo sollen die 20.000 eintreten? Und werden sie vorarbeiten?

Ich habe noch nie so ein Themenchaos gesehen, wie in diesem Jahr. Oder vielleicht wird es mir auch jetzt erst so richtig klar. Wenn alle über alles reden, redet jeder über nichts. Derweil wird die Basis frustrierter und frustrierter.. und ich frage mich, Herrgottscheisse, weshalb die nicht einfach zur Entlastung mal fluchen?

HERRGOTTSCHEISSE

Es ist mir unbegreiflich, weshalb sich nicht die Basis erstmal auf etwas einigt, worüber man berät. Und dann vertreten das alle gemeinsam. Aber vielleicht ist diese Lösung zu einfach? Vielleicht macht es auch gar keinen Sinn, so eine Lösung zu suchen, Themen zur Auswahl zu stellen. Denn da ja sowieso fast alle in allen Gremien sitzen, kann man den bunten Strauß ja auch auf die paar Nulpen Tulpen reduzieren, die irgendwie alles zu machen scheinen.

Mein professioneller Tipp: Niemals verwirrter agieren, als die Verwirrten, die einen umgeben. Man verwirrt sonst die Verwirrten. Das weiß man eigentlich seit Erwin Böhm, Herrgottscheisse.

Entspannte Grüße

Why digitisation harms nursing. #respectnurses

This text is an article published in Mabuse magazine in summer 2020

In the midst of the debate about the shortage of skilled nursing staff, which is now also being discussed in public, in the midst of the daily hustle and bustle and in view of the dramatic figures of the Health Report 2019, which proves that „Germany’s nurses are worse off than average“, it is hard to believe in retrospect: Not long ago, in the mid-1970s, some colleagues in the profession were doing fabulously well. A model ward was set up at the University Hospital of Ulm, which was oriented towards internal medicine and psychosomatics. Anyone who wants to take a look at the blatant differences to today’s concentration of work can watch the film „Wer will schon krank sein auf der Welt“ (Who wants to be sick in the world) from 1975 on the Internet, which documented the work of the ward. Today’s viewer is overcome with restlessness as he experiences the protracted conversations between the nurses and their patients. Spending so much time in one conversation seems to be a utopia today. Yet Peplau had already defined nursing as relationship work in 1965.

For many, digitisation today seems to be a solution to relieve nurses of work and create time resources for other tasks. According to the results of an INQUA study, nurses want to work with people and are not so technologically inclined, this is just a common opinion. Nurses are very curious about new technologies. The fear that the relationship work in nursing could suffer through the use of digital technologies should be taken into account in any implementation. The health report of the health insurance companies in Germany also recommends the use of digital technologies to relieve the burden of nurses. After all, they are more often incapacitated for work due to mental stress than people in other professions. It is not surprising that the interviewees of the INQUA study particularly endanger marriages, because they are professional carers. However, in the praised relief provided by digital systems, an essential aspect was forgotten. The health of the nurses themselves.

Neuroscientist Joachim Bauer examines the creation of the human self on the basis of resonance. Resonance, i.e. the interaction between the I and the YOU, which is evident from infancy onwards in the interaction between the individual and the outside world, helps the human being to develop a self. According to Bauer, work in particular is connected to the self in a special way. Through social esteem, a positive resonance of the social environment and interpersonal resonance, the worker receives recognition. This addresses motivation and reward systems in the brain. If the resonance fails to materialise, a mental and physical breakdown will soon occur. Burnout and depression can also result from altered or absent resonances. This is especially true for „workaholics“ who derive their benefit from the positive resonance of an overfulfilled work performance.

According to Bauer, the increasing density of work and the arrival of digital technology in the world of work pose a major threat. Bauer by no means writes explicitly about nursing. However, the parallels are significant. For years, the increasing concentration of work in nursing has been lamented. The lack of social esteem that nurses experience and communicate is a widespread criticism. The gap between expected and experienced reality also became clear in January 2020 in the discussion under the hashtag #respectnurses. There, nurses reported on the shocking disrespect they have been experiencing at work for years. For years now, sexualised violence has also been a recurring theme.

Nurses do not seem to experience positive feedback in lived reality. And it fits in with Bauer’s theory of alienation from the self that nurses in particular are mentally ill. There is simply a lack of resonance spaces in the ever-denser everyday working life, which can lead to a positive self. This reduction to a barely working existence without a resonating space approaches in a threatening way what Hannah Arendt defined in her book „Vita Active“ as „animal laborans“ as a work animal. „Since humans are subject to the need of life, they can only become free by subjugating others and forcing them by force to bear the need of life for them. If the life of nurses, which also isolates them socially, revolves only around their profession, the step to social deprivation is not far away. If institutions do not succeed in creating spare wheels for the increasing digitalisation and we lead nurses with laptops, digital files and floor sensors further and further away from their possibilities of resonance. Then it would only be logical if they continued to fall ill despite the alleged relief. Surely that cannot be the claim.

Technology per se is not the problem. The nurses at an ICU, for example, are offered a continuous resonance by the handling of technology and the auditory feedback through alarms. This shows them that they are doing their job excellently as long as the patient’s stability is proven. This may also be a reason for the popularity of ICUs.
Violence among colleagues, bullying, #nurseseattheyryoung can also be illuminated differently as a call for recognition against this background.

Digitisation offers opportunities, but apparently also risks. Without a significant change in thinking on the part of employers, structural changes in the field of politics, without social resonance (and I mean more than gossiping on the balcony) and without appreciation, digitisation is just a patch on a carpet that nobody can walk on.