Raus aus der Pflege? Zumindest im Kopf!

In der letzten Zeit hatte ich viele Gespräche mit Kollegen aus der Pflege und vielleicht kennt Ihr das auch: gerade wenn wir daheim Besuch bekommen, rollt mein Mann mit den Augen, wenn es sich andeutet, dass bestimmte Leute bei uns aufschlagen werden. Das Problem? Menschlich keins, sie sind wirklich lieb und nett, ABER: alles ist Pflege. Es gibt neben dem Beruf nicht ein einziges Thema, dass bedient werden könnte und für Außenstehende wird das dann schnell langweilig. Nicht nur das: Irgendwie kommt mir das Ganze auch mental nicht gesund vor.

Wie läuft das? Endlose Tagesblöcke arbeitet man im Schichtdienst, dann kommt noch der Haushalt, mental Load Familie, man ist platt. In den Sozialen Medien geht es dann mit Pflege weiter. Kongresse? Ja, klar, Pflege. Und wie sieht die Geschichte räumlich aus? Kliniken sind nicht von dieser Welt, sind eben nicht wie zum Bäcker Brötchen verkaufen gehen, wo man nebenan noch den Friseur zum Austauschen hat. Die Leute, die das mit dem Schichtdienst Mitttragen und sich zu den unmöglichsten Zeiten noch mit einander treffen sind – ha – aus der Pflege und die Themen, die man bespricht, sind – man ahnt es schon: Pflege. Sorgen. Nöte. Probleme. Manche der Kollegen sind an ihren freien Tagen noch im ehrenamtlichen Rettungsdienst (ich selber war jahrelang bei der Feuerwehr, ach, fragt nicht)

Irgendwann zieht sich die Schlinge zu. Ich habe Leitungskräfte, die berichten, ihre Mitarbeiter würden bei Vorträgen nichtmal einfache Statistiken verstehen, alles Neue scheint ja sowieso irgendwie bedrohlich zu sein, da ist irgendwas passiert, was sich von Außen fast so beurteilen lässt, wie eine berufsimmanente soziale Deprivation. Am Abend reicht es mit dem leeren Akku gerade zu seichtem Programm im TV. Und dann geschieht es, dass das ganze Leben nur noch Beruf ist. Die Statistik der GKV spricht von hohen Burnout-Raten. Wie dem vorbeugen? Wie erhält man sich eine gewisse Form der mentalen Gesundheit?

Fachzeitschriften raten dazu, sich eine bessere work-life-balance zu schaffen. Ja, das scheint mir erstmal aussichtslos, wenn ich mir die Realität betrachte. Mich machen solche Aufforderungen auch sauer, weil die ganze Last des Gesundbleibens und Ausgleichens beim AN liegt. Hm. Schwierig.

Gegen den Trott:

Ich kenne wirklich lange Stresstage in Phasen. Dann geht es bei mir 17 Stunden am Tag rund. DAs liegt (bei mir) daran, dass ich keine echten Arbeitszeiten habe und einfach durchmache, solange der Akku es hergibt. Damit ich durch diese Phasen komme, und nicht im Nebel versinke, stelle ich mir jeden Tag kleine Aufgaben, die nichts damit zu tun haben, was ich gerade arbeite. Ich gehe also vor die Tür (wie Ihr zur Arbeit) und suche mir ganz bewusst eine wirklich schöne Situation. Das muss jetzt nichts toll Spektakuläres sein. Blätter und Sonne können toll sein. Sonnenaufgänge sind toll. Käfer, Blumen.. sowas. Das fotografiere ich. Tagsüber ist das Bild mein Anker. Es zeigt mir, dass der Tag, völlig Wurst, wie er abläuft, nicht zu 100% nervig war. Und: ich erhöhe meine Achtsamkeit für einen Moment raus aus allem. Am Ende habe ich dann eine Collage der Phase.

Natürlich macht das nichts mit meiner Denke per se. Es gibt mir keine neuen Impulse. Und ich glaube eben, die sind wichtig. Hier wird es etwas Komplizierter.

Lesen! Tatsächlich lese ich gerne auch mal etwas außerhalb meiner Thematik, von dem ich absolut keine Ahnung habe. Also, schnappt Euch doch mal ein Buch, von dem Ihr annehmt, dass es eigentlich nicht für Euch ist. Ich habe gute Erfahrungen mit Philosophen (nicht mit den Großen anfangen, eher Neuere), mit Psychiatriebüchern und .. yeah: Reiseführern. Warum? Die sind äußerst kompakt und bieten viel Info auf kleinem Raum.- Blinkist lieber nicht. Mir geht es da immer auch um Sprache. Die App hat nur die Infos, aber das ist wenig.

Wenn Ihr keine Lust auf lesen habt, knallt Euch doch mindestens einmal im Monat ne Doku rein.

Noch besser ist es natürlich, wenn Ihr mal wieder im Museum oder in der Galerie verschwindet.

Kurse: Wenn Ihr den Luxus habt, ein bisschen auf Euren Dienstplan Einfluss nehmen zu können, dann macht doch mal einen Kurs. Die Volkshochschulen bieten da eine Menge an (steuerlich absetzbar) und ansonsten geht ja mal ein Tanzkurs, ein Kochkurs. Oder, da sitzen wir gerade dran: macht was Sinnloses. Einen Funkschein. Oder einen Bootsführerschein, es gibt sehr sehr günstige Golfkurse. Ja, einfach was, wozu Ihr gar keinen Zugang habt. Weil: nur so kommen neue Impulse in die Birne. Und die tun gut.

Und das muss überhaupt nicht zielgerichtet sein. Wir achten viel zu oft auf Effizienz. Aber doch nicht in der Freizeit. Ich züchte zum Beispiel seit Jahren sinnlos Andentomaten. Die sind einfach nichts für unsere Breitengrade aber hey… muss alles Sinn machen? (Einmal habe ich EINE essen können, naja… *schulterzuck*).

Ich glaube ernsthaft, dass es sich nicht nur für den Job und die Gesundheit lohnt, sich mal anderen Dingen zuzuwenden, nicht NICHTS zu tun. Man lernt da auch tolle Leute kennen. Die.. einfach keine Ahnung haben von dem, was Ihr arbeitet. Und mit denen Ihr auch mal über ganz ganz andere Dinge machen könnt.

Am 25.1. ist zum Beispiel der nächste Careslam in Berlin. Sechs Kollegen spielen Theater. Macht doch mal mit 😉

Liebe Grüße und ein superschönes Wochenende für Euch

"Ich könnte das nicht!": Pflege und Sexunfälle, oder: was ist ein attraktiver Beruf? CN: ALLES!

Der Mensch schwitzt, uriniert (hell, eiweissflockig, dunkel, trüb, Azetongeruch), defäkiert (normalgeformt, schleimig, breiig, dunkel, hell, ungeformt, blutige Auflage), sezerniert (Nasenborken, Gaumenschleim, Hautfaltenschmutz), blutet (venös, arteriell, krustig, schorfig), Ohrenschmalz, Fußgeruch, Borken im Bauchnabel, im Sonnenschein glitzernde Hautschuppen, wenn man die Thrombosestrümpfe auszieht..sie rieseln überall, Myriaden von Milben siedeln um auf meinen Unterarm und auf meine Kopfhaut.

Hatte ich Schuppen, Tränensteine, Spucke (sabbernd, glibbernd, fädenziehend) und Fingernagelschmutz schon erwähnt? Fäkalkollektoren, Inkontinenzmaterial, Urinstäbchen und -beutel, Sonden, Drainagen, Liquorpunktionen und Pleurapunktionen. Es gibt nichts, was mir nicht schon über die Hände gelaufen wäre, wie Anderen die frische Maibrise im Frühling und der warme Sommerregen.
Pflege muss dringend attraktiver werden, aber ich weiß nicht, ob wir alle das selbe meinen.

Genitalschleim jedweder Coleur lasse ich mal weg.
„Ich könnte das nicht!“ Los, Hände hoch, wer das schonmal gehört hat. Offenbar sehe ich aus, als wäre das ganze Zeug mein Lieblingstraum und als könne ich ohne nicht leben.
Ich könnte das ganz gut.
Darüber kannste eigentlich mit keinem reden. Vor 5 Jahren saß ich das erste mal bei den Eltern meines zukünftigen Mannes und es kam, wie es kommen musste: „Du bist also Krankenschwester?“ „Hm“ *nickt* , „Was machst Du denn da so?“
Schnapp! So geht die Falle zu! Bloß nicht antworten!
Es gibt zwei Möglichkeiten. A) Du erzählst irgendwas Belangloses und irgendwer am Tisch stöhnt „Ich könnte das nicht!“ Oder B) Du sagst die Wahrheit, dann bist du raus! Die Wahrheit klänge irgendwie so, wenn ich meine Begegnungen mit merkwürdigen Sexualpraktiken anderer Menschen aufzählen würde:
Irgendein Vollpfosten hat sich eine Brennessel in die Harnröhre gesteckt, weil er keinen Ingwer im Haus hatte, um ihn sich in den Hintern zu stecken, weil das angenehmer brennt. Ich könnte das nicht. Und ich habe seitdem ein Problem mit Ingwer.

Ein anderer hat sich ein Brett mit einem Metallgegenstand gebaut, das hat er über die Badewanne gelegt und sich rittlings draufgesetzt. Leider war er kein Tischler und das Ding ist mit Analstöpsel aus Metall mit ihm in die Badewanne gerauscht. Ich könnte das nicht! Und der Bauchchirurg hat Stunden gebraucht.

Ein Drogie hatte Sex mit seiner Freundin, die ihm den Hodensack aufgerissen hat. Die Hoden hingen ohne Sack frei in der Gegend rum. Leider war er aggressiv und wollte den Hodensack nicht nähen lassen. Er verschwand aus der Notaufnahme und die Polizei musste ihn suchen. Ich könnte das nicht. Und es war total eklig, diese hodensacklosen Hoden in der Hand zu halten. Seitdem habe ich ein Problem mit diesen Kinderglibberaugen zum Lutschen.

Der Nächste hat sich eine Kugelschreibermine in die Harnröhre eingeführt. Leider war die Feder dran und kam nicht mehr raus. Notfallmäßig haben wir ewig geprökelt, bis wir das Ding wieder ans Tageslicht gezerrt hatten. Ich könnte das nicht. Seitdem habe ich eine Affinität zu Füllern.

Ein Typ hat in der Superillu gelesen, dass eine Zecke verschwindet, wenn man Pattex draufschmiert. Er war gründlich und nahm eine ganze Dose. Die trocknete auf seinen Schamhaaren an. Um die Zecke zu ziehen, musste ich ewig lange über seinen Schamhaaren präparieren, der Zecke drunter ging es super. Ich könnte das nicht, so selten blöd sein. Ich hatte dadurch ganz lange keine Zeit für das weinende Kind auf dem Flur. Ich habe „Arschloch“ gedacht.

Der NAW kam mit wehenden Fahnen. Ein schreiender, blasser Mann auf der Trage. Aus seinem Hintern guckte ein Stück Feuerwehrschlauch raus. Die Kollegen sagten, den Feuerlöscher selber hätten sie schon abgeschnitten. Ob das nicht nett wäre.
Der Typ hatte den Griff eingeführt. Sonen alten, mit Halteklammer dran. Die hatte sich dann in seinem Darm gelöst und Peng, das ganze Rektum zerrissen. Ich könnte das nicht. Zum ersten Mal in meinem Leben bekam ich einen hysterischen Lachanfall. Das tat mir leid, denn der Typ hatte keine Narkose bekommen. Ich war Feuerwehrfrau. Seitdem habe ich ein Problem mit b-Rohren.

Eine Frau meldete sich am Counter. Sie sei im Bad ausgerutscht und auf eine Deoflasche gefallen, die in ihrem Hintern steckte. Das heisst, die Flasche nicht mehr, aber der Deckel. Wir haben eine Notfallendoskopie gemacht und den Deckel geborgen. Sie brüllte: “ Glauben Sie mir etwa nicht??“ Doch, doch. Aber ich könnte das nicht.

Der RTW brachte einen brüllenden Mann. Zwischen seinen Beinen hing eine 1,5 l Colaflasche. Dadrin war irgendetwas lilanes, zermatschtes. Es war sein Penis. Er hatte tatsächlich seine Colaflasche gepoppt, der Unterdruck hat seinen Penis – völligst zerfetzt. Er bekam eine Narkose aber wir bekamen das Ding nicht raus. Weil nun schon alles egal war, nahm ich eine Gipssäge, die ist ja oszillierend und gab mein Bestes. Was wir dann in der Hand hatten, war eine riesige handvoll blutender Brei. Wir sind mit einem Megaspeed in den OP gefahren. Es geht das Gerücht, der Urologe habe den Patienten gefragt, ob er seine Freundin (die Flasche) wieder haben wolle oder sich ne neue besorge. Wir haben die Flasche aber unter Eigentum aufgelistet. Man kann ja nie wissen.

Dem nächsten schreiende Mann fehlte einfach ein Stück seines Penis. Er blutete, wie die Sau. Das sah aus, wie ein Gewaltdelikt, als wenn ihn jemand schrecklich getreten hätte und ich fragte, wie das passiert sei. „In Marzahn!“ brüllte er. Ich fragte nochmal.
Er brüllte: „Na, beim Ficken!“ Ok, ehrlich? Ich könnte das nicht.

Manchmal an der Kasse im Supermarkt, gucke ich mir die Gestalten so an und denke für mich: ok, rechnerisch der, der, der und der. Menschen haben offenbar ein Problem mit Fäkalien, Urin, Schweiß und Sekreten. Sie haben offenbar aber weniger ein Problem, sich die irrsten Sachen anzutun. Das Problem dabei: sie tun das auch mir an, denn ich werden Teil des Erlebten. Manche Stories sind so krass – die kannste einfach keinem erzählen. Was machst Du denn da so Schönes?

Doch, Pflege muss dringend attraktiver werden, aber ich weiß nicht, ob wir das selbe meinen.

Eine Auszubildende erzählt…

Ginny, eine Auszubildende im dritten Jahr, möchte über ihre Erfahrungen reden…

Da unter dem Hashtag #respectnurses auf Twitter nicht nur der Umgang von Angehörigen und Patient*innen mit dem Pflegepersonal, sondern auch der Umgang zwischen Kolleg*innen, oft geschildert wurde, musste ich sofort an mich und meine Mit-Azubis denken. Ich bin derzeit im dritten Ausbildungsjahr und mir sind wieder viele Situationen in der Pflege eingefallen, in welchen der Umgang mit dem Auszubildenden – auch mit mir – wirklich absolut nicht in Ordnung war. Aufgrund der Umstände in der Pflege könnte man vermuten, dass untereinander ein Zusammenhalt der Pflegenden wenigstens bestehe oder man sich über Nachwuchs in der Pflege freue. Doch leider ist dies nicht immer der Fall. Ich denke, absolut jede Pflegefachkraft kann sich noch an einige negative Beispiele aus der Pflegeausbildung diesbezüglich erinnern. Ich persönlich und einige Bekannte haben es leider schon oft erlebt, dass Auszubildende auf Station beispielsweise dazu ausgenutzt wurden, Putzarbeiten zu erledigen mit dem Argument, dies sei ja ‚Schülerarbeit‘. Versteht mich nicht falsch. Mir ist klar, wie man beispielsweise seinen Arbeitsplatz hinterlassen muss und darum geht es auf keinen Fall. Interessant ist auch, dass ungefähr jede Person in meiner Berufsschulklasse schon erwähnt hat, dass manche Pflegende der Meinung sind, auf die Klingel zu gehen sei nur die Aufgabe von uns Schüler*innen. Dies ist mir schon passiert und war dann aber auch für eine Kollegin „falsch“. Ich musste Essen für die Patient*innen der Station austeilen, befand mich außerdem im 1. Einsatz meiner gesamten Ausbildung und kannte die ganzen Untersuchungen noch nicht auswendig und musste erst nachlesen und nachdenken, welche Patient*innen nüchtern bleiben mussten und welche nicht. Es klingelte zudem wirklich ständig und während die besagte Kollegin im Stationszimmer sitzen blieb, bin ich gefühlt von Zimmer zu Zimmer gelaufen und hab daher länger gebraucht mit dem Austeilen vom Essen. Schließlich stürmte die Kollegin aus dem Stationszimmer und schrie mich an, wieso ich denn so lange brauche, dass es schneller gehen muss und ich außerdem die Klingel einfach ausschalten und sofort wieder rausgehen solle. Da ich wirklich sehr laut angeschrien wurde, schämte ich mich sehr und dachte mir nur: „Wie denken jetzt wohl meine Patienten, die das gehört haben, von mir?“ Auch Kommentare wie: „Da du nicht ein mal die Vene getroffen hast, kann ich mir vorstellen, dass du bei dieser schlechten Koordination zu blöd zum Fahrrad fahren bist“ waren in manchen Bereichen an der Tagesordnung. So macht es natürlich Spaß, das Legen von Zugängen zu „lernen“. /ironyoff Prinzipiell stellt sich mir die Frage, warum es einigen Menschen nicht möglich scheint, konstruktive Kritik auszuüben, wenn man etwas nicht gut oder einen Fehler macht. Es ist klar, dass wir noch in der Ausbildung sind und daher alles andere als perfekt und superschnell. Aber sind nicht gerade wir die Zukunft der Pflege? Wir sind potenzielle zukünftige Arbeitskräfte auf den Stationen. Die meisten von uns möchten wirklich lernen und auch konstruktive Kritik hören, anstatt angeschrien zu werden. Hier ist ein häufiges Problem, dass einige Auszubildende sich eher nicht trauen, solche Dinge anzusprechen und sich zu verteidigen.

Ein Faktor, der hier nämlich mit hineinspielt, ist die Notengebung der Stationen. Wenn man nach einem Praxiseinsatz bewertet wird, dann überlegt man es sich lieber zweimal, ob man es anspricht, dass man sich nicht gerecht behandelt fühlt. „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“. Das ist ein Satz, den viele von uns schon hören mussten – auch von Lehrkräften, wenn man Missstände ansprach. Dieser Satz mag zwar an sich irgendwo wahr sein, dennoch kann ich ihn trotzdem nicht mehr hören, da er immer genutzt wird, um solche Vorfälle zu bagatellisieren. Es gehört eben NICHT zu irgendeinem Beruf, sich anschreien oder beleidigen oder ausnutzen zu lassen! Verdammt noch mal. Weitere Sätze, die uns allen inzwischen echt zum Hals raushängen: – „Schülern kann man keine sehr gute Note in der Bewertung geben. Ihr seid ja schließlich nicht examiniert.“ -> Man bewertet doch nach dem Ausbildungsstand! Natürlich wissen wir nicht mal annähernd so viel, wie fertig ausgebildete Pflegefachkräfte. Selbstverständlich heißt das nicht, man soll dauernd grundlos die Note 1 vergeben. Ist es aber nicht irgendwie komisch, sie rein aus Prinzip NIE zu geben? – „Warum entscheidest du dich noch für den Beruf? Finde ich nicht gut. Warum macht das überhaupt noch jemand?“ -> der Hintergrund bei dieser Aussage ist klar, dennoch… das führt eher zu Demotivation. Ein weiteres großes Problem in der Ausbildung sind die fehlenden Anleitungen. Hier wird der Fachkräftemangel schon sehr früh ersichtlich.

Ich habe es erlebt, dass es auf manchen Stationen leider gar keine Praxisanleiter*innen teilweise gibt. Generell geschehen Anleitungen oftmals eher nur „nebenher“. Pro Einsatz müssen 10% der Arbeitszeit als Praxisanleitung gefüllt werden. Dies kann so gut wie nie gewährleistet werden. Am Ende vom Einsatz schreibt man dann doch teilweise irgendwas rein, um wenigstens ein bisschen was dastehen zu haben. In fast jedem Einsatz wird auch ein Grund für die Unterschreitung der Anleitungszeit angebeben: Personalmangel. Bei all diesen Gegebenheiten ist es nicht sehr verwunderlich, dass viele Menschen die Ausbildung schon abbrechen oder vorhaben, nach Beendung dieser einer anderen Tätigkeit nachzugehen. Natürlich habe ich mich in diesem Post eigentlich nur auf negative Gegebenheiten bezogen. Ich kann hier nur von meinen Erfahrungen und denen meiner Klassenkamerad*innen sprechen und möchte auf keinen Fall aussagen, dass es überall zu 100% schlecht läuft und alle examinierten Pflegefachpersonen nicht gut mit Auszubildenden umgehen. Gerade deshalb möchte ich aber allen Kolleg*innen, insbesondere engagierten Praxisanleitungen, danken, dass sie sich für uns Auszubildende einsetzen und auch wollen, dass wir einen Lernzuwachs haben. Solche Menschen schätzen ich und viele andere wirklich sehr. Wir sehen das definitiv, wie einige von euch sich so viel Mühe geben.

„Lieb Schwesterlein“: lieb, beliebt, beliebig. Von der Unmöglichkeit, gleichzeitig lieb und progressiv zu sein.

Hast Du ein schlechtes Gewissen, wenn Du Dich krankmeldest, bist Du schon versetzt worden, weil Du Veränderungen angestoßen hast, gab es Teams, in denen Du Dich unwohl gefühlt hast und wo Diskurse unmöglich waren? Warum das so ist, das liest Du hier..

Eins meiner Erweckungserlebnisse hatte ich in einem Spätdienst. Die (beliebte) Schichtleitung kritisierte das Vorgehen einer sehr jungen Kollegin. Die blieb ganz ruhig und sagte: „Danke, aber ich kann die Kritik nicht annehmen, weil….“ und führte ihre Argumente, die übrigens auf den Punkt und schlüssig waren, aus. Was dann folgte, war höchst interessant. Es entstand Gemurmel, Genörgel, die Schichtleitung war entsetzt, meckerte die ganze Zeit vor sich hin und die Stimmung war für WOCHEN im Eimer. Oh lala.

Pflege hat ihre Wurzeln, man kann das nicht oft genug betonen, im Kloster und im Militär. Darauf gründen sich die steilen Hierarchien, die Ihr im Alltag oft antrefft. Gruppen durchlaufen dabei Formungsphasen. Sie Bilden sich, sie normieren sich, und sie stormen (streiten sich). Das ist in Teams, die nicht Teil der Medizin sind, ein völlig normaler Prozess. In Kliniken ist das aber anders. Wer aus dem Kanon der Norm ausbricht, der wird schnell außerhalb der Gruppe angesiedelt. Harmonie ist das höchste Gebot. Wer diese vermeintliche Harmonie stört, der kann durchaus durch, sagen wir mal, schwierige Zeiten gehen, bis er wieder „artig ist und hört“. Konformität, Angepassten, gilt als das höchste Ziel.Nicht umsonst rufen oft noch ältere Patienten nach „lieb Schwesterlein“. Die meinen das ernst!

Insbesondere trifft es Menschen, die nonkonforme, querdenkende Neuerungen einführen wollen. Wenn es Dich also tröstet, und das sollte es, möchte ich Dir Menschen vorstellen, denen es genauso ging. Die auf das Übelste angegangen worden sind und.. am Ende dann Veränderungen geschaffen haben. Höre und staune.

  • Liliane Juchli, das hat sie mir bei meinem Interview erzählt, bekam massenweise Hassbriefe von Schwestern und Kliniken. Sie sei „der Teufel der Pflege“, sie „zerstöre die Krankenpflege“. Sie sagte mir, die Briefe hätten Leitzordner gefüllt!
  • Antje Grauhan, die einen Diplommediziner Pflege, also eine akademische Ausbildung forderte, stieß nicht nur auf taube Ohren, sondern gegen Wände. Bis heute unterliegt sie einer gewissen damnatio memoriae.
  • Sabine Bartholomeyczik berichtete in einem Artikel, ihr sei förmlich der Mund verboten worden.
  • eine Auszubildende verlor in den 70ern beinahe ihren Job, weil sie Überstunden abgegolten haben wollte. Das sei UNVERSCHÄMT!

Du siehst also, von ganz oben bis ganz unten hat das alles eine gewisse Tradition und Kultur. Woher mag die kommen? Dazu kann man (ich) nur Vermutungen anstellen. 85% aller Pflegenden sind weiblich. Frauen aber genossen noch bis vor kurzem die Erziehung, dass ein Mädchen „Lieb, artig, angepasst, nicht streitend“ sein soll. Frauen, die laut sagen, w as sie denken, werden noch heute als „hysterisch, krank, emanzipierte Fregatten (Körperlichkeit spielt hier IMEMR eine Rolle), zänkisch, widerborstig et al. “ gelabelt. Gar nicht selten werden sie auch pathologisiert.

Yvonne Falkner, die Initiatorin des Empowerments Careslam, gilt, das sagen sie ganz offen, als „narzisstisch, Borderlinekrank, verrückt“. Sie bekam von Pflegenden ein Label aufgedrückt – das übrigens völlig falsch ist. Was ihr Verbrechen ist? Sie leitet junge Kollegen auf der Bühne theaterwissenschaftlich an, über das, was sie im Beruf erleben, zu sprechen. Denn auch das ist ganz und gar nicht normal. Schon das Ansprechen gilt als zutiefst böse. Immer wieder lese ich im Netz: „Wenn man schlecht über den Beruf redet, dann trägt man nicht zu einem besseren Ansehen des Berufs bei“ Man diskreditiert ihn und andere also. Aha. Das ist schon ein bisschen weird. Nicht über Kritik reden zu dürfen. aber, das ist natürlich sowohl der Erziehung als auch der Kultur geschuldet. Artige Mädchen tun so etwas nicht. Nicht umsonst forderte Erwin Rüddel, gut über den Beruf zu sprechen, dann würde die Politik auch helfen. Dahinter steckt genau die Vorstellung. Im 19. Jahrhundert galt der Beruf als das, was Frauen (artige FRAUEN) eben naturgemäß könnten. Noch heute wird Artigen und Angepassten gefordert. Merkwürdigerweise auch von Pflege selbst s, nicht umsonst fordert diese Artigkeit ja auch die Riege alter weißer Männer (und Frauen) aus der Pflegekammer RLP in ihrem „feierlichen Versprechen“ ein.

Das hat Auswirkungen. Wer artig ist, gilt als „gut“, der kommt hoch. Dass hinter artig sein nicht automatisch Fachwissen steckt, davon können viele ein Lied singen. So berichtet Kollegin Veronica M. auf Twitter ganz oft (eine Frau mit unendlich Fachwissen), dass sie als „schlecht“ gilt, weil sie eben diese Konformität nicht mitmacht, und Fachwissen vor Gruppendynamik stellt. Oft fragt sie, ob das schon Asperger sei. Sie fühlt sich anders, krank, glaubt, dass Teamarbeit nichts für sie sei, dass irgendwas mit ihr nicht stimme. Doch, mit ihr stimmt alles. Nur, das Gefühl dafür hat sie verloren, weil die Normierung und Kultur so unfassbar greift. Daraus resultiert ein merkwürdiges Ding. Wenn nicht der hochkommt, der gut ist, sondern der, der lieb ist, dann ist Beliebtheit der Schlüssel für alles.

Macht einmal den Selbstversuch. Schaut Euch die Botschaften der „beliebten“ Blogs an. Alle konform. Alles süßlich. Je platter die Aussage, desto Love. Desto hoch. Herz und Mut haben das sehr clever genutzt.

Imagekampagne setzen nicht umsonst auf Humor (=nimm doch nicht alles so ernst) und Herz (liebsein, beliebtsein), aber wenn morgens 300 Individuen in eine Klinik gehen, sich uniformieren und alle lieb sind, resultiert daraus ein Brei, der nichts mehr hat. Ganz oft, bei Jubiläen, bei Kündigungen, wundern sich Leute, dass man ihnen nicht sagt, dass sie fehlen würden, dass die Anerkennung individuell sei (der Blog von Notaufnahmeschwester zum 30. Jubiläum). Nun, wer beliebt in Massen daherkommt, der ist schnell beliebig. Und wer beliebig ist, ist ersetzbar. Nicht anders ist es zu erklären, dass PDLs noch heute auf Austauschbarkeit setzen.

Wir schauen nochmal nach oben: wer etwas verändern möchte. DARF nicht konform sein. Das ist besonders tragischen weil Diskutieren bereits als Ausbruch aus der Konformität gilt. Wer etwas anspricht, ist böse. Der spaltet die heile Welt Pflege. Das Argument, dass dann oft kommt, ist „Meine Meinung“. Argumente gibt es nie. Im besten Fall wird gar nicht auf die Argumente eingegangen. Die Kultur ist so eingefahren, dass Tonepolicing gefahren wird. Tonepolicing ist, dass man sagt, der TON sei nicht richtig. Das kennen wir aus der Erziehung: „Nicht in dem TON!“ Was Tonepolicer vergessen: hier reden Erwachsene. Es ist nicht an ihnen, den Ton zu kritisieren. Der Ton wird meist kritisiert, um Frauen ihre Stimme zu nehmen. Die Botschaft ist: wenn Dein Ton, also DU, nicht NETT ist, dann höre ich Dir nicht zu und Du bist böse. Und böse Mädchen….. (ihr denkt es Euch schon). Was ich darauf sage: Mein Ton geht alle nichts an. Die Botschaft. Wer mich Tonpoliced, enttarnt sich. Gehe ich nicht drauf ein. Harmoniesucht ist in der Pflege en vogue. Diskurs ist Streiten, Streiten ist Böse. Das geht nun schon 150 Jahre so.

Deshalb geht es Dir schlecht, wenn Du dich krankmeldest, auf deine Bedürfnisse hörst, etwas ansprichst. Und es kommt noch wilder: in den Leitungskursen wird das gelehrt! Genau DARAUF zu setzen. Du hast Angst, unartig zu sein, emotionale Konsequenzen aushalten zu müssen. Das erziehen sie schon den Azubis an, indem sie ihnen hierarchische Plätze außerhalb der Pflegegruppe zuweisen und sie mit pflegefremden Tätigkeiten ausstatten. Wer freut sich nicht, endlich dazuzugehören, und nicht mehr Handtücher zu falten ..dazugehören und richtige Arbeit zu machen? Das setzt man nicht aufs Spiel, gell? Beliebtsein ist ein Problem.

Wie man sich dem Problem entledigt? Halte es aus, nicht beliebt zu sein. Wer liebt Dich? Deine Familie, Deine Freunde. Alles andere ist nur Arbeit. Je geborgener Deine eigentliche Situation, desto leichter ist das. Und bei jedem Trouble denke dran: Den Namen der Beliebigen beliebten kennt heute keiner mehr.

Sei wild und frech und wunderbar!

LIEBE Grüße

Was geschieht, wenn wir Pflege satirisch sehen? CN: bleib weg, wenn Du nicht lachen möchtest

Doch, nach eingehender Reflexion möchte ich die neue Berufsordnung DOCH unterstützen. Ich finde nur, dass die Rückschritte in die Jahre 1920-1940 nicht weit genug gehen, denn da geht noch was und das könnte das Ganze doch auch gesamtgesellschaftlich extrem entlasten. Wir müssen lösungsorientiert sein.

Nachfolgend also Vorschläge, wie wir das alles lösen können.

Hildegard von Bingen statt die moderne Florence! Come on, das hätte NUR Vorteile.

NONNEN:

-lebten 24 Stunden auf ihren Stationen und hatten nur 8x täglich ein paar Minuten zum Beten. Lasst uns da normal anknüpfen. Die meisten von Euch sind doch eh schon im Dauerdienst. Was Ihr an Geld sparen könntet, wäre Eure Wohnung nur eine verschwommene Erinnerung an miese Mietenzahlung, Heizkosten und Aufräumen. Eine Pritsche zum Schlafen wie früher reicht doch völlig. Jedem Privatbetreiber einer Klinik geht bei der Vorstellung das Herz auf, denn die wussten damals schon, weshalb Schwestern da leben sollten. Und es gibt gar kein Geld. Come on. Die Welt ist eh bargeldlos. Unterkunft und Verpflegung ist ein Konzept, das sowieso in der Pflege wieder angekommen ist. Osteuropäische Kollegen bekommen so ihr Taschengeld und Kost und Logis. Und die Gesellschaft findet das „so nett“. Wie anerkennend da von „meiner Polin“ gesprochen wird. Und Anerkennung? Hey, das wolltet Ihr doch.

  • die Ausbildung wäre stark verkürzt. Im 20. Jh. betrug sie anerkennende 6 Wochen. Das könnten wir wieder einführen. Learning by Washing! Wozu noch all die quälende Ausbildung, wenn man das Gelernte eh nicht anwenden kann? Schmeissen wir unsere überkommenden Vorstellungen doch über Bord. Waschkurs (falls überhaupt) und jut. Aus die Maus. Dann wären auch viel weniger Leute frustriert. So geht Motivation!
  • Wenn wir schon dabei sind: ganz früher bei Hildegard gab es keinen Strom. Also lasst uns da wieder hin. DAS wäre nachhaltig, würde Energie sparen und nur ein paar selbstgezogene Kerzen kosten. Und hey: regt Euch die blöde Ableserei der Kühlschanktemperatur nicht eh auf? Denkt doch mal nach! NIE WIEDER TEMPERATURENCHECK, weil wo kein Strom, da kein Kühlschrank. Keine Dialysen, keine Beatmung, da geht noch was von Hand.
  • Empathie! Wenn Du keine Ahnung hast, dann musst Du nichts beobachten, dann musst Du Dir keine Sorgen machen. Du musst auch nichts dokumentieren, kannst den ganzen Tag einfühlen. Ds wäre der Traum manch einer Pflegekraft.
  • Der Titel! Den gäbe es auch wieder. Schwester! Endlich! Kein Gezanke.
  • Keine eigene Wohnung, keine Heirat, kein eignes Leben. Das bedeutet quasi keine Ausfälle durch Schwangerschaften. Und jammert Ihr nicht immer, wie schwer das alles unter einen Hut zu bekommen ist? das entfällt dann völlig. Perfekt!
  • Endlich könnte ein mann wieder das Sagen haben. Haben sie doch prozentual eh. Statt Oberpfleger käme ein Oberabt. Das wäre doch toll. Dann fiele die leidige Feminismusdebatte auch weg. Hierarchie ist wie sie ist. Kein Gezanke, kein Geschrei.
  • Altersvorsorge. Juhu! Die Rente wird erreicht, indem man selbst st pflegebedürftig wird. Fit bis ins Hohe Alter. Und früher haben die meisten Kollegen das gar nicht erreicht. Sie lebten sozialverträglich nach 4-5 Jahren ab. Da geht auch noch was im Impfgegnern.
  • Ja, das wäre sie. Die schöne neue Pflegewelt, in der alles WIRKLICH beim Alten wäre, die Welt, die Politik und Pflege selbst lieben würden. Ist das nicht PHANTASTISCH?
  • So einfach gehen Lösungen. Back to the roots! NOW!

Zur Tradition von Gehorsam, Gelöbnis, Ehre und Anstand

Die Berufsordnung der Pflegekammer RLP ist, wie ich bereits betont habe, aus meiner Sicht hochproblematisch, weil die Begriffe, auf denen sie undefiniert basiert, stark belastet sind – vor allem im pflegerischen Kontext.

Ein Gelöbnis abzulegen kommt aus den Urtiefen des Berufs. Ab dem 6. Jh. schworen Mönche und Nonnen – und das sind zumal die Wurzeln des Berufs – Gehorsam in der Benediktsregel. Später, beim Aufkommen des Hospitalwesens in den Kreuzzügen im 11. und 12. Jahrhundert, waren es ebensolche christlichen Werte, Tugenden, die geeignet schienen, Menschen für Gotteslohn zu verpflichten, für andere zu sorgen.

Absolut schwierige Tradition aber ist der Ehrbegriff und das Gelöbnis in Deutschland seit der Zeit des Nationalsozialismus. Es erschliesst sich mir nicht, weshalb der Satz:

„Liebe deutsche Schwester. Auch Du wirst immer mehr lernen müssen, daran zu denken, dass Du in erster Linie Frau Deines Volkes bist und dass Du diesem Volke Verantwortung schuldest für all Dein Tun und Handeln und vor allem für die Art der Ausrichtung Deines Handeln und Deines Denkens.“

fast schon unkritisch in „in allen Situationen werden ich die Ehre und das Ansehen des Berufsstandes wahren!“ aufgeht.

Gelöbnisse selbst gab es für Pflege auch unter den Nazis:

„Ich schwöre Adolf Hitler, meinem Führer, unverbrüchliche Treuer und Gehorsam. Ich verpflichte mich, an jedem Platz, an den ich gestellt werde [also in allen Situationen] meine Berufsaufgaben als nationalsozialistische Schwester treu und gewissenhaft im Dienste der Volksgemeinschaft zu erfüllen, so wahr mir Gott helfe!“

Genug gelobt, genug geschworen. Genug der Ehre.

Im Namen der Ehre mussten wir genug Gehorsam leisten. Man kann nur vermuten, weshalb diese Parolen wieder auftauchen, in einer BO, die offenbar geschrieben wurde von Menschen, die kein Interesse an Geschichte und Definitionen haben.

Ich jedenfalls gelobe nichts, bin nicht treu, lasse mich nicht im Namen einer undefinierten zweifelhaften Ehre verpflichten und Bin kein anständiges, braves Mädchen. Das würde nämlich einen Arbeitgeber entlasten, mir Bedingungen zu schaffen. Wir werden tagtäglich gedemütigt und entehrt. #respectnurses zeigt das deutlich auf. Schafft man es nicht, sich ehevoll zu fühlen, dann stimmt ab heute was mi meiner Ehre nicht? Nein, Leute, so einfach läuft das nicht.

Ehre, Anstand und ein Schwur – die neue Berufsordnung. Zurück in die Zukunft

Darauf also haben wir gewartet, das also schaffen die Funktionäre der Pflegekammer RLP. Ein „feierliches Versprechen“ leitet die neue Berufsordnung ein. Wem wir dieses feierliche Versprechen geben, das verraten sie uns nicht. Gelübde haben ja eine lange Tradition – gerade in unserem Beruf. Gelübde im Kloster läuteten die lebenslange Ortstabilität und die Übergabe des eigenen Willens an die Äbtissin ein. Gehorsam rules! Das muss diese neue Unabhängigkeit, diese Wertschätzung sein. Ist klar. Was ist dann die nächste Stufe? Zurück zum Fahnenappell?

Ich weiß nicht, ob die Funktionäre da verstanden haben, dass sie den Beruf in die Zukunft bringen sollten? Stattdessen gibt es also ein Gelübde, das auch gut in einem Kaninchenzüchterverein hätte stehen können. Wozu ein Gelübde, wenn die Arbeitsvoraussetzungen stimmen? Ach so, klar, das Ganze geht noch weiter.

„In allen Situationen werde ich die Ehre und das ansehen des Berufsstandes wahren“.

Berufsordnung

Ehre? Ernsthaft? Der Ehrbegriff ist nicht nur ein überkommenes Konstrukt aus grauer Vorzeit. Gegen die Ehre gehen.. was wäre das? Definiert haben sie das nicht. Wenn jetzt also etwas schief läuft, Dein Ag Dir Bedingungen aus der Hölle bietet, dann haste ab heute ein Problem mit Deiner Ehre. Schwierig: Ehre im Frauenberuf ist automatisch Ehre der Frau. Die ist traditionelle Unterordnung in einer männlich geprägten Hierarchie. Wenn das also die Leistung der Kammerfunktionäre ist, Frauenehre als Basis eines Berufes zu tradieren, dann haben die das offenbar in einer Timekapsel geschrieben und zwar irgendwann zwischen der Zeit, als Jungfrau zu sein Ehre war oder der Staat, nicht irgendein Staat, sondern die Nazis, was von Ehre schwafelten, um von außen die Definitionsmacht über Pflege zu erhalten. Ehre wie nämlich von außen zugeschrieben. Von Männern. In Zeiten von Bodyshaming, beruflich verpasster Emanzipation und fallenden Arbeitnehmerzahlen ist das also die Rettung? Ehre? Ehre wird historisch an den Frauenkörper geknüpft. Na, Mai, das war ja ne richtig gute Idee, sich als Mann im Elfenbeinturm hinzusetzen und die Ehre der Frau als Basis ihres Selbstverständnisses zu definieren. Was für eine patriarchische sexistische Kackscheisse. Ich frage mich ernsthaft nach der Kompetenz dieser Funktionäre. Ist es DAS, was ihr könnt? Einen Honorbegriff einzuführen ohne ihn hau definieren? Habt ihr keinen anbei gehabt, der etwas studiert hat? Das da ist ein Armutszeugnis.

Anstand! Ja, wer kennt es nicht. Anstand. Die anständige Frau? Schon in den 20ern war das Thema, allerdings im letzten Jahrhundert. Eine anständige Frau gehorcht, eine anständige Frau hat kein Metoo Problem, sie muckt nicht auf, Wir hatten genug anständige Frauen. Ihr habt Sie verschlissen. Nein, soviel Unsinn kann wirklich niemand, niemand mittragen und ab hier ist das kein Spiel mehr. Da sitzen Funktionäre im Elfenbeinturm und erweisen sich als unfähig. Sie definieren ein rückständiges berufliches Selbstverständnis und lassen sich dafür noch bezahlen, die Pflege zurück in die Vergangenheit zu schiessen, Pflege zu behandeln wie 1900 im Kloster. Wenn ich sowas lesen will, kann ich Bodelschwingh lesen. Der hat an die Geschichte von der gehorsamen artigen Frau und ihren Ehrenkodex noch glaubt. Mit professioneller Pflege hat das NICHTS zu tun. Schämt Euch! Und verfasst keine Texte solcher Tragweite, wenn Ihr es nicht könnt!

Besonders dramatisch: gerade die Begriffe Ehre und Altenpflege werden zunehmend von rechts besetzt. Aber hey… anscheinend ist das völlig egal.

Ehre? Blut? Schweiß ? Schwüre?