2020 das Jahr der Pflegenden und der Hebammen

Ein Blog von Donna Rabiata

Da ist es nun, das neue Jahr und offiziell von der WHO in Genf zum Jahr der Pflegenden und der Hebammen ausgerufene 2020.Der Anlass: Der 200. „Geburtstag“ von Florence Nightingale, einer sehr beeindruckenden Frau, die während ihrer Zeit als 1. Offizierin und Anleiterin der Feldkrankenschwestern in den Feldlazaretten der britischen Armee diente. Dort konnte sie durch statistische Erfassungen und Auswertungen nachweisen, dass die verheerenden Verluste im Krimkrieg nicht („nur“) in den Schützengräben begründet lagen. Die meisten Verluste waren den praktisch nicht vorhandenen hygienischen Bedingungen geschuldet, die so viele Soldaten das Leben kosteten, das der Sieg unwahrscheinlich wurde. Durch die von Frau Nightingale (und ihrem Team) in der Feldforschung erbrachten Nachweisewurden schließlich die erforderlichen Ressourcen bereitgestellt, um diese Bedingungen zu verbessern, was einen erheblichen Aufschwung der Überlebensrate der Soldaten ermöglichte. Außerdem arbeitete sie oft und gerne mit Ordensschwestern zusammen, denen ebenfalls an der Verbesserung der Gesundheitsversorgung gelegen war.

Diese Darstellung ist sehr stark abstrahiert und verkürzt. Frau Nightingale gilt aufgrund eines praktisch lebenslangen Engagements für die professionelle Pflege zu Recht als Begründerin der modernen Krankenpflege und hat ihre Anliegen immer mit beeindruckendem Durchhaltevermögen und politisch kluger Taktik verfolgt. Davon können und SOLLTEN wir uns heute, in der aktuellen Situation leiten lassen; Denn auch wenn die Probleme heute (noch) nicht (wieder) so verheerend sind, liest man selbst außerhalb der Fachliteratur immer häufiger davon, wie sehr der Mangel an Pflegefachkräften, Hebammen, Rettungskräften, Therapeuten und Ärzten die Krankheitsverläufe so negativ beeinflusst, dass es schon beinahe als Zufall anmuten kann, ob man tatsächlich voll wiederhergestellt das KH verlassen kann.

Pflegekräfte verlassen ihren Beruf wegen der unter dem Begriff „Arbeitsbedingungen“ zusammengefassten Zumutungen, die auf Twitter unter #respectnurses in allen Facetten dokumentiert wurden und werden.Hebammen können ihren Beruf kaum noch selbstständig ausführen, was dazu führt, dass Frauen darum fürchten, bei der Geburt ihres Kindes unterversorgt zu sein. Parallel dazu verfolge ich persönlich mit Sorge, wie sich die Gruppe der Pflegenden in viele einzelne Grüppchen aufteilt, die sich wiederum – rein gedanklich und subjektiv betrachtet – grob zwei größeren Lagern zuordnen lassen. Die eine Seite favorisiert sehr stark „Empathie“ als Grundwert professionelle Pflege und lehnt in diesem Rahmen häufig die Dokumentation als Zeiträuber, der lediglich anderen Stellen nutzt und gerne auch gegen die Gruppe der Pflegenden selbst als „Waffe“ benutzt wird, ab.

Die andere Gruppe sieht sich als Verfechter der Professionalisierung durch Akademisierung und lehntdas Schlagwort „Empathie“ oft strikt ab. Der Grund dafür ist, dass es gerade bei Laien mit Serviceleistungen konnotiert wird, die mit professioneller Pflege nichts zu tun haben. Mit der Dokumentation verbindet diese Gruppe häufig eine Art Hassliebe. Zwar notwendig als Grundlage für Pflegeforschung, aber, aus den gleichen Gründen wie bei der anderen Gruppe, kritisiert. Was hat das jetzt mit Florence Nightingale zu tun? Ihr ist es gelungen, viele Gruppen zur Zusammenarbeit zu bewegen. So hat sie durch die oben genannten Analysen und politisches Geschick die royale Regierung und die klerikalen Ordensschwestern dazu gebracht, dass die erforderlichen Ressourcen für echte Verbesserungen der Gesamtbevölkerung bereitgestellt und professionell genutzt wurden. Ihre Familie hat sie, trotz vollständig anderer Vorstellungen über angemessenes Verhalten einer Frau bei ihren Projekten unterstützt.

Das war auch deshalb so besonders, weil die Ausübung der Krankenpflege einen anrüchigen Beigeschmack hatte und Frau Nightingale aus sehr gutem Hause stammte. Wir möchten, das wir respektiert und uns alle erforderlichen Ressourcen für die professionelle Ausübung unseres Berufes zur Verfügung gestellt werden. Gleichzeitig benötigen wir eklatante Veränderungen unserer Arbeitsbedingungen und eine erhebliche Anpassung unserer Gehälter. Ich finde, das Jahr der Pflegenden und Hebammen ist ein guter Grund, sich zusammenzuraufen und organisiert die erforderlichen Veränderungen selbst in Angriff zu nehmen.Wie Frau Nightingale eben.So, das war er. Mein erster Blogartikel. Noch ein bisschen unbeholfen und in dem Bewusstsein, das die Gruppe der Hebammen und andere Berufsgruppen heute zu kurz gekommen sind. Ich plane eine Art „Serie“ in der jede Gruppe separat vorgestellt wird, weil man uns und unsere Professionen nicht in 3-4 Sätzen abhandeln sollte und ich durch den heutigen Schlafmangel nicht stark genug abstrahieren kann, um es wenigstens zu versuchen.

Ein frohes neues Jahr allen Lesern und ich freue mich, wenn wir uns wieder lesen.Salut, eure Donna Rabiata

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