Pflege oder sich zum Horst machen für Likes? Was mich an TikTok und Insta Selbstdarstellungen nervt

Früher, als alles genauso schlecht war wie heute, hat man beim Witzeerzählen die Tür zugemacht, weil die Witze so derb waren, die Pflege gemacht hat, dass die am Besten keiner hörte und auch am Teamtisch schüttelten wir den Kopf. Manches geht einfach nicht. Trotzdem lief er jahrelang. „Was ist 30 Meter lang und riecht nach Pi…. Urin?“ -> eine Polonaise im Altenheim. Höhöhö so funny. NICHT!

Ich mag Humor, vor allem Britischen und Wortwitze. Aber manches, vielleicht, weil ich alt bin, verträgt sich nicht mit meinem Ethikverständnis.

Ich weiß noch, dass wir jedes Bild, in dem uns Firmen als Berufsgruppe zum Narren halten, wo wir als feiste Einhörner Kuchen essen oder als Horsts der Nation in Imagekampagnen gezeigt werden, empört diskutieren. DAS ist doch nicht Pflege. Das verletzt uns moralisch. Wir wollen als Profession ernstgenommen werden.

Tja. Und dann gibt es Insta und TikTok.

Da beschmieren sich Pflegende mit Nutella und verhöhnen Menschen mit Demenz indem sie Stuhlschmieren imitieren. Da besetzt einer ein Patientenbad, um sich wie ein Horst selbst zu duschen, weil höhöhö so funny, Waschtag ist. Da singen Pflegende Schlager nach und konstruieren Situationen.

Und ich gucke mir das von außen an und frage mich, ob ich Euch als Profession ernst nehmen soll? Das kann ich nicht. Aber gelikt werden diese Beiträge in Massen und geben dem, der sich zum Deppen macht, das Gefühl, alles richtig zu machen.

Kann man denn nicht ein bisschen Spaß haben? Klar. Hab Spaß. Aber komm dann auch damit klar, dass niemand für voll nimmt, wenn Ihr Euch auf die Straße stellt und sagt,Ihr hättet einen total harten Job, der total wichtig ist. Das nimmt Euch niemand so ab.

Ihr vergesst, dass Menschen nicht die Einblicke haben. Davor haben wir schon beim Jerusalemavideo gewarnt. Und prompt bediente sich eine radikale Verweigerungspolitikszene dieses Videos. Kann ja nicht so schlimm sein mit Corona, die tanzen da in Massen. Die haben Zeit.

Alles, wirklich alles ist sichtbar. Weshalb sollte ich jemanden als Professional ernst nehmen, der sich selbst mit dem Duschhahn übergießt? Weshalb sollte ich meinen, die kämpfen für Würde, wenn die sich mit Nutella einschmieren, um dementiell Erkrankte zu verarschen?

Doch, man darf Humor. Aber, da ist die Crux. Nicht alles, was platt ist, ist Humor.

Wir befinden uns in einer schwierigen Phase. Mit Likes kann man Geld generieren. Aber dann erzählt doch nicht, ihr kämpft für Pflege.

Nein, man muss nicht jedes Mal Händel in Moll abspielen und ein trauriges Gesicht machen.

Aber es muss Euch klar sein, dass Ihr damit ALLE in die Pfanne haut, die sich draußen hinstellen und sagen: Nehmt diesen Beruf ernst, er ist total wichtig.

Wenn Ihr damit leben könnt, macht weiter.

Ihr macht es allen damit nur schwerer.

2 Kommentare zu „Pflege oder sich zum Horst machen für Likes? Was mich an TikTok und Insta Selbstdarstellungen nervt

  1. Ach von mir aus könnten noch viel mehr Missstände gefilmt werden. Ist halt nur die Frage, ob sich das dann noch viele angucken würden. Meine Wahrnehmung des Berufsstandes ist, dass diese unprofessionalität längst normal ist. You get what you pay for. Zu oft beschönigen wir die Verhältnisse. Ich lese den Blog hier, weil hier so schön bissig der Finger in die Wunde gelegt wird. Warum nicht auch bei dem Thema? Warum den Kollegen nicht bitten gleich mit der Scheiße um sich zu schmeißen und das Pflegebad zu fluten?

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