Der Abgesang der Pflege in Moll – oder: weshalb mir die Pflegebeauftragte Moll so unfassbar auf die Nerven geht!

„Das haben wir schon immer so gemacht!“ ist der Satz, bei dem ich steil gehe. Er kommt gleich nach: „Es war doch nicht ALLES schlecht!“ und steht für mich für Situationen und Menschen, die einfach so unbeweglich im Kopf geworden sind, dass sie mental am Rollator laufen müssten.
Ich gehöre nicht zu den Leuten, die die Apothekenrundschau konsumieren, aber diesmal kam ich nicht dran vorbei. Die Pflegebeauftragte gab dort (oder wars die Ärzterundschau? Irgendeine gesundheitliche Bäckerblume halt) ein Interview.

Es sei doch nicht alles schlecht! SIE habe nie irgendwelche Missstände mitbekommen! IN ALL DEN JAHREN NICHT! Und: Lehrjahre sind keine Herrenjahre! Und dann habe ich nicht verstanden, weshalb nicht alle die Kittel in die Ecke geschmissen und mit einem lauten „Macht Euren Scheiss doch alleine!“ die Tür hinter sich zugeschmissen haben. WAS ZUR VERDAMMTEN HÖLLE!?!?!?! Und, falls jemand meine Spucke gesehen hat – sie ist seitdem weg.

Deshalb hier ein kleiner Rant.

Alter Verwalter. Ich wusste vom ersten Moment an, weshalb mich das dauergewellte, mittelalte Pflegewunder der SPD so unglaublich an Schwester Renate von „Klausis Stricklädchen“ erinnert!

Renate von Klaus (Klaus Petereit)

Da kommt nix bei rum. Während woanders Studien über „Nurses eat theyr young“ laufen, sind 2022 Lehrjahre eben noch immer keine Herrenjahre und wenn Schwester Renate aka Claudia Moll das sagt, dann sind die Flachzangen, die schreiend aus dem Beruf stürmen, offenbar einfach nur völlig verweichte Mimosen, die einfach nicht gerafft haben, dass es zum Job gehört, sich ausbeuten, an den Hintern fassen und abservieren zu lassen. Denn: Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Ich möchte etwas nehmen und werfen! Die paternalistische Höllenscheisse zu einem Klumpen formen und sie der Pflegebevollmächtigten in die Haare schmieren, weil sie selbst offenbar nicht ersteht, wohin diese rückwärtsgewandt Grütze hingehört. In den Müll der Zeitgeschichte.

Es war doch nicht alles schlecht? Doch, Claudinate! Es war seit Jahrzehnten ALLES schlecht! Und wenn Du, Genossin, das nicht mitbekommen hast, in 30 Berufsjahren: keine Dekubitus, keine Verwahrlosung, keine Burnouts, keine Mangelernährung und keine gefährliche Pflege, dann – das MUSS die einzige Lösung sein – hast Du nach dem Umziehen Deinen verdammten Wandschrank nicht verlassen oder – die einzige Alternative – irgendwer hat Dir jeden Morgen Pflegeschaum auf die Augen gesprüht und Du KONNTEST nichts mitbekommen. Wie kann man eigentlich so (dumm)dreist Wähler, Patienten und Kollegen anlügen?? Da draußen ist nichts, aber auch gar nichts, wie es sein sollte. Und wenn die Pflegebevollmächtigte das nicht gerafft hat, dann kann, abseits vom mangelnden Willen, nur maßlose Inkompetenz bezüglich der systematischen Mangelwirtschaft der Grund sein. Offenbar hat sie das eigene System nicht gerafft, nie ein Buch gelesen. Weshalb macht man solche Menschen zu Politikern?

Dabei war die SPD angetreten, um „gute Pflege“ (gute! nicht etwa sehr gute oder die Beste oder exzellente) zu erreichen. Und nun setzt sich Renate hin, beschwört ein paar Formeln aus den 1970ern und fertig ist die Laube? Nach der Pandemie und bei fast 10 Millionen unabgegoltenen Überstunden in der Altenpflege ist alles Friede, Freude, Eierkuchen?

Pflege „mit Herz und Hand“ möchte sie. Bloß nicht mit Hirn! Herziherzi- ich möchte .. was werfen. Ich habe mich gefragt, weshalb man, bzw. sie, so einen Unsinn erzählt. Und ich komme nur auf eine Lösung. Während die Ampel plus Lauterbach fröhlich die Kinderdurchseuchung laufen lässt und Corona zwar gefährlich aber eigentlich schnurzpiepegal ist, dreht sich Claudia offenbar in ihrem Bürostuhl singend um die eigene Achse und freut sich. Anders kann das nicht sein.

Ich weiß sogar, was sie singt. Es muss die Deutschlandhymne sein. Und dazu fällt mir nichts weiter ein, als Schwester Renate. Wie ich darauf komme? Wer als einziges nicht akademisiertes Pflegeland noch von „Herz und Hand“ spricht, der kann einzig und allein die Hymne summen. Nur da kommt „brüderlich mit Herz und Hand“ vor. Offenbar hat die Apothekenrundschau die Interviewanfrage mitten beim fröhlichen Liederreigen gestört. Und dann dachte sie sich: „Deutschland zahlt mir fürs Nichtstun so viel Schütte, das finde ich…..“

Vorzimmer von Frau Moll : „Frau Moll? Die Apothekenrundschau fragt, wie Sie die Pflege gestalten wollen?“

Frau Moll:“ …. mihit Herz uhund Haaaaaand!“ (blüüüüh im Glanze dieses GLühüüückes….)“

Vorzimmer: „Ich richte es aus!“

*dreht weiter Karussellrunden auf dem Bürostuhl*

Und dann war sie fröhlich und dachte sich: es war doch nicht alles schlecht.

Und vielleicht, das ist das schlimmste daran, ist das sogar weniger geträumt, als ich glaube.

Das ist sie also, die Arbeiterpartei, bei der sich die Arbeiter einfach nicht so haben sollen und wo früher alles viel besser war. Lehrjahre sind halt keine Herrenjahre.

Warum nur will niemand in der Pflege arbeiten? Ich komme nicht drauf!

6 Kommentare zu „Der Abgesang der Pflege in Moll – oder: weshalb mir die Pflegebeauftragte Moll so unfassbar auf die Nerven geht!

  1. Hier ein Auszug aus dem „Senioren Ratgeber“

    https://www.guetsel.de/content/39670/2022-03-22-pflegebeauftragte-claudia-moll-im-interview-mit-senioren-ratgeber-wir-brauchen-mehr-positive-berichterstattung.html

    Die Trulla ist völlig durch! 30 Jahre angeblich in der Altenpflege und KEINE Missstände bemerkt? Ich war mal 3 Monate bei Kursana und habe da soviel Missstände gesehen, dass ich locker ein Buch mit 200 Seiten schreiben könnte!
    Aber gut, als „SPD -Expertin für Pflege“ hab ich da auch nix anderes von ihr erwartet!

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  2. Ach Frau Schünemann, wie immer treffsicher und wortgewaltig den Nagel auf den Kopf getroffen! Herrlich! Und die Antwort, warum Frau Moll auf dem Posten sitzt, haben SIe damit selbst geliefert: genau deswegen! Unser Prof. Dr. im BMG hat sicherlich kein Interesse daran gehabt, jemand intelligent-renitent-aufmüpfigen auf dem Stuhl sitzen zu haben, die/der ihm auch noch mehr Arbeit mit dieser komischen „Pflege“ macht. Jetzt ist Pandemie und gut. Da ticken leider alle gleich, egal ob schwarz, rot, grün oder bunt-kariert…

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  3. Frau Schünemann, ich möchte Ihren Wahnsinnsartikel nicht derailen, aber ich habe mich vorhin auf Ihren Twitter Account verirrt und eine Antwort eines Laien auf Ihren Tweet gelesen, der mich sehr gestört hat.

    Wissen Sie, woran das liegt, dass nicht pflegerische Personen denken, sie würden für uns einstehen oder uns einen Gefallen tun, wenn sie Dinge sagen wie „Personalnotstand voll wichtig, stell dir vor, du musst sechs Stunden in deiner eigenen Sch**** liegen”? In dem Bereich, in dem ich nun seit gut 10 Jahren arbeite, habe ich äußerst wenig mit Ausscheidung oder Körperpflege zu tun und bin dennoch aktiv IN der Pflege und „am Bett“ (und an den meisten Tagen mag ich meine Arbeit sehr). Die Reduktion unserer Arbeit auf Ausscheidung, auf „Waschen“ und „Händchenhalten“ geht mir gewaltig gegen den Strich! Ich weiß nicht, wie Sie Ihre Contenance behalten, wenn Menschen Ihnen solche Dinge schreiben. Jedes Mal, wenn ich solche Dinge hören oder lesen muss, fühle ich mich nicht von „der Gesellschaft“ unterstützt sondern viel mehr erniedrigt. „Ja, ja, das ist super wichtig” bedeutet im Endeffekt auch nur „irgendwer muss solche ekligen Dinge halt machen”, weil keiner dieser Menschen auch nur irgendein Interesse an pflegerischer Leistung hat oder Respekt vor unserem täglichen Brot. Ich bin es leid.

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    1. Das verstehe ich vollkommen. Mir geht es gegen den Strich, nicht als Pflegende erkannt zu werden. Tatsächlich tröstet mich, dass im September mein Buch rauskommt. Da rechne ich ab. Das habe ich versprochen zu Beginn der Pandemie. Das konnte ich halten. Diese Reduktion ist dort unter anderem Thema.

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