Zwangsrekrutierungen von Pflegenden: der Burnout-Scheiterhaufen, zum Pflegen verdammt

Pflege könnte zwangsrekrutiert werden, meldete die FAZ.

Weit vor dieser Nachricht gab es heute ein Gedicht. Ich finde es schön.

„Wofür Du Dich opferst.

Für ein Volk von Egomanen, die sich einen Dreck für Dich interessiert haben und jetzt Beifall klatschen aus Angst. Für ein zynisches, menschenverachtendes Gesundheitssystem, das Dich jahrelang mit Füßen getreten und ausgesaugt hat. Heldenmut. Du kannst mich mal!“ (Thomas Nitsche)

Und ich finde das schön.

Er hat recht. Plötzlich ist Pflege „systemrelevant“. Nicht systemrelevant genug, um an den Diskussionstischen der Krise mitzusitzen. Nicht systemrelevant genug, die Bevölkerung zu informieren. Aber systemrelevant genug, ohne Material das Unmögliche zu schaffen. Ja, wer hätte das gedacht, dass ein bis auf die Grundmauern zerstörtes Pflegesystem, das nur noch von wenigen unter persönlichen Abstrichen zusammengehalten wird, das Land retten müsste? Jeder von uns!

Wo sind sie jetzt, die ewig hofierten pflegenden Angehörigen, die alles genausogut können? Die jahrelang Pflegende wie den letzten Dreck behandelt haben, und die Patienten, die bei Metoo noch gehöhnt haben, Schwestern seien ja zum Anfassen da? Ganz schön leise geworden.

In den letzten Jahren, nachdem reden, erklären und demonstrieren nicht half stimmten Tausende mit den Füßen ab. Nichts wie raus aus der Pflege. Die NEXT Studie zeigte, dass auch von den Verbliebenen 30% sofort weggehen würden, wenn sie könnten. Exorbitant hohe Krankenstände unterstrichen: das ist ein Ausbeutungsberuf. Exorbitant hohe Scheidungszahlen belegten: das ist ein Beruf, den eine Familie kaum mittragen kann. Aber allen, allen war es egal.

Von den wenigen, die noch nicht flüchten konnten oder wollten, haben die meisten über 100 umabgegoltene Überstunden auf der Uhr. Bezahlen ist den Konzernen zu teuer. Abbummeln geht nicht. Die letzte Insel, das Leasing, soll verboten werden. Und nun, in Corona, gibt diese ausgepresste Berufsgruppe, bei der jeder einzelne Bürger Gemüts-Sozialschulden in ungeahnter Höhe hat, nochmal alles. Einen riesigen Sozialkredit in Zeit, Arbeit, Schweiß und Lebensgefahr. Noch mehr Überstunden, noch miesere Bedingungen, als sie in Normalzeiten schon nicht mehr zu halten waren. Und das ohne Material. Man klatscht dazu. Das wars auch schon. Aber: es ist diesem Land nicht genug.

Nicht genug, junge Mütter auszubeuten, nicht genug, sie bis zu 60 Stunden die Woche in die harten Knochenmühlen zu schicken Nicht genug, nur2 Tage Frei im Monat zu gewähren.

Wer es geschafft hat, wer raus ist, wer geflüchtet ist, aus den neoliberalen Waschstraßen der Klinikliebe, wer seinen Hochleistungswaschlappen an den Nagel gehangen hat, weil er Pflege und nicht Verwahren wollte: der soll nun zwangsrekrutiert werden.

Vor ein paar Wochen scherzten wir noch. Ob sie uns aus den Wohnungen zerren würden. Oder ob sie die Rentner einbestellen würden? Nun wird all das wahr.

Es scheint eine moderne Hexenjagd zu werden. Statt Scheiterhaufen wird nun das letzte bisschen Leben in den meist schon ausgebrannten Pflegenden verbrannt. Zum Wohle wessen eigentlich?

Jahrelang haben wir uns angehört, unsere Probleme würde der Markt regeln. Irgendwann würde es schon Geld geben. Und nun, wo ist Euer Markt jetzt? Immer, wenn wir eine Nische gefunden haben, prügelt Ihr die Pflegenden aus diesen Refugien raus. Sei es Leasing, sei es Aufgabe des Berufs. Tschüss, freie Berufswahl.

Ab zurück mit Dir auf die Sklavengaleere der Gesundheitsmarktwirtschaft. Zurück in die Markthalle der DRG. Natürlich für die Krise. Natürlich weil man diese Milde nun erwartet. Man selber hat nichts zu erwarten. Denn sie klatschen ja. Klatschen ist umsonst. Müssten sie zahlen, wären sie wütend. Ob gerade 1 Million Pflegende wütend sind, ist egal. Hier, noch ne Schachtel Merci. Und nun wasch, unter Einsatz Deines Lebens, lächelt und beatmet. Rette.

Wie kann man das erwarten? Haben nicht die, die raus sind, bereits Jahre alles gegeben? War es nicht demütigend genug, den Job an den Nagel hängen zu müssen, sich in die Pflegestudiengänge neben der Arbeit wegstudiert zu haben, in den Umschulungsmaßnahmen müde und ausgebrannt in den Klassen zu sitzen? Und all das war Euch nicht genug?

Ein Land von Egomanen fordert nun, dass die Aufopferungsschiene weitergeht. Gefälligst. Sie klatschen auch. Aber zahlen? Werden sie nie. Nicht das Geld und nicht die Zeit.

Und nein, es geht nicht um meine Komfortzone. Ich bin bereits freiwillig im Hardcore-Corona-Zentrum registriert. Freiwillig! Das ist der Punkt . Leibeigenschaft ein anderer.

Wie soll das laufen? Auf Twitter scherzen wir:

Das wird wie Hexenverfolgung!

*quäl*

„Kennst Du andere Pflegende??“

*Daumenschrauben anzieh*

„Nenn die Namen!“

26 Kommentare zu „Zwangsrekrutierungen von Pflegenden: der Burnout-Scheiterhaufen, zum Pflegen verdammt

  1. Ich bin Auszubildende im Oberkurs und wurde am Montag nach meinem Außeneinsatz in mein Krankenhaus geschickt. Dass ich gerne frei hätte, weil ich heute in meinem 16(!) Tag bin, wegen des Einsatzes vorher, wurde belächelt. „Das machen wir auch alle.“

    Wir fühlen uns als Azubis teilweise den Geiern zum Fraß hingeworfen. Kurze Wechsel waren uns vorher schon ein Begriff, jetzt nutzen das Stationen und PDLs umso mehr aus. Wir werden, weil sich viele examinierte Kräfte auf der Peripherie drücken (kein Vorwurf, nur eine Beobachtung), in Isolationsstationen und ZNA geschickt. Der OK muss auf die INT aushelfen. Der MK „darf“ auf die Überwachung, wenn notwendig. Der UK übernimmt zum Teil ganze Zimmer.

    Ich scheue mich nicht davor, meinen Beitrag zu leisten, die Pandemie zu überstehen. Aber auch sind einige von uns vorerkrankt, könnten Risikogruppen sein oder Risikogruppen zuhause pflegen bzw. betreuen. Ich hatte ungeschützten Kontakt mit einem positiven Fall, bekomme aber keinen Abstrich, weil ich keine Symptome aufweise und arbeiten kann. Meine examinierten, ärztlichen und therapeutischen Kollegen wurden abgestrichen. Fehlstunden dürfen nicht mehr als 260h in 3 Jahren sein. Das sollen wir uns vor die Augen führen. Wir möchten ja alle das Examen schaffen und zugelassen werden. Deswegen sollen wir die Situation jetzt nicht ausnutzen. O-Ton PDL…

    Ich bin nicht arbeitsscheu oder faul. Wie gesagt ich mache das gerne und ich möchte meine Situation keineswegs mit der von examinierten Personal vergleichen. Aber wir haben ein Recht auf Lehre und unsere Ausbildung.

    Und jetzt will uns niemand sagen, ob und wann das stattfinden wird. Man könne uns momentan nicht anleiten. Dienstplansicherheit? Kann man lange suchen. „Geh mal auf der Isostation aushelfen.“ Jeden Tag aufs Neue. Aufgrund der Abhängigkeitssituation auch keine Widerworte von unserer Seite. Frage um Unterstützung oder Hilfe fallen auf taube Ohren. OK Schüler betreuen MK Schüler, die wieder rum UK Schüler betreuen. Und wir alle haben die Befürchtung, dass wir die Schule lange nicht mehr sehen werden und im Krankenhaus bleiben müssen.

    Verstehe, dass wir eine Ausnahmesituation haben.. aber ich kann nicht mehr. Das Schlimmste steht uns noch bevor. Stehe kurz vorm Examen und kurz davor, das Handtuch zu schmeißen.

    Ich wünschte, ich hätte „irgendetwas im Büro“ gelernt.

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      1. Danke Monja. Du bitte auch. Wünsche keinen von euch im #Pflexit das Krankenhaus an den Hals, aber der Egomane in mir wünscht, du wärest bei uns im Krankenhaus. 😦

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      2. Da, wo ich mich gemeldet habe, willst Du nicht sein. Und das würde ich auch nicht verantworten.
        Übrigens sehe ich wie Pflexit aus ;-)? Ich bin doch jeden Tag bei Euch. Ick drück Dir. So Coronamässig!
        Und jetzt tu mir den Gefallen und nimm ne Dusche oder n Bad, mach Dir mucke an, n gutes Zitronenöl und ne Kerze, ok?
        Wenn du den Kopf frei kriegen willst, hörst du auf YouTube Mary Beard Frauen und Macht: Woman and Power (gibts auch auf Deutsch als Buch) und dann verstehst du ganz stark deine eigene Situation. Ok?

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      3. Gehen Sie damit ab die Öffentlichkeit!!! Einfach sachlich argumentieren, ohne Vorwurf und Lobhudelei. Ich stand auch schon vor die einer Situation. Bin seit drei Jahren raus aus der Pflege aus gesundheitlichen Gründen. Aber ich war 26 Jahre in der Pflege. Ihr Staatsexamen steht an erster Stelle für Sie und Sie müssen für sich entscheiden. Ihre PDL wird nie für Sie eine Rechnung zahlen, oder die Miete. Auch das können Sie Ihr einfach sagen. Sie hat ihr Examen nie unter Bedingungen der jetzigen Situation abgelegt. Meine damalige Stationsschwester hat uns immer gleich behandelt egal ob Schülerin oder examinierte Schwester. Das hat mich sehr geprägt. Eine ganz nette Kollegin in der ambulanten Pflege hat immer einen sehr weisen Satz gesagt: Jede Arbeit stellt sich anders dar,wenn man sie selber einmal tun muss.
        Ich wünsche Ihnen sehr viel Kraft und Mut. Vor allem Gesundheit und einen klaren Kopf für ihr Examen. Kleiner Tipp noch: Schreiben Sie an Minister Spahn und schildern Sie diese Situation. Ich meine das ernst, denn das Ministerium antwortet Ihnen.

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    1. Du schreibst: „Aufgrund der Abhängigkeitssituation auch keine Widerworte von unserer Seite.“ Meinst Du das ernst? Lasst Ihr Euch etwa alles gefallen? Warum wehrt Ihr Euch nicht? Hier in Bremen sollen die Pflegekräfte auch arbeiten, wenn sie positiv getestet sind. Geht’s noch? Allerdings, ich verstehe nicht, warum Ihr Pflegenden das noch immer mit Euch machen lasst. Warum streikt Ihr nicht? Geht nicht? Geht schon! Schaut mal nach Frankreich. Dort streikt das Pflegepersonal schon seit Jahrzehnten immer wieder, ohne dass die Patienten darunter zu leiden haben. Wie das gehen soll? Verblüffend einfach: Sie versorgen die Patienten weiterhin, boykottieren aber die Verwaltung, dokumentieren nur noch für sich „intern“ (unter den Streikenden) und lassen den ganzen Qualitätsmanagement-Quatch sein, der niemandem hilft, außer den Rechenschiebern, die Euch das Leben versauern. Solches intelligentes Streiken wäre ja auch im Land der grenzenlosen Zumutbarkeiten mal eine Überlegung wert, oder? Ständig nur zu jammern und noch die irrsinnigsten Anweisungen — wenn auch zähneknirschend — zu befolgen, wird jedenfalls nichts ändern. Wie heißt es doch so schön in der „Internationalen“: „Es rettet uns kein höh’res Wesen, kein Gott, kein Kaiser, kein Tribun. Uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun.“

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      1. Ich bin Auszubildende, 23 Jahre alt, viele meiner Mitschüler sind nicht viel älter (und einige Jünger als ich). Ich befürworte die Autonomie der Pflege, ich befürworte Streiks, ich befürworte Demos. Ich weiß nur nicht, wie Sie sich vorstellen, einen Haufen von Azubis, denen unterschwellig mit Examensverlängerung gedroht wird (260h Fehlstunden sind der Normalfall, aber wir sind NICHT im Normalfall) dahingehend zu mobilisieren, sich zu wehren, wenn uns sogar unsere direkten Kollegen – die auf Station, die, die uns lehren und schützen sollen – behandeln, als wären wir billige Hilfskräfte, die man auf Isostationen, ZNA und INT schicken kann, weil sie selber nicht möchten. „Die Schülerin kann doch auf die Isostation.“ Jaaa, die Schülerin macht das schon. Bin auch steril und immun. So vong OK her.

        Wie soll ich eine 18 jährige UK-Schülerin dazu bewegen, Klipp und klar nein zu sagen, wenn alles, was wir in der Schule und auf Station lernen, immer wieder darauf hinausläuft, sich zu beugen und die andere Wange hinzuhalten? Bitte um Ratschläge. Bitte zügig, muss gleich ins Bett und wahrscheinlich morgen wieder 3 UK Schüler betreuen und aufpassen, dass sie sich die Isokittel richtig ausziehen.

        Ich möchte Beistand von meinen examinierten Kollegen. Ich bekomme: 16 Tage Dienst, Isostation, INT und „Ständig nur am jammern“. Danke für nichts.

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      2. Es ist alles gut. Außenstehende verstehen die Situation nicht. Ab in die Wanne!
        Sonst streikt mein Blog! Du hast jetzt frei für Stunden. Du machst jetzt die Rübe aus! Du chillst jetzt. Bitte! Ich hab bitte gesagt! 😉

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    2. Ich in fassungslos… Schockiert…. Bin seid 1996 in der Pflege und auch Praxisanleitung.
      Arbeite im Hospiz und id Ausser klinischen Beatmung.
      Solche Texte zu lesen bricht mir um ehrlich zu sein das Herz.
      Bitte pass auf dich auf, vergesse DICH nicht bei dem was du gerade tust!
      ❤️

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    3. Das ist genau das Problem!!! Die Azubis werden systematisch verheizt! Und das ist nicht nur in der momentanen Situation so! Hierarchien werden von vielen Führungskräften bzw. übergeordneten Personen schamlos ausgenutzt! Eine Unverschämtheit diese Entwicklung! Es wundert mich nicht,dass viele während oder nach der Ausbildung hinschmeissen!

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    4. Schmeiß das Handtuch und laufe weg, ich bin nach 15 Jahren total ausgebrannt und am Ende, wenn ich lese, dass man mich nun in diese Hölle zurückrekrutieren kann wird mir schlecht. Am liebsten würde ich meine Examensurkunde am Herrn Spahn zurück schicken. Mit bestem Dank zurück. Stünde ich gerade kurz vor dem Examen, ich würde es nicht ablegen um mich niemals in diese Situation zu bringen.

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  2. Brauchst diesen Kommentar nicht freischalten, wollte nur sagen: jaah, gehe jetzt brav duschen (keine Badewanne im „Schwesternwohnheim“ 🙄), dann schlafen und nach morgen Dienstag/Mittwoch/Donnerstag mein frei genießen.

    Danke nochmal. Für dein offenes Ohr, deine Beträge und deine Unterstützung. Danke an euch alle. Bitte passt auf eure Azubis auf. ❤️

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  3. Leider ist es seit vielen Jahren so, dass Schüler/-innen in Pflegeberufen als “Kopf“ mitgezählt werden, ohne zu berücksichtigen, dass ihnen Anleitung, Hilfestellung und Unterstützung zusteht!
    Die Geschäftsführungen der, leider als Wirtschaftsunternehmen gewinnorientiert arbeitenden, Häuser, sollten darüber nachdenken, wie sie in Zukunft Pflege gewährleisten können, wenn Schüler/-innen nicht angeleitet und unterrichtet sondern ausgebeutet und verheizt werden.
    Ja, wir haben eine Ausnahmesituation – was nicht beseuten darf, dass Pflegende noch mehr ausgebeutet werden dürfen!
    Aber die Leben von, durch das Gesundheitssystem sowieso mangelhaft ausgebildeten, Schüler/-innen bewusst zu gefährden weil sie sich weder wehren können noch dürfen (Arbeits- und Ausbildungsverträge) ist grob fahrlässig und grenzt an Körperverletzung.
    Allerdings verstehe ich auch meine examinierten Kollegen/-innen nicht, die sich auf Kosten unserer Schutzbefohlenen drücken.
    Wer nicht in diesem Beruf arbeitet und die Arbeitsverträge, die das Streiken verbieten nicht kennt, sollte sich allerdings jeglichen inkompetenten Kommentar klemmen.

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  4. Danke für deinen Beitrag, auch deinen Zuspruch für Azubis.. gerade die sind in der Kette die mitunter Gebeutelsten.. bin selbst jetzt seit 5 Jahren ausgelernt.. arbeite seitdem in der Psychiatrie, geschützter Bereich für Suchterkrankte + (z.b. Psychose, (k)PTBS, Depression, schizo affektiv Erkrankte etc.) …
    Erinnere mich gut an Worte von „alt eingesessenen“ Kolleginnen, die meinten immer: „wart‘ nur ab, dann resignierst du auch.“ Hab sicherlich auch oft „zugewartet“, gehofft, vieles aber auch selbst versucht in die Hand zu nehmen, mich eingebracht.. der Effekt fällt mau aus, geschweigedenn, dass es gegen diese Windmühlen eine erwähnenswerte Auswirkung gehabt hätte..

    Wir stehen in dieser Pandemie aktuell an anderer Stelle, als diejenigen, die die internistischen und intensivpflichtigen Pat. betreuen.. sicher nicht zu unrecht.. ich befürchte dennoch ganz am Ende der Reihe.. und das wird gefährlich. Ist es jetzt schon. Wünschte mir wir würden nicht, wie Kanonenfutter gehandelt.. werden wir aber. Es mangelt bei uns extrem an Desinfektionsmittel (2fl/wo für eine Doppelstation mit insg 45 Pat im Schnitt); das Tragen von Arbeitskleidung als unnötiges Phänomen abgetan; weiterlaufende FB; angedrohte Taschenkontrollen, falls es wer wagen sollte sich privat mit iwas einzudecken.. lächerlich, brauchen wir es doch so dringend auf der Arbeit.. kann die Liste noch fortsetzen..na ja.
    Für mich gibt es nur zwei Gründe dennoch hinzugehen.. es sind die Patienten, sie können nichts dafür..und die Kollegen, die man einfach nicht im Stich lassen will.

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  5. Jedes Wort ist schmerzlich wahr. Ich könnte jedes Wort nach meinen eigenen Erfahrungen, die ich in 20 Jahren im Beruf gesammelt habe umformulieren und meine Geschichten hineinlegen, aber es wäre nicht weniger gruselig. Es tut grade irgendwo auch gut zu erleben, wie viele von uns den Mund aufmachen und dem über Jahrzehnte ganz selbstverständlich wie Dienstkleidung, Schere und Vierfarb-Kuli zum Pflegeberuf gehörenden Altruismus einen Vogel zeigen. Es ist einer der schönsten und großartigsten Berufe. Oder er wäre es zumindest, wenn die Entwicklung in den letzten 15Jahren eine andere gewesen wäre. Keiner, der diesen Beruf gewählt hat, hat es getan mit dem Schielen auf eine Villa am See, ein 6stelliges Jahresgehalt oder besondere Vergünstigungen. Die meisten hatte (wenigstens im Ansatz) ehrbare, ideale, philanthropische Absichten. Und die meisten hätten diese auch nach 20Jahren im Beruf noch ungebrochen, wenn nicht jeder von ihnen auf schmerzhafte Weise im Laufe der Jahre zu spüren bekommen hätte, wie die Wirklichkeit aussieht, was in diesem Beitrag so treffend benannt wird, was jeder von uns auf seine Weise in eigenen Worte fassen könnte. Stationen am Besetzungslimit, knapp geplant von PDL-Seite, denn je dünner die Personaldecke, desto dicker der Bonus am Jahresende für die Leitungen. Dass da oftmals mit Fahrlässigkeiten jongliert wird will keiner hören. Jammern auf hohem Niveau. Überlastungsanzeigen werden zynisch kommentiert, herablassend beantwortet oder erreichen die PDL erst gar nicht, weil sie abgeblockt oder schlichtweg in den Müll geworfen werden. Die Vorstandsvorsitzenden der Krankenhauskonzerne, die mit Villa und 6-7stelligen Jahresgehältern alles daransetzen, um noch mehr aus den Ameisen ihrer Farm herauszupressen, dabei an ALLEM sparen, was nötig wäre, angefangen bei Gerätewartungen, Materialien, die der Arbeitssicherheit und damit auch dem Schutz der Mitarbeiter dienlich wären, Supervisionen, Investitionen, und wenn nicht grade die Menschheit von einer Pandemie bedroht ist auch an Anerkennung und Wertschätzung. Und die Gesellschaft? Gemüts-und Sozialschulden in ungeahnter Höhe, das trifft es. Die wenigsten wissen, was wir leisten. Diejenigen, die es irgendwann als Patient oder Angehöriger erfahren, staunen oft nicht schlecht, möchten sich gelegentlich mit einem kleinen Präsent erkenntlich zeigen, was wir natürlich nicht annehmen, klar. Der unbestechlichen Pflegekraft ist das nämlich gar nicht erlaubt, ganz zu schweigen davon, dass sie es auch gar nicht nötig hat *Ironie aus* Wertschätzende Worte sind das eine, das andere sind sicher nicht böse gemeinte Äußerungen wie „Um Ihren Job beneide ich Sie auch nicht.“ (Ich mich manchmal auch nicht.) oder aber auch Anmaßung, Nichtwertschätzung, fehladressierter Frust, Arroganz, Herablassung, sowohl von unzufriedenen Angehörigen oder auch mal von den immer allwissenden und unfehlbaren Ärzten, denen die Pflege grade noch gut genug ist, um sie zum Sündenbock für eigene Verfehlungen zu machen. Zeitsprung:
    „Ein Volk von Egomanen“…. es ist nicht übertrieben. Heute betreute ich meinen ersten beatmeten COVID19-Patienten, eine junge Frau, sediert, beatmet, medikamentöse Kreislaufunterstützung. Isolationszimmer. Nur zu betreten mit Schutzausrüstung. ABER: es gibt für Pflegende nur 1 (in Worten: EINE) FFP2/3 Maske , die 8 Stunden lang verwendet werden soll. Aus Gründen der knappen Ressourcen.
    Grade würde ich am liebsten jedem auf der Straße und in der S-Bahn, der eine trägt, obwohl er keine braucht das Ding aus dem Gesicht schlagen. 😤
    Und die ganzen Online-Shops, die hier so etwas immer noch anbieten und mittlerweile für 5 einzelne Mundschutz-Tücher 25€ nehmen gehören verboten, enteignet und der Kram an Krankenhäuser verteilt. Allein bei diesem Slogan „Besser haben und nicht brauchen“ spüre ich das Bedürfnis mich zu übergeben. Hauptsache, ich HABE. Egal, wer es vielleicht wirklich BRAUCHEN könnte. Dieser Slogan spiegelt grade das Denken unserer Gesellschaft. Eine Gesellschaft, für die ich in den nächsten Wochen meine Gesundheit riskieren soll. 🤮 Unter diesen Eindrücken und so vielen demoralisierenden Aspekten fällt es einem nicht leicht, die Motivation oben zu halten, von der schon in den nächsten Wochen noch so viel mehr vonnöten sein wird….
    Ich finde kein Fazit, das sich für mich wenigsten „okay“ anfühlt, deshalb höre ich hier auf.
    Wärmste kollegiale Grüße an alle!
    Seid Euch gewiss, der Fensterplatz im Himmel ist Eurer!

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  6. Was eingangs für die Azubis beschrieben wurde, ist der Normalfall – ähnlich ist es mir im Mittelkurs ergangen, das war schon 2017.

    O-Ton der Teamleitung auf Vorhalt: „Sie haben das gefallen zu lassen, Sie sind Auszubildender.“ Diakonie.

    Als ich antwortete, das nicht in jeder Hinsicht so anzuerkennen, hieß es nur: „Was wollen Sie denn dagegen machen? Welche anderen Möglichkeiten haben Sie schon? Dann muss es eben ein Gespräch mit der Pflegeschule geben.“

    Da meine Beurteilungen bis dato tadellos waren, auch mein Notenschnitt, und die Pflegeschule nichts unternommen hat, habe ich daraufhin gekündigt.

    Und das ist mir überhaupt nicht leicht gefallen, da ich dadurch nur Nachteile erlitten habe. Und das mit (damals) 40 Jahren und vorhandener Berufsausbildung.

    Wenn ich dann immer höre, „wir suchen händeringend Pflegefachkräfte“, fragte ich mich, weshalb ich mich seither als Pflegehelfer durchschlagen muss, und auf Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz überall nur gesagt bekomme: „Wir bilden dieses Jahr nicht mehr aus“ oder nur Praktika feilgeboten werden.

    Gut, liegt vielleicht auch daran, dass der diakonische Träger der Auffassung ist, Azubis hätten kein Anrecht auf ein Zeugnis, ergebe auch b aus dem KrPflG bzw. der Ausbildingsverordnung nicht… Ironie: off.

    In keinem anderen Berufsfeld wie in der Pflege gibt es dermaßen hohe Mobbingraten und Intoleranz, das ist auch ein Grund, weshalb es so schwer ist, Personal zu finden.

    Das ist auch eine Wahrheit.

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  7. Gibt es dann auch Zwangsrekrutierungen von Betreuungspersonal für die Kinder der Pflegenden? Zu den Großeltern dürfen sie nicht da sie Coronaträger sein könnten und zu Hause können sie auch nicht bleiben wenn beide Eltern arbeiten oder wenn man Alleinerziehende ist. Wer von den Müttern die in Elternzeit sind, würde ihre Gesundheit und die Gesundheit ihrer Babys aufs Spiel setzen?
    Niemand.

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  8. Was ist eigentlich mit den ganzen anderen Menschen, die z. B. an der Kasse stehen, die Waren ausliefern, die darauf achten, dass sich die Bevölkerung an die geltenden Regeln hält? Die produzierenden Gewerbe etc.? Ich bin seit 26 Jahren Krankenschwester, mache das auch immer noch gerne und gerade jetzt! Aber was mich schon immer gestört hat, ist diese Jammerei in unserem Berufsstand. Jetzt ist es das Virus, schlimm ohne Frage! Aber wir haben unsere Arbeit, viele Leute nicht mehr, schon mal darüber nachgedacht? Oder in anderen Ländern gearbeitet, wo es in „normalen “ Zeiten schon zuwenig Material gibt, um die Patienten zu versorgen und die an Infektionen sterben, die hier nicht mehr existieren!? Lasst uns unsere Arbeit tun, lasst die Leute klatschen oder auch nicht und darauf hoffen, dass wir einigermaßen heil durch diese Zeit kommen. Bleibt gesund.

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    1. Jammern spricht als Wort ab, klare Kritik äußern zu können. Seit der Antike muhen Frauen, winseln und bellen. Können Sie sich eine Welt vorstellen, in der klare Kritik nicht als wortloses, emotionales Heulen abgetan wird? Eine Welt, in der die eigene beschissene Situation nicht durch einen Whataboutism schöner gemacht werden soll? Scheinbar nicht. Ich mir schon.

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  9. Hey Ihr,
    Mal ganz blöde Idee:
    Kommt ihr an Beatmungs maßen ran? Da mü#te doch ein B & V Filter, bzw HME drauf passen, oder? Kann desinfiziert werden & Filter gewechselt.

    Ich wünsche mir eine Pflegegewerkschaft!
    Liebste Grüße aus dem Nachtdienst

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