Nicht nur ‚Maskendeals‘, Herr Löbel

910.000 Euro. Auf Twitter hat es jemand zusammengerechnet. 910.000 Euro haben Praxen, Heime und Kliniken also zusätzlich zu den sowieso schon steil in die Höhe geschossenen Kosten für Masken zahlen müssen, damit sie ihre Mitarbeiter schützen können. An eine Handvoll Bundestagsabgeordnete. Für die freundliche Vermittlung. „Maskendeals“ wird das in der Presse genannt. Aber es waren nicht nur Maskendeals. Es war weit mehr als das.

Ich erinnere mich an das Frühjahr 2020. Ich erinnere mich an den # #KeinIsomaterialfürCorona, mit dem die Pflege darauf aufmerksam machen wollte, dass sie gefährdet ist. Es hat niemanden interessiert. Ich erinnere mich an zugesperrte Schränke, damit man sich nicht einfach eine lebensrettende Maske aus dem Schrank nehmen kann. Ich erinnere mich an Bilder, wie Kollegen das infizierte Zeug mit nachhause nehmen und dort ausbacken mussten. Ich erinnere mich an Kollegen, die nach 12 Stunden Schichten Stoffmasken für andere Kollegen nähten und an wieder andere Kollegen, die diese Masken dann bügelten, damit sie eine Chance hatten, das verflixte Virus zu töten.

Ich erinnere mich an völlig fertige Pflegedienstleitungen, die den ganzen Tag damit zubrachten, Masken besorgen zu wollen, telefonierten, an Lieferketten scheiterten oder schlicht daran, dass in den IT Systemen nur dort bestellt werden kann, wo die Firma als Lieferant hinterlegt ist. Ich erinnere mich an Bilder, wo nur ein paar Masken auf der Station hingen und die mussten sich dann alle teilen. Alle. Die selben! Tagelang! Ich erinnere mich an Rationalisierung, eine Maske musste 1 Woche reichen. Bei 12 Stunden-Diensten. Bei Kontakt mit Corona. Ich erinnere mich, wie die Statistiken des RKI anfingen, täglich mehr tote Kollegen aufzulisten.

Ich erinnere mich, wie sie dann anfingen, die Pflege „Helden“ zu nennen und im Bundestag aufstanden und klatschten und von Wertschätzung erzählten. Und ich habe Fragen, Herr Löbel.

Ich möchte wissen, ob Sie selber, als niemand etwas hatte, beim Einkaufen Maske trugen und ihre Familie und vielleicht Ihre Kinder. Ich möchte wissen, ob Sie auf die Uhr schauten, alle 12 Stunden, wenn Pflegepersonal die Schichten wechselte, weil dann die Hoffnung bestand, dass die neue Masken zugeteilt bekommen würden. Katsching in die eigene Tasche immer um 6.00. Ich möchte wissen, was Sie dachten, als Sie da im Bundestag standen und klatschten? Was war es? “ Applaus Ihr Deppen, Ihr verdient gerade für mich Geld! Höhöhö!“ ? Ich möchte wissen, was Sie dachten, wenn wieder einmal eine Bild-Schlagzeile aufpoppte, wenn in einem Pflegeheim Corona ausgebrochen war. Als man der Pflege die Schuld gab, als Angehörige wütend vor den Heimen tobten, Pflegende anspuckten, sie aus den Supermärkten schmiss, ihre Autos zerkratzte? Was war es? Vorfreude, weil das Heim sicher so verzweifelt sein würde und bei Ihnen die Kasse bald klingelte?

Ich möchte wissen, ob Ihr Euch da im Bundestag beim Lachen auf die Schenkel klopft, weil Pflege gutmütig in der Pandemie alles mit sich machen lassen muss, während Ihr, jeder für sich, innerhalb eines halben Jahres den Wert eines Einfamilienhauses verdient habt, mit der Arbeit der Pflege? Während Pflege oftmals nicht in der Lage ist, ein Einfamilienhaus in ihrem ganzen Leben abzubezahlen. Ich möchte wissen, wer dann beschließt, in Pressekonferenzen etwas von Wertschätzung zu erzählen, und wie „WERTVOLL“ (lacht Ihr, wenn Ihr das aussprecht?) die Arbeit der Pflege ist. Wertvoll ist sie, die Arbeit. Schließlich verdient Ihr dran.

Ich möchte wissen, wie sich das anfühlt. 1,3 Millionen Pflegende. Die Euch mit in dieses Haus, den Bundestag, gewählt haben. Auf deren Leben Ihr jetzt also ungebührlich Kohle verdient. „Marktgerecht“ habt Ihr das genannt. „Der marktgerechte Patient“ heißt auch der Film, der beschreibt, wie menschenunwürdig Medizin unter Gewinnmaximierung geworden ist. Ich bin sicher, Ihr kennt den Film und auch den Wortzusammenhang. Ihr verarscht uns doch.

Ich möchte wissen, was Ihr über die Opfer der Pflege denkt. „Pech gehabt, keine Lösesumme für Masken bezahlt, höhö.“ ?

Sie ziehen sich aus der Politik zurück, sagen Sie. Doch das ist schon wieder gelogen. Sie bleiben nämlich auf dem gut bezahlten Sitz sitzen bis August. Ein halbes Jahr also muss ich Sie noch durchfüttern. In einem Monat bekommen Sie soviel Geld wie 5 meiner Kollegen. Wenn die Glück haben.

Währenddessen erzählt Ihr uns weiter, dass Ihr nichts ändern könnt. Und verlasst Euch drauf, dass die Leute ihren Job machen. Gefährdet. Überstunden. Die Kinder der Pflege, die ihre Eltern kaum sehen. Mitarbeiter, die müde sind.

Was werdet Ihr machen mit der ganzen Kohle? Erstmal schön in den Urlaub, wenn es vorbei ist? Eine Beraterfirma gründen? Euch auf die Schultern klopfen, dass Ihr „wenigstens das noch mitgenommen habt“? Euch bedauern, weil alles so gemein ist?

All das weiß ich nicht. Leider. Aber ich weiß, was das Gemeinste an der Sache ist. Ihr könnte jederzeit Eure Krankenversicherungskarte zücken und in ein Krankenhaus gehen. Und dann müssen die, die Ihr so derbe verarscht habt, Euch behandeln, als wenn nichts gewesen sei.

Warum sie das müssen? Sie haben einen Ethikkodex. Das werden Sie nicht kennen, Herr Löbel. Hätten Sie mal besser Pflege gelernt. Hätte Pflege mal besser auf Ihrem Platz gesessen.

„Aber ich bin doch jetzt krank!“ – Vom Genuss einer Gesellschaft, Patient*in zu sein

Twitter. Ewige Weiten. Wir schreiben das Jahr 2021 und jeder darf das, was ihn stört, ins Internet schnauben. Und es stört viel. Vor allem, wenn man krank ist. Wartezimmerteweets lassen schon die quasi-pathologische Spannung aufkommen, wie es jetzt weitergeht. Und manchmal ist es dann soweit. Man landet im Krankenhaus. Und was gibt es da nicht alles zu twittern, zu fotografieren und zu berichten!

Der vielleicht meistfotografierte Schockmoment für Patienten ist das Mittagstablett. Das fotografierte Essen schmeckt nicht, ist lieblos angerichtet, zu wenig, falsch, und überhaupt stimmt da was nicht. Ungesund das Ganze. Und dann geht es immer los. Man KÖNNTE doch erwarten, dass es etwas Besseres zu essen gäbe. Wer soll denn DAMIT gesund werden? Mitleid macht sich unter den Follower breit und überhaupt ist das ja eine Unverschämtheit. Man würde sich beschweren, das Ganze grenze ja an einen Skandal. Essen ist die Hauptattraktion seit IMMER im Krankenhaus. Das hat man eigentlich gewusst, aber nun erwischt es einen wirklich selbst. Klar, seit Jahren berichten die Medien über Sparmaßnahmen, jeder weiß, dass der Tagessatz für Essen pro Patient bei ca. 4 Euro liegt und man muss nicht kochen können wie Sarah Wiener, um zu begreifen, dass das, was da auf dem Teller gelandet ist, mit Nahrung, Nachhaltigkeit, Vitaminen und Ernährung nichts zu tun hat. Man weiß es auch, aber es wurde halt erst schlimm, als man die Pampe selber essen sollte. Ganz schlimm wird es, wenn man passiertes Essen fotografiert. Das wird als Unverschämtheit enttarnt, das könne man doch lecker anrichten. Dass der Brei einem das Leben rettet, weil man sich nicht verschluckt und Ernährung überhaupt erst möglich macht, wird völlig untergeordnet. Wie man passiertes Hackfleisch lecker anrichten soll, können zwar 32 Milliarden Nutzer auch nicht sagen, aber um Lösung geht es dabei auch nicht. Es geht um den Genuss, nun selbst betroffen zu sein.

Auch beliebt ist der stete Hinweis darauf, dass hier wirklich Personalnot herrscht und dass wirklich niemand Zeit für einen hat. Sicher, das hat man gewusst, aber es sollte einen nicht selber treffen. So schrieb gestern ein Nutzer, er sei das erste mal respektvoll gewaschen worden. Was das genau hieße, kann er nicht so genau sagen, aber die Pflege habe gesungen und ansonsten irgendwas mit Musik gemacht. Was sich darauf entspann, war unfassbar interessant. Denn Pfleg selbst mutmaßte, es müsse sich um öffentlich gelegte Blasenkatheter gehandelt haben oder um Trennwände, die nicht eilig herbeigeschafft wurden. Nichts von alledem war der Fall, es ging einfach um eine vergleichsweise entspannte Situation und Gesang, vielleicht auch um das Stimmen der Chemie zwischen den beiden, man weiß es nicht genau. Entspannte Situationen benötigen Zeit. Zeit jedoch ist etwas, was nicht vorhanden ist. Wir werden nie wissen, ob es sich um einen Schülereinsatz handelte oder was das besondere Geheimnis an der Situation war. Viel spannender jedoch ist, dass das Hervorheben dieser scheinbar so besonderen Situation schlicht bedeutet, dass der Patient wahrnimmt, dass er die sonst nicht haben kann.

Auf meinen Einwand, dass die Bedingungen nun oft gar nicht möglich machen, was der einzelne fordert, wurde es noch spannender. Denn jetzt wäre natürlich die tricky Frage dran, weshalb das Ganze sonst nicht so relaxed läuft. Aber, oh Wunder, ALLE arbeiten nach eigener Aussage völlig relaxed, pflegen so, wie sie selbst gepflegt werden wollen, sind mit sich im Reinen und in Kliniken und Heimen ist alles easy. Wer diese Leistung nicht erbringt, der ist einfach unfähig.

Besonders spannend wurde es, als man sich einig wurde, dass, wer nicht sänge, ein Gewalttäter gegenüber dem Patienten sei.

Ich persönlich versichere jedem, dass ich so schlecht singe, dass es eher gewalttätig wäre, würde ich bei der Versorgung ein Lied trällern.

Ja, sagte der Patient, die Bedingungen seien schlecht, aber das wolle er, der Patient dann doch nicht ausbaden. Er sei ja krank.

Patient und Pflege sind im ewigen Dramadreieck. Der Patient zieht sich darauf zurück, das Opfer eines Systems zu sein, Opfer der (gewalttätigen) Pflege zu sein. Das wolle er nicht. Und das kann ich verstehen. Wer will das schon? Aber der Patient ist leider nicht nur Patient. Er ist auch Bürger, somit Souverän dieses Landes, der politisch durchaus Einfluss nehmen kann und könnte, es aber meist nicht tut. Zuständig für die Veränderungen sei die Pflege, die dafür sorgen müsse. Er sei der Kleinste in der Hierarchie. Entschuldigung, ich finde das unrealistisch.

Wechseln wir die Rollen im Drama und zeigen auf, dass der Patient BÜRGER ist, dann regt sich sofort Empörung. Nein, Bürger sei man nicht, sondern Patient. Das ist schön einfach, denn so finden wir trotz rasant wachsender Fallzahlen niemanden in diesem Land, der neben seinem Patiententum auch mündiger Bürger ist. Das leuchtet ein, denn dann wäre man ja für das, was einem in Kliniken an Behandlung widerfährt ja selbst verantwortlich.

Dann wäre es unethisch, dem armen Kranken daheim „seine Polin“ zum Pflegen zu holen oder in Kliniken Angestellte auszubeuten. Dann und nur dann funktioniert einfach die Story nicht mehr und der Patient ist kein Opfer. Opfer werden dann die, die es täglich ausbaden, weil sie die Lücke zwischen Erwartung und Möglichkeit mit ihrem persönlichen Einsatz so auffüllen sollen, dass die Lücke unsichtbar wird. Und wehe nicht.

Das kann bedeuten, dass Pflege privat Brot herbeischafft, weil das Brot in der Klinik nicht schmeckt. Das habe ich tatsächlich erlebt. Das kann bedeuten, dass man zu singen hat, dass man Verrichtungen übernimmt, die der Patient selber kann. Der Spielraum der Vorstellung und der Erwartung sind groß.

Ist es nicht verwunderlich, dass niemand von uns je einen mündigen Bürger im Krankenhaus getroffen hat, der sagt: „Himmel, ich wusste es, ich habe mich aber politisch einfach nicht dafür interessiert. Da muss ich jetzt durch, aber ich werde etwas ändern, wenn ich hier wieder draußen bin?“ Warum? Der Patient ist Patient. Seine Bürgerrechte, die er Jahre vorher hat oft schleifen lassen, sein Desinteressment an der Situation, mit all dem möchte er sich nicht konfrontiert sehen. Zuständig sollen andere sein. Das ist zwar so bigott wie Kreuzfahrttouristen, die sich fragen, wann mal endlich wer etwas gegen den Klimawandel und die Meeresverschmutzung tut, aber im Gegensatz zum Touristen soll man das dem Patienten nicht sagen, er ist schließlich Patient.

Nach abgeschlossener Behandlung zieht sich der Patient dann wieder in seine Bürgerrolle zurück und die Sache geht ihn nichts an. Bis zum nächsten Mal. Vielleicht noch eine Google-Bewertung des schlechten Hotels Klinik ins Netz rotzen, fertig ist der Aktivismus. Das geht soweit, dass sich Bewohner eines Altenheims beschwerten, als sie sich durch ein Plakat mit der Gesundheitspolitik konfrontiert sahen, unter der sie selber leiden. Ja, aber doch bitte nicht vor ihrer Haustür.

Der Papst sagte mal, wenn es keiner gewesen ist, dann waren es alle. Was da passiert, das ward Ihr Alle. Es gibt keinen Weg, sich rauszuwinden. Und die Empörung, die sich auftut, wenn man Euch daran erinnert, dass es in einem demokratischen Staat auch Eure Aufgabe gewesen wäre, mitzumachen, die zeigt mir, dass der Blickwinkel richtig ist.

Nach Feierabend soll die Pflege noch für Euch demonstrieren, für eine Gesundheitsversorgung, die IHR wollt. Das ist wirklich paradox, denn das macht Euch zu Tätern des Dramadreiecks. Ihr seid nicht die Opfer. Die eklige Suppe der DRG habt Ihr Euch eingebrockt. Ihr müsst sie auslöffeln. Guten Appetit!

Pflege stirbt. Warum eigentlich?

Wenn in den nächsten Tagen im Wahlkampf Politiker wieder die Heldenhaftigkeit der Pflege betonen und Besserung versprechen, die sie eh nicht einhalten, werden diese hohlen Worthülsen 209 Kollegen nicht mehr erreichen. Sie sind tot, gestorben an Covidinfektionen, die sie sich sehr wahrscheinlich auf der Arbeit zugezogen haben, weshalb die Zahlen beim RKI täglich erscheinen.

Nebenbei gibt es auch täglich mediale Aufmerksamkeit dafür, dass Corona nach wie vor in den Heimen und Kliniken ausbricht, sich verbreitet. Wie eigentlich kann das geschehen, im angeblich besten Gesundheitssystem der Welt?

Das Robert-Koch-Institut gibt Empfehlungen aus. Wie das mit Empfehlungen so ist, sind sie nicht bindend. Gesetzt wird dabei auf Händedesinfektion und Persönliche Schutzausrüstung. Doch da gibt es ein Problem.

Händedesinfektion benötigt Zeit. Die ist in Kliniken schon lange nicht mehr vorhanden. Zwei Stunden am tag müssten Pflegende sich die Hände desinfizieren, um schon ohne Pandemie Übertragungen von wesentlich weniger infektiösen Krankheiten zu verhindern. Allen ist bekannt (Zeit berichtete darüber), dass diese Zeit nicht vorhanden ist. Es ist egal. Nun also wurden auf den pflegesensiblen Bereichen fast ein Jahr die Personaluntergrenzen ausgesetzt. Noch mehr Patienten mussten betreut werden. Noch weniger Zeit. Noch weniger Zeit für Hygiene bei höherer Belastung. Von vornherein war also klar, dass diese Strategie nicht funktioniert. Wer eigentlich trägt dafür die Verantwortung?

Die Beschaffung von Schutzausrüstung, also Handschuhen, Kitteln und Masken ist in den TRBA geregelt. Die besagen, dass die Auswahl der PSA auf der Grundlage der Gefährdungsbeurteilung zu regeln sei. Ja, Sie haben richtig gehört. Der Arbeitgeber, dessen höchstes Ziel es ist, Gewinnmaximierung vorzunehmen, darf selbst entscheiden, was er wählt. Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene, die mit den TRBA nichts zu tun hat, empfiehlt schon im Normalfall den Einsatz von Schutzkitteln nach DIN EN 14126, doch für den Einsatz bei schweren Infektionen seien andere Maßnahmen zu treffen. Spezielle Overalls zum Beispiel.

Die jedoch scheinen die meisten Arbeitgeber beim Einsatz von Pflege nicht für notwendig zu halten. Deshalb arbeiten viele Kollegen in Kitteln, die schon für den Einsatz bei weit weniger gefährlichen Infektionen nicht haltbar wären, und eben nicht in den teuren Overalls, die sie schützen würden. Es erscheint merkwürdig, dass der Gesetzgeber drauf verzichtet hat, für den Pandemiefall konkrete Normen in seinen Gesetzen zu verankern. Die Mitwirkungspflicht des Arbeitnehmers hingegen besteht lediglich darin, das anzuziehen, was ihm der Arbeitgeber hinhängt.

Das ist doch bitte absurd.

Konkret bedeutet das, dass es zwar  DIN-Normen für Schutzkittel gibt, die für den Einsatz mit schweren Infektionskrankheiten nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene nicht ausreichen, doch niemand verpflichtet den Arbeitgeber, diese für seine Mitarbeiter aus der Pflege anzuschaffen. Ja nicht einmal der Einkauf der Kittel nach DIN EN 14126 ist garantiert. Die Mitwirkungspflicht der Pflegenden besteht lediglich darin, das anzunehmen, was der Arbeitgeber ihm gibt. Das Leben der Pflegenden liegt somit während der Pandemie in der Hand des Wohlwollens von privaten Konzernen, denen eine Gewinnmaximierung bekanntermaßen immanent, weil der Staat schlicht und ergreifend das Leben der Mitarbeitenden im Gesundheitswesen, die überwiegend weiblich sind, durch entsprechende gesetzliche Maßnahmen nicht geschützt hat.  

Nun könnte man davon ausgehen, dass ja der gesunde Menschenverstand geböte, den Mitarbeitenden freiwillig den maximalen Schutz zu gewähren. Doch dem ist keineswegs so und deshalb möchte ich hier einige Stimmen aus der Pflege zu Wort kommen lassen. „Wir haben nur so blaue, dünne Kittel.“, „Wir haben nur Stoffkittel.“, „Ich kenne die Overalls nur vom privaten Renovieren. Im Dienst habe ich nur gelbe [Besucher]Kittel.“, „Bei uns gibt es nur die dünnsten Einmalkittel. Ich ziehe zwei an, weil die ständig reißen.“, „Wir haben dünne Plastikkittel [gezeigt wird etwas, das aussieht, wie eine dünne Plastiktüte], „Unsere waren zuerst aus so einem speziellen Kit mit allem drum und dran. Ich zog sie gerne an für das Sicherheitsgefühl. Das hielt aber nicht lange an, denn wir wurden aus Kostengründen angehalten, die normalen Kitelchen zu tragen.“, „Wir haben nur einen Kittel für den ganzen Dienst auf der Covid-Station.“. 

Falls sich also mal wieder wer fragt, warum Pflege stirbt, weshalb nosokomiale Infektionen stattfinden, oder was ein Pflegendenleben wert ist im „besten Gesundheitssystem der Welt“, könnte es dran liegen, dass der Arbeitgeber völlig legal an der PSA für seine Mitarbeiter sparen darf. Ich darf das widerlich finden, ja?

Zumal die Empfehlungen der Gesellschaft für Krankenhausgygiene bei schweren Infektionskrankheiten Kittel nicht für ausreichend hält. Doch das scheint trotz der Mutanten auf Corona nicht zuzutreffen.

War das Durcheinander bis hierhin nicht schon genug, erlebt Pflege bei der Durchsetzung im Fall einer erworbenen Infektion juristische Überraschungen: Corona ist kein Arbeitsunfall!

Das dürfte in den meisten Fällen unmöglich sein. Die Arbeitgeber sind fein raus. Soviel also zum Umgang mit „Coronahelden“. Die nichts weniger wollen, als Helden sein, sondern nur geschützt arbeiten.

Die BG springt ggf ein, wenn die Arbeitsunfähigkeit länger als 6 Wochen dauert. Eine Entschädigung für das durchgemachte Leid ist vom Arbeitnehmer zuvilrechtlich anzugehen. Die Beweislast liegt dabei beim Arbeitnehmer. Der muss nachweisen, dass er sich während der Arbeit infizierte, sogar der Nachweis, dass die PSA unzureichend war, obliegt ihm! Betroffen sind 118.000 Menschen!

Den Nachweis zu erbringen, ist oft auf mehreren Ebenen unmöglich, denn

Am Nasenring zum Pflegeschafott. Warum Ihr uns mit Bodyshaming und Tonepolicing mal gepflegt am gepiercten (Köchelverzeichnis 382c)

Deutschland im Jahr 2021. Eine Pandemie erschreckenden Ausmaßes hat das Land fest im Würgegriff. Menschen sterben. Die Wirtschaft liegt am Boden. Pflegekräfte sterben ungeschützt wie die Fliegen, unbeachtet von den Medien, arbeiten unter unwürdigsten Bedingungen. Pflegende fühlen sich von den Organisationen nicht vertreten, die Politik adressiert die Arbeitsbedingungen genannten Missstände nichtmal im Wahlkampf. Doch all das ist nichts gegen das, was die Kollegen, die Gesellschaft und die Menschheit wirklich bewegt. Das wahre Problem sitzt tiefer: Franzi von B. trägt einen Nasenring.

Dinge, die die Welt bewegen

Im Entwicklungsland Pflege kannst Du jahrelang in der AIS gearbeitet, studiert oder Dich ehrenamtlich engagiert haben. Du kannst mental load als Mutter neben dem Job geschultert haben, wie ein andalusischer Packesel. Alles nichts gegen den Fakt, dass Du in Deiner Freizeit Schmuck, Nagellack und (heaven!) einen Nasenring trägst. Und da möchte ich gerne mal fragen, ob Euch der Hut brennt. Seit 1920 wird Pflege gebetsmühlenartig erklärt, dass sie sich nicht kleiden darf, wie sie will, dass sie die Haare nicht tragen soll, wie sie will. Und da kommt Ihr tatsächlich im Jahr 2021, einhundert Jahre nach dem Mutterhausprinzip, und fordert, wer seriös sein will, der habe sich in irgendeiner Weise zu kleiden, die Euch gefällt? Ihr habt die dreiste Unverschämtheit, erwachsenen Frauen Eure Vorstellungen aufzudrücken, wie sie aussehen, sich kleiden, sich schmücken sollen? Ist schon wieder Antike, wo der Hausherr bestimmt, was der Arbeitssklave zu tragen hat? Ist es möglich, dass Ihr nicht alle Latten am Zaun habt?

Wo nehmt Ihr die Frechheit her, Fremden zu erklären, was sie in ihrer Freizeit dürfen, und was nicht? Als seien die ein Allgemeingut, über das Ihr bestimmen dürft, nur weil sie Content posten? Wir waren da vor Kurzem, als man einer Kollegin auf Twitter erklärte, Krankenschwestern dürften keine gezeichneten Aktbilder von sich veröffentlichen, das gezieme sich nicht für eine Schwester. Das große Geheimnis: was Pflege in ihrer Freizeit macht, wie sie sich kleidet, sich zeigt, was sie trägt und tut .. geht Euch im Grunde einen feuchten Scheißdreck an. Es ist unklar, weshalb ausgerechnet am Körper der Pflegenden jeder Hans und Franz, der schonmal die Schwarzwaldklinik gesehen hat, meint, er dürfe da aus irgendeinem Grund mitbestimmen oder habe gar irgendwas zu melden. Dieses Bodyshaming, und das noch in der Freizeit, geht allen auf den Nerv. Es ist übergriffig, dreist und wer daran teilnimmt, sollte vielleicht eher mal bei Pochers „Halt die Fresse“ Challenge mitmachen. Seriös und kompetent wirkt man, wenn man seine Botschaft auf der Basis seines Wissens rüberbringt. Wie das geschieht, derjenige aussieht und was er in seiner Freizeit tut, ist absolut nicht kommentierbar. Bei dieser Form des Bodyshamings kommt mir wirklich der Kaffee hoch.

Schwestern sollen möglichst blond, weiß, rein, untätowiert, dezent geschminkt, stilvoll und von der Stange angezogen sein. Wer bei Google mal auf „Krankenschwester, Bilder“ drückt, erlebt die Klischeehölle. Aber ich habe eine betrübliche Botschaft für Euch. Nicht nur das Frei gehört uns, auch der eigene Körper, mit dem wir machen können, was wir wollen. Und nein, der Hygienezirkus als Argument gilt nicht. Und nein, 24/7 ist kein Mensch Pflege, außer er ist sozial schon so depriviert, dass er behandelt gehört. Es tut mir wahnsinnig leid, aber die Zeiten von Pflege als Nonne, wo man keinerlei Individualität an Äußerlichkeiten erkannte, sind vorbei. Adios. Und das Gleiche gilt auch für die Art und Weise, wie sie sprechen. Bodyshaming und Tonepolicing, MY ASS!

Es gibt da draußen Pflegenotstand, die nächste Generation Frauen wird nicht mehr frei entscheiden können, ob sie berufstätig ist, weil die Pflegeheimplätze nicht reichen, der Pflexit post Pandemie wird kommen. Ihr habt echte Probleme. Und Ihr erdreistet Euch echt, diesen sagenhaften Schwachsinn, dieses neidvolle MIMIMIMI wegen eines fucking Nasenrings zu fahren?

Frauen sehen aus, wie sie wollen. Wenn Dir das in irgendeiner Form nicht passt, dann husch, ab mit Dir zurück ins Kloster. Und am Peinlichsten ist es, wenn mittelalte Kolleginnen so einen Kommentar hinterlassen. Oder geifernde Männer, die sich das Objekt ihrer virtuellen Begierde mit dämlichen Kommentaren zurechtformen wollen. Die Borisgeneration der Pflege kommt erst. Der könnt Ihr sowas gerne erzählen. Die feuchte Traum, Krankenpflege wäre körperneutral wie die Schweiz ist ausgeträumt. Die private Normierung funktioniert nicht mehr. Wer auch immer von Euch diesen Blödsinn postet, überprüf mal, ob Du noch Einfachbilder siehst. Es ist nicht mehr das Ziel junger Frauen, sich in den Merkmalen in die weiße Pflegearmee einzureihen und nicht aufzufallen, als hätte man beim Fernsehballett angeheuert. Niemand arbeitet darauf hin, am Ende wahlweise wie Franz Wagner oder Prof. Bienstein auszusehen, weil sie die gewünschten Prototypen bilden.

Und schon dieses Zwinkersmilie. Als sei diese traurige Selbstoffenbarung der eigenen Übergriffigkeit irgendwie witzig, statt hoffnungslos zurückgeblieben. Da lesen Leute Content gratis. Und haben da noch Ansprüche? Echt jetzt? Seid froh und macht drei Kreuze, dass Menschen sich in ihrer Freizeit dafür engagieren, am Beruf etwas zu verändern, während Ihr dröge vor dem Bildschirm sitzt und Euch fragt, ob Euch ein Nasenring nicht passt. Anstelle irgendeines übergriffigen Kommentars könnte der Kommentator*in natürlich selbst aktiv werden oder sich mal fragen, ob dem Contentcreator das, was ER darstellt, ins Bild passt. Ich fasse es nicht, denn soweit ich weiß, war das sogar die eigene Berufsgruppe. Was fällt Euch eigentlich ein? Was denkt Ihr eigentlich, wer Ihr seid? 1900 ist vorbei.

Die Alternative?

Wem daran irgendwas nicht passt: Köchelverzeichnis 382c: Mozart: Leck mich am Arsch. Und Achtung, der ist heutzutage sogar in dem Bereich gepierced. Und falls es Fragen gibt: ich bin tätowiert. Und es geht Euch nix an

Führen in der Pflege: eine Kultur der Angst

Vor ein paar Tagen begleiteten wir einen Azubi auf Twitter, der folgendes Problem hatte: er bekam keinen Dienstplan und musste täglich fragen, wie er am nächsten Tag arbeiten solle. Das ist natürlich ungesetzlich, aber er traute sich nicht so recht dagegen an, denn ganz unverblümt hatte die Station ihm gesagt, wenn er aufmucken würde, würde er das bei der Note auf seiner Beurteilung sehen und das wäre für das Examen sicher nicht so schön. Er hatte einfach Angst.

Auf einer Psychiatrie sind die Fixierungsleitlinien ausgesetzt. Patienten werden fixiert. Kein Personal da. Die Gewalt ist beidseits. Pflege wurde zusammengeschlagen. Der GF droht mit Klage und Kündigung jedem, der das nach außen kommunizieren wird.

Daneben gibt es den Fall der Kollegin aus Hamburg, die gekündigt wurde, weil sie über die Mißstände in ihrem Konzern aufmerksam gemacht hatte. Was ist da los und woran liegt das?

Deshalb möchte ich Euch die Geschichte meiner Abteilung erzählen, auf der ich jahrelang tätig war. Eine riesige ZNA in einer großen, großen Stadt. Die Geschichte mit Klinik und Namen zu erzählen, ist mir bis heute vertraglich verboten und die Klinik hat uns damals „viel“ Geld gezahlt, um dieses Versprechen zu bekommen. (Völlig unabhängig davon möchte ich Euch sagen, wenn Ihr mal einen Unfall habt, könnt ihr in ein Krankenhaus in Berlin gehen.)

Unser Stationsleiter war der liebste und beste Mensch auf der Welt. Hätte er das alles überlebt, würde er heute an unserer Seite kämpfen, Phantastillionen Follower auf allen Kanälen haben. Aber das hat er nicht. Er war der klügste und versierteste Retter, Gipser, Verbinder, Anleiter, fair, integer und sozial kompetent. Aber manchmal, wie aus heiterem Himmel, brüllte er uns an. Das war unangenehm und passte nicht zu ihm. Irgendwann kam er zu mir in den septischen OP und schrie, weshalb die Sterikisten noch nicht eingeräumt seien? Es war kurz nach 10:00 und er war gerade aus der morgendlichen Leitungsrunde gekommen. Ich sagte: „Na? Hat er da oben Euch wieder angewiesen, jeden Tag einen zusammenzuscheißen? Mach ruhig, ich kann das ab. Gehen wir nachher was essen?“ Er schaute betroffen und er brüllte nie wieder. Stattdessen geschah etwas anderes. Es wurde nun richtig unangenehm.

Wir waren durch unseren Pflegedirektor, den es heute nicht mehr gibt, ein gerütteltes Maß an Gewalt gewohnt. So sehr gewohnt, dass wir nicht wagten, uns zu wehren, wenn er uns zur Fingernagelkontrolle in Reih und Glied antreten ließ wie beim Militär, unsere Unterwäsche kontrollierte und – irre – uns Arbeitszeit abzog, weil wir mit unseren Chipkarten ein Polytrauma in den OP per Fahrstuhl gefahren hatten. Den Weg runter rannten wir dann durchs Treppenhaus, weil das schneller ging. Aber er machte daraus, wir hätten im OP Kaffee getrunken und Pause gehabt und zog uns die Zeit, bis zur nächsten HOCHfahrt, die er als Abwärtsfahrt interpretierte, von der Zeit ab.

Essen und trinken war auf dem Gang verboten und nur in der Pause erlaubt. Wir hatten knapp 200 Patienten am Tag und waren heillos unterbesetzt. Pausen gab es für uns schon lange nicht mehr. Und so kamen wir 8,5 h am Tag nicht zum Essen oder Trinken. Nicht alle hielten das aus. Täglich schlenderte er über den Flur und versprühte Angst wie andere Charme. Man hörte ihn am Schritt. Eines Tages hielt meine Kollegin Petra es nicht mehr aus, rannte in den Pausenraum und holte sich einen Apfel. Sie sah schon übel aus, hatte Durst und konnte nicht mehr. Gerade, als sie in den verdammten Apfel biss, hörte man die Schritte. Was dann passierte, war alles eins. Der Apfel flog durch den ganzen Flur, klatschte an die Wand, splashte durch den Flur, Petra wurde noch weißer, der Pflegedirektor bog um die Ecke, sah das Malheur und brüllte wie von Sinnen. Er hatte nicht ausmachen können, wer da was warf und stauchte uns zusammen wie Kinder. Aber wir antworteten nicht, denn das hätte Petra die Stelle gekostet. Nichts gesehen, viel los hier. Petra schickten wir danach weinend nach Hause.

Ein anders Mal trennte sich eine Kollegin. Vielmehr hatte sich ihr Freund von ihr getrennt und ihr Leben war ein Scherbenhaufen. Sie weinte viel, kam aber arbeiten, um „das Team nicht alleine zu lassen“. Ihr kennt das. Sie wurde dünner und bekam leichte Augenringe. Aber sie machte ihren Job wie immer. Sie sagte, das sei ok, es lenke sie ab. Bei einem seiner Kontrollgänge sah er sie an und befahl ihr, sofort in sein Büro zu kommen. Sie kam weinend und schluchzend und völlig aufgelöst eine Stunde später wieder runter. Augenringe, sagte er ihr, seien definitiv ein Zeichen, dass sie drogenabhängig sei. Leugnen sei zwecklos. Alle Drogenabhängigen wie sie würden es leugnen. Sicher hätte sie auch gestohlen. Er erwarte einen Therapiebericht, sonst würde er sie kündigen. Das war unfassbar absurd, weil sie nie auch nur irgendwelche Anzeichen hatte. Es ging ihr mental einfach scheisse, sich neben der Stelle eine Wohnung suchen zu müssen und dazu noch den Trennungsschmerz auszuhalten. Es bliebt ihr nichts. An ihren freien Tagen musste sie zusätzlich nun einen Drogenberatungstermin wahrnehmen. Nach Wochen der Gespräche und der Anamnese ( sowas dauert ja schon, bis man einen Termin bekommt), hatte sie den Zettel, dass sie eindeutig keine Abhängigkeitsproblematiken habe. Sie hat die ganzen Wochen vor Angst funktioniert wie ein Uhrwerk, war reaktiv depressiv und völlig am Boden.

Dann begannen die Versetzungen. Jeden Tag wurde ein anderer abgezogen und auf eine fremde Station geschickt. Die anderen, die unten verblieben, mussten seine Arbeit mitmachen. Das erfolgte völlig willkürlich. Man wusste nie, wen es warum an welchem Tag erwischte.

Dann kam der Tag, an dem der Direktor unseren Chef zu sich holte und ihn von „der Leitung entband“. Unser Chef kam runter, zerrte uns zur Seite und sagte uns schnell, wen es noch erwischen würde. Es waren sicher 6 Mann, einschließlich mir. Ohne Grund und ohne Vorwarnung wurden wir versetzt. Wir hatten nichts verbrochen, wir hatten keine Fehler gemacht. Unser Chef hatte lediglich diese Angstkultur unterbrochen und sich geweigert, sie durchzuziehen. Dafür wurde nun jeder bestraft, den der Direktor in seinem Umkreis wähnte. Wir mussten nach den Nachtdiensten bleiben, „für ein Gespräch“, das oft erst am Nachmittag stattfand. Wir waren müde und erledigt, schliefen dadurch beim Fahren fast ein, konnten unsere Kinder nicht mehr aus der Kita holen oder bringen. Es war eine Zeit der puren Willkür und Gewalt. Wir alle gingen. Was damals nicht so einfach war, denn es wurden kaum Stellen besetzt. Die Station machte natürlich nie wieder „Ärger“, alle waren vor Angst wie gelähmt.

Der Direktor bekam einen Preis für seine Innovative Führung vom/ durch den DBfK und ich rede seitdem nicht mehr mit dem Verband auch nur ein Wort.

Es sind noch tausend andere Dinge passiert und irgendwann konnte ein Betriebsrat, den es damals noch nicht gab, das alles aufrollen. Der Typ leitet heute kein Krankenhaus mehr, soweit ich weiß.

Ja, das war ein spezieller Fall, aber Strafversetzen, Kündigen, Angst verbreiten, emotional erpressen („Dann bist DU schuld, wenn unsere Patienten nicht versorgt sind“), Macht über Dienstpläne ausüben, Drohen… all das sind bis heute gängige Praxen in Kliniken. Wer dabei ertappt wird, dass er den Mund aufmacht, dem kann es übel ergehen. Ihr müsst verstehen, dass nichts davon Eure Schuld ist. Aber Ihr müsst auch verstehen, dass Ihr das nicht hinnehmen dürft. Viele sagen mir offen, dass sie im Blog nicht genannt werden wollen, weil sie Angst vor Repressionen haben.

Bad Leadership wird in der Pflege gefeiert. Es kann auch offen kommuniziert werden, es wird von en einschlägigen Medien sogar unterstützt, indem sie die Profile der Leader so transportieren. Mir sagen tatsächlich Leute, sobald sie in bestimmten Medien ein „Führungsprofil“ sehen, ist die dazugehörige Klinik für sie gestorben. Ihr müsst verstehen, dass das System hat. System, weil der Druck auf dem Kessel der Personalnot so groß ist, dass er beim geringsten Blubbern hochgehen und dem Konzern um die Ohren fliegen kann. Deshalb werden Exempel wie in Hamburg statuiert, werden schon Azubis daran gewöhnt, faktisch nichtmal ihre Rechte durchsetzen zu können. Das ist mehr als Nurses eat Their Young. Das gewöhnt an Gewalt.

gewöhnt Euch nicht dran, resigniert nicht und wehrt Euch trotzdem.

Und passt auf Euch gemeinsam auf. Tragt Maske.

Das Positionspapier Pflege der Grünen. „Yes, we care!“ ?- NO! You don’t!

Vor ein paar Tagen überreichte mir Katharina Schulze auf Twitter stolz das Positionspapier der Grünen zur Pflege. Ich brauchte 3 Minuten, um es durchzulesen und fand: nichts. Nichts Sinnvolles. Aber gehen wir es doch gemeinsam durch.

„Yes we care!“ schöne Grüße an das „yes we can“ von Obama. Passt schon zum Atomwaffenshopping, das Grün jetzt treibt, aber was weiß ich schon?

Das Cover ist alleine schon geeignet, jeder Pflegefachkraft die Zornesröte ins Gesicht steigen zu lassen. Man muss nicht Kunstgeschichte studiert haben (hab ich aber), um zur verstehen, worum es geht.

Zitiert wird Superman, der sich das Oberhemd aufreißt, bevor es zum Retten der Welt geht. Das war ja auch logisch. Alle Welt redet vom Coronahelden und auch, wenn unklar bleibt, wer denn nun schon wieder zum Helden gemacht werden soll oder wer sich zum Helden macht, stechen die Farben Pink und Grün hervor. „Yes we care“ steht auf pinkfarbenem Grund und wie schon immer bleibt offen, wer dieses „wir“ eigentlich ist. Auch Ramelow (Linke) bemühte ja das „wir“, als er davon sprach, dass „wir“ uns um die 20% schwerkranken Pflegenden kümmern könnten. Wenn mit „wir“ = wir sorgen uns um Pflege gemeint ist, ist das schwer in die Hose gegangen. Auch das Cape des Helden/der Heldin ist rosa. Und auch die Fingernägel sind lackiert. Hier wird (weibliche) Pflege mit Grüner Politik im Heldenmythos gemischt. Diese Adaption ist eine Hybris, denn geopfert (unfreiwillig) haben sich bislang nur Pflegende. Der Held stirbt gerne mal, er arbeitet umsonst und deshalb braucht er auch zwei Jobs (Superman arbeitete bei der Zeitung, weil man vom Heldentum nicht leben kann). Niemand aus der Pflege will Held sein. Dafür hätte man aber vielleicht statt seiner eigenen Projektionen mal die Tagespresse lesen müssen. Also unterm Strich: Die Grünen wollen so tolle Helden sein wie Pflege und Pflege ist Held und alles ist eins. Pink wird für Frauen bemüht. Eigentlich ein Fall für die Rosa-Hellblau-Falle. Aber nicht nur die Symbolik ist von gestern

Die große „Reform“ kommt auf 17 Seiten daher. So schnell geht Reform also. Von der sind Einleitung und alles abseits Profipflege abzuziehen, dann bleibt nicht viel.

„Richtungswechsel in der Pflege“

Es wird beschrieben, dass es nun eine generalistische Ausbildung gäbe und das Schulgeld wegfalle. Man könne studieren. Ja, das wissen wir bereits. Neu wird es bei der Altenpflege.

„Die alten Abschlüsse in der Gesundheits- und (Kinder-) krankenpflege und Altenpflege bestehen weiter fort, allerdings wurden in der Altenpflege die Anforderungen gegenüber den anderen Ausbildungsab- schlüssen heruntergesetzt. Wir wollen das Ziel der Pflegeberufereform, die Ausbildung zur Alten-, Kinder- und Krankenpflege gleichwertig zu gestalten, umsetzen. Wir treten deswegen dafür ein, dass das abge- senkte Qualifikationsniveau bei einer eigenständigen Ausbildung in der Altenpflege geändert wird. Denn die Ausbildung zur Altenpflege wurde aus dem Konzept der Generalistik herausgerissen. Sie kann weiter- hin eigenständig, mit einem deutlich niedrigeren Kompetenzniveau separat weitergeführt werden. Aus un- serer Sicht hat das nichts mit Attraktivitätssteigerung in dem Berufsfeld zu tun. Zudem ist dieser Abschluss nicht europaweit anerkannt, wie der Abschluss der Pflegefachfrau bzw. Pflegefachmann. Wir wollen, dass die erstmals gesetzlich festgeschriebenen Vorbehaltsaufgaben ebenso in der Altenpflege gelten und auch die wissenschaftliche Untermauerung in der Altenpflege muss vertieft werden.“

Das Problem ist nicht so einfach, wie es dort steht. Denn schon lange hinkt Deutschland der von der EU geforderten 12 Jahre Schulbildung für Pflege hinterher. Nur Deutschland unterscheidet überhaupt zwischen den 3 Feldern. Das liegt daran, dass es einfach nicht so viele Menschen gibt, die den Beruf ausüben wollen. Der Altenpflege wird unterstellt, sie arbeite lieber mit Herz statt Wissen. Der Punkt ist problematisch, aber bekannt. Es muss also die Möglichkeit zum Qualifizierungsaufstieg auch für niedrigere Schulabschlüsse geben oder für Quereinsteiger. Historisch ist das ein Problem. Denn das ist kein Fortschritt, sondern beamt uns zurück in die 1960er, wo der Deutsche Verein Altenpflege definiert hat als Beruf, den ausüben soll, wer nicht so gebildet ist und schulisch für Krankenpflege nicht geeignet ist. Das ist so retro wie eine Schlaghose.

Erfreulich ist, dass endlich akademisiert werden soll. Allerdings kann man die Nachtigall steppen hören. Denn bislang zahlen Pflegestudierende horrende Summen für ihr Studium, weshalb der Satz „Mit uns wird es deshalb eine universitäre Fakultät für Pflegewissenschaft in Bayern geben.“ erstmal wundert. Wer wird die betreiben? Wer verdient daran? Weshalb wird nur eine Akademisierungsquote von 10-20% anvisiert? Es gibt über 50 Pflegestudiengänge. Worum genau geht es hier? Niemand weiß es.

Pflegeexpertise nutzen

Eingesetzt werden Community Health Nurses (=Gemeindeschwestern/Kiezpflege) und Advanced Nursing Practise. Doch konkrete Bedarfszahlen bleiben offen. Es wird von Projekten gesprochen. Ein konkreter Plan steht nicht dahinter. Auch, wo die Leute herkommen sollen, bleibt ein ewiges Rätsel.

Pflegexpertise nutzen hätte so viel beinhalten können. Dahinter verbirgt sich jedoch nur der Ausbau der ländlichen Versorgungsstruktur ohne konkrete Zahlen oder Bedingungen.

Mitspracherecht für Pflegende

Es wird darauf verwiesen, dass in anderen Ländern Pflegende selbst Heil-und Hilfsmittel verordnen (es geht hier um APN), in der Fußnote wird das Dilemma ersichtlich, denn andere Länder akademisieren und so ist das die Aufgabe einer akademisierten Pflegeperson. Jetzt wird es wieder schwammig: „Wir Grüne setzen uns für Rechtssicherheit und Klarheit in der Ausübung heilkundlicher Tätigkeiten ein. Um auch in Zukunft mehr Eigenverantwortung für die Berufsgruppe zu ermöglichen, ist diese Ausübung dauerhaft zu verankern.“ Wo das zu verankern ist, ob Rechtssicherheit Gebot oder Verbot bedeutet, nichts ist transparent.

Dann geht es um Kammer. Unter dem Mitspracherecht verbirgt sich: nichts. Was Pflege von Kammer zu erwarten hat, hat sie in der Pandemie gelernt.

Personalbemesssung

Nach viel Text, der zeigt, dass die Pflegeberufereform in der Praxis nicht umsetzbar ist, scheint die Lösung, mehr Personal zu wollen, konkludent. Die große Enttäuschung nach vielen Verweisen auf Pflegepersonalbemessungsforschung: es gibt keine Lösung.

Implementiert werden soll PPR 2.0, ein Bemessungsinstrument. Doch das hat eine Geschichte.

Lange, lange Zeit maßen Pflegende (es ist eine Zusatzarbeit, die auf die Pflege noch draufkommt, die eh nicht mehr kann) die PPR 1.0. Jeder Patient wird dabei in Gruppen eingeteilt und es wird geklickt was die Maus hergibt. Hinter den Tätigkeiten, Bedarfen und Ausführungen sind Minutenwerte hinterlegt. Die bilden dann den eigentlichen Bedarf ab. Als es Auswirkungen zeigte, wurde es ganz schnelll eingestampft. Was daran noch schlecht ist? Zuerst ist es ein Instrument, das zusätzlich geleistet werden muss. Dann passiert es, dass die Zeit, die am zu Pflegenden geleistet wurde, oftmals den Stundenrahmen der Pflegeperson überschreitet. Auf meiner ITS (da hieß es TISS), habe ich so in einem Dienst an einem Patienten eine Arbeitsleistung von 12 Stunden gehabt. Was die Verwaltung sagte? Toll. Da kann man mal sehen, was die noch bringen können. Alles Gute. Zudem verspricht PPR2.0 keine akute Entlastung, denn erstmal muss wieder jahrelang der Bedarf gemessen werden, bevor man diskutieren kann, wie der Bedarf dann mit Personal gedeckt wird (und woher eigentlich soll der kommen?). Völlig unbeeindruckt zeigen sich also die Grünen davon, dass Pflege nicht mehr kann, laut internationalen Studien (zu denen Deutschland wohlweislich KEINE DATEN eingereicht hat) mental zusammenbricht und unter PTBS leidet (es wurden Pflegende stationäre aufgenommen, aber wo keine Daten, da sind keine Probleme, das ist ja schön einfach). Es ist davon auszugehen, dass Long-Covid bei Pflege, PTBS, Depressionen, Burnout durch Covid zu einem beispiellosen Pflexit führen wird. Und was machen die Grünen? Hängen die Aussicht auf bessere Zeiten nach einer jahrelangen Messung den erschöpften Pflegenden wie einem müden Esel die Möhre am Stock vor die Nase, damit er weitertrabt. Das ist also „Pflege stärken“? PPR 2.0 sind lediglich neue Minutenwerte. Bislang ohne Erfassung und damit: keine Hilfe. Nur mehr Arbeit.

Dazu kommt, dass Pflege wieder nach Verrichtung gemessen wird. Wieder Taylorisierung. Dass es einen Pflegeprozess und Beziehungsarbeit gibt, fällt bei verrichtungsbezogener Messung völlig weg. Genau diese beiden Elemente aber sind DIE Pflege, die Pflege ausmachen, wenn wir von Qualität sprächen. Pflege bleibt also Fließbandarbeit. Da ist das Abo auf mental Health Krankheiten schon drin.

Meisterbonus
2000 Euro soll Weiterbildung einmalig dem Absolventen bringen. Dass der aber vorab viel mehr Geld in seine Weiterbildung gesteckt hat? Uuuups! Vergessen

Digitalisierung

Ja, jede Lobby muss bedient werden. Ich habe mich schon dazu ausgelassen, dass Digitalisierung im Pflegebereich nach Neurologen ein Gefahrenpotential für Pflegende darstellt, da sie ihrer Resonanz beraubt werden (Mabuse 2020) und weitere Burnouts/Pflexits/Berufsunfähigkeiten drohen. Ja, aufgrund Digitalisierung! Doch statt das ins Arbeitsschutzgesetz aufzunehmen und Richtlinien dafür zu präsentieren, wird die Digitalisierung fröhlich vorangetrieben. Die Gefahr wird dabei völlig ignoriert.

Gesundheit

Ganz im Sinne Westerfellhaus Beratungsprojekt, der Beraterfirmen dafür anheuern möchte, Pflege einmal beizubringen, wie sie richtig führt, damit die MA gesund bleiben, sprechen sich die Grünen aus (ein Schelm, wer die kommende Grün-Schwarze Freundschaft hier schon sieht). Pflege ist also nur zu doof zum Führen und braucht Beraterkompetenz (die viel, viel Geld kostet). Dass Pflege durchaus durch Studium und Weiterbildung bereits diese Kompetenzen erworben hat und nur nicht umsetzen kann, weil sie systemisch daran gehindert wird? Egal! Weitere Millionen werden also in Beraterfirmen versenkt, und die Pflegeführung zum Sündenbock gemacht. Dass aber gleichzeitig bad Leadership (ich schrieb drüber) durchaus die Regel ist, dass systemische Probleme nicht im mittleren Management angegangen werden können? Spielt keine Rolle. Die Schuld an allem haben ab nun die PDLs dieser (schönen neuen schwarz-grünen Pflege-)Welt, die einfach zu doof zum Führen waren. Alles klar.

Gewalt

Ja, Schutz von Gruppen? Unbedingt dafür. Wer vergessen wurde? Gewalt gegen Pflegende. Sie findet bei den Grünen einfach nicht statt.

Magnetkrankenhäuser sollen gefördert werden

Problem? Es gibt in Europa bislang nur eins. Das ist in Belgien.

Das alles ist unbefriedigende Politik und keine „Pflege nach Corona-Politik“ Es offenbart sich, dass über Pflege jeder 17 Seiten reden kann. Verstehen aber wohl niemand.

Danke für nichts.

Arme Patienten oder rustikale Rüpel? Weshalb eine Klinik eben kein Hotel ist und Ihr nervt

In den 1990er Jahren hatten findige BWL-er eine super Idee. Patienten waren jetzt keine Patienten mehr, sondern Kunden oder Klienten. Das Wort Patient kommt aus dem Lateinischen und bedeutet in etwa soviel wie „der, der zur Geduld gezwungen wird/der Geduldige/der Duldsame“. Nicht nur, dass es die Krankheiten waren, die eine gewisse Geduld nötig machte, wenn man sich vor den 90ern in eine Klinik begab.

Das Wort bedeutete auch, dass man aus seinem individuellen Leben für die Dauer seines Aufenthaltes in eine Institution musste, in der man einer von vielen war, die nach eigenen Regeln spielte und man seine persönliche King Kotelett Allüren hier nicht ausleben konnte. Tat man es dennoch, wurde das gar nicht goutiert. Dafür lief der schon immer mies personell besetzte Laden, insofern hielten sich Geben und Nehmen die Waage. Allen war klar, dass ein Krankenhaus ein Haus ist, in dem (viele) Kranke sind und das einen im besten Fall wieder gesundmachen sollte. Es gab Besuchszeiten, damit nervige Angehörige dem Ablauf nicht auf die Ketten gingen und in alten Filmen ist noch zu sehen, wie pünktlich die Nurse die Zimmer von den Verwandten leert, damit alle wieder in Ruhe arbeiten können. So weit so schlecht. Oder gut. Je nachdem.

Aber, nein, jetzt gab es ja DRG und mit den Fallpauschalen auch das Gesetz des Marktes. Damit auch alle, alle kamen, war plötzlich Marketing in. Es gab also Kunden und Kliniken mit „hotelähnlichem Charakter“. Was im Steigenberger die American Express, wurde nun die AOK-Karte. (Schon da zeigen sich Unterschiede), Essen austeilen hieß nun „Service“ und entglitt völlig den ABEDL. Es gab ein Beschwerdemanagement, das vermutlich mehr Personalzeit gebunden hat, als Pflege jemals an einem Tag für einen Schwerkranken hatte und jeder Rotz und Löffel wurde nun auf Kärtchen dem Beschwerdemanager übergeben. Alter! Das Obst zu unbananig, die Röntgentrage zu kalt, das Fernsehen zu schlecht, das Essen (für 4 Euro am TAG!) völlig ungenießbar (ach nee). Anstatt sich nun endlich um Kranke zu kümmern, klöppelten Stationsleitungen Bilder des Teams an die Wände, ob die sich da porträtiert sehen wollten oder nicht. Es hieß jetzt auch nicht mehr Bild, es fanden „Vernissagen“ statt und jeder Napfkopf, der schonmal einen Pinsel in der Hand gehalten hatte, stellte jetzt seine Bilder in Klinikgängen aus. Kannste Dir nicht ausdenken!

Das war für mich persönlich der Moment, wo Pflege verscherbelt wurde. Aus ressourcenorientiertem Handeln und Helfen wurde „Zimmermädchen mit Servicefunktion!“ Ab jetzt hatten Berufsfremde die Deutungshoheit in der Hand. Unvergesslich, wie in Hamburg einmal ein Besucher mit seiner topmobilen Frau kam und sagte: „Jetzt trinken wir mal einen schönen Tee!“. Ich wünschte viel Spaß. Nach einer Viertelstunde kam dann die Beschwerde. Wo denn der Tee bliebe? „Den müssen Sie sich kochen!“ „Warum das denn?“ „Weil Sie es KÖNNEN!“. Ich habe, ehrlich gesagt, sehr gerne fast 30 Minuten die Gegendarstellung für das Management geschrieben, als meine Berufsprinzipien aufzugeben. Kannste selbst? Machte selbst! Und davon bin ich nie einen Millimeter abgerückt.

Wenn auch der Deutsche Sterilium klaut und nicht in der Lage ist, Gesundheitskompetenz zu entwickeln oder sich die Hände zu waschen: DAS hat er begriffen, dass eine Klinik irgendwas mit Hotel ist. Und daraus macht er, was er will. Die 600 Bettenbuchte unterscheidet sich ja architektonisch auch kaum von einem Bettenbunker auf Malle, sodass der durch Langeweile geplagte ASilettenschlurfer im Flügelhemd genug Zeit damit verbringen kann, Nurses anzutatschen, fernzusehen oder sich auf die Suche zu machen, wo es im 3*Hotelklinikdings denn hakt.

Dabei stehen 3 Dinge im Vordergrund: Fressen, Freizeit, Freundlichkeit. Der Peter hat da zum Beispiel ein ernsthaftes Problem:

„Ich kann vor diesem Haus nur warnen (sich!! hahahahaha, Peterle, ich kann vor JEDEM Haus nur warnen!) (…) Man wird hier für dumm verkauft! Als Privatpatient bekommt man nur dumme Ausreden, wenn permanent das falsche Essen kommt (..) ich werde meinen ANWALT sprechen, ob ich Klage erheben darf!

Peterle, ganz ehrlich? Nur, weil Ihr diese sauteuren Zimmer mit Flatscreen habt, mit denen Euch jedes Haus a la Komfortstation verscheissert, habe ich da einen guten Rat. Wenn Dir das verdammte Essen nicht passt, lass Dir eine verdammte Pizza kommen und begreife, dass Pflege nicht das Zimmermädchen ist. Du warst krank und man hat Dir geholfen. Was ist Dein verdammtes Problem?

Oder auch schön:

Unfreundliches Personal. Standen mehrere Minuten (hahahahahaha) vor dem Sprechfenster der Schwesternstation. direkt vor uns saß eine Schwester am PC. Kein Guten Tag, kein Blickkontakt. Hat uns konsequent ignoriert und dann weggelaufen!

Was ich sagen möchte? Du wohlstandsverwahrloste Bratze kannst Dir offenbar, obwohl Du mobil bist und es Dir also gutgeht, nicht vorstellen, dass da jemand arbeitet und von den 36 Patienten irgendwer dranner ist als Du? Das ist schon verdammt arm. Nein, im Krankenhaus ist es nicht Dein Recht, dauernd wen zu unterbrechen. Da muss man WARTEN. Wenn Du da stationär bist, hast Du eh nichts anderes mehr vor. Schon gar nicht nach MINUTEN. Nein, ihr seid nicht alle gleich wichtig. Schon gar nicht, wenn Du der bist, dem es offenbar am besten ging, denn wie man sieht, bist Du nicht bettlägerig oder irgendwie bedroht. Arschkrampe.

Jason. „Alle super nett, bis auf eine, die mir so vorkommt, als wenn sie da nur ihr Geld verdienen muss“

Ja, Jason , ganz nah dran. Das sind da ALLES Leute, die ihr Geld mit ihrem Beruf verdienen. ALLES! Keiner, nichtmal einer, ist da, weil er Dich lieb hat und JEDER wäre lieber beiden Seinen daheim. ZU DENEN DU NICHT GEHÖRST! Es ist ein Beruf. Nichts weiter.

Robert Sievers: „Personal, was sich da aufspielt vom Feinsten! (…) Zimmer eine ZUMUTUNG!!!“ Dann ein Bild von einem Braunolfleck, der auf dem Linoleum nicht rausging. Funfact. Robert war zur Transplantation da. Robert: die wollen Dir da Organe von einem Menschen einpflanzen. Damit Du überleben kannst. Das machen die unter Hochdruck. Und Dein Problem ist, dass da ein Fleck ist und Dir der Fernseher an der Decke nicht gefällt? Ist das Dein Ernst? Und ja, das Personal muss Dinge fragen und Dinge regeln. Die sind nicht zum Händchenhalten da.

Eine andere beschwert sich, dass ein Mitpatient eine Pediküre bekam. Huhuuuu! Das ist es, worum es bei PFLEGE geht. Menschen pflegen. Nicht, ob Du da feinchen im Bettchen liegst. Herrgott!

Ein anderer bemängelt, und schreibt das seitenlang, dass am Infoschalter jemand nicht „Wie bitte?“, sondern „Was?“ gefragt hat. Ja, das sind Probleme, die die Welt bewegen.

Ihr habt doch alle den Schuss nicht gehört. Ein Krankenhaus ist kein All-IN-Hotel. Es gibt Pflegenotstand und auch, wenn es Dir aufgrund Deiner Egomanie gar nicht schlüssig ist: es gibt Leute, denen geht es dreckiger als Dir. Patientia! Geduld! Gefälligst!

So wird das nichts. Ihr müsst verstehen, dass Notstand bedeutet, dass der auch da ist, wenn IHR im Krankenhaus seid. Können wir bitte wieder über Krankenhäuser reden? Es ist zudem kein Hotel

Und solche Leute? Möchte niemand pflegen

PDL zu sein bedeutet in der Krise: geh waschen, oder wir schmeißen Dich raus.

Westfellhaus möchte jetzt vermehrt Berater in den Einrichtungen einsetzen (katsching, die Beraterkasse klingelt!!!), damit die alle mal richtig führen lernen. Aber führen PDLen richtig, werden sie… rausgeschmissen.

Text: A.W.

Der Titel ist bewusst doppeldeutig gewählt. Wenn Sie zu der Kategorie Mensch gehören, der findet, dass doch alles ganz einfach ist, oder dass die Menschen sich nicht beklagen sollten, weil sie sich doch alles selbst ausgesucht haben, hören Sie hier auf zu lesen oder verkneifen sich einfach jeden weiteren Kommentar. Vielen Dank – und jetzt raus hier. 

Dieser Bericht ist eine Sammlung aus Berichten und Telefonaten, die zusammengefasst und sinngemäß wiedergegeben werden. Keine/r der Beteiligten möchte namentlich genannt werden. 

Dass es sehr anstrengend ist PDL zu sein, ist sicherlich jedem klar, oder? Zumindest hier, beim Lesen, sagen sicherlich die Meisten zu. In der Realität, wo man den Leuten gegenübersteht, ist es das nicht. Da wird man mehrfach bedroht (beruflich und persönlich), angebrüllt, beleidigt und von allen möglichen Seiten für unfähig erklärt.

Gemeint sind hier übrigens nicht die Aufsichtsbehörden. Ausgerechnet von dieser Seite kommt bei den meisten PDL eher Wertschätzung und Unterstützung an – dort weiß man nämlich, was es bedeutet, sich täglich dagegen zu wehren, als Mülleimer behandelt zu werden. 

Bewohner, Angehörige und Vorgesetzte sind da schon ein ganz anderes Kaliber. Mitarbeiter benehmen sich in aller Regel, sitzen sie doch im gleichen Boot. 

Die Position an sich ist oft eine „Schleudersitzstelle“ mit hohem Potential gekündigt zu werden, weil man hierarchisch die niedrigste Führungsposition innehat. Das bedeutet, wenn etwas schief geht, kann man nur beten, dass man gut genug dokumentiert hat, sonst ist man dran, egal, ob man schuld war und wie gewissenhaft man seinen Job macht – und die Arbeitgeber sichern sich ab. Schon im Arbeitsvertrag wird gerne verankert, dass man bei schlechten Ergebnissen, also schlechten „Noten“ bei Überprüfungen, nicht einfach nur gekündigt werden, sondern auch zu Schadenersatz herangezogen werden kann und wird. Ob das juristisch haltbar ist, ist eine andere Sache, aber es steht schonmal drin und bedeutet somit, dass das Arbeitsverhältnis eher nicht friedlich enden wird. Außerdem ist es so gut wie überall Teil des Vertrages, dass man, je nach Vertrag, in Notfällen oder sogar „jederzeit“ zur Arbeit „am Bett“ herangezogen werden kann. Ohne zeitliche Begrenzung. Alleine hier wird schon klar, dass dieser Job immenses Stresspotential hat. Wenn man selbst am Bett steht, wer sichert dann die Qualität, die für die gute Note sorgt, die wiederum den eigenen Job sichert? Hat man hier den falschen Vorgesetzten, nimmt man besser ganz schnell den Hut. 

Konnte man vor 5 – 10 Jahren noch einen solchen Vertrag ohne große Bedenken unterschreiben, weil kein AG auf die Idee gekommen wäre, seine PDL einfach zu kündigen, sieht es, nicht nur, aber besonders seit Corona GANZ anders aus. 

PDL sind Mangelware. Besonders die, die den Job ernst nehmen. Ein Überbleibsel der in Deutschland chronisch unüberlegten Gesundheitspolitik ist, dass man bis vor ca. einem Jahrzehnt alles zur PDL gemacht hat, was einen kaputten Rücken hatte. Führungsqualitäten waren da nicht gefragt, man musste die Leute aus der Berufsunfähigkeit herausschaffen und tat dies mit eilig zusammengestellten Kursen, die nur geändert wurden, wenn eine Gesundheitsreform sie dazu zwang. Das führte dazu, das die neuen „Führungskräfte“ sofort und chronisch überfordert waren. Mit allen daraus resultierenden Nebenwirkungen, kombiniert mit einer gewissen Machtstellung. Diese Generation ist jetzt zum großen Teil in (Früh)Rente und macht ganz sicher drei Kreuze, dass sie endlich Ruhe hat. Nun sind aber von der neuen Generation, die wenigstens in den meisten Bundesländern mittlerweile ein Studium vorweisen muss, noch nicht genug nachgerückt. Laut dem viel beschworenem „Gesetz des Marktes“ sollte eine PDL also derzeit traumhafte Arbeitsbedingungen haben.

Hat sie nicht – siehe Verträge und siehe imFolgenden

Jetzt auch noch Corona. Man kann es nicht mehr ertragen. Pflege ist ohnehin ein hochemotionales Spannungsfeld. In alle Richtungen. Seit Corona ist es hochexplosiv. Von allen Seiten. 

Die Vorgesetzten und die Qualitätsmanager rotieren vor lauter Nervosität. Alle versuchen, sich gegen alles Mögliche abzusichern, wälzen die Verantwortung mit allen möglichen Anordnungen nach (hierarchisch betrachtet) „unten“ ab. Einige PDL sollten sogar unterschreiben, das sie persönlich verantwortlich dafür sind, das genug Schutzmaterial vorhanden ist. Was es nicht ist. Die Beschaffung ist immer noch schwierig, nicht zuletzt, weil einige Häuser ums verrecken die Budgets nicht anpassen, obwohl die Preise explodiert sind.

Ganz am Anfang, als gar nichts zu bekommen war, konnten viele Altenheime noch auf die Reserven ihrer PDL zurückgreifen. Wohlgemerkt: Das Anlegen solcher Reserven war verboten. „Just in time“ war das Motto, das jede PDL mit ein bisschen Verstand ignoriert und ein ordentliches Vorratslager aus Schutzmaterial und Desinfektionsmitteln angelegt hat, wohlwissend, dass Grippe und Norovirus garantiert nicht auf die monatliche und streng budgetierte Bestellung mit früher 3 tägiger, aktuell mit ca. 4-6-wöchiger Lieferfrist, warten(ganz zu schweigen, dass manche PDL solchen Mehrbedarf erst Genehmigen lassen muss…) . Alleine die Verwaltung dieser Lager ist ein echter Aufwand. Man muss dafür Ecken und Räume finden, in die niemand hineinmuss, was bei 30 Prüfinstanzen eine gewisse Herausforderung bietet und man muss die Vorräte in ein Budget quetschen, das ohnehin kaum einzuhalten ist. Wie genau das geht, verrät man besser nicht, liest nur EIN  falscher Buchhalter hier mit, kann man Gift darauf nehmen, das diese Lager, sofern überhaupt noch vorhanden, gesucht und geplündert werden. Diese Lager gibt es meistens schon viele Jahre, oft noch aus „Vor Budget“ Zeiten erhalten, zum Schutz vor Verfall seitdem in ständiger Rotation gehalten und eifersüchtig bewacht von der PDL, mit dem Ziel, gegen kurzfristig erhöhten Bedarf gewappnet zu sein. Corona hat dieses „kurzfristig“ schon lange gesprengt. 

Die Reaktion auf den Mangel an Schutzkleidung haben sicher alle noch gut in Erinnerung: Es hieß, dann müsse man wohl oder übel halt ohne Schutzkleidung weitermachen. Was nicht ausgesprochen wurde war, von wem man erwarten würde, die Pflegekräfte dazu zu bringen im Zweifel auf den Selbstschutz zu verzichten… Die Reaktion aller mir bekannten PDL war die Gleiche: NEIN! Niemals! Schlimm genug, dass man immer und immer wieder bei den Mitarbeitern bettelt, ihre Freizeit zu ignorieren und einzuspringen. Aber sie dahin zu bringen, ihr Leben zu gefährden?! Nein. Sollen doch die Funktionäre, die diese geniale Idee hatten, mit gutem Beispiel vorangehen und ihr Leben ohne Schutzmaterial in die Waagschale werfen.

PDL  werden mittlerweile noch heftigerem Druck ausgesetzt, als ihre Seitenlangen Stellenbeschreibungen veranschaulichen. Unter anderem sollen sie, meist unter Apellen an den „Teamgeist“ oder „die Vernunft“, manchmal sogar unter Androhung von Repressalien, dazu gedrängt werden, wieder „am Bett“ zu arbeiten. Unter Aufrechterhaltung der eigentlichen Aufgaben natürlich. Schließlich muss man sich nur gut organisieren, dann sind zwei Jobs locker zu schaffen. 

An dieser Stelle sollte man gleich noch einen Mythos aufklären: der des traumhaften Verdienstes einer PDL. Die mit Abstand meisten PDL erhalten ein Gehalt, das zwar etwas höher als das Grundgehalt einer Pflegefachkraft liegt, aber unterm Strich meist darunter. Eine PDL muss dafür dann aber trotzdem rund um die Uhr erreichbar sein, auch wenn sie eigentlich die WE und Feiertage frei haben sollte. Auch Überstunden sind die Regel, nicht die Ausnahme. Aufgeschrieben werden sie fast nur, wenn sie durch Arbeit „am Bett“ entstanden sind. Wer als PDL Überstunden macht, gilt als unfähig, weil nicht organisiert. Ohnehin beinhalten die meisten Verträge das alle Überstunden mit dem Gehalt abgegolten sind. Im gesetzlichen Rahmen natürlich…

Zurück zu Corona: Nun ist man in gewisser Weise stur und sieht auch als PDL nicht ein, dass der AG mit seiner genialen Idee, auf dem Rücken der PDL, der er praktischerweise keine Überstunden zahlen muss und die qua Vertrag zur Arbeit „am Bett“ herangezogen werden kann, Kosten für Zeitarbeiter einspart, indem sie doppelte Arbeit macht. 

Das führte – trotz Corona, trotz Personalmangel, PDL Mangel und der Frage, wie der Laden denn dann laufen soll, alleine in meinem Bekanntenkreis zu 4 Kündigungen. Wegen Verweigerung der vertraglich vereinbarten Pflichten. Kein Witz. Die Arbeitsgerichte werden entscheiden, aber 3 Altenheime und ein KH haben jetzt erst einmal keine PDL. Wir sind gespannt, wer sich denn jetzt den Kasak anzieht und einspringt, oder ob es so läuft wie bisher: steht die PDL nicht als „Reserveinfanterie“ zur Verfügung und ist kene Zeitarbeit zu bekommen, tut es keiner, denn so wichtig ist die Besetzung dann auch wieder nicht. Irgendeine Fachkraft wird es schon auffangen, bei Weigerung lässt man das Wort „Abmahnung“ fallen und gut ist.

Zu den Angehörigen, mit einem Disclaimer: Ihr, die Ihr euch kümmert, die Bestimmungen selbstverständlich einhaltet, immer wieder mal Fragen habt, die ihr Gesprächsbedarf habt, die Ihr auch mal bei uns Trost sucht, aber immer die normalen sozialen Normen dabei einhaltet, seid ab hier NICHT gemeint! Bleibt wie Ihr seid. Bitte. Ihr seid tolle Menschen und eine Labsal – auch für alle Mitarbeiter. 

Dieser Abschnitt widmet sich denen, die sich an den Mitarbeitern abarbeiten.

Wie oben erwähnt, bedeutet Pflege, sich in einem hochemotionalen Spannungsfeld zu bewegen. Das lernt man in „der Pflege“ also an der Pflegefront, unabhängig von der Qualifikation (immerhin, DA sind sie demokratisch) gleich in den ersten Tagen.  

Auch außerhalb von Pandemien muss man höllisch aufpassen, sich nicht in innerfamiliäre Konflikte hineinziehen zu lassen. Das ist besonders als PDL wichtig, weil gerade innerhalb von Familien gerne geklagt und mit einstweiligen Verfügungen „gearbeitet“ wird und man da ganz schnell in rechtliche Schwierigkeiten geraten kann.  Doch doch, Sie haben richtig gelesen. 

Gerade der Generation „Babyboomer“ zugehörige Menschen, die die größte Gruppe der Angehörigen stellen, sind da selten zimperlich. Noch weniger zurückhaltend sind diese Leute gegenüber den Mitarbeitern. Ironischerweise hat Corona an dieser Stelle hier für etwas Entlastung gesorgt. Durch das stark eingeschränkte Besuchsrecht hat man meist nur noch einen dieses Kalibers gleichzeitig vor sich stehen und sie können nicht mehr einfach so in das PDL Büro stürmen und losbrüllen. Denn vor Corona gab es immer mal wieder Grüppchen, die sich zum Sturm des PDL Büros verabredet haben. Dafür tun sie das jetzt allerdings am Eingang. Um klarzustellen, dass sie sich nicht testen lassen, nur weil wir zu blöde sind, die Menschen richtig zu versorgen. Überhaupt ist man Rechtsschutzversichert und würde schon klarstellen, wer hier das sagen hat. Wo überhaupt die Leitung ist, wolle man wissen, oder hat sich diese blöde F…. schon ins Home-Office verkrochen!?!

Doch doch, Sie lesen immer noch richtig. Nicht ohne Grund steht am Eingang vielerorts Security, wahlweise der größte und breiteste männliche Kollege, um die Tür zu sichern. Denn so einige Angehörige meinen, sie brauchen sich nichts sagen zu lassen. Die Schreihälse, die zu Beginn der Coronakrise in den PDL Büros aufschlugen, um Rechenschaft darüber zu verlangen, wie man Gedenke, die heiß geliebten Bewohner (für die man oft nur unter Murren und Beschwerden mal eine Flasche Duschgel für 0,69€ locker macht und vor 2 Jahren zuletzt besucht hat) vor Corona zu beschützen, sind genau die, die die Vorschriften auf allen möglichen Wegen umgehen wollen. 

Und überhaupt: Ist Mutter denn heute, für den Besuch geduscht worden? 

Da ist man sich nicht zu blöd, über den Zaun der Terasse zu klettern, einfach an dem Mitarbeiter, der den Test machen soll vorbeizulaufen, die Formulare mit „Caspar Hauser“ zu unterschreiben, nicht erhitz- und abwischbare Lebensmittel mitzubringen, mit 9 Personen aufzutauchen um den Forderungen nach freiem Zutritt „Nachdruck zu verleihen“, oder hnter der nächsten Ecke zu warten, bis einer die Mutter/den Vater abgeholt hat – ohne Masken natürlich, die Mitarbeiter mit Ausdrücken zu beschimpfen, für die man Jugendliche auf das schärfste verurteilt und: tatsächlich handgreiflich zu werden. Es wird geschubst, gespuckt(!), angehustet, die Maske heruntergerissen, sogar Körperverletzungen wie Faustschläge hat es schon gegeben. Besonders beliebt ist es auch, damit zu drohen, die eigene berufliche Position dafür zu nutzen, das jeweilige Heim/KH zu diskreditieren. Man sei also schon so gut wie erledigt. Persönlich, aber auch das Heim/KH an sich. Nur damit das mal klar ist. 

Als PDL lässt man seine Mitarbeiter mit solchen Leuten natürlich nicht alleine und versucht auch im Anschluss an das jeweilige Ereignis den Mitarbeiter ein wenig aufzufangen, während man hofft, dass niemand die eigenen zitternden Hände bemerkt. Denn auch an einer PDL geht das nicht spurlos vorüber. Angst haben die meisten dabei nicht, weitaus häufiger ist Wut und Hilfslosigkeit, weil man in der Situation selbst relativ wenig tun kann, um diese Leute zur Raison zu rufen. Man kann sie nicht unmittelbar sanktionieren. Für die körperlichen Angriffe kann man sie Anzeigen, klar. Aber in der Situation selbst muss man die richtige Dosis aus Autorität und Verständnis treffen, damit es nicht endgültig eskaliert. 

Corona stresst alle. Ein Freifahrtschein den „Mr. Hyde“ in sich herauszulassen ist das jedoch nicht. Für niemanden. 

Ich selbst kenne keine PDL, die sich nicht schon freiwillig den Kasak angezogen hat, weil es zu knapp war. 60 Std. Wochen sind die Regel, wie oben erläutert meist ohne Ausgleich. Zuzüglich der ständigen Erreichbarkeit und besonders die Organisation von Ersatz bei kurzfristigen Ausfällen. Das alles „on Top“ einer meist vier (!) DIN A4 Seiten langen Stellenbeschreibung zzgl. willkürlich dazu gedichteten Aufgaben (die i.d.R. der juristischen Absicherung der Chefetage dienen) wie jetzt gerade durch die Pandemie. 

Dieser Text hat keinen roten Faden, keine sinnvolle Aufteilung und keine Pointe. Weil Krise genau das ist. Kritisch und chaotisch. 

Oder doch: Benehmt euch gefälligst. Alle.

„Wir waren keine richtige Familie!“ – Kinder von Pflegenden leiden mit

Vom ersten Weihnachtsfest meines Ältesten kenne ich nur Bilder. Es fand ohne mich statt. Aus Kostengründen und Erziehungsgründen. Denn ich war Schwesternschülerin und damit billig verfügbar an Vorfeiertagen, Feiertagen und überhaupt und hatte überdies zu lernen, dass der Beruf kein Zuckerschlecken war. Punkt! Mein Kleinkind lernte das somit gleich auch.

Als ich 10 Jahre Alleinerziehende mit mittlerweile 3 Kindern war, geriet der Beruf zur Organisationshölle. Wollte ich sicherstellen, dass die Kurzen morgens etwas essen, mussten sie um 05:00 spätestens raus, wollte ich ihnen das ersparen, konnte es eng mit ihrem Zeitmanagement werden, sofern Kinder überhaupt über so etwas verfügen. Vielleicht war es einfach Glück. Ab dieser Zeit weigerte ich mich strikt, Heiligabend zu arbeiten. Ich kenne dafür keine Silvesterfeiern und komme mir noch heute verloren vor, diesen Abend zu begehen.

Während Menschen im Bürojob darüber diskutieren, dass der Schulbeginn um 08:00 für Kinder viel zu früh ist, stehen Kinder von Pflegenden oft als Erste um 06:00 vor der Kita oder dem Hort, falls ihre Eltern glücklich geplant sind und um 06:30 anfangen dürfen. Die mittelalterlichen Zeiten der Stundengebete regeln noch immer den Schichtdienst in Hochleistungskliniken. Sie greifen ein in den kindlichen Biotagesablauf (von Rhythmus zu sprechen, kommt mir absurd vor, der wäre regelmäßig) und weit darüber hinaus.

Früher war es einfacher. Als heiraten im Pflegeberuf nicht mehr verboten war, untersagten Arbeiten einfach Männer. Punkt. Doch die Rückständigkeit der Gesundheitsbranche macht sich eben auch im Umgang mit arbeitenden Eltern bemerkbar. Die Branche stellt (angeblich) das Wohl der Patienten an die erste Stelle. Die soziale Rolle als Eltern fällt runter. Selbst im Frei muss stets und ständig damit gerechnet werden, dass die Privatzeit mit den Kindern unterbrochen wird, weil die Frage aufkommt „ob man nicht eben mal einspringen kann“. Das schlechte Gewissen darf man sich aussuchen. Entweder man hat es, weil man das Team alleine lässt oder die eigenen Kinder. Die jedoch sehen einen sowieso nur an allerhöchstens 2 von 4 Wochenende, an unendlich vielen Abenden und am Morgen nicht. Qualitytime ist so nicht zu machen.

In der ersten Welle der Coronapandemie, als die Frage nach Notbetreuung aufkam, schrieb jemand, Schwestern sollten sich halt keine „Blagen anschaffen, wenn die stören“. Nein, es sind nicht unsere Kinder, die uns stören, die gehören zu uns. Es seid Ihr Fremden, die an unsren freien Tagen versorgt werden wollt, die Ihr Euch nie darum geschert habt, was Einspringen bedeutet.

Auf Facebook habe ich gefragt, ob diese Situation jemand beschreiben kann. Und es meldeten sich leider nur 2 Menschen. Eine schreibt, dass es sie als Kind zerrissen habe. Immer dieses schlechte Gewissen, die Mama zu stören, die müde nach dem Nachtdienst war oder völlig fertig nach dem Frühdienst. Dass es ihr so leid getan habe, sie wecken zu müssen und dass sie sich verloren gefühlt habe. „Ich habe mich als Tochter oft schlecht gefühlt, wenn ich den Feierabend oder den Schlaf meiner Mutter unterbrochen oder gestört habe. Ich hatte oft ein schlechtes Gewissen, wenn sie von der Arbeit kaputt und ausgelaugt nach Hause kam.“

Eine Kollegin schreibt mir, dass sie den Beruf verlassen habe. „.. den treffendsten Satz hatte meine damals 10 jährige Tochter. .. „Dann sind wir jetzt wie eine echte Familie und Ihr habt auch mal am Wochenende Zeit für uns?“ Das tat schon weh! Einer von uns hatte immer Dienst.“

Dem gegenüber steht das gebetsmühlenartig „Das habt Ihr Euch doch so ausgesucht!“ der Gesellschaft und ich frage mich oft, in wieweit 17 jährige Menschen überhaupt den Spagat zwischen den beiden sozialen Rollen Eltern und Berufstätige schon absehen können. Denn nein, traurige Kinderaugen, das Gefühl zu stören und Belastung zu sein, habe ich mir persönlich als Mutter nicht für meine Kinder ausgesucht, als ich in die Pflege ging. Es wird uns aber als Selbstverständlichkeit verkauft.

Unzählig die geschwisterliche Eifersucht bei den Meinen, wenn ich aus Glück frei am Tag des Elternabends des einen hatte (den Abend dann aber nicht mit den Kindern verbringen konnte) und beim anderen nicht.

Nein, es gibt keine oder kaum Schichtkitas und als Alleinerziehende bist Du komplett verloren. Als Eltern musst Du Dein Kind in das Betreuungskarussel stecken, zu unmöglichen Zeiten bringen und abholen. Dann hast Du um 23:00 ein Schulkind im Auto, das sich dann logischerweise weniger gut in der Schule konzentrieren kann. Bei Pflege läuft die Bildungsbenachteiligung also von Anfang an mit. Zum Wohle der Gesellschaft. Das sind keine modernen Bedingungen für einen Beruf und die Arbeitgeber entziehen sich der Problematik vollends.

Nächstenliebe nennen Politiker den Beruf. Und machen so deutlich, dass der Beruf keiner ist. Die Selbstausbeutung und Selbstaufopferung, die von Pflegenden verlangt wird, geht über ihr Selbstopfer hinaus. Die Kinder der Pflegenden liegen mit auf dem Altar der Gesundheitsindustrie, die nach Moral ruft, wo sie selber keine kennt. Die Probleme, die das aufwirft, sollen Pflegende selbst lösen. Alle daraus resultierenden Probleme, wie Berufsflucht und Interaktionsproblematiken, werden vertagt. Was soll das für ein Beruf sein, der mich zum unmoralischen Dämon erhebt, wenn ich mich weigere, das Wohl meiner Kinder für das Wohl fremder Menschen zu opfern? Wo bleiben die Lösungsansätze?

Gesundheitsminister Bayern zum Coronabonus: „Vergelts Gott ist keine schlechte Währung!“

In der Debatte um den Coronabonus, die lächerlich genug ist, wenn wir auf die Leistungen schauen, die Pflegende allerorten liefern, ist mir ein besonderes Früchtchen durch die Lappen gerutscht, dem sie jetzt in Bayern erlaubt haben, sich als Gesundheitsminister auszutoben. Dank Stefan Schwark, der das dankenswerterweise twitterte , geht es nicht verloren.

Unkommentiert vom Pflegering, vom DBfK und auch von den Kammern blieb eine Aussage von Holetschek vom 19.11.20, aber schauen wir uns die fleischgewordene Gnade Gottes bezüglich pflegerischer und sozialer Kompetenz mal an. Klaus Holetschek, der Typ alter weißer Mann, gilt als „Mann für heikle Aufgaben “ (BR), als „Macher“ (steht bei Wikipedia, war ihm wohl wichtig) und hat genau die Karriere vorzuweisen, die derzeit in der Pflege als die wichtigste Voraussetzung gilt, um Gesundheit und Pflege anzuführen: er ist Jurist (die Pflege in der Charité wird ebenfalls von einer Juristin vertreten). Noch 2015 sah er, glauben wir seinem Wikipediaeintrag, aus, als hätte er Kini Ludwig bei Wish bestellt. Mittlerweile ist nicht nur der Bart sondern auch der Lack ab, das scheint nur Konsequent, denn seiner kommenden Aussage nach könnten wir annehmen, er habe selbigen gesoffen .

Die krachlederne Kompetenzbombe äußerte sich zum Coronabonus in BR-Quer vom 19.11.20 wie folgt: „Ach, vergelts Gott ist auch keine schlechte Währung.“ Die bayerische Aussage meint den Gesichtslohn des Lächelns, mit dem Du Dir beim Bäcker nichts kaufen kannst, verweist aber darüber hinaus noch auf die Karmazulage, die im 19. Jahrhundert pflegende Nonnen bekamen. Gott vergilt nämlich leider erst postum, nach dem Tod und somit ist die Währung, die der Macher (hust ) Holetschek hier in Aussicht stellt, der Gotteslohn. Nachdem sich so viele fragten, wie hoch der Bonus sein würde und wie viele ihn kriegen werden, ergeben sich aus der Aussage neue Zahlen. 150 (20 mehr als noch vor 4 Tagen!) unserer toten Kollegen haben ihn demnach offenbar bekommen, denn sie sind ja tot. Wie hoch der Bonus ist, den Holetschek in Aussicht stellt, ob es sich dabei um Ablass im Fegefeuer handelt oder Freiflugstunden auf Wolke sieben, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Was wir aber wissen, ist, dass bereits jetzt auf den Intensivstationen unseres Landes viele unserer Kollegen in der Warteschlange für den Gotteslohn stehen und ihn auch erhalten werden.

Sollte es so etwas wie Gotteslohn geben, bin ich sicher, dass Typen wie Holetschek in der Hölle braten werden, weil sie sich misogyn und menschenverachtend äußern. Die Zeit, die der gute Christ beschwört, mag ihm bezüglich überwiegend weiblicher Pflegekräfte, die man widerstandslos demütigen und veräppeln darf, wie der Himmel des alten weißen Mannes vorkommen. Für mich klingt der Verweis jedoch irre. Früher, als Politiker wenigstens noch Anstand wahrten, sind sie für weniger zurückgetreten. Etwas, was der „Macher“ wirklich machen sollte, denn was er vergisst: Pflegende dürfen wählen. (Ja, das dürfen die!) Was ist die Voraussetzung für die Bekleidung des Amtes? Ein EQ/IQ in Höhe des eigenen Barthel-Index?

Gerade in Bayern beweist Holetschek aber auch, neben dem Realitätsverlust, seine Geschichtsvergessenheit. Als im 19. Jahrhundert weit weniger gut ausgebildete Menschen dem Regierenden, also Kini Ludwig ohne Wish, bescheinigt haben, dass er nicht ganz sauber tickt, hat der sich in den Starnberger See gestürzt. Schade eigentlich, dass das Wiederaufleben der „guten alten Zeit“ mit Gotteslohn und Frauenhass nur für alte weiße Männer gilt.

Da bleibt den bayerischen Kollegen jetzt leider nichts erspart und ich hoffe, dass sie ihn bezüglich der dreisten Aussage zur Rede stellen.

Wer ihm sagen will, was er davon hält:

Klaus Holetschek, MdLKramerstraße 1587700 Memmingen

Telefon:08331/2169

Fax:08331/47408 (hahaha, die haben noch Fax!)

E-Mail:klaus.holetschek@csu-landtag.de

Wer sich die Frechheit angucken möchte:

https://www.br.de/br-fernsehen/programmkalender/sendung-2892772.html

Ab 32:55