#Herzblutaufgabe my ass. Promis gehen Pflege spannern als Geschäfts-und Unterhaltungskonzept ist widerlich!

Jahrelang, ach, was sage ich, Jahrzehntelang, hat der Notstand keine Sau interessiert. Egal, welche Berichte seit den 1920ern laufen, egal, ob in Berlin gestreikt wird, es juckt einfach niemanden.

Aber seit #nichtselbstverständlich eine GoPro an eine Pflegefachfrau geklemmt hat und ganz Deutschland vor lauter Pandemielangeweile nicht mehr wusste, wie leer man YouTube gucken kann, besteht ein Bedarf an Bildern. Bilder, die alltäglich sind. Kranke Menschen! Und Menschen am Rande des Nervenzusammenbruchs, die diese Menschen pflegen. Geil! Zwei Seiten Katatstrophentourismus von der Couch aus! Two in one! Da kann man Hammer mit der fetten Chipstüte vor dem Flatscreen abhängen und sich mal live Leid reindrehen. Gönn Dir, Bro!

Ich war schon nicht begeistert vom ersten Format. Aber das da schlägt dem Fass die Krone aus!

Da latschen Promis, die sonst für keine weiteren Engagements bezüglich Pflege haben genüsslich in eine Klinik (für Geld macht man alles, sogar Pflege, wenn es ernst wird, gell?) und laufen mit einer Zitat! „Pfleger*in“ mit.

Für die eigenen Schüler hat Pflege keine Zeit, aber wenn Leute wie Jenny Elvers und Patrick Lindner und Lilly Becker eine Klinik für Kohle stürmen, dann muss Zeit gemacht werden. Mir wäre nicht bekannt, dass die irgendwelche Befähigung hätten, sich Pflege zu widmen. Vielleicht ist der eine oder andere mal Im Nurse-Kostüm irgendwo langgelaufen. Und dann noch dieser Hashtag. Herzensangelegenheit. Pflege mit Herz!

Es ist so ekelhaft, wie das Paradigma des 19. Jahrhunderts wieder ausgepackt wird, und irgendwelche Gestalten, um sich selbst zu promoten, in eine Klinik düsen, um mal richtig für Kohle Händchen zu halten. Die aktuellen Bilder haben wohl nicht gereicht. Immerhin gab es ja n Fernsehpreis. Dafür aufgestanden bei den Standing Ovation sind die Promis nicht gerne, aber selber einen kriegen, mal richtig schön gucken, das ist was.

Die Branche liegt, im Gegensatz zu Pflege, lahm in der Pandemie. Und deshalb vereint sich jetzt alles, was vorher außer bei der eigenen Schönheitsoperation noch keine Klinik von innen wahrnehmen wollte, um zu helfen. Vong Sichtbarkeit her! Ich kriege das kalte Brechen.

Ich bin es leid. Noch vor einem Jahr wurde Promis der Zugang zu Kliniken zurecht verwehrt. Eine Klinik ist kein verdammter Zoo.

Woher nehmen die das Recht, das Thema jetzt so auszuschlachten? Jahrelang hat Sat keine Pflegefachfrau zum Diskutieren eingeladen. Jahrelang war das Thema scheißegal. Und nun, w o Pflege langsam für sich spricht, braucht es Jenny Elvers und Lilly und irgendwelche Barden? Gab es nirgendwo einen gesicherten Dreh für einen Krimi oder Schiller?

DAs ist nicht die Pflege retten, das ist sich auf Kosten von Pflege profilieren. Und es ist – nochmal – in meinen Augen unzumutbar, instrumentalisiert Pflegende und macht sie zum Popanz.

Pflege wird bereits genug zum Popanz gemacht, zum Deppen der Nation. Es tut nicht Not, jetzt aus einer Klink Dschungelcamp Charité für die dritte Liga der cracky Musen zu machen. Bettpfannen und Tränen statt Ziegenhoden, oder was?

ICH MÖCHTE DIESE VERMARKTUNG DER DASEINSFÜRSORGE NICHT!

Nie sah Euch jemand an seinen Veranstaltungen, nie auch nur ein Wort. Aber nun. Denn irgendwo muss man ja den nächsten Flash hernehmen.
Und Pflege klatscht dazu noch Beifall.

Krankenschwestern müssen keine Promis spielen. Sie sind selber welche. Im Gegensatz zu irgendwelchen musengeküssten Gestalten stehen die in anderen Ländern im Museum und haben eigene Museen. Weil sie politisch etwas bewirkt haben. Nur hier in diesem Land tobt sich auf Kosten der Pflege noch die Muppetsshow aus, und das Thema auszuschlachten, ohne es zu ändern.

Wer auch immer diese Klinik war. Schämt Euch.

Und was die Sender angeht: seit WOCHEN kein Wort zum Streik, kein Bericht. Aber jetzt gehts um Emotionen-Bilder. Da muss jeder zuschlagen. So eine Chance kommt nie wieder, gell?

ES wieder mich nur noch an.

Und steckt Euch Eure Fernsehpreise sonstwohin, zusammen mit jedem Applaus!

Zum richtigen Arbeiten war keine Zeit wegen der Ruhezeiten!

Echt jetzt? Ihr verarscht uns doch!

2 Kommentare zu „#Herzblutaufgabe my ass. Promis gehen Pflege spannern als Geschäfts-und Unterhaltungskonzept ist widerlich!

  1. Du sprichst mir aus der Seele! Ich hätte gerne eine Beteiligung an den Werbeeinnahmen in dieser Zeit für alle aus der Pflege, von der Hilfskraft zur Raumpflegerin, von den Fachkräften bis zur PDL, egal ob stationär, ambulant oder Reha. Samt einem Bericht vom Wallraff – dieses Mal von der anderen Seite aus, in der man als Pflegekraft getreten, geschlagen und oft genug begrapscht und beschimpft wird von Patienten oder deren Angehörigen! Aber bitte lass die Muppets raus – die hatten Stil!

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