Dieser Streik braucht Euer Verständnis nicht!

Lavendel, Nivea und sehr viel Beifall. Das war der Lohn für Überstunden, Abbau der Personaluntergrenze, Aussetzung des Arbeitszeitgesetzes in der Pandemie. Gefakte Artikel mit ebenso gefakten Protagonisten (Ich erinnere an die klagende „Schwester Theresa“, die aufrief, jetzt bloß nicht zu streiken, weil ihre Kraft das nicht schaffe!!) appellierten eine Moral, jetzt (mal) für die Gesellschaft dazusein, jetzt bloß nicht zu kneifen, als sich die Entscheider in der Pandemie hinter Bruttoregistertonnen Klopapier und Nudeln versteckten und den öffentlichen Dienst die Drecksarbeit machen ließen. Nach der Pandemie würde man über alles reden.

Erzieher, seit jeher mit viel zu vielen Kindern in Gruppenstärken unterwegs, die nur noch Verwahrung zulassen, die kaum noch Anspruch auf Frühbildung und -förderung durchsetzen können, hatten nichtmal Nivea und Lavendel. Doch, so stellte es sich raus, man solle noch drei Jahre eine Nullrunde drehen. Dann, aber dann ganz wirklich, würde man…. einen Spott an Lohnerhöhung bekommen. Mit anderen Worten, es soll sich nichts ändern. Arbeitgeber der Altenpflege bekamen Panik und Schnappatmung , als sie hörten, man fordere jetzt 18, 40.

Konservative Medien sind jetzt entsetzt. Der Warnstreik spalte. Gerade jetzt in der Wirtschaftskrise…

Lohnungerechtigkeit spaltet auch.

Doch Lohnungerechtigkeit spaltet auch. Und es lässt sich nicht erklären, weshalb man Lufthansa rettet, Millionen an Karnevalsvereine verschenkt, Lehrern Laptops ermöglicht (die in 2 Jahren veraltet sind) und denen, die die Schwächsten in unserer Gesellschaft betreuen, erklärt, jetzt sei nicht die Zeit dazu.

Streikt Pflege, war es nie die Zeit dazu. Die Presse meldet dann regelmäßig, das geschehe auf dem Rücken der Patienten. Dass die Verwahrung seit Jahren auf deren Rücken stattfindet, fällt den Medien dann regelmäßig nicht ein. Aus den Reihen des Mittelstandes regt sich Entsetzen.

Man könne jetzt auf kein Verständnis hoffen. Die Verständnisfrage stellt sich nicht, wenn Cockpit und die Piloten in der Hochsaison streiken oder die Lokführer. Die Medien billigen den Arbeitnehmern zwar zu, mehr verdienen zu wollen, aber doch nicht jetzt. Gerade jetzt, wo sie bewiesen haben, dass sie unersetzlich sind, dass man auf einen Flug gut verzichten kann, auf Betreuung und Pflege und die Müllabfuhr aber nicht, wäre meine Antwort. Dieser Streik braucht Euer Verständnis nicht. Und es sollte Euch eher ängstigen, Eure Kinder und Verwandten zu überlasteten unterbezahlten Leuten geben zu müssen. Kitas und Pflege werden noch immer als haushaltsnahe Tätigkeit gehen. Die gute Ersatzmutter, die eierlegende Wollmilchsau der Gesellschaft, ist billig, lieb, leise und streikt nicht in der Hochsaison. Ganz im Gegensatz zu den „männlichen“ Berufen .. und den Stewardessen… denn wer will schon auf seinen Tomatensaft verzichten und da beim Fliegen geht es ja auch um die Sicherheit… oh..wait. Das geht es beim beatmen und bei der Heranbildung der künftigen Generation auch.. Aber das hat man bei Pädagogik und Pflege eben nicht auf dem Schirm.

Frauenverachtender wird es denn wohl auch nicht mehr. Und das erkennen auch Pflegende.

Das Gegenargument ist, dass man ja einen sicheren Arbeitsplatz habe.

Dass weder Kitas noch Pflege „Sesselfurzer“ sind, das haben die zumeist männlichen Akteure dabei gar nicht auf dem Schirm. Was ja klar ist: Kinderbetreuung und Pflege geht traditionell Männer nichts an. Die geht an, wenn sie das neue Auto nicht anmelden können… und da sitzen sicher nur dumme Sesselfurzer. Die sind zwar verbeamtet..aber wer will da schon unterscheiden. Selten hat ein teil der Gesellschaft bewiesen, wie inkompetent er ist. Sichere Arbeitsplätze?

Die beiden Kitas, die heute in Berlin „streiken“ sind wegen Corona geschlossen. Soviel dann also zur Arbeitssicherheit. 60 Pflegekräfte sind gestorben..und das an Corona.. weil eben ohne Isomaterial nichts sicher war.

Pandemie ist Hochsaison. Wie in jeder Hochsaison wird klar, wer wichtig ist.

Hingehalten wurde nun seit Ausbruch der Pandemie. Und die Versprechungen und weiteren Vertröstungen auf die Zeit danach verfangen nicht mehr.

Doch natürlich stösst das sauer auf. Die Careberufe werden gerne in der Bittstellung gesehen. Betteln dürfen die Frauen, fordern nicht, höchstens erwarten, damit sich dann irgendwer als Beschützer inszenieren kann.

Doch das ist falsch gedacht. Die systemrelevanten Berufe beschützen die Gesellschaft und brauchen demnach Euer Verständnis nicht. Ihr seid .. so ungern Ihr das hört.. von DENEN abhängig..nicht die von Euch.

Das ist halt andersrum als beim Fliegen oder Karneval. Man kann auf Fliegen verzichten … auf Pflege und Betreuung nicht.

Das sollte Euch faire Löhne wert sein. Applaus hat ausgedient.

3 Kommentare zu „Dieser Streik braucht Euer Verständnis nicht!

  1. Einverstanden – kein Einverständnis erforderlich; sich mit Haut und Haar einsetzen für solidere Bedingungen auf der Arbeitsbühne „Pflege“ gehört einfach dazu.

    Hildegard Peplau und Co. finden, wenn sie als “woman with a lamp“ das pflegerische Ereignisfeld erhellend beleuchten noch 2020 wüste Wüstenlandschaften vor.

    Am Rande ausgestattet mit geplättete Pflegekammer vor potemkinsche Klinik-Kulissen.

    Selbstentmündigte professionelle Pflegestimme mit Bangbücksmentalitäten in Tarifangelegenheiten sind Pflegerealitäten.

    Dorflandschaften, wo gekreischt statt gestreikt wird und Pflegekammer von meuternde Pflegeleute sinnlos auseinander genommen, flachgelegt und obendrauf, grölend und stampfend mit kräftigen Füßen kraftvoll gewütet wird um das ganze Spektakel in den Sand zu setzen: so finden Arbeitgeber ein williges Volk, dass sich weiterhin gerne schichtweise knechten lassen; immer gerne laut schimpfend, nicht selten mit Vulgärsprüchen auf den Lippen, aber harmlos – sie wußten schon immer zu ducken – die Karbolmäuschen und ihre Kindeskinder.

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  2. Streik in den Bereichen (Alten-) Pflege) und Pädagogik ist richtig (und) wichtig.

    Wir alle brauchen ganz besonders nicht nur den, sondern auch regelmäßigen Streik in den Bereichen Alten- / Krankenpflege, inkl. Servicepersonal (in diesem Tätigkeitsfeld) sowie auch in dem Bereich Pädagogik; hier insbesondere der außerschulische Bereich und der Bereich der Maßnahmen!

    Preisdiktat bedeutet Einkommensdiktat! Es wird nichts dagegen unternommen, weil durch Einkommensdiktat auch eine Einsparung bei zukünftigen Rentenzahlungen; durch Personalabbau eine Arbeitsverdichtung und zugleich Gewinnsteigerung erzielt wird. Das alles hat System! Deswegen wird das Problem ausgesessen.

    Diejenigen, die heute nicht streiken und sich auch nicht solidarisch mit den o. g. Arbeitsfeldern zeigen, werden diejenigen sein, die morgen unter noch schlimmeren Bedingungen längst nicht mehr optimal betreut / versorgt werden!

    Alle wissen, was passiert, aber niemand unternimmt was: Überlastungsanzeige, Mitteilung an die Heimaufsicht / das Gesundheitsamt (zur Not anonym, um den eigenen Arbeitsplatz nicht zu gefährden), Leser*innenbriefe an die regionale Presse, Infos an http://www.correctiv.org, … Es gibt zivilgesellschaftliche Möglichkeiten.

    Der Kampf für eine gute – und vor allem, soziale Sache war und ist nicht leicht.

    Aber sich unter solchen Bedingungen kaputt zu arbeiten und u. U. mit verantwortlich zu sein an dem kapitalistisch-systemischen Strukturen der m. E. staatlichen Unterstützung von „sozialen Frühablebens“, durch behördliche Strukturen und Preis- / Lohndumping, darf nicht weiter gehen!

    Ein Holz kann leicht gebrochen werden. Aber nicht viele Hölzer!
    Ich appelliere an alle Beschäftigten in diesen Bereichen:
    – Haltet zusammen und lasst euch nicht weiter gegeneinander aufhetzen! Wer auf die eigene Pause achtet, oder nicht dauernd aus dem Frei einspringt, ist kein „Kollegenschwein“. Das sind bewusst geschaffene Strukturen, die benutzt werden, untereinander Konflikte zu schüren und zu entzweien!
    – Schreibt Überlastungsanzeigen und lasst euch nicht mit Versprechungen abspeisen!
    – Macht eure Pause und trinkt genug!
    – Übernehmt nicht zusätzliche Nebenarbeiten, weil in diesem Bereich die Personaleinsparung euer Tätigkeitsfeld weitet und eure Arbeitszeit weiter verdichtet!

    Ein Beispiel, das ich als Zugehörige aufmerksam beobachtet habe:
    Eine Altenpflegerin (für einen Wohnbereich mit ca. 20 – 25 Einzelzimmern) Bereitet die Tabletts für das Abendessen vor, stellt ca. 8 – 10 Tabletts an die zugewiesenen Tischplätze, verteilt viele in Bewohner*innenzimmer; einigen Bewohner*innen muss das Essen gereicht werden; die Zeit reicht absolut nicht!
    Die Altenpflegerin muss alle Tabletts wieder einsammeln, den Küchen- / Essbereich reinigen und alles für das Frühstück stellen. … Nebenbei (während der Kurzspühlgang der Spülmaschine läuft) hetzt sie für die Inko-Versorgung von Zimmer zu Zimmer. Dauernd schellt das Mobilteil, an das das Schellen der Zimmer weiter geleitet wird!
    Soweit noch möglich, schweigen Bewohnerinnen verständnisvoll, um die Altenpflegerin zu schonen, während einige Bewohner Wünsche äußern, für deren Erfüllung längst keine Zeit bleibt; genau so wenig, wie für ruhige Worte, oder gar ein Gespräch!
    Mir fällt der Besenstil mit Wischmob auf, den die Altenpflegerin mit sich führt. Als ich sie fragend anschaue erfahre ich, dass sie – nicht nur bei Bewohner*innen, die gekleckert haben, sondern alle Zimmer, den Flur und auch den Essbereich nebenbei wischen muss, wenn sie die Inko-Versorgung macht!

    Ich rate ihr, dringend eine Überlastungsanzeige zu schreiben, auch mir Verweis auf ihre Stellenbeschreibung als Altenpflegerin. Sie guckt mich nur an und schweigt. …

    So wird sich nichts ändern und es wird noch schlimmer werden!!!

    Ein Fallbeispiel:
    In den letzten Wochen ihres Daseins war eine betagte Dame im Altenheim, in dem sie seit ca. 2013 wohnte, bettlägerig geworden, hat einen Dekubitus am Steiß bekommen, der sich zusehends verschlechtert / vergrößert und eine Tasche gebildet hat. … Theoretisch hätte sie alle zwei Stunden gelagert werden müssen; scheint wohl aus Zeitproblemen nicht immer geklappt zu haben?

    Gott sei Dank ist die alte Dane verstorben, bevor noch der Chirurg an ihr verdienen konnte.

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  3. Bei vielen Menschen noch nicht angekommen!
    Erst wenn man als Patient selbst ins Krankenhaus kommt hat man mal eine Vorstellung davon daß es garnicht möglich ist ruck zuck mal liebevoll gekümmert zu werden. Dann werden Schimpfkanonen losgelassen und Sätze wie da kann man Sterben und keiner kümmert sich um einen! Ja so ist nun mal die Realität ! Keiner kann sich kümmern denn keiner ist völlig ausgebrannt und versucht gerade sein eigenes Wohlbefinden zu retten mit etwas zum TRINKEN UND ESSEN!!! Das will wohl niemand verstehen!! Die Bevölkerung hat es noch nicht wirklich verstanden was eigentlich passiert. Die Politik schaut zu gibt Lobt und Applaudiert .Es wird oft Wut Ärger Agression direkt auf die schon sowieso ausgebrannten Krankenhaus Mitarbeiter abgeladen! Wann wird sich das denn mal ändern? Seit nun mehr über zwanzig Jahren wurde alles nur noch schlimmer ! Und man wird hingehalten und wartet auf ein Wunder? ? Die Verantwortlichen mögen sich doch endlich mal trauen den Menschen die an vorderster Front stehen zu glauben und nicht nur an Provit zu denken!! Jeder einzelne kann auch etwas tun in dem man Aufstand macht an den Stellen wo die Schrauben gedreht werden. Was krank macht ist ,durch die Gänge zu laufen als hätte man Fesseln an den Händen und Füssen!!! Man würde gerne aber kann nicht!!!!! Es muss sich jetzt etwas ändern. Was sollen wir unseren Kindern sagen warum Mensch so mit der Gesundheit umgehen!!! Ein Millionen Geschäft auf dem Rücken von Kranken und Pflegenden .Pfui!!!!

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