„Poppen für Pflege“. Das neue Konzept des DRK zur Ausbildungsoffensive?

Wolfgang Hahl, Leiter der Mannheimer Akademie für Pflege des DRK ist da was Heißem auf der Spur! Im neuen HCM-Magazin weiß er, warum junge Frauen <– [sic] Pflege lernen!

„Der Aspekt, dass Krankenschwestern dort zumindest in der Vorstellung Ärzte kennenlernen können, ist bei jungen Frauen nicht zu unterschätzen.“ sagt Hahl. Und Hahl muss es wissen, der ist nämlich.. oh, wait!

Klar, das ist mein Lebensziel gewesen.

Die 1950er Jahre haben angerufen und möchten den Leiter der Akademie dringend sprechen. Ich weiß nicht so recht, wo ich anfangen soll. Da sitzt also der Typ alter, weißer Mann, in meinem Alter auf der Hompage des DRK und faselt etwas von den angeblichen Träumen junger Frauen. Ich befürchte, das ist lediglich ein Wunschtraum und zwar nicht zwingend derer, die sich drei Jahre auf der Pflegeschule abrackern. Nach #metoo, nach der drängenden Frage, wie man den Beruf attraktiver machen könnte, hat Herr Hahl nun die Antwort. Ich hingegen habe Fragen.

Wenn das also nun der feuchte Traum einer Krankenschwester ist, dann habe ich drängende Fragen zum Frauenbild des Mannes. Frauen in der Pflege heiraten heute keinen Doktor mehr, die schreiben einen, und zwar in rer. med. oder rer. cur. Sich als Mann meines Alters hinzusetzen und die Knochenmühle Klinik als Jungferngarten zu verscherbeln, aus dem der weiße ritterliche Stethoskopträger die holde Maid erretten wird und mir ihr in den Sonnenuntergang des fleischgewordenen Arztromans reitet, ist nicht nur für 2020 saublöd, das ist auch sexistische Kackscheisse, der Zeit nicht angemessen, antifeministischer Schrott aus der Machohölle der 1950er und vermutlich die Projektion aus dem patriarchalischen Wahnsinn.

Ich weiß nicht, weshalb Menschen sich noch trauen, so etwas zu sagen und warum Magazine dann nicht sofort das Gespräch beenden. HC; ist ein Healthcare Management Journal. Sind wir 2020 nicht irgendwie weiter, als einen Beruf als Management des Heiratesmarktes zu verkaufen? Ich habe auch keine Ahnung, warum sich Verbände und Organisationen nicht sofort auf die Hinterbeine stellen und dem Mann, der aus Auszubildenden Profis machen soll, den Vogel der Deprofessionalisierung zeigen, aber was weiß ich schon?

Selbst dem letzten Hornochsen ist aufgefallen, dass klischeehafte Rollenbilder (Schwester=weiblich, Arzt=männlich) so ziemlich das Letzte sind, was wir benötigen. Wenn das also die angebliche Motivation ist, dann gute Nacht. Wie kann man sich als DRK Vertreter eigentlich hinstellen, nachdem man ganze Schwesternschaften aus einem Frauenverein rekrutiert hat in seiner Gründungszeit, und einhundert Jahre später so eine [setzen Sie hier einen beliebigen Rant ein] erzählen?

Ich bin ja für jeden Spaß zu haben, aber „Ficken gegen den Pflegenotstand“ gehört nicht zu den Schlachtplänen, da seid mal sicher.

Was kommt als Nächstes? „Schenkt dem Pflegedirektor ein Kind!“?

Nein, ich bin nicht gegen interprofessionelle Pärchen. Aber ich verwahre mich doch dagegen, Heirat und Schwestern -Arzt Beziehungen als vermeintlichen sozialen Traumaufstieg zu verkaufen, dem man durch eine Ausbildung zu verwirklichen sucht. Studieren Ärzte dann auch, um ne Schwester zu knacken? Was ist mit Ärztinnen und Pflegern?

Das ist doch bitte nicht die offizielle Antwort. Kann dem Mann mal eben einen Kalender reichen? es ist 2020.

Eine Kollegin formulierte es so, nachdem wir Herrn Hahl und seinen Ausspruch sahen:

„Oh Gott … wenn das der letzte Mann auf der Welt wäre … dann lieber nix zu Weihnachten !!!“

12 Kommentare zu „„Poppen für Pflege“. Das neue Konzept des DRK zur Ausbildungsoffensive?

  1. Wenn man die offensichtlich ausufernde Fleischeslust zwischen Medizin und Pflege beiderseitigem Geschlechts in ein Gesetz gießen würde: „K1 gehört der Pflege“ könnten die feuchten Träume des Akademiedirektors Früchte tragen.

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  2. Wenn man die offensichtlich ausufernde Fleischeslust zwischen Medizin und Pflege beiderseitigem Geschlechts in ein Gesetz gießen würde: „K1 gehört der Pflege“ könnten die feuchten Träume des Akademiedirektors Früchte tragen.

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  3. Was ein Quatsch. Der Kontext zielt klar auf Klinikserien. Ich kenne keine Serie aus einem Altenpflegeheim. Sie etwa. Er spricht von Klischees und das der Ruf der GuK einfach besser ist. Die Altenpflege (auch meine Profession) stand immer im Schatten. Ich habe in beiden Bereichen gelernt (also Einblick) und würde nie wechseln wollen.
    Durch die neue Ausbildung ist die Altenpflege erneut schlechter gestellt und Fakt ist, dass es Probleme geben wird die neue Ausbildung umzusetzen. So wie er aussagte. Bin inzwischen Lehrerin und aktuell mittendrin in der Thematik. Viele AG bilden lieber nicht aus oder wollen abwarten wie das alles abläuft. Und was ist damit gewonnen? Nichts ausser weniger Auszubildende. Wozu das dann führt brauche ich ja keinen erklären.

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      1. Hatte ich irgendetwas von sozialem Aufstieg geschrieben? Ich glaube nicht und wie es um meine Emanzipation steht überlassen Sie mal gerne mir selbst. Aber eine andere Sicht auf oben zitierten und für mich aus dem Kontext gerissenen Artikel ist wohl nicht gewünscht 😁. Möglich dass zitierten Herr Hahl Frauen fördert und ihnen wohlgesonnen ist, wer weiß.

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  4. An dem Tag als ich von Herrn Hahl die Chance zu meiner Ausbildung bekam ging für mich, meine Familie und mein Leben der Himmel auf. An dem Tag an dem er mich, nach meinem Studium, anstellte und mir Vertrauen schenkte war ich dankbar. Wenn dieser Mann eines nicht ist, dann sexistisch. Vielleicht sollte man über unbekannte Menschen nicht urteilen.

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    1. Zitat Wendler: „Worauf ich am meisten stolz bin? Auf meine geilen Fans, die mich immer unterstützen… Filmst Du mich etwa?“ 😳
      Fast möchte man rufen: Keep calm Herr Hahl! Da geht der Himmel auf! Krieg ich GÄNSEHAUT, geht der HIMMEL auf. (Junge junge Junge)

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  5. Dieser Beitrag ist genial genital geschrieben. Die Zurückweisung von Stereotypen und Zuschreibungen mit Humor beinhaltet einen weiten Blick und ein Verständnis von Machtstrukturen, die den Beruf lieber in der Berufung verroten lassen, anstatt wirkmächtig aufzustellen.

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