Was geschieht, wenn wir Pflege satirisch sehen? CN: bleib weg, wenn Du nicht lachen möchtest

Doch, nach eingehender Reflexion möchte ich die neue Berufsordnung DOCH unterstützen. Ich finde nur, dass die Rückschritte in die Jahre 1920-1940 nicht weit genug gehen, denn da geht noch was und das könnte das Ganze doch auch gesamtgesellschaftlich extrem entlasten. Wir müssen lösungsorientiert sein.

Nachfolgend also Vorschläge, wie wir das alles lösen können.

Hildegard von Bingen statt die moderne Florence! Come on, das hätte NUR Vorteile.

NONNEN:

-lebten 24 Stunden auf ihren Stationen und hatten nur 8x täglich ein paar Minuten zum Beten. Lasst uns da normal anknüpfen. Die meisten von Euch sind doch eh schon im Dauerdienst. Was Ihr an Geld sparen könntet, wäre Eure Wohnung nur eine verschwommene Erinnerung an miese Mietenzahlung, Heizkosten und Aufräumen. Eine Pritsche zum Schlafen wie früher reicht doch völlig. Jedem Privatbetreiber einer Klinik geht bei der Vorstellung das Herz auf, denn die wussten damals schon, weshalb Schwestern da leben sollten. Und es gibt gar kein Geld. Come on. Die Welt ist eh bargeldlos. Unterkunft und Verpflegung ist ein Konzept, das sowieso in der Pflege wieder angekommen ist. Osteuropäische Kollegen bekommen so ihr Taschengeld und Kost und Logis. Und die Gesellschaft findet das „so nett“. Wie anerkennend da von „meiner Polin“ gesprochen wird. Und Anerkennung? Hey, das wolltet Ihr doch.

  • die Ausbildung wäre stark verkürzt. Im 20. Jh. betrug sie anerkennende 6 Wochen. Das könnten wir wieder einführen. Learning by Washing! Wozu noch all die quälende Ausbildung, wenn man das Gelernte eh nicht anwenden kann? Schmeissen wir unsere überkommenden Vorstellungen doch über Bord. Waschkurs (falls überhaupt) und jut. Aus die Maus. Dann wären auch viel weniger Leute frustriert. So geht Motivation!
  • Wenn wir schon dabei sind: ganz früher bei Hildegard gab es keinen Strom. Also lasst uns da wieder hin. DAS wäre nachhaltig, würde Energie sparen und nur ein paar selbstgezogene Kerzen kosten. Und hey: regt Euch die blöde Ableserei der Kühlschanktemperatur nicht eh auf? Denkt doch mal nach! NIE WIEDER TEMPERATURENCHECK, weil wo kein Strom, da kein Kühlschrank. Keine Dialysen, keine Beatmung, da geht noch was von Hand.
  • Empathie! Wenn Du keine Ahnung hast, dann musst Du nichts beobachten, dann musst Du Dir keine Sorgen machen. Du musst auch nichts dokumentieren, kannst den ganzen Tag einfühlen. Ds wäre der Traum manch einer Pflegekraft.
  • Der Titel! Den gäbe es auch wieder. Schwester! Endlich! Kein Gezanke.
  • Keine eigene Wohnung, keine Heirat, kein eignes Leben. Das bedeutet quasi keine Ausfälle durch Schwangerschaften. Und jammert Ihr nicht immer, wie schwer das alles unter einen Hut zu bekommen ist? das entfällt dann völlig. Perfekt!
  • Endlich könnte ein mann wieder das Sagen haben. Haben sie doch prozentual eh. Statt Oberpfleger käme ein Oberabt. Das wäre doch toll. Dann fiele die leidige Feminismusdebatte auch weg. Hierarchie ist wie sie ist. Kein Gezanke, kein Geschrei.
  • Altersvorsorge. Juhu! Die Rente wird erreicht, indem man selbst st pflegebedürftig wird. Fit bis ins Hohe Alter. Und früher haben die meisten Kollegen das gar nicht erreicht. Sie lebten sozialverträglich nach 4-5 Jahren ab. Da geht auch noch was im Impfgegnern.
  • Ja, das wäre sie. Die schöne neue Pflegewelt, in der alles WIRKLICH beim Alten wäre, die Welt, die Politik und Pflege selbst lieben würden. Ist das nicht PHANTASTISCH?
  • So einfach gehen Lösungen. Back to the roots! NOW!

Zur Tradition von Gehorsam, Gelöbnis, Ehre und Anstand

Die Berufsordnung der Pflegekammer RLP ist, wie ich bereits betont habe, aus meiner Sicht hochproblematisch, weil die Begriffe, auf denen sie undefiniert basiert, stark belastet sind – vor allem im pflegerischen Kontext.

Ein Gelöbnis abzulegen kommt aus den Urtiefen des Berufs. Ab dem 6. Jh. schworen Mönche und Nonnen – und das sind zumal die Wurzeln des Berufs – Gehorsam in der Benediktsregel. Später, beim Aufkommen des Hospitalwesens in den Kreuzzügen im 11. und 12. Jahrhundert, waren es ebensolche christlichen Werte, Tugenden, die geeignet schienen, Menschen für Gotteslohn zu verpflichten, für andere zu sorgen.

Absolut schwierige Tradition aber ist der Ehrbegriff und das Gelöbnis in Deutschland seit der Zeit des Nationalsozialismus. Es erschliesst sich mir nicht, weshalb der Satz:

„Liebe deutsche Schwester. Auch Du wirst immer mehr lernen müssen, daran zu denken, dass Du in erster Linie Frau Deines Volkes bist und dass Du diesem Volke Verantwortung schuldest für all Dein Tun und Handeln und vor allem für die Art der Ausrichtung Deines Handeln und Deines Denkens.“

fast schon unkritisch in „in allen Situationen werden ich die Ehre und das Ansehen des Berufsstandes wahren!“ aufgeht.

Gelöbnisse selbst gab es für Pflege auch unter den Nazis:

„Ich schwöre Adolf Hitler, meinem Führer, unverbrüchliche Treuer und Gehorsam. Ich verpflichte mich, an jedem Platz, an den ich gestellt werde [also in allen Situationen] meine Berufsaufgaben als nationalsozialistische Schwester treu und gewissenhaft im Dienste der Volksgemeinschaft zu erfüllen, so wahr mir Gott helfe!“

Genug gelobt, genug geschworen. Genug der Ehre.

Im Namen der Ehre mussten wir genug Gehorsam leisten. Man kann nur vermuten, weshalb diese Parolen wieder auftauchen, in einer BO, die offenbar geschrieben wurde von Menschen, die kein Interesse an Geschichte und Definitionen haben.

Ich jedenfalls gelobe nichts, bin nicht treu, lasse mich nicht im Namen einer undefinierten zweifelhaften Ehre verpflichten und Bin kein anständiges, braves Mädchen. Das würde nämlich einen Arbeitgeber entlasten, mir Bedingungen zu schaffen. Wir werden tagtäglich gedemütigt und entehrt. #respectnurses zeigt das deutlich auf. Schafft man es nicht, sich ehevoll zu fühlen, dann stimmt ab heute was mi meiner Ehre nicht? Nein, Leute, so einfach läuft das nicht.

Ehre, Anstand und ein Schwur – die neue Berufsordnung. Zurück in die Zukunft

Darauf also haben wir gewartet, das also schaffen die Funktionäre der Pflegekammer RLP. Ein „feierliches Versprechen“ leitet die neue Berufsordnung ein. Wem wir dieses feierliche Versprechen geben, das verraten sie uns nicht. Gelübde haben ja eine lange Tradition – gerade in unserem Beruf. Gelübde im Kloster läuteten die lebenslange Ortstabilität und die Übergabe des eigenen Willens an die Äbtissin ein. Gehorsam rules! Das muss diese neue Unabhängigkeit, diese Wertschätzung sein. Ist klar. Was ist dann die nächste Stufe? Zurück zum Fahnenappell?

Ich weiß nicht, ob die Funktionäre da verstanden haben, dass sie den Beruf in die Zukunft bringen sollten? Stattdessen gibt es also ein Gelübde, das auch gut in einem Kaninchenzüchterverein hätte stehen können. Wozu ein Gelübde, wenn die Arbeitsvoraussetzungen stimmen? Ach so, klar, das Ganze geht noch weiter.

„In allen Situationen werde ich die Ehre und das ansehen des Berufsstandes wahren“.

Berufsordnung

Ehre? Ernsthaft? Der Ehrbegriff ist nicht nur ein überkommenes Konstrukt aus grauer Vorzeit. Gegen die Ehre gehen.. was wäre das? Definiert haben sie das nicht. Wenn jetzt also etwas schief läuft, Dein Ag Dir Bedingungen aus der Hölle bietet, dann haste ab heute ein Problem mit Deiner Ehre. Schwierig: Ehre im Frauenberuf ist automatisch Ehre der Frau. Die ist traditionelle Unterordnung in einer männlich geprägten Hierarchie. Wenn das also die Leistung der Kammerfunktionäre ist, Frauenehre als Basis eines Berufes zu tradieren, dann haben die das offenbar in einer Timekapsel geschrieben und zwar irgendwann zwischen der Zeit, als Jungfrau zu sein Ehre war oder der Staat, nicht irgendein Staat, sondern die Nazis, was von Ehre schwafelten, um von außen die Definitionsmacht über Pflege zu erhalten. Ehre wie nämlich von außen zugeschrieben. Von Männern. In Zeiten von Bodyshaming, beruflich verpasster Emanzipation und fallenden Arbeitnehmerzahlen ist das also die Rettung? Ehre? Ehre wird historisch an den Frauenkörper geknüpft. Na, Mai, das war ja ne richtig gute Idee, sich als Mann im Elfenbeinturm hinzusetzen und die Ehre der Frau als Basis ihres Selbstverständnisses zu definieren. Was für eine patriarchische sexistische Kackscheisse. Ich frage mich ernsthaft nach der Kompetenz dieser Funktionäre. Ist es DAS, was ihr könnt? Einen Honorbegriff einzuführen ohne ihn hau definieren? Habt ihr keinen anbei gehabt, der etwas studiert hat? Das da ist ein Armutszeugnis.

Anstand! Ja, wer kennt es nicht. Anstand. Die anständige Frau? Schon in den 20ern war das Thema, allerdings im letzten Jahrhundert. Eine anständige Frau gehorcht, eine anständige Frau hat kein Metoo Problem, sie muckt nicht auf, Wir hatten genug anständige Frauen. Ihr habt Sie verschlissen. Nein, soviel Unsinn kann wirklich niemand, niemand mittragen und ab hier ist das kein Spiel mehr. Da sitzen Funktionäre im Elfenbeinturm und erweisen sich als unfähig. Sie definieren ein rückständiges berufliches Selbstverständnis und lassen sich dafür noch bezahlen, die Pflege zurück in die Vergangenheit zu schiessen, Pflege zu behandeln wie 1900 im Kloster. Wenn ich sowas lesen will, kann ich Bodelschwingh lesen. Der hat an die Geschichte von der gehorsamen artigen Frau und ihren Ehrenkodex noch glaubt. Mit professioneller Pflege hat das NICHTS zu tun. Schämt Euch! Und verfasst keine Texte solcher Tragweite, wenn Ihr es nicht könnt!

Besonders dramatisch: gerade die Begriffe Ehre und Altenpflege werden zunehmend von rechts besetzt. Aber hey… anscheinend ist das völlig egal.

Ehre? Blut? Schweiß ? Schwüre?

ABEDL 10 (sich als Mann oder Frau fühlen) – Gender: the next Level. Aufgaben, Probleme, Perspektiven

Als ich ausgebildet habe, gab es immer diese eine ABEDL, bei der ich die Fragezeichen in den Gesichtern förmlich sehen konnte: ABEDL 10. „Sich als Mann oder Frau fühlen – und verhalten“. In den Pflegeplanungen fand ich nie einen Aspekt dazu, wenn ich sie durchgesehen habe. „Fühlt sich als Mann“. Zack. Fertig. Die Frage, woher der Planer WÜSSTE, dass sich sein Patient/Bewohner als Mann fühle, trieb den Leuten Schweißperlen auf die Stirn. Und tatsächlich sehe ich hier einen riesigen Bedarf und ein riesiges Problem.

Der Mensch, das ist klar, ist ein sexuelles Wesen. Krankheiten können dazu führen, dass auf der einen Seite Sexualität nicht mehr, oder nicht mehr vollständig gelebt werden kann. Dann ist es pflegerische Aufgabe, auch diesen Aspekt in das pflegerische Handeln mit einzubeziehen, den Patienten aufzuklären, ihm Hilfe anzubieten und ihn zu beraten, damit er in die Lage versetzt wird, das Defizit zu überwinden.

Was Kollegen darauf machten: Der Patient hat ein Recht auf Sexualität und ich muss akzeptieren, dass ich sexualisierter Gewalt ausgeliefert bin. NEIN NEIN EINFACH NEIN!

Es kann in diesem Kontext bedeuten, dass wir darauf achten, dass Diabetiker erektile Dysfunktionen haben können, dass Menschen mit einem Querschnitt Beratung dazu benötigen, wie sie ihre Sexualität leben können (tatsächlich gibt es für Männer bei bestimmten Formen die Möglichkeit, durch Stimulation eine Erektion aufzubauen, auch prothetische Hilfsmittel etc.), postoperative Komplikationen mitzudenken und Gespräche anzubieten. Die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt. Denken wir alleine an die Frage, wie Sexualität im Alter gelebt werden sollte/könnte und dass es dazu Hilfsmittelberatung geben müsstest Ann merken wir schnell die Kluft zwischen dem, was möglich ist und dem, was wir tun. Die Wenigsten werden in den Seniorenheimen eine Dildoparty geplant haben, mit den Angehörigen über Bedarf gesprochen, Sexarbeiterinnen bestellt oder das Thema überhaupt verbalisiert haben. Dabei ist es nicht nur der Zeitfaktor, der Pflegende hindert. Es ist auch der Konflikt, ein Thema anzusprechen, dass sich nicht gerne ansprechen lässt, das Angehörige schockiert, das Betroffene so gar nicht mit ihrem Bild von „Krankenschwester“ (ich komme gleich drauf!) vereinbaren können: Gesundheitsberatung. Problem, Problem, Problem. Da schreibt man dann besser: fühlt sich als Mann, Thema erledigt.

Dazu kommt der Beratungsbedarf bei der Identität des eigenen Geschlechts, der in der Klinikwahrnehmung zumeist da stattfindet, wo Krankheiten oder Unfälle zu Einschränkungen der Ressource geführt haben. Wir denken an Mammaamputationen, kosmetische Probleme, Haarausfall (ja, Haare können tief mit der weiblichen Identität zusammenhängen). Dort ist es dann zumeist Hilfsmittelberatung, dir Pflege zumeist in standardisierten Abläufen gar nicht selbst tätigt.

Während wir also noch mit der 1990er Aufgabe hadern, hat die Zeit uns überholt. Seit sechs Tagen heißen wir nun „Pflegefachfrau“ und „Pflegefachman“. Sechs Tage ist das alt und im Grunde schon nicht tragfähig. Warum? Das ist nicht einfach zu erklären und ich erhebe ÜBERHAUPT KEINEN ANSPRUCH AUF VOLLSTÄNDIGES VERSTEHEN, aber ich versuche es mal.

Ein Baby kommt auf die Welt, die Hebamme ruft freudig „es ist ein Junge/ein Mädchen“ und macht das an den biologischen Geschlechtsmerkmalen fest. Diese Welt ist also dual, es gibt zwei Geschlechter. Aber: weit gefehlt. Zu den biologischen Faktoren kommt die soziale Rolle. Die sieht für Mädchen ungefähr so aus: Mädchen tragen rosa, Jungs tragen blau, Mädchen essen die Prinzessinnensuppe und Jungs die für Ritter (es gibt wirklich Gendermarketing, wen das interessiert ,der schaut sich einmal die #rosahellblaufalle an) und sehr viele Leute wehren sich mittlerweile dagegen, geschlechtsspezifisch erziehen zu sollen. Das macht für mich Sinn, warum soll ein Mädchen nicht Baggerfahrerin sein?

Aber, cave davon ab gibt es natürlich noch die eigene Identität. Schon die Wortwahl ist schwierig. Politisch waren früher die Alpen die Trennlinie für „hüben und drüben“. Wer also beispielsweise in Bayern lebte, für den war Italien „transmontan“ und das eigene Land cismontan. So läuft das auch mit der Zuschreibung. Cis sind all jene, deren biologische Merkmale und die Identität übereinstimmen. Trans sind all jene, die beispielsweise Frauen mit Penis sind. Es sind etliche Sprachfallen in den Begrifflichkeit, mit denen sich Pflege selten auseinandersetzt. Zum Beispiel der Sprech vom „im falschen Körper leben“. Betroffene lehnen das zurecht zumeist ab. Das ist klar: würde jemand Euch sagen: Hömma, Dein Körper ist irgendwie falsch, wärd Ihr sicher stark verletzt. Der Körper ist das Ich. Zu sagen, der Körper sei falsch, pathologisiert dabei etwas, was nicht pathologisch ist. Das nächste Sprachproblem ist, dass gesellschaftlich oft von „sich als Frau FÜHLEN“ gesprochen wird. Nicht von „Frausein“. Also: Aufmerksamkeit auf die Sprache auch in der Planung. Es sind nicht beispielsweise „Männer, die sich als Frau fühlen“, sondern FRAUEN. PUNKT! Es gilt die eigene Identität.

Missgendern: Zu den größten Problemen gehört es, dass wir entweder von den Personalien, die wir lesen (auf Aufklebern und dem Stationstamtam) oder von den körperlichen Merkmalen, die wir ja ebenfalls „lesen“ darauf schließen, welche Identität das Gegenüber hat. Das jedoch muss nicht mit der eigenen Identität übereinstimmen. Ein gut gemeintes „Guten Tag, Herr XY!“ kann also nach hinten losgehen und von vornherein verletzen. Es braucht hier Lösungen.

Wir selber haben mit der neuen Berufsbezeichnung zwei Identitäten zur Wahl: Pflegefachfrau und Pflegefachmann. Es gibt aber jede Menge Menschen, die nicht entweder oder, sondern nonbinär sind. Eine clevere Alternative wäre zum Beispiel die Pflegefachperson gewesen. Nun hängen wir der gesellschaftlichen Entwicklung schon wieder hinterher.

Die Frage nach der Norm: Ja, sich davon zu lösen, dass es lediglich zwei Geschlechter gebe, dass jeder nur ein Geschlecht habe oder zugeordnet werden müsse, ist gar nicht so einfach. Und es schafft im Stationsalltag Konflikte. Vor allen in Zeiten der personellen Not. Nein, ich habe keine Idee, wie ich es angehen würde, eine Person, die sich äußerlich als Mann lesen lässt, aber eine Frau ist, einem Zimmer mit Frauen zuzuordnen, ohne dass es richtig heftige Konflikte gibt. Aber ich denke, es benötigt Arbeitsgruppen und Gespräche, bauliche Gegebenheiten und Schutz.

Es benötigt eine Anpassung dieser ABEDL. Wenn ich als Pflegender nur die Auswahl habe, meinen Anvertrauten „sich als Mann oder Frau“ fühlen zu lassen, dann ist das sprachlich falsch (er fehlt sich nicht, er ist) und die Auswahl ist zu gering.

Nein, das ist gar nichts Neues. Es gibt viele uralte Kulturen, die weit mehr als zwei Geschlechter kennen. Die Denke, dass alles so bleiben muss, wie man es mal gelernt hat, ist sehr eurozentristisch. Es mag auf den ersten Blick verwirren, dass es annähernd 40 Geschlechter gibt, aber es ist nicht mein Job, die Leute zu Labeln. Das können die einzelnen Individuen gut selbst und es mir mitteilen. Ich muss nur danach fragen.

Für uns ist ungewohnt, dass es abseits von Einschränkungen bei Krankheit (Unfällen, Diabetes) Handlungsbedarf im Umgang damit gibt. Das müssen wir schnell aufholen.

Ja, es gibt die Frage, wo denn der Feminismus bleibt. Ja, das sind stark kontrovers diskutierte Themen. Was soll Pflege tun? Warten, bis der Diskurs vorbei ist und sich dem Konsens anschließen? Oder den beruf einfach Mals selbst in die Hand nehmen und handeln.

Den ersten Zug, nämlich die eigenen Berufsbezeichnung, haben wir ja schonmal verpasst.

(R) Ausbildung. Wie informelle Strukturen und Hierarchien in der Pflege den Nachwuchs beeinflussen. Eine Kultur der Grausamkeit und Empathie.

Krohwinkels Modell einer holistischen Pflege sollte zu Beginn der 1990er Jahre einen Paradigmenwechsel in der Pflege einläuten: auf der Basis der Aktivitäten, Bedürfnisse und existentiellen Erfahrungen des Lebens (ABEDL) sollten Pflegende ihre Patienten ganzheitlich versorgen. Ganzheitlichkeit, das war das große Stichwort dieser Zeit, der Ansatz stammte aus der Psychosomatik und versprach, die Funktionspflege endlich abzulösen, bei der die einzelnen Tätigkeiten im Stationsalltag von verschiedenen Personen ausgeführt wurden. Dies geschah streng hierarchisch. Patientennahe Tätigkeiten galten als niedrig, arztnahe Tätigkeiten, wie Verbände anlegen oder das Verabreichen von Medikamenten als vollwertig, den höchsten Rang nahm dann Schreibarbeit an den Patientenkurven ein, die Schülern oder Krankenschwestern strikt untersagt und im Zuständigkeitsbereich der Stationsleitung lag. Wer schriftlich Wissen zur Verfügung haben wollte, führte ein Oktavheft mit sich, in das mühsam alle Informationen zu den Patienten geschrieben wurden.

            Mit der Einführung der individuellen Pflegeplanung schien das Problem beseitigt. Alle führten nun Kurven, der Hoheitsbereich des Schreibtisches schien entmachtet. Eine Forderung, die schon lange vor Krohwinkel gestellt, aber nie durchgesetzt wurde. Doch nicht alle profitierten davon. Avant la lettre wurden die hierarchischen Strukturen der Pflegetätigkeiten beibehalten und haben bis heute den Stationsalltag nicht verlassen. Es gab Tätigkeiten, die traditionell den Schülern, also den Auszubildenden vorbehalten war: Waschen (also die eigentliche Grundpflege), das Putzen von Spülen, Botengänge, Putzen von Nachttischen, Wäsche einräumen und sortieren. Wer sich widersetzte, der galt als „unverschämt“ und besonders tragisch war es, dass diejenigen examinierten Kollegen, die so ihre Macht missbrauchten, um die – traditionellen – minderen Aufgaben nicht machen zu müssen, auch noch die Macht hatten, die scheinbare Aufsäßigkeit der Auszubildenden vermittels der Notengebung zu bestrafen. Ein Teufelskreis. Dabei werden auch heute Auszubildende auf den Stellenplan angrechnet. Der zunehmende Fachkräftemangel macht sich in der Ausbildung bemerkbar, weil die Anleitung nicht mehr gelingt und die jungen Kollegen mit den Aufgaben alleine gelassen werden.

            Aber es gibt auch eine andere Schattenseite, über die man nicht spricht: die Strukturen des 20. Jahrhunderts haben die Pflege nie verlassen. Noch immer gibt es Stationen, auf denen Schüler die Mitarbeitertoiletten nicht nutzen dürfen, weil das „unhygienisch“ sei. Den Schülern wird somit klar gemacht, dass sie nicht dazugehören, sich irgendwo im Nirgendwo zwischen Patient (der natürlich als Kunde ein eigenes WC hat) und niemand befinden. Das ist Einnordung und Gewalt der übelsten Sorte. Noch immer gibt es Schülerarbeiten. Die sind noch immer zumeist pflegefremd, werden aber von Vollkräften an Schüler delegiert, weil „das bei uns auch so war“. Es herrscht eine Tradition der Gewalt und der Hierarchie. Schüler sind es, die in den Pausen als erste „auf die Klingel zu gehen haben“, weil die Vollkraft ihre Pause braucht. Schüler sortieren Wäsche. Schüler werden angeschrien, wenn sie sich nicht in diese bescheuerte, der Ausbildung abträgliche Struktur einfügen. 

            Sobald die Azubis ihre Ausbildung beginnen, sind sie zumeist zwischen 16 und 17. Die auf den Stationen herrschende Gewalt wird mit dem Fachkräftemangel begründet. Doch so einfach ist das nicht, denn es hat diese Gewaltformen schon weit vor den 70ern gegeben, als es noch Funktionspflege gab. Erhalten haben sich informelle Strukturen einer gewaltbereiten Pflegecommunity. Diese ist, so zeigt es die Erfahrung, die lediglich bei Twitter in Tweets hochkocht, ist nur zu gerne bereit, nach unten zu treten. Nehmen wir diese Arbeitsgewalt genau, dann werden dort Kinder – denn das sind 16 Jährige nunmal – misshandelt durch psychische Gewalt, durch Mobbing und beschweren sie sich, gilt noch immer die Zeugnismacht und das allseits beliebte „das war bei uns auch so“, „hab Dich nicht so“.

            Was der Schüler zuerst lernt: mit seinem Gefühl stimmt offenbar irgendwas nicht. Denn alle halten diese Gewalt aus, machen sie mit, sie scheint dem Beruf immanent zu sein. Hilfe gibt es kaum. Was macht der Azubi? Internalisiert diese Gewalt als Norm (und wird sie weiter tradieren) oder – er steigt aus. 

Zahlen zu Gewalt liegen natürlich nicht vor. Zu vermuten wäre eine Kultur der Angst,  der Gewalt und des verzweifelten Einnordens einer Generation, die sich eben nicht mehr einnorden lässt. Gottseidank. 

Hat der Azubi diesen Status hinter sich, wurde also 3 Jahre ordnungsgemäß misshandelt, hat kapiert, dass die Schule etwas lehrt, was die Station nicht hören will (wir nennen das freundlich Kluft zwischen Theorie und Praxis), dann kommt der Nächste und erklärt ihm, dass die Bedingungen in diesem Beruf normal seien. Er solle nicht jammern. Sein Gefühl stimmt irgendwie nicht. Welch gewaltvolle Strukturen dahinterstehen, kann sich jeder ansehen, der einmal Alice Miller: Du sollst nicht merken – Variationen über das Paradies-Thema, Frankfurt 1981 gelesen hat. Selbstmitleid ist, glaubt man den Aufforderungen der Berufskollegen und Erwin Rüddel, das Letzte. Zu merken, dass etwas falsch läuft, dass man misshandelt wird, staatsseitig, arbeitgeberseitig, dass sich der Arbeitgeber und somit der Staat verhält, wie ein misshandelnder Vater (Staat), das ist der Satz, den niemand aussprechen soll. Denn die Bedingungen gründen auf einer strukturellen (staatlichen) Ausbildung, es ist der Staat, der diese Gesetze gemacht hat. Wer heute Auszubildende behandelt, wie den letzten Dreck, wer Pflegenden erklärt, sie sollen nicht jammern (=fühlen), der ist selbst Opfer dieser Gewalt geworden. Und leider auch Täter. Deshalb steigen die Leute aus. Avant la lettre faseln alle was von Empathie. Aber die ist längst einer Kultur der Rohheit gewichen. Mitgefühl und Grausamkeit sind die dunklen Seite dieser Empathie. (lest Ihr hier https://www.deutschlandfunk.de/mitgefuehl-und-grausamkeit-die-dunkle-seite-der-empathie.1148.de.html?dram:article_id=412008)

Wissen ist nichts wert. Wir sollen nicht merken und wir sollen das nicht wissen. 

2020 das Jahr der Pflegenden und der Hebammen

Ein Blog von Donna Rabiata

Da ist es nun, das neue Jahr und offiziell von der WHO in Genf zum Jahr der Pflegenden und der Hebammen ausgerufene 2020.Der Anlass: Der 200. „Geburtstag“ von Florence Nightingale, einer sehr beeindruckenden Frau, die während ihrer Zeit als 1. Offizierin und Anleiterin der Feldkrankenschwestern in den Feldlazaretten der britischen Armee diente. Dort konnte sie durch statistische Erfassungen und Auswertungen nachweisen, dass die verheerenden Verluste im Krimkrieg nicht („nur“) in den Schützengräben begründet lagen. Die meisten Verluste waren den praktisch nicht vorhandenen hygienischen Bedingungen geschuldet, die so viele Soldaten das Leben kosteten, das der Sieg unwahrscheinlich wurde. Durch die von Frau Nightingale (und ihrem Team) in der Feldforschung erbrachten Nachweisewurden schließlich die erforderlichen Ressourcen bereitgestellt, um diese Bedingungen zu verbessern, was einen erheblichen Aufschwung der Überlebensrate der Soldaten ermöglichte. Außerdem arbeitete sie oft und gerne mit Ordensschwestern zusammen, denen ebenfalls an der Verbesserung der Gesundheitsversorgung gelegen war.

Diese Darstellung ist sehr stark abstrahiert und verkürzt. Frau Nightingale gilt aufgrund eines praktisch lebenslangen Engagements für die professionelle Pflege zu Recht als Begründerin der modernen Krankenpflege und hat ihre Anliegen immer mit beeindruckendem Durchhaltevermögen und politisch kluger Taktik verfolgt. Davon können und SOLLTEN wir uns heute, in der aktuellen Situation leiten lassen; Denn auch wenn die Probleme heute (noch) nicht (wieder) so verheerend sind, liest man selbst außerhalb der Fachliteratur immer häufiger davon, wie sehr der Mangel an Pflegefachkräften, Hebammen, Rettungskräften, Therapeuten und Ärzten die Krankheitsverläufe so negativ beeinflusst, dass es schon beinahe als Zufall anmuten kann, ob man tatsächlich voll wiederhergestellt das KH verlassen kann.

Pflegekräfte verlassen ihren Beruf wegen der unter dem Begriff „Arbeitsbedingungen“ zusammengefassten Zumutungen, die auf Twitter unter #respectnurses in allen Facetten dokumentiert wurden und werden.Hebammen können ihren Beruf kaum noch selbstständig ausführen, was dazu führt, dass Frauen darum fürchten, bei der Geburt ihres Kindes unterversorgt zu sein. Parallel dazu verfolge ich persönlich mit Sorge, wie sich die Gruppe der Pflegenden in viele einzelne Grüppchen aufteilt, die sich wiederum – rein gedanklich und subjektiv betrachtet – grob zwei größeren Lagern zuordnen lassen. Die eine Seite favorisiert sehr stark „Empathie“ als Grundwert professionelle Pflege und lehnt in diesem Rahmen häufig die Dokumentation als Zeiträuber, der lediglich anderen Stellen nutzt und gerne auch gegen die Gruppe der Pflegenden selbst als „Waffe“ benutzt wird, ab.

Die andere Gruppe sieht sich als Verfechter der Professionalisierung durch Akademisierung und lehntdas Schlagwort „Empathie“ oft strikt ab. Der Grund dafür ist, dass es gerade bei Laien mit Serviceleistungen konnotiert wird, die mit professioneller Pflege nichts zu tun haben. Mit der Dokumentation verbindet diese Gruppe häufig eine Art Hassliebe. Zwar notwendig als Grundlage für Pflegeforschung, aber, aus den gleichen Gründen wie bei der anderen Gruppe, kritisiert. Was hat das jetzt mit Florence Nightingale zu tun? Ihr ist es gelungen, viele Gruppen zur Zusammenarbeit zu bewegen. So hat sie durch die oben genannten Analysen und politisches Geschick die royale Regierung und die klerikalen Ordensschwestern dazu gebracht, dass die erforderlichen Ressourcen für echte Verbesserungen der Gesamtbevölkerung bereitgestellt und professionell genutzt wurden. Ihre Familie hat sie, trotz vollständig anderer Vorstellungen über angemessenes Verhalten einer Frau bei ihren Projekten unterstützt.

Das war auch deshalb so besonders, weil die Ausübung der Krankenpflege einen anrüchigen Beigeschmack hatte und Frau Nightingale aus sehr gutem Hause stammte. Wir möchten, das wir respektiert und uns alle erforderlichen Ressourcen für die professionelle Ausübung unseres Berufes zur Verfügung gestellt werden. Gleichzeitig benötigen wir eklatante Veränderungen unserer Arbeitsbedingungen und eine erhebliche Anpassung unserer Gehälter. Ich finde, das Jahr der Pflegenden und Hebammen ist ein guter Grund, sich zusammenzuraufen und organisiert die erforderlichen Veränderungen selbst in Angriff zu nehmen.Wie Frau Nightingale eben.So, das war er. Mein erster Blogartikel. Noch ein bisschen unbeholfen und in dem Bewusstsein, das die Gruppe der Hebammen und andere Berufsgruppen heute zu kurz gekommen sind. Ich plane eine Art „Serie“ in der jede Gruppe separat vorgestellt wird, weil man uns und unsere Professionen nicht in 3-4 Sätzen abhandeln sollte und ich durch den heutigen Schlafmangel nicht stark genug abstrahieren kann, um es wenigstens zu versuchen.

Ein frohes neues Jahr allen Lesern und ich freue mich, wenn wir uns wieder lesen.Salut, eure Donna Rabiata

2019, das wars – auf so vielen Ebenen

Morgen gehen viele von euch in den wohl härtesten Nachtdienst des Jahres. Es lohnt nicht, sich am nächsten Morgen die Schlagzeilen anzuschauen. Wieder werden Kliniken unterbesetzt gewesen sein, wieder werden RTW-Besatzungen verprügelt und mit Böllern beschossen worden sein, wieder lungerten viel zu viele Bagatellfälle auf den Notaufnahmen rum. Ein endloser Kreis.

Das war das Jahr, das die KAP (Konzentrierte Aktion. Pflege) gebracht hätte haben sollen (welchen Fall nimmt man da eigentlich?), aber es ist keine Entlastung da. 12 % aller Dienste auf den pflegesensiblen Bereichen fahren unterhalb der PPUG! Nur der Durchschnitt muss irgendwie stimmen. Selten wurde ein Gesetz beschlossen, das nichts, aber auch gar nichts ändert, keine Konsequenzen hat und niemanden schützt.

Noch immer werden unsägliche Werbestrategien gefahren, Imagekampagne mit süßen Schneebällen, warmherzigen, sexy Frauen, neuerdings dürfen es auch kriminelle Assoziationen sein (siehe Bild), in einem kirchlichen Krankenhaus steht Domini-KUSS jetzt mit (weiblichem) Kussmund da und es ist schwer zu sagen, wo man als Außenstehender da hinkommt: in die Klinik oder in den Puff (wo wir wieder bei der 2007er Gleichsetzung von Prostitution und Pflege wären, aber ich bin so müde, so unendlich müde).

WO genau waren sie eigentlich dieses Jahr alle, die Akteure, die Vertreter, die Kammer und die Politiker? Was außer einem Positionspapier, einer noch immer aufgeregten Debatte um die Verkammerung ist denn eigentlich geschehen? Die Antwort lautet: nichts.

Die Kammer ist keine Kammer mehr. Sie ist per Gesetz zum zahnlosen Tiger gemacht worden (und Pflege jubelt dazu), im eigentlichen Sinn keine Kammer mehr. Noch immer wird das ewige Lied von der Berufung gesungen und , man muss es sich eingestehen, natürlich flüchteten auch dieses Jahr wieder unzählige Kollegen, weil es ein Problem gibt: die Pflege, die wir gelernt haben ist nicht die Pflege, die die Gesellschaft und die Politik wollen. Berufung soll es sein, irgendwas mit Empathie statt Strategie, Liebe statt Zielen, Aufopferung statt Hilfsbedarfsplan, im Bett liegen lassen statt Mobilisierung, denn – soviel steht ja fest – das hat man sich im Alter und in Krankheit ja verdient. DAs, was wir anzubieten hätten, mobil bleiben, wieder zurechtkommen, das will niemand. Eher soll so eine Art Superservice aus der Pflege gemacht werden, der allzeit bereite Hochleistungswaschlappen mit Zimmermädchenfunktion, Servicegedanken und … ganz wichtig ..Demut.

Dass dieses Konzept nicht nur nicht ankommt, sondern auch im Beruf selbst seit mindestens 30 Jahren überholt ist, juckt genau niemanden. Die Kliniken sind voller Altenpflegekräfte, die für das, was da im DRG-Takt geleistet werden müsste, gar nicht ausgebildet sind. Was wir gelernt haben: Fachkraft ist Fachkraft. Wer keine Fachkraft ist, wird in 188 Stunden dazu gemacht, zack, fertig ist die Laube. Das also ist diese Wertschätzung, dieser besondere Beruf.

Niemand zeichnet für die katastrophalen Zustände zuständig. Kein DBfK, keine Kammer, kein Politiker, keine Gewerkschaft. Das Flickwerk hält nicht, es profitiert auf keinen Fall der, der von diesem Beruf leben möchte, und schon gar nicht der Patient. Die, das muss man ja auch mal betonen, sonnen sich in dem jahrhundertealten Gefühl, es sei eine SELBSTVERSTÄNDLICHKEIT, medizinisch-pflegerisch betreut zu werden. Und, oh große Entrüstung, wenn es dann einen selber trifft, und es kommt keiner. Weil keiner da ist. Dann ist die Sache natürlich eine ganz andere.

Noch immer wird beklagt, dass die Pflegedienste keine Zusatzaufgaben kostenlos übernehmen, noch immer, das hat #respectnurses gezeigt, gilt es als Ausnahmesituation, wenn Respekt eingefordert wird. Zitate wie „Da fordern Sie Respekt, aber sie selbst.. (hier sinnlosen Berufungskram einfügen)“ zeigen deutlich, dass anscheinend für diesen Respekt irgendetwas zusätzliches geleistet werden soll – von Menschen, die schon dass Doppelte an vereinbarter Zeit leisten. Das ist absurd und verachtend.

Immer mehr muss man sich auch fragen: hat eine solche Gesellschaft Pflege verdient? Lohnt das, das eigene Leben hintenan zu stellen und im Akkord disgrace zu erlangen, für die Tatsache, einen Beruf auszuüben? Wenn die Lücke zwischen dem, was wir anbieten und dem, was die Gesellschaft will, SO groß ist, dann kann die Gesellschaft den Beruf, den Ihr ausübt eben nicht haben. Wir wissen aus Studien, dass das Leben kostet. Ist diese Gesellschaft mündig genug, das zu begreifen?

2020 wird das Jahr der Pflegefachpersonen und ich sehe schon, wie mit Pflege dann wieder alle gemeint sein werden: Angehörige (die eben nicht professionell pflegen, es wird Zeit, ein eigenes Wort dafür zu schaffen), Laien, Carearbeit, Sozialarbeit. Es gelingt der Pflege nicht, Deutungshoheit über ihren eigenen Beruf zu erlangen. Nein, der deutschen Pflege gelingt das nicht. Nie waren wir von Professionalisierung weiter entfernt, als im Jahr 2019.