Computer und Regeln verblöden uns

Kennt Ihr noch Mc Gyver? Das ist dieser Typ aus der Fernsehserie, der in einer lebensbedrohlichen, ausweglosen Situation feststeckt. Er hat nichts, außer einer Bür0klammer und einem Haargummi dabei. Und zack: bastelt er daraus ein unfassbares Gerät, das ihn aus dieser Situation befreit. Oder Survivalfilme. Da stranden Leute an einer einsamen Insel an. Schnitt. Sie sind noch immer auf der Insel, haben jetzt aber ein Haus aus Bambusstangen, das sowohl einen steinbetriebenen Aufzug, als auch eine Wasserversorgung hat. Clever, sage ich Euch, clever. Warum klappt das? Weil sie ihr Wissen dabeihaben. Kamera schwenkt zu meinen Klassen.

Wenn ich einem Klempner in der Wüste aussetze und ihm eine Rohrzange und ein Rohr mitgebe (seine Werkzeuge), dann ist er auch in der Wüste Klempner. Er braucht nur sich und sein Werkzeug. Das ist die Grundidee der Fachkraft. Damit er auch in der Wüste eine Rohrleitung verlegen kann, macht er sich einen Plan. Das hat schon oft geklappt. Seit der Antike macht man einen Plan und baut dann riesige Aquädukte zur Wasserversorgung großer Städte. Plan und Wissen kommen mit dem Werkzeug zusammen. Klasse, sag ich Euch.

Letztens habe ich ein Fallbeispiel für meine Kurse mitgebracht. Eine Dame mit Demenz kam drin vor, Schmerzen, Medikamentenunverträglichkeit und eine Katze. Es ging um Planung. Ich denke, beim Klempner gäbe es so viele Planungsmöglichkeiten, wie es Klempner gibt. Logisch. Jeder macht einen etwas anderen Plan. Funktionieren werden sie wohl alle. Also habe ich ihnen erklärt, dass es ca. 3 Millionen Pflegefachkräfte gibt und somit 3 Millionen verschiedene Möglichkeiten der Planung. Ich weiß nicht, ob es Angst war, was ich da gelesen habe. Aber Unsicherheit. Ich erklärte, eine Planung sei der Beginn des Prozesses, der laufe, und laufe, und laufe…. sich verändere. Aber es sei, solange sie die Oberhoheit über den Plan hätten IHR Plan. Und wer ihn nicht einhalte, ihn ohne ihr Wissen verändere, der müsse damit rechnen, dass er bei Vollmond in den dunklen Wald geschleppt würde, man den Zauberstab zücke und CRUCIO rufe, bis das Gegenüber Besserung gelobe.

Aber es gäbe doch Regeln?? <— what??? Ja, es gibt PESR Regeln. Ja und? Sind denn alle verrückt? Was besagt diese Regel? Das man nach Problemen, Ressourcen und Rehabilitation gucken soll. UND DA KOMMEN WIR ALS FACHKRÄFTE NICHT ALLEINE DRAUF, ODER WAS?? Und smart Ziele. Sich des Patienten, messbar, aktionsorientiert und realistisch. Ja und? Wie denn auch sonst? Etwas anderes interessiert mich als Fachkraft ja auch nicht. Wer zum Geier hat dafür bekloppte Regeln aufgestellt? Ich habe 1988 planen gelernt. Ich will nicht mit der Leier anfangen, dass früher alles besser war, aber früher hat man Pflegeschüler nicht für so kreuzdämlich gehalten, dass sie ihren Beruf nicht verstünden. Im Gegenteil. Planen zu können war die Basis, um überhaupt transparent zu machen, dass man gerafft hatte, worum es ging. Und jetzt sollen sich die Leute an irgendwelchen (sinnlosen!!!) Regeln festhalten, als könnten sie ohne Geländer nicht denken!!! Ich glaub, ich werd irre!

Noch schlimmer. Leute meinten, sie dürften a nur hinschreiben, was ihr Arbeitgeber vorgebe. Ja was ist dass denn für ein Schmarren? Dann sollen doch die Arbeitgeber ihren Kram machen. Wozu dann die Fachkraft? In welchem Land lebe ich eigentlich, dass ich mit einer 3 jährigen Ausbildung für so geistig flachgepurzelt gehalten werde, dass man mir Worte in die Computermaus diktiert? Und wehe, meine (individuelle!!) Planung weicht davon ab? Sind jetzt alle völlig durch? Wisst Ihr, was dabei rauskommt? Da bedient die Fachkraft den Computer nicht mehr, der ihr Werkzeug sein soll. Da lässt sich lediglich der Computer von der Fachkraft bedienen. Sie macht, was ER will. Nicht umgekehrt. Leute, das ist krank! Da gibt es nämlich für die Auszubildenden nichts mehr, worüber sie nachdenken müssen, was sie kreativ sein lässt, was irgendwie individuell sein könnte. Da gerät eine individuelle Planung zur automatisierten Pflegehölle und zur völligen Enthirnung. Ab da kann das dann wirklich jeder. Nur begreifen, das kann dann keiner mehr. Und das geht mir mächtig auf den Keks. Ich möchte Verantwortliche sprechen!

Was Ihr braucht, um eine gute Fachkraft zu sein? Das Gleiche, was der Klempner in der Wüste braucht: Euer Wissen, ein Blatt Papier und einen Stift. Wenn Ihr da erst nach Wortvorgaben und nem Computer schreien müsst, dann ist alles aus.

Ein Kommentar zu „Computer und Regeln verblöden uns

  1. Du sprichst mir aus der Seele;habe mein Examen 1984 gemacht,da hat man sich untereinander ausgetauscht und hat im Team möglichst versucht für den Pat.das Bestmöglichste zu erreichen.Heute gilt nur was für zusätzliche Fort und Weiterbildungen du hast,die werden natürlich nicht weitergegeben,geschweige denn in Frage gestellt.Da wird sich gerne selbst dargestellt,und Arbeitserfahrung belächelt und klein geredet.

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