#ichpflanzfürdich – wie Politik Pflege verhöhnt, symbolisch missbraucht und ihr nichtmal einen eigenen Blumentopf gönnt!

Es gab viel symbolisches Danke in den letzten Monaten. Danke, das sich allerdings nicht im Geldbeutel zeigte. Aber viel, viel Symbol. Es gab Dankschreiben mit einem Keks, Dankschreiben mit einer Maske (wie praktisch, die PSA zu verschenken, statt bereitzustellen), es gab Geklatsche. Aber was es vor allem gab, war, dass sich die Politik selbst in den Vordergrund rückte. Wer vorne im Bild ist, der hat ja Danke gesagt. Der muss ja gut sein. Nein, war er nicht. Er hat lediglich die Pflege für PR missbraucht. Während sich hinten die Kollegen abmühten, die Menschen am Leben zu halten, hielten vor der Kamera Politiker ihre schlecht verdeckten Nasen in die Kamera.

Es schämt sich auch niemand der verfehlten Symbolpolitik, schämt sich nicht der 70 Toten. Und es nimmt kein Ende. Erst heute gab es in Mainz die Aktion #ichpflanzfürdich. Dort, ja ist es nicht wunderbar, wurden Kräuter und Lavendel gepflanzt, die, haltet Euch fest „den Coronahelden gewidmet sein können!“

Pflege bekommt also weder Geld, noch einen eigenen Blumentopf. Aber viele, viele kamen.

Da hielten sie dann ihre Schildchen lächelnd in die Höhe. Es wurde nichtmal eine Maske getragen, um wenigstens so Respekt und Anstand zu zeigen. Während sich in den Kliniken die Leute die Hacken ablaufen, pflanzen Politiker lächelnd Blümchen für die fleißigen Bienchen (ein Schelm, wer die Symbolik nicht sieht) und nicht einmal diese Symbolik gehört den Pflegenden alleine. Da stellen sie sich wieder in den Vordergrund, auf dem Rücken der Geschlauchten werden lächerliche Bildchen gemacht. Ach egal doch, das Corona, wozu Maske tragen, wenn das doch am Ende das PR Bild versaut?

„Der gepflanzte Lavendel soll neben Bienen und anderen Insekten auch die Besucherinnen und Besucher des Gutenberg Health Hub erfreuen. Nichtmal die Blumentöpfe haben die Pflegenden für sich allein. Entleerter wird das alles somit nicht mehr.

Wer sich derweil über die vollends verfehlte Politik beschwert, dem gebietet die SPD den Mund zu halten. Man dürfe zwar kritisieren, aber der Ton müsse dabei stimmen. Pflege, das sind Frauen, die den Mund nicht aufmachen sollen. Auf ihrem Rücken profilieren sich lächelnde Politiker, auf deren Rücken liegt die Last des Gesundheitswesens einer ganzen Struktur. Aber niemanden interessiert es. Frau Esken ist der Meinung, Verkäuferinnen leisten auch was. Und ein Blumentöpfchen, das sei doch nice.

Blumentöpfe auf die Gräber der verstorbenen Kollegen zu pflanzen, das macht halt keine Publicity. Da müsste man sich dann das Scheitern eingestehen. Da wäre man dann in seinem ewig lächelnden Wolkenkuckusheim tatsächlich mit Tod und Sterben konfrontiert. Und soweit möchte man dann doch lieber nicht gehen, für seine Coronahelden.

Fazit.

Das ist die peinlichste Aktion ever, ever ever. Und obwohl ich sonst nicht Ai Wei Wei zitiere, tue ich es doch und zwar seine „study of Perspektive“ , den Mittelfinger des verwirrenden Protestes.

Lavendeltöpfchen pflanzen, für die, die es gerade noch schaffen, sich auf die Couch zu pflanzen? Heldengeschwafel statt Änderungen? GO FUCK YOURSELFES!

Merke: #ichpflanzfürdich kann jeder Pfosten. #ichbeatmedich nicht

Ich bin mit meinem Protest nicht alleine geblieben, grüße die Kollegen in Mainz und alle, die sich auf Social Media beteiligen und helfen!

5 Kommentare zu „#ichpflanzfürdich – wie Politik Pflege verhöhnt, symbolisch missbraucht und ihr nichtmal einen eigenen Blumentopf gönnt!

  1. Sehr gut! Schließe mich dem an! Die Politik hat es leider nicht verstanden! Wir, die sich ihrer Berufsehre bewusst sind!!!- „ Kanonenfutter für die allwissenden Politiker! Ihnen ist das Ganze aus dem Ruder gelaufen! Die nächste Welle ist vorprogrammiert!!!- Klatschen wird dann auch nicht mehr helfen! Wie dumm können Menschen sein!

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  2. Da kann ich mich nur anschließen, was für eine verarsche und wie naiv von denen die es zwar gut meinen, aber leider nicht gut machen (damit meine ich ganz gewiss nicht die Politiker, bei denen ist alles Kalkül)

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  3. Da kann ich mich nur anschließen, was für eine verarsche und wie naiv von denen die es zwar gut meinen, aber leider nicht gut machen (damit meine ich ganz gewiss nicht die Politiker, bei denen ist alles Kalkül)

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  4. Wenn ich nicht stets und ewig Pflegepräsenz um den Begriff des Symbolanalytikers (http://pflegemanufaktur.blogspot.com/) herum figurieren würde, mit Ernst Cassirers Sinn für Symbol und Sprache, ich hätte spätestens Heute, Jetzt und auf der Stelle, Sofort dieser, von Robert Reich adaptierte Begriff, mir angeeignet.

    Unprätentiös wird das Signet eines zarten Blümchen (#ichpflanzfürdich) vom Un-Kraut mythische seichtsüßsymbolische Verklärungen befreit – so sollte auch fürderhin unser pflegerisches Ereignisfeld geackert werden: Stoppeln unterpflügen und immer schön tief, knochentief und tiefer, neue Furchen ziehen um Fortschritte anzubahnen.

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