Mansplaining „Schwangere in der Pflege“ oder „Guten Tag! Würden Sie uns bitte Ihr ungeborenes Kind opfern?“

Berufspolitik ist eigentlich wie Zentrale Notaufnahme. Du denkst jeden Tag, dass Du alles gesehen hast und dann kommt er doch wieder: der Hammer und es blutet unvermutet aus allen Ritzen. Heute blutet es aus meinen Augen, denn ich habe da was gelesen.

Als Mansplaining wird eine Erklärung bezeichnet, die ein Mann macht, der einer Frau erklärt, er wüsste, wie es (meist besser) geht, ohne dass er davon Ahnung hat. Es gibt viele merkwürdige Arten dieses Machtspiels, aber wahrscheinlich ist nichts so lächerlich wie ein Mann, der Dir Schwangerschaft erklärt. Doch damit nicht genug.

Birge Schlürmann ist ein Mann. Und was für einer. Seit Jahren erklärt er Menschen die Pflegewelt als Berater und Autor und setzt dabei auf Wirtschaftlichkeit. Ganz neu ist der Plot freilich nicht. Birge weiß auch, wie Schwangerschaft in der Pflege am Besten geht. Und er hat da ganz interessante Vorstellungen, die sich ungefähr so zusammenfassen lassen: „Dann machste halt n Neues.“ Aber von vorne.

Chirurginnen, so sein Artikel, die seien da anders drauf. Pflegende und Lehrer, die ließen sich ja sofort krankschreiben, aber Chirurginnen, die HÄTTEN DAFÜR GEKÄMPFT, möglichst lange am OP-Tisch stehen zu DÜRFEN!

Ja, Birge, das liegt an ihren schlechteren Karrieremöglichkeiten und daran, dass man gemobbt werden kann, wenn man schwanger ist. Dann kriegt man seine Facharztpunkte nicht und ist im Eimer. Das nennt man institutionelle Gewalt.

Birger schreibt: „„Gefühlt wurden schwangere Pflegekräfte vor allem in der Altenpflege zuletzt deutlich schneller krankgeschrieben als noch vor zehn Jahren“, meint ein Pflegewissenschaftler, der seinen Namen lieber nicht veröffentlicht sehen will. Der Experte vermutet eine Art „Schutzmechanismus“: Die Leistung von Pflegekräften stehe heute viel mehr im öffentlichen Fokus als früher, so dass Ärzte wie Arbeitgeber aufmerksamer geworden sind. Sie fühlten sich stärker verantwortlich für die schwangeren Frauen, wenn deren Wohlbefinden bei der Arbeit beeinträchtigt ist.“

Wer kennt ihn nicht? Den geheimnisvollen Dritten? Was Birge sagt? Scheiße, man kann heute nichtmal mehr mit Schwangeren machen, was man will. Ja, Birge, das leuchtet eigentlich jedem ein. Pflege ist so schwer wie ein Bauarbeiterberuf. Und wir sind heute nicht mehr in den Zeiten, wo jede Frau dem Pflege-Führer ein Kind gebären muss, das dann vom System aufgefressen werden soll. Es ist ok, sein Ungeborenes zu schützen. Zumal es nichtmal Elternschutzzeiten bei Fehlgeburten gibt. Dass Wirtschaftsgläubige das ganz blöd finden, das kann ich verstehen.

Aber Kinder Pflegender sind eh schon durch den Schichtdienst benachteiligt, da wirst Du erlauben, dass wir unsere Kinder wenigstens einigermaßen heil auf die Welt bringen, ja?

Aber Birger geht noch weiter. Der kennt gar keine Grenzen. Scheiß nämlich auf das ungeborene Kind. Das ist nämlich der Zeitgeist. „Pflegemanager und Organisationsberater Birger Schlürmann sieht die schnellen Krankschreibungen auch dem „Zeitgeist“ geschuldet: „Man achtet heute auf jede kleine Befindlichkeit, und die Ärzte haben Angst vor Schadensersatz. Früher hat man sich darüber nicht so viele Gedanken gemacht.“ Im Gegensatz zu den Chirurginnen, die dafür gekämpft haben, trotz Mutterschutz mehr und länger im OP arbeiten zu dürfen als bislang erlaubt, sei in der Pflege leider eine „Opferkultur“ verbreitet. „Das sind schon andere Mentalitäten“, sagt Schlürmann.“

An der Stelle muss man sich fragen, wo es da hakt. Mein Kind beschützen ist keine „Opferkultur“. Typen wie de sind lediglich sauer, dass Pflegende einfach nicht mehr bereit sind, Ungeborene auf dem Altar der Gesundheitswirtschaft zu opfern, das ist doch der Fakt an der Sache. Ich habe keine Ahnung, wie ein MANN von anderen Mentalitäten reden kann. Die Führungseben bedauert wohl, dass Pflege heute ihre rechte wahrnimmt. Ist schon blöd. Furchtbarste Arbeitsbedingungen, kaum Kollegen auf dem Markt und nun will die Ische auch noch gesund gebären.

Auch bei der Caritas, das sind die Kirchlichen mit der NÄCHSTENLIEBE, findet man das Fortpflanzungsgebot der Bibel eher lästig. „Heim- und Pflegedienstleiter Stefan Smolinka kennt „das Problem mit Schwangeren“ seit vier Jahren zwar nicht mehr: solange sei in dem von ihm geleiteten Altenheim St. Martin mit 69 Plätzen in Bad Orb (Caritasverband im Bistum Fulda) keine Pflegekraft mehr schwanger geworden.“ GEHT ES NOCH EIN BISSCHEN ÜBERGRIFFIGER???

Es. gibt auch gleich ne Idee. Schwangere sollen dokumentieren! „Die Heime haben Angst, dass die Schwangeren sich einen Keim einfangen.“ Dabei sei es „ausgesprochen sinnstiftend“, Schwangere in der Pflegedokumentation einzusetzen. „Die meisten Pflegekräfte stöhnen doch über die Dokumentationslast im Alltag. Da ist es wunderbar, wenn schwangere Pflegekräfte ihnen diese Arbeit abnehmen. Gerade in ambulanten Pflegediensten ist das auch völlig gefahrlos, denn sie haben dann ja überhaupt keinen direkten Kontakt mit Patienten.“

Ja, blöd nur, dass die Dokumentation derjenige machen muss, der am Patienten arbeitet. Was ist denn das für eine Qualität?

Man solle ja darauf achten, Schwangere entsprechend einsetzen zu können. „Dabei sollten alle Heime passende Konzepte für Schwangere parat haben, schließlich ist 80 Prozent des Personals weiblich.“ ICH GLAUBE, ES HAKT!

Mit Schwangeren lässt sich auch Geld sparen, wenn man sie im Büro einsetzt: „Wir nehmen die Schwangeren-Fälle mit in die Pflegedienst-Konferenz und fragen dann dort um, wo gerade ein entsprechender Arbeitsplatz frei ist. Wenn dann zum Beispiel gerade eine halbe Büroassistenzstelle frei ist, dann bekommt die Schwangere diesen Platz und für ihre andere halbe Stelle erhält sie ein Beschäftigungsverbot. Die Klinik zahlt dann die halbe Stelle, den Rest zahlt die Krankenkasse.“

UND DAS IST DANN WOHL INSGESAMT DER MISOGYNSTE KRAM; DEN ICH JE GELESEN HABE!

https://www.pflegen-online.de/schwanger-arbeiten-das-geht-auch-in-der-pflege

Kleiner Witz am Rande: Das Magazin ist auch zuständig für da Kammermagazin RLP und für das des Deutschen Pflegetags. Wisst Ihr, woher der Wind weht, ja?

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