100 Milliarden für Waffen, eine Gedenkmünze für die Pflege

Es war der erste Satz der Pandemie. „We are at war!“. Der ist zwei Jahre her. Damals, als man Kriegssprache benutzte, um die Dramatik der Pandemie hervorzuheben, standen (und stehen bis heute) Pflegende an der „Coronafront“, stellten sich dem personifizierten Virus-Feind entgegen. Sie würden Helden sein, sagte man. damals. Im Bundestag. Eine Milliarde verteilt man seitdem notdürftig und ungerecht auf die einzelnen Köpfe, die die Last der Pandemie getragen haben und sie immer noch tragen. Auf die meisten regnet davon: nichts. Sie sind MTAs, anderweitig Angestellte. Man bat damals um Geduld. Danach, ja danach würde sich etwas ändern. Dass das Gesundheitssystem marode ist, das sah man damals. Gehandelt wurde nicht.

Das ist zwei Jahre her. Geändert hat sich nichts.

Fünft Tage hat Putin gebraucht, um Europa in ein erneutes Chaos zu stürzen. Wieder sind wir „at war“ und es ist unzweifelhaft, dass die Ukraine Hilfe benötigt. Dass die Bundeswehr marode ist, das sieht man jetzt und es dauerte genau eine Woche, da stehen 100 Milliarden bereit, um Waffen zu kaufen, für die, die die Helden der Pandemie nun ablösen.

Neue Helden braucht das Land.

Die Demokratie sei gefährdet.

Die Demokratie ist auch hierzulande gefährdet. In nur zwanzig Jahren werden zumeist Frauen an einem freien Leben nicht mehr teilnehmen können. Sie werden ihre Angehörigen pflegen müssen. Sie können sich dann ihr Leben nicht mehr aussuchen.

Menschenleben seien gefährdet.

Missed Nursing Care und Nosokomialinfektionen kosten bis zu 30.000 Menschenleben pro Jahr in diesem Land. 270 Pflegende sind in der Pandemie gestorben.

Bildung, Kultur, Hartz. Nie ist Geld da. Aber Bildung, Pflege und Kultur, das ist nicht das Gleiche wie Waffen. Waffen sind Wirtschaft. Nun, die Pflege ist die zweitgrößte Wirtschaftsbranche des Landes. Aber sie ist Investitionen und Veränderungen nicht wert.

Realer als die Vorstellung, Putin könnte am Brandenburger Tor auftauchen, ist die Tatsache, dass Menschen sterben, weil unsere Gesundheitspolitik nicht belastbar ist.

Coronas Spätfolgen, LongCOvid, die versäumten Therapien durch Corona in den Psychiatrien, die Burnouts, die Berufsfluchten, die Depressionen…. sie sind genauso am Horizont zu sehen. Aber sie interessieren niemanden.

Warum?

Der Soldat per se kämpft nicht gegen eine Gedenkmünze. Er ist zumeist männlich. Frauen, die an der Gesundheitsfront seit Jahrzehnten um Menschenleben kämpfen, sind weiblich. Sie brauchen offenbar dazu kein Equipment, keine Personalstärke. Sie haben ja ein gutes Herz und ihre Berufung.

Die Bedrohung durch Krieg fühlt der Bürger ganz real. Die Bedrohung durch eine Nosokomialinfektion oder Personalmangel zu sterben – wie er überhaupt nicht gerne ans Alter denkt- die interessiert ihn nicht. Das sollen andere regeln.

Von Übernahme bettlägeriger Ukrainer war die Tage auf Twitter zu lesen. Das ist witzig. Denn in die Zustände hier möchte man niemanden wünschen, zu kommen.

Jedesmal, wenn man dem Gesundheitswesen Hilfe versprach, kam was dazwischen. Das letzte Mal die Wende. Nun ist es wieder ein Ost-West-Konflikt, der die Politik die Veränderungen im Gesundheitswesen vergessen lässt. Versprechungen, das sind Worte, geschrieben in den Küstensand bei Nebel. Nun sind sie dahin und niemanden interessieren sie mehr.

Wieder soll die Pflege durchhalten. Bis zum Nächstenmal, wenn sie wieder systemrelevant sind.

Einhundert Milliarden Euro!

Und alle sind ganz glückselig vor Waffentaumel. Niemand hat Lust, das zu hinterfragen.

Es ist, so verstehe ich das, nicht so, dass wir mit den Waffen für einhundert Milliarden den Ukrainern beistehen. Ganz im Gegenteil. Wir rüsten also auf für den Eventualitätssfall. Aber es lässt ich gut verbinden, es scheint zu logisch: Man muss jetzt aufrüsten.

Nicht logisch schien es, Geld für das Gesundheitssystem locker zu machen, es aufzurüsten.

Wofür? Nun, nicht nur für den Normalitätsfall, sondern auch für weitere Pandemien, für Kriege und für die Daseinsfürsorge.

Atomstrom ist die neue Nachhaltigkeit.

Krieg ist der neue Frieden.
Wer das nicht unterstützt, der, so scheint es, steht nicht mit der Ukraine.

Das ist absurd, weil die Ukraine eben von der Aufrüstung nichts hat.

Aber die Wirtschaft, die durch die Pandemie am Boden lag, hat jetzt einen Auftrag: einen für 100 Milliarden. Der Ukrainekrieg hat also schon jetzt manche finanziell gesundgestoßen.

Pflegende haben eine Gedenkmünze und einen Lavendel bekommen.

Ich bin sehr gespannt, ob im nächsten Sommer ein einzelner Lavendeltopf für die Soldaten gepflanzt wird, oder ob man sich das politisch nicht traut.

Frau sein und pflegebedürftig – geht das? Nein!Denn das pflegebedürftige Frau-sein wird von Männern definiert.

Seitdem ich mein biologisches Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht habe, achte ich ein bisschen besser auf mich. Das manifestiert sich vor allem in dieser Sache, die man Pflegeroutine nennt.

Pflegeroutine, das ist außerhalb der professionellen Pflege ein Begriff, der dafür genutzt wird, anzuzeigen, was man täglich mit sich, aber vor allem mit seinem Gesicht anstellt, damit es als gepflegt gilt. Youtube ist voll von solchen Videos, die Pflegeroutinen zeigen. Keines dauert unter einer halben Stunde. Das dauert eben. Meine Pflegeroutine, die ich hier nicht im Video zeige, weil das Leute verstören könnte ( 😉 ), sieht etwa so aus.

Mit einem Waschschaum wird das Gesicht vorgereinigt, dann benötigt es einen Toner, also ein Gesichtswasser, am besten Mizellen, damit die Haut Feuchtigkeit bekommt. Darüber kommt ein Serum, eigentlich zwei, denn die Augenpartie und der Rest des Gesichts benötigen verschiedene Produkte. Danach gibt es eine Tagescreme, die gerne auch einen Lichtschutzfaktor hat. Danach braucht die Haut erstmal ein Minütchen Pause. Ist das vollbracht, dann wird es Zeit für den Primer, die Foundation, und die dekorative Kosmetik.

Und das ist nur der Morgen.

Am Abend muss das alles wieder runter, es benötigt einen weiteren Toner, eine Abendcreme und dazu noch Säurepeelings, Masken und auch mal Pads für unter den Augen.

Nein, das ist kein Stück überzogen. Im Alter hat die Haut andere Bedürfnisse. Die hat sie nicht nur, damit man nicht aussieht, wie ein neugeborener SharPai Faltenhund, sondern auch, weil sie spannt, nervt, sonst mal juckt und sich nicht ok anfühlt.
Frauen, das ist eben so, schminken sich ab der frühesten Jugend, nutzen Kosmetika und Pflegeprodukte. Das Ganze dauert ungefähr zwanzig Minuten.

Die Aktivitäten des täglichen Lebens geben vor, dass es die Aufgabe der Pflege ist, dafür zu sorgen, dass die Patientin sich als Frau fühlen und verhalten kann. Dazu würde selbstverständlich gehören, dass sie ihre Routinen beibehalten, sich weiterhin schminken und abschminken kann, wenn sie das will.

Aber so läuft das nicht. Kann es nicht laufen, weil für eine komplette Pflege mit Waschen, Anziehen etc. zusammen ca. 40 Minuten veranschlagt sind. Und da ist die Doku schon drin. Die Sache ist also klar. Die Zeit reicht gerade dazu, mit einem Lappen durchs Gesicht zu fahren. Besonders Schnelle schaffen es gerade noch, eine Niveacreme aufzutragen. Das muss reichen.

Kosmetik ist im SGB nicht vorgesehen. Es gibt also eine große Differenz zwischen dem, was man in der Schule lernt und dem, was der Gesetzgeber aus den beruflichen Möglichkeiten macht.

Gut, könnte man sagen, es ist jetzt nicht lebensnotwendig. Aber so einfach ist es nicht.

Der Gesetzgeber (und der ist meistens tatsächlich ein „er“) schert sich also nicht nur um die Selbstdefinition des Berufs nicht, er nimmt pflegebedürftigen Frauen die Möglichkeit, das zu tun, was nicht pflegebedürftige Frauen jeden Tag tun: Sich pflegen und schminken.

Die Lücke ist eklatant. Warum sollte es für eine ältere Frau nicht üblich sein, dem nachzugehen? Warum sollte es für eine junge Frau nicht nötig sein, dem nachzugehen? Das ist nicht zu verstehen.

Die Lücke zeigt doch auf, dass der Gesetzgeber und die Entscheidet von vornherein in das Selbstbestimmungsrecht der Betroffenen ausgreifen. Es sieht so aus, als sei das, was Millionen Frauen tun, nicht für sie gedacht und nicht nötig, dass „sie daran teilhaben“.

Der gruselige Verdacht liegt nahe, dass diese Lücke entstanden ist, weil es aus Sicht der Entscheidet nur fertilen und für die männliche Gesellschaft habhaftbaren Frauen zustünde, sich wie eine solche nach eigenem Belieben zu verhalten. Das leise im Hintergrund des Problems aufmuckende „die brauchen das nicht, da reicht ein Waschlappen“, ist im Grunde misogyner Ableismus.

Das SGB ist voll von solchen Diskrepanzen. Lediglich Menschen mit Behinderung haben durch ihre persönliche Assistenz die Möglichkeit, das Problem zu umgehen und ihre Assistenz so einzusetzen, wie sie es wirklich benötigen. Doch Frauen, die „nur“ pflegebedürftig sind, haben das nicht. Vor allem alte Frauen haben das nicht.

Nein, das ist kein Luxusproblem, das ist ein eklatantes Problem. Denn offenbar bestimmen Männer darüber, wer sich verhalten kann und soll wie eine Frau und nicht die Frau selbst. Indem sie das SGB nicht mit den Tätigkeiten anfüllten, die dafür notwendig sind.

Von diesen Lücken gibt es viele. Aber niemand spricht sie an. Warum? Pflegende sind in ihrer Routine gefangen und haben keine Einflussmöglichkeiten. Die Politik interessiert sich nicht für die Lücken zwischen ABEDL und ihrem SGB.

Rasieren übrigens als Teil der täglichen Routine für Männer (und Frauen) ist im Gesetz enthalten. Männer, die bis ins hohe Alter gepflegt sind (und Kinder zeugen), sind nämlich tolle Hechte, Frauen, die ihre Weiblichkeit pflegen wollen, „brauchen das nicht“.

Ich bin nicht einverstanden.

„Wer bei „3“ nicht geimpft ist..“. Das Gesundheitssystem und ein ohnmächtiger Staat.

Hände hoch, wer den Trick auch schon bei seinen Kindern versucht hat, wenn er am Rand des Nervenzusammenbruchs etwas durchsetzen wollte: „Ich zähle jetzt bis „3“! Eiiins, zweiiiiii…..“. Die Drei kam nie. Es kam auch keine Konsequenz. Ich habe die starke Vermutung, dass der Trick deshalb höchstens zweimal funktioniert, bis er, entlarvt, als das, was er ist, verpufft – sinnlos.

Sicher haben wir uns vorher beraten. Dass Vollkornbrot gesund ist, dass ein aufgeräumtes Umfeld die Konzentration fördert, dass Socken in den Wäschekorb gehören. Es waren ja nie unlogische Dinge, die gefordert wurden. Sie waren halt nur nicht durchsetzbar. Und das erinnert mich an etwas.

Die Pandemie wurde als Zwilling geboren. Kaum war sie auf der Welt, kam die Impfpflichtdebatte für Pflegende kurz danach an. Impfen, das war klar, schützt. Und daran besteht kein Zweifel. Ohne je Zahlen gekannt zu haben, diskutierte man über die persönliche Freiheit Pflegender. Weil man keine Zahlen kannte, zerrte man Einzeleinrichtungen mit niedrigem Impfstatus hervor. Das Gerücht, Pflege sei nicht geimpft, war geboren. Und man wandte sich ihm zu. Darüber diskutiert hat man mit Ärzten. Montgomery saß in den TV-Shows und entrüstete sich über umgeimpfte Pflege. Blöd nur, dass wir heute wissen, dass weniger Ärzte als Pflegende geimpft sind. Aber es ist so eine Sache mit den Fakten und so hielten die Medien durch das Whitecoatwashing die Mär vom kompetenten Arzt aufrecht, der über die unfähige Pflege bestimmen soll. Es war absurd.

Während Pflege in den Kliniken alles gibt, am Rand des Nervenzusammenbruchs ackert, wurde gesetzlich verfügt, dass sie, die Pflege, sich zu impfen habe. Gleichzeitig glauben Tausende an Quacksalberhumbug wie „Shedding“, also, dass Proteine auf geheimnisvolle Weise durch die Haut der Geimpften dränge, sich dort zum bösen Virus formatiere und – peng- so entstünde Corona. Dem hat sich niemand zugewandt. Nur denen, die tagtäglich den Kopf hinhalten für die, die keinen Bock haben.

Was Pflege schnell raushatte: Nichtimpfen bringt Aufmerksamkeit. Sie bekommen heute mehr mediale Aufmerksamkeit, wenn Sie behaupten, Sie liebten ihren Job in der Pflege, ließen sich aber ums Verrecken nicht impfen. Mediale Aufmerksamkeit bekommen Sie nicht, wenn Sie einfach das tun, was zu tun ist. Denn das ist lame. Das gibt keine Story, keine Emotionen und ist somit uninteressant.

Nichtimpfen bringt Aufmerksamkeit. Vor allen in den Sozialen Medien, wo Ihnen dann – zack – plötzlich Zigtausende folgen. Die sind war in der Regel so drauf, dass es nicht zum Aushalten ist und organisieren „Spaziergänge“, aber, so will das es Social Media Gesetz: Sie haben dann „Impact“ und können, welch Wunder, Einweißdrinks über ihre Kanäle verkaufen und den mageren Pflegelohn ein bisschen aufpeppen. Da ist man doch gleich wer.

In der Pandemie gibt es drei Wesen, die bislang keiner gesehen hat: Godzilla, den Yeti und Kanzler Scholz. Und so gibt es auch keine Anweisungen. Es stellt sich raus, dass die Schulen in etwa so sicher sind, wie die Renten, die Blümchen uns einmal versprochen hat, täglich infizieren sich Kinder, es sterben auch Neugeborene, Kinder infizieren ihre Familien, die Inzidenzen sind höher als die Einnahmen aus den Maskendeals oder der Himalaya in Metern.

Es ist, was es ist: eine wilde Durchseuchung, von der man sich erhofft, was sie nicht bieten kann: Immunisierung. Und während dieser Nichtplan auch alle, die das nicht wollen, mit sich reißt, drängt man weiter auf die Impfpflicht der Einrichtungen. Das Witzige: der Staat hat fertig. Es hat gar nicht die Infrastruktur, den Impfstatus in den Häusern zu kontrollieren. Gleichzeitig tönt man, die Ungeimpften sollen doch gehen. Die braucht eh keiner. Inkompetente Dödel. Doch gleichzeitig, und das weiß jeder, kann man sich nichtmal erlauben, dass die Reinigungskraft kündigt, weil das ein Desaster nach sich zöge. Mit einem Wort: Nicht nur fehlt dem Staat die Infrastruktur, die eigenen Gesetze durchzusetzen, sondern er ist beim Thema Gesundheitssystem dermaßen mit dem Arsch an der Wand, dass er nicht mehr handlungsfähig ist.

Es ist, als hätte die Bundesregierung gerufen: „Wer bei „3“ nicht geimpft ist, der…..“ – aber es bleibt ohne Konsequenzen. Ich würde schon erwarten, dass man sich SPD_seitig jetzt mal fragt, ob es eine gute Idee war, Bildungsbenachteiligte mit wenigen Stunden Grundausbildung an die Betten von Vulnerablen zu lassen, denn Fakt ist: mehrheitlich ist das Ungeimpftenproblem ein Bildungsproblem. „Ehrenpflegas“ glauben wohl eher an Spikeproteine, die ihnen die Potenz versauen als an wirksame Prävention . Das ist politisch so gewollt. Aber auch da folgen für die, die sich den Quatsch mit den Quereinsteigern in der Pflege ausgedacht haben, keine Konsequenzen. Mögen auch aus noch so vielen Quereinsteigern Querdenker werden, denn seit 1945 gibt man die Parole aus, dass „mit Herz gepflegt gut gepflegt“ sei. Welch ein wahnsinniger Irrtum!

Auch der Fakt, dass es Querdenker in der Pflege gibt, juckt keinen. Man hofft einfach vor sich hin, das die sich nicht so radikalisieren , dass am Ende etwas mit den Vulnerablen geschieht. Auch das ist eine Durchseuchung. Aber eine der ideologischen Art. Und so tummeln sich da draußen alle, die keinen Bock auf das Ende der Pandemie haben, völlig konsequenzfrei, schwurbeln ihren Schwurbel, grölen Parolen, Kinder stecken sich an, soziale Einrichtungen schließen.

Der einzig Vulnerable nämlich ist das marode Gesundheitssystem. Wegen dem nämlich können wir einen Großteil der Maßnahmen nicht aufheben und den Menschen sagen: „Hey, Pech, Eigenverantwortung“. Doch das Gesundheitssystem will keiner retten, und deshalb geht nichts vorwärts. Die neue Bundespflegebeauftragte Moll riet den Pflegenden, mehr Selbstbewusstsein zu haben. Das war es dann mit Maßnahmen. Die meisten haben aber mittlerweile so viel Selbstbewusstsein, dass sie gehen. Hier regiert einfach keiner mehr und wer kann, der retten sich selbst. Blöderweise gilt in der Pandemie nichtmal, was sonst immer galt: Frauen und Kinder zuerst.

Happy New Year? Der Jahresendrant 2021/22. Saufen statt Böller!

Der Jahresendrant hat gute alte Tradition hier. Es ist mein Vierter. Aber worüber sollte ich eigentlich ranten? Ich sitze hier total sicher am Silvestertag, hübsch geschminkt und sicherer war es noch nie. Wir leben völlig voneinander getrennt, das Coronaleben und ich. Corona kommt hier nicht rein und ich drohe nicht, in eine Klinik zu müssen und Euch dort zu belasten.

Warum? Ich hatte jahrelang den Nachtdienst an Silvester auf der größten Rettungsstelle Europas. Ich weiß, wie das ist. Aber ich bin keine Gefahr für Euch. Ich habe nie geböllert. In den letzten Tagen war ich einkaufen. Im Gegensatz zu all den anderen Jahren meines Lebens gibt es nichts, was an Silvester erinnert. Nicht nur keine Böller, sondern auch kein Bleigießen und nichtmal Wachsgießen. Der Staat oder der Markt (wer kann das schon noch auseinanderhalten?) hat dafür gesorgt, dass ich mich auch nicht aus Versehen mit einer Luftschlange erwürge oder mir gar ein Konfetti ins Auge kommt. Nichtmal Glitzerlidschatten gibt es in den Märkten. Feel safe, Ophtalmologie!

Ich fand (und ich lebe in der Hauptstadt und nicht in Posemuckel-Nordost) nichtmal Marzipanglücksschweine und ich gehe davon aus, dass der Markt oder der Staat dafür gesorgt haben, dass ich nicht mit einem Blutzuckerspiegel von Drölfzig nach dem Genuss des Schweins (hat die Dinger überhaupt je wer gegessen?) auf die Innere komme. Nichtmal Wunderkerzen gab es, aber ich denke, das ist nicht Corona und der Klinikentlastung zuzuschlagen, sondern was mit Umwelt. Geht ok.

Der Staat sorgt für unsere Sicherheit. Was ich noch darf? Wie jedes Jahr dürfen 80 Millionen Bundesbürger sich weiterhin ins Koma saufen an Silvester. Tausende werden tun, was sie jedes Jahr tun: nicht ballern, sondern sich selbst zuballern und dann mit Alkoholpegeln jenseits aller Vorstellbarkeit die Rettungsstellen zukotzen , zupinkeln, zukacken(ja!), auf ihren bodennahen Matratzen vor sich hinstinken, Zubluten, weil ihnen beim Komakotzen der Klodeckel auf den Schädel gefallen ist, vor sich hinsabbern, auch mal zuschlagen, den Ablauf stören, andere Patienten angreifen und eine Verwüstung hinterlassen. Den Dreck, den diese zivilisatorische Kunst des Neujahrbegrüßens hinterlassen wird, räumt der Frühdienst weg. Auch den Gestank von tausendfach ausgeatmetem Ammoniakatems, gegen den nichtmal ein 5 Liter Eimer Nilodor anstinken könnte. Das, was ZNAs belastet, was jährlich auch Tausende auf die Intensivstationen bringt wegen Atemdepressionen, das Saufen, ist nicht verboten. Bringt ja auch ordentlich Steuern. Alleine die Sektsteuer (die noch aus der Kaiserzeit kommt) brummt heute Nacht was ein. Im Gegensatz zu Luftschlangen und Konfetti und Glitzerlidschatten. Der Staat oder der Markt sind klug. Wo da der Schutz der Pflege bleibt? Keiner weiß es, interessiert ja auch keinen.

Das Land ist gespalten genug. Wer je den Verdacht hatte, dass von seinen Kollegen der eine oder andere fachlich eher ein geistiger Flachwurzler ist, der konnte sich bestätigt fühlen in diesem Jahr. „Wenn ich mich impfen lassen muss, dann kündige ich!“ (diese Reaktion hatte ich schon vor zweiJahren vorhergesagt, aber sie lesen Die Zeit nicht, da in diesem Regierungsgebäude)und ich darf das blöde finden, lieber vor lauter Trotz und Zorn über die Rettung mit dem eigenen Leben bezahlen zu wollen, als einen Gewerkschaftsbeitrag, ja?

Man kann sogar verdienen mit diesem Schwurbelscheiss. Altenpfleger Metin hat das zu bedienen, den Status eines Influencers gebracht. Ja, auf dieser Plattform, wo Pflege Gewaltdarstellungen an Patienten zu Gangstamusik total witzig findet. Und damit ist er geeignet, jeden erdenklichen Mist an Follower zu verkaufen und hat eine Deutungshoheit erreicht, die unerträglich für Menschen mit Hirn ist. Vor lauter Shitstormschiss ducken sich alle anderen (bis auf zwei, und die sind echt der Knaller) in ihre Bubblelöcher weg. Meinungsfreiheit, wa, hahaha!

Es wird überhaupt alles besser, denn wir haben jetzt einen nationalen Mundpflegestandard. Den kann zwar keiner ausführen, weil es zu wenig Personal gibt, aber hey, voll geil, es gibt wieder etwas zum Abhaken, Schreiben, Ankreuzen und Nichterledigen. Vor diesem Blödsinn rettet uns dann die Lauterbachsche-FDP-Digitalisierung. So cute! Damit verdienen am Schweiß derer, die etwas nicht erledigen können, die, die das nicht erledigen müssen. Yipieh, Glücksschweinebacke.

Überhaupt wird alles besser. Es weiß zwar keiner wie und es hinterfragt auch schon lange niemand mehr die Fakten, weil der neue BMG sich genauso als Heilsbringer inszeniert wie der Letzte, aber diesmal wollen sie es glauben. Und es ist im postfaktischen Zeitalter der Glaube, der Berge versetzt, nicht etwas evidenzbasierten Pflege, Eure bundesgesundheitliche Eminenz.

Dieses Land ist pflegerisch so Lost wie die Erdbevölkerung in „Don’t Look up!“. Aber ich kämpfe hier mit meinen eigenen Spaltungen.

Mein Mann liebt Raclette, ich Käsefondue und weil ich zu clever bin, um mich spalten zu lassen, habe ich ein Single-fondue und er darf dafür dieses Jahr alle Racletteschäufelchen für sich haben. Es ist mir unbegreiflich, wie der Staat das zulassen kann, dass ich noch Brennpaste im Haus haben darf. Aber es ist auch Logik dahinter. Käse hat eine chemisch ähnliche Wirkung wie Morphin (kein Joke) und so ist es wahrscheinlich, dass mich nach ein paar Kilo einfach nichts von dem Blödsinn mehr aufregen wird.

Ich lass mich nicht Käsehaarspalten

Wir leben in irren Zeiten, aber ich weiß nicht, ob wir noch Corona meinen.

Wie dem auch sei, wünsche ich euch ein bezauberndes Neues Jahr 2022. Danke an alle, die mich durchs Jahr begleitet haben . Danke auch für die vielen Karten und die Neujahrsgeschenke. Es wird weitergehen und ich werde nächstes Jahr noch ein Schäufelchen drauflegen. Und ich meine nicht das Raclette. 🙂 Ach ja, bei uns standen heute Morgen ALLE Menschen meines Bezirks Kilometerweise (!!) an, um Pfannkuchen zu bekommen. Dicht gedrängt. Aber das sind keine Böller und Corona ist ja nicht verboten.

Keine Pflege im Corona-Expertenrat.

Wer die Berliner Politik auch nur halbwegs aufmerksam beobachtet, der findet seit dem Regierungsantritt der Ampel die selbe Politik wie auch sonst vor. Nur die Rollen sind vertauscht.

Schon 24 Stunden, nachdem die Ampel angetreten war, um die Welt zu verändern, befand die CDU, die Corona-Maßnahmen gingen nicht weit genug. Dabei hatte die Ampel gerade auf die Maßnahmen eine kleine Schippe draufgelegt. Was die CDU da kritisierte, war also im Grunde ihre eigene Politik. Vom Saulus zum Paulus in Stunden. Chapeau.

Über die Frage, wie sich das Virus in Altenheimen verbreitet, wenn es doch Infektionsschutzmaßnahmen gibt (die aber nicht greifen – ich schrieb das in „Die Welt“), möchte sich noch immer niemand unterhalten. Es kommt ja jetzt die Impfpflicht für Pflege (die eben diese Infektionen nicht verhindert, wenn die Befürchtungen stimmen, aber hey, Hauptsache Symbolpolitik).

Nun steht der Expertenrat der Ampel, der im Corona-Desaster die Regierung beraten soll. Nötig wird er, so verstehe ich das, weil die Inzidenzen steigen, aber kaum noch Pflegende vorhanden sind. Noch immer nennt man diesen Zustand „freie Betten“, obwohl es genügend Betten, aber keine Pflegenden für die Menschen in diesen Betten gibt, die sich deshalb in diese Möbelstücke nicht legen können.

Noch immer also da selbe Wording. Pflege bleibt „das Ding“. Der Expertenrat besteht aus einer interdisziplinären Creme de la Creme der Wissenschaft. Virologen, Psychologen und einem Landrat, der sich darauf freut, „seine Kompetenzen einbringen zu können“, von denen unklar ist, was sie beinhalten.

Gefreut, Expertise mitzubringen, wenn es darum geht, über ein Desaster zu reden, das sich ohne Zweifel auch als Corona-Pflege-Desaster benennen lässt, hätte sich die Pflege. Immerhin geht es um sie, um Themen, die ihren Arbeitsbereich betreffen. Beratung der Regierung täte Not, weil die in den letzten Wochen mehrfach unter Beweis gestellt hat, dass sie nicht weiß, was Pflege ist, wer in Altenheimen pflegt und was sie kann. Impfen zum Beispiel. Aber das soll sie nicht.

Aber sie ist nicht vertreten. Sie ist nicht vertreten, obwohl im Wahlkampf alle was von Pflege stärken, Systemrelevanz, Veränderungen und hochundheilig Verbesserungen versprochen hatten. Aber das war halt im Wahlkampf und wie wir alle wissen, hat der mit der Realität nicht viel zu tun. Pflege ist nicht vertreten, weil man sich angewöhnt hat, über die Pflege zu reden, anstatt mit. Zwar befürwortet man Kammern, aber auch die sitzen nicht am Tisch. Zwar befürwortet man den DPR und unterstützt ihn monetär, aber sagen soll er lieber nichts.

In anderen Ländern ist Pflege mit in den Krisenstäben vertreten. Aber nicht in diesem Land, wo man den Berufsethos bemüht., um Durchhalteparolen zu generieren. Die Botschaft ist simpel. Man hat ja gerade erst die Freiheit der Körper der Pflegenden ausgesetzt (Impfen) obwohl man gar nicht so genau weiß, über wie viele man da redet. Man hat auch einen Bonus versprochen, von dem man nicht so genau weiß, was, wieviel, an wen und wann („Das will wohlüberlegt sein“). Von politischer Partizipation war nie die Rede. Es ist freilich auch einfacher, die Pflege außenvor zu lassen im Beratungsprozess. Nachher würde man etwas über die eigene fatale Struktur und die Systemschwächen lernen. Und das verweigert man ja seit Jahrzehnten. Nachher würden die Leute in diesem Land noch wahrnehmen, dass das mit der Systemrelevanz keine Worthülse war, auch, wenn man sie meinte. Und am Ende rausfinden, dass die wirklich etwas können. Da lässt man sie lieber daheim. Wo sie keinen Schaden anrichten kann.

Freilich, genau wegen der mangelnden Wertschätzung, der Nichtwarhnehmung, dem Verfügen und dem Ausbeuten, wegen politischen Versprechungen, die nie eingehalten wurden und wegen Überlastung kündigen gerade viele den Job. Aber darum kümmert man sich dann vielleicht mal mit einer neuen Berufsstolzkampagne. Später. Immerhin sitzt die SPD in der Regierung, die in der Ehrenpflegaskampagne deutlich gezeigt hat, was sie von Pflegenden hält. Kein Wunder also, dass sie sich nicht mit Pflegeborissen an einen Tisch setzt. Sie scheint Ihrer eigenen Kampagne zu glauben, so, wie sie nie die Kritik an dieser Kampagne hören wollte.

Ich wage eine Prognose. Die CDU wird sich in den nächsten vier Jahren in die Herzen der Pflegenden kritisieren. Am Ende haben wir wieder eine GroKo. Für Pflege wird das alles nichts ändern. Und das ist die einzige Kontinuität, die die Gesundheitspolitik seit dem Beginn der Bundesrepublik zu bieten hat.

Fröhliche Pandemie weiterhin.

Pflege: Der Hampelmann der Ampel, man. Oder: was ist eigentlich ein „sozialer hoher Preis“, Herr Lindner?

Anne Wills Talkshow gestern, bei der Vertreter aller Parteien anwesend waren, war wie ein Unfall. Man konnte nicht hinsehen, man konnte nicht wegsehen. Die Luftwaffe fliegt Beatmete durch das Land, in München wird, wen es erwischt, ins nächste Krankenhaus gefahren – nach Italien! Und da sitzen also die, die unser Land führen und sind sich nur in einem einig: niemand ist schuld an dem, was da passiert.

Impfen reicht nicht mehr. Das Schlimmste kann nicht mehr verhindert werden. Jeden Tag, den wir länger warten, einen Lockdown zu verhängen, werden wir mit zwei Tagen mehr Lockdown bezahlen müssen. In der Nachbarsendung verrät derweil Drosten, er sei sehr besorgt. Einen Lockdown aber, den hält Lindner für einen „zu hohen sozialen Preis“, Baerbock lobt nochmal die Pflege. An die müsse man ja denken. Sonst habe man ja kein Gesundheitssystem mehr.

Ich weiß nicht, in welcher Realität man lebt, in welchem Paralleluniversum, in dem Blumen blühen, wenn man sich 10 Tage Zeit lassen will, mal zu entscheiden, sich beraten zu lassen. Ich weiß aber, wie es hier aussieht, in dieser Realität, in der meine Kolleg*innen leben. Und ich möchte Ihnen mal verraten, was ein „hoher sozialer Preis“ ist.

Fast meine gesamte Timeline hat von der ersten bis zur dritten Welle durchgehalten, an Patienten gearbeitet, die Corona negiert haben. Fast meine gesamte Timeline wurde geschlagen, bespuckt, bedroht. Fast meine gesamte Timeline ist derzeit wegen Depressionen krankgeschrieben. Reaktive Depressionen auf die Überlastung der letzten anderthalb Jahre. Bei vielen ging die Familie deshalb in die Brüche, es drohen Scheidungen. Kinder sind betroffen.
Das ist ein hoher sozialer Preis für eine verfehlte Politik!

Die meisten kennen nur noch zwei Welten. Dienst oder ausruhen für den nächsten Dienst. Ein Leben dazwischen, zum Durchschnaufen, gibt es nicht mehr. Es gibt nur noch funktionieren. Die meisten haben Kinder. Ungeimpfte Kinder in nicht gesicherten Einrichtungen. Die meisten leben deshalb in Angst. Angst um ihre Kinder. Weil die Betreuungslage so desaströs ist, wie alles im Gesundheitswesen, werden viele von ihren Großeltern versorgt. Das bedeutet 24/7 Angst. Angst um die eigene Familie, während man Menschen, die nicht glauben, dass sie sich an der Bekämpfung der Pandemie beteiligen müssen, pflegt. Während einem freie Tage gestrichen werden. Während man die eigenen Kinder kaum noch sieht. Seit zwei Jahren.

Das nenne ich mal einen hohen sozialen Preis!

Während die meisten Ungeimpften unbehelligt durch die Welt jetten können und „enjoy my life, YOLO“ spielen, drohen meinen Kolleginnen Abmahnungen, wenn sie sich weigern, einzuspringen. Urlaub zur Erholung wird gestrichen. Auch unter Androhung von Abmahnung. Das ist gesetzlich nicht legal, aber wen interessiert das schon? es hat ja nie jemanden interessiert, dass das Rechtssystem hinter Klinikmauern nicht funktioniert. Dass da Arbeitszeit- und -schutzgesetze ausgehebelt werden, jeden Tag, dass das Recht auf Unversehrtheit Pflegender da keinen Pfifferling wert ist, dass jede zweite dort Gewalterfahrungen macht. Also was solls? Untergrenzen werden ausgesetzt, die Leute verbrannt und verheizt, Sterben im Akkord. Und Schwurbler salbadern was von Freiheit.

Das nenne ich einen hohen sozialen Preis.

Wir haben eine unterschiedliche Vorstellung davon, was ein sozialer hoher Preis ist. Die Wirtschaft soll brummen, koste es, was es wolle, sogar Leben. Panem et circenses. Deshalb müssen Fußballspiele sein, während meine krankgeschriebenen Kollegen ihr Leben lang unter Depressionen leiden werden. Auch Depressionsbehandlungen sind teuer. Aber das ist egal. Nach allem wird man versprechen, für Pflege nun wirklich was zu tun – bald. Und währenddessen füllen die ja brav die PPR 2.0 aus, in der Hoffnung, dass sie dann mehr Personal bekommen. Personal, das es schon vor 30 Jahren bei PPR 1.0 nicht gab. Personal, das jetzt scharenweise aus dem Beruf flüchtet.

Den sozial hohen Preis bezahlt ihr nicht. Den zahlen Pflegende mit den massivsten Einschränkungen in ihrer Gesundheit und ihrem Leben.

Der angebliche Berufsethos wird ausgenutzt, ausgewrungen, drauf rumgetrampelt und weiter liebe Worte benutzt. „Wir müssen was tun“ ist der Ampel-Sprech für „wir haben verstanden“.

Es hat sich nichts geändert.

Impfskepsis. Den Preis der Deprofessionalisierung der Pflege zahlt nun die Gesellschaft ohne es zu wissen

Die Infektionszahlen explodieren in Deutschland und die einzige Möglichkeit, die Welle zu brechen, wäre eine Erhöhung der Impfquote. Doch ausgerechnet hier liegt Deutschland hinter dem Bedarf zurück. Nur 67,9% der Bevölkerung sind derzeit vollständig geimpft und nun stehen die Booster-Impfungen an. Das Land ist gespalten. Gespalten in die, die sich impfen lassen oder ließen, und in die, die der Impfung skeptisch gegenüberstehen, sie ablehnen und die Fakten über das Virus nicht akzeptieren können oder wollen.

Ein wesentlicher Faktor dabei ist die Frage, woher die Skeptiker ihre Informationen nehmen. Die meisten Fehlinformationen grassieren dabei in den Weiten des Internet und auf den Sozialen Medien, wo sich in die  Fakenews auch Verschwörungstheorien mischen, wie die, dass sich Mitarbeiter des Gesundheitswesens unter Gullideckeln versteckt halten und Passanten beim Drüberlaufen die Impfung heimlich in die Wade geben würden. Viele Informationen, wie diese, sind dabei an Absurdität nicht zu überbieten, andere schlichtweg falsch. Doch warum eigentlich glauben die Leute das Unglaubliche? Und weshalb glauben sie es in anderen Ländern nicht?

Die Verarbeitung von gesundheitsrelevanten Informationen und deren Umsetzung in das eigene Leben wird Gesundheitskompetenz genannt. Im Englischen ist das Wort präziser, dort heißt sie Health Literacy und bezeichnet die Literalität im Umgang mit gesundheitsspezifischen Orientierungsmöglichkeiten. In Deutschland ist sie sagenhaft schlecht. Seit Corona noch schlechter. Mehr als die Hälfte der Deutschen (55,9%) sind nicht in der Lage, Informationen diesbezüglich einzuordnen. Das hat Folgen. Behandlungsanweisungen werden nicht befolgt, die Sicherheit bleibt auf der Strecke, viel öfter muss ins Krankenhaus eingewiesen werden. 

Vor diesem Umstand verwundert es also nicht, dass Informationen, die im Netz präsentiert werden, und seien sie noch so absurd, leichter geglaubt werden, als die noch einfachere Wahrheit: wir müssen uns impfen lassen und das ist für die meisten Menschen unproblematisch.

Deutschland zahlt in der Pandemie dafür einen hohen Preis an Leben. Rein rechnerisch stürzt täglich ein Flugzeug über uns ab, so viele Menschen sterben täglich an der Coronainfektion. Doch auch die Mitarbeitenden im Gesundheitswesen zahlen einen  hohen Preis. Sie sind überlastet, ausgebrannt, erschöpft, können seit Monaten nicht mehr. Wieder soll nun das Arbeitszeitgesetz ausgesetzt werden, 12-h-Schichten sind wieder möglich. Wie schon in der ganzen Pandemie baden die Gesundheitsberufe die Suppe aus, die eine verfehlte Gesundheitspolitik ihnen jahrzehntelang eingebrockt hat. 

Das Paradoxe an der Situation ist aber, dass die Gesundheitsberufe die Suppe doppelt auslöffeln müssen. Jahrzehntelang hat man ihnen in der beruflichen Entwicklung Steine in den Weg gelegt. Anders als in vielen anderen Ländern in Europa, ist den Menschen in Deutschland kaum bekannt, dass Pflege wesentlich mehr kann, als nur in Kliniken und in der Langzeitpflege tätig sein. Andere Länder, und zwar die, mit der wesentlich besseren Health Literacy, setzen die Kompetenzen der Pflegenden, die diesen Beruf studiert und nicht gelernt haben, ein, um Prävention zu betreiben. Anderswo sind Pflege und Medizin nicht Reparaturtätigkeit, sondern werden dazu genutzt, die Gesundheitsvorsorge des Einzelnen zu unterstützen. Sogenannte Quartierpflege oder Community-Health-Nurses haben in diesen Ländern die Aufgabe, den Einzelnen bei Entscheidungen zur Erhaltung seiner Gesundheit zu empowern und ihnen auch durch Auf- und Erklärung Hilfestellungen zu geben. Die Zahl an Menschen, die sie dabei betreuen, und zwar weit vor dem Eintreten eines gesundheitlichen Problems, ist dabei dermaßen überschaubar, dass sich ein Vertrauensverhältnis zwischen den Gesundheitsberufen und denen, die sie betreuen, aufbaut. Die Nurse ist die, zu der man geht, die, die Zeit für ein Gespräch hat, die, die Rat weiß. 

Über all diese Dinge verfügt jedoch unser Land nicht. Wir sind pflegerisches Entwicklungsland. Und das so sehr, dass gestern, als bei Anne Will die Frage aufkam, wer eigentlich impfen könne, lieber der Tier- und der Zahnarzt genannt wurde, als die, die täglich Spritzen setzen: Pflegende. 

Bei wenig zeigt sich der pflegerische Blinde Fleck des Landes so sehr wie bei dem Zusammenhang zwischen der verfehlten Professionalisierung der Pflegeberufe und der kaum einzudämmenden Entwicklung der Pandemie. Jetzt, in der Pandemie, wo persönliche Kontakte, Gespräche, medizinisches Vertrauen und Hilfe bei der Gesundheitskompetenz wichtig gewesen wären, bricht Corona in die gesundheitspolitische Lücke ein, die die Politik dem Land wie eine Wunde zugefügt hat. 

Was Pflege könnte, welchen Zugewinn an Lebensqualität und -sicherheit dieses Land gehabt hätte, hätte es den Entwicklungsrückstand in den Gesundheitsberufen zu anderen europäischen Ländern schon vor Jahrzehnten aufgeholt, ist in Deutschland so unsichtbar, dass es im Nebel aller Konjunktive verschwindet. Deutschland setzt, anders als andere Länder, auf Minderqualifizierte und Hilfsberufe, die noch nicht einmal eine dreijährige Ausbildung haben, um die Personallücken vor allem kostengünstig in der Pflege zu schließen. Das dient vor allem der gewinnmaximierenden Gesundheitswirtschaft. Der Gesundheit allerdings, die staatliche Daseinsfürsorge sein sollte, dient es nachweislich nicht. Täglich stürzt, statistisch gesehen, ein Flugzeug über Deutschland ab, und das nur, weil wir gesagt haben, dass es zu teuer wäre, einen Piloten zu qualifizieren, der es sicher steuern könnte. Wer billig kauft, so sagt ein Sprichwort, kauft und zahlt zweimal. Doch Leben sind nicht nachzukaufen. Wann hat die Gesundheitspolitik vergessen, dass Leben deshalb heilig ist?

4. Welle, selbe Leier. Von Pflegenden, die wieder Helden sind und erschöpften Journalisten

Die vierte Welle rollt. Haushoch rollt sie und wälzt alles nieder, was sich ungeimpft an den Strand des sorglosen Lebens gelegt hat. Wieder müssen Pflegende 12h- Schichten schieben, aber was die Leute eigentlich empört ist, dass auch die Krematorien jetzt am Sonntag feuern dürfen. Am Sonntag! Das muss man sich mal vorstellen. Das andere, das mit der Pflege, die jetzt anderthalb Tage arbeitet, das kennen sie ja schon. Applaus, Applaus. Jaja, aber die KREMATORIEN!

Wir sind eine Menge gewesen in den letzten zwei Jahren. Ich habe es in der Reihenfolge in Erinnerung: Systemrelevant, Helden, Gebenedeite unter den Applaus Erhaltenden, Lavendelbeschenkte, Bekekste, zu Weihnachten kamen auch Stollen und es wurden ganz viele Bilder mit Ärzten geschossen von Politikern, um – ähm- der Pflege zu danken. Dann waren wir die Deppen der Nation, dreiste Streiker, undankbar , weil unser Job so sicher ist (270 tote Kollegen finden das nicht, ab er was weiß ich schon?), Vergessene, die, die Steuern auf den Coronabonus zahlen sollten, den sie nicht bekommen haben, Mörder, von der Regierung bezahlte Schauspieler, und die Angeschissenen der Nation in many ways.

Heute habe ich den Spiegel aufgeschlagen. Kollege Jorde grüßt von der Titelseite. Da war auch mal fällig, den hatte man in den ersten drei Wellen ja gar nicht auf Titelblättern gesehen. Aber Gottlob hatte ihn Franzi zum Filmpreis mitgenommen. Zu dem, bei dem die Schauspieler nicht klatschen wollten.

Nun geht die Leier wieder von vorne los. Wir sind wieder wer, wir sind Helden. „Auch Ricardo Lange steht mitten in der viertel Welle“ titelte ein Blättchen. Und sogar wir vom Europäischen Pflegerat haben uns die Hacken abgedreht (wird aber immer wieder verschoben), in Kameras gelächelt, erklärt, gemahnt.

Man munkelt auch wieder von einem Bonus, den es geben soll. Alles wieder von vorne.

Die Journalisten, die bei mir anrufen, sind müde und verzweifelt. Einer sagt es ganz offen: „Meinem Chef wäre es so am liebsten: „Suchen Sie einen Pfleger, der zu lange im OP stehen musste, dem sie deshalb ein Bein abgenommen haben und der nun im Regen Pakete ausfahren muss – einbeinig!“ . Die Lust am Leid der Pflege volksseitig muss befriedigt werden. Wer nichtmal einen kleinen Schatten unter den Augen als Augenring vorweisen kann, gilt als kamerauntauglich. Man muss es spüren, dieses Leid. Nur dann laufen die Klicks.

Ich bin so etwas wie die Paketannahmestelle der Verzweifelten geworden. Kennen Sie einen Coronaleugner in der Pflege? Können Sie mir einen Pflexiter vermitteln? Was mit „Ausländern“? Ich komme mir vor wie bei Pflege-Amazon oder bei Presse-Pflege-Tinder.

Denn man muss Stories schreiben, aber sie dürfen sich nicht wiederholen, die Stories in dieser Endlosschleife des Pandemieirrsinns, bei dem sich alles wiederholt wie am Murmeltiertag.

Letztens hat es mir gereicht. Nein, Sie bekommen keinen verdammten Pflege-Querdenker von mir. Ich habe die Nase voll, dass man weder zwischen Pflege und Hilfspflege differenziert und dann unbedingt „so einem“ Bühne geben will, anhand dem dann 1,3 Millionen Pflegende zu Narren diffamiert werden.

Wer schreiben will, sollte mal ein Augenmerk darauf lenken, wie das ist, im Impfzentrum von Verweigerern angegriffen, als Mörder betitelt und bespuckt zu werden. Überhaupt ist bespucken ja in dieser Tage. Es wird gespuckt auf der Psychiatrie, auf Notaufnahmen, auf Normalstationen. Selig die Kollegen auf der ICU, die selbst entscheiden, wann ihnen der abgesaugte Rotz voller Viren um die Ohren saust.

In einem Land voller Narren, die nun unter den Ungeimpften in der Pflege ihren Sündenbock gefunden haben, dafür, dass ungeimpfte Besucher das Virus einschleppen durften, aber die Pflege die Böse ist, sind alle durchgeknallt und auf der Suche nach etwas, das medial knallt. Das Schlimme muss immer schlimmer werden, es benötigt weitere Steigerungen.

Logik gibt es schon lange keine mehr. Niemand fragt nach Hygienemaßnahmen, oder danach, ob es genügend Schutzkittel oder Masken gibt oder gab – in diesen Heimen, in denen das angeblich Böse wohnt.

Die ersten Kollegen berichten wieder davon, positiv arbeiten zu müssen und wieder fragt einer, ob er arbeiten muss, wenn man ihm keine Schutzkittel zur Verfügung stellen kann. -> Nein, muss er nicht.

Nebenbei pöbeln Angehörige, dass der Ausbildungsbeitrag um 60 Cent erhöht wurde. Unzumutbar. jetzt wollen die auch noch Geld. Dabei war doch gerade alles so schön billig.

Alles soll sich ändern aber bleiben, wie es ist.

Was diese Menschen noch nicht geschnallt haben: es wird nie mehr so, wie es war. Keine 5000 Euro können das bezahlen, was Ihr angerichtet habt. Sie heilen nicht die LongCovid-Erkrankungen der Kollegen, die in der ersten Welle erwischt wurden – ohne Isomaterial. Sie bringen die Toten nicht wieder, beheben keinen Burnout.

Eines aber hat sich geändert. Und das ist as einzig Positive! Nie starben so viele wie gerade, nie waren die Zahlen so hoch. Es gibt aber Nudeln und Scheißhauspapier. Halleluja!

Zum Sterben schnell ins Heim?

In meinen Kommentaren fand sich dieser.

Es geht um die Frage, ob derzeit zum Sterben schnell ins Heim abgeschoben wird.

Wie sind Eure Erfahrungen derzeit?

Liebe Monja, liebe Mitleser. Ich arbeite in der Altenpflege und habe quasi life eine ernstgemeinte Frage an alle aus der Krankenpflege und der Altenpflege. Bitte löschen, Monja, wenn es gar nicht passt, Du hast einfach eine größere Reichweite als ich und bei mir im Blog passt es nicht. Wie mein Name vielleicht erahnen lässt, kann ich leider nicht sagen, wo genau ich wohne, nur: In der AP im Umkreis wird die Empörung immer lauter und kommt aus mehreren Ecken – und es nimmt beängstigende Ausmaße an. Und ich bin neugierig: ich möchte wissen, ob das ein lokales Phänomen ist, was hier passiert. Es geht um Folgendes: Die Altenpflegeheime bekommen seit Wochen täglich deutlich mehr Anfragen zur Kurzzeitpflege von den sozialen Diensten der Krankenhäuser als normal : Pflegegrad beantragt, laut Arztbrief erstmal 2, aber laut Einstufung mindestens 4, guter AZ bis auf Z.n. Irgendwas , bissle dement eventuell, Langzeitpflege angestrebt … Alltag ohne viel Aufwand, wenn´s denn stimmen würde; von MRSE,VRE und andren Nettigkeiten, die eine Unterbringung in einem Einzelzimmer zwingend notwendig machen ist gar keine Rede mehr – erst wenn die zukünftigen Bewohner schon in der Tür stehen, fällt das Mal so nebenbei, aber das „wär doch kein Problem“ …. ööhm … die meisten Pflegeeinrichtungen haben zumindest bis 2027 noch Doppelzimmer – – – – – – Und ab jetzt liest bitte nur jemand weiter, der wirklich und tatsächlich NICHT den Moralaposten spielen will, politisch einen raushauen will oder anderweitig keine Ahnung hat, von was er spricht, sondern AUSSCHLIEßLICH Personal, das direkt am Bett steht und mir sagen kann, ob es auch in der KP neue Anweisungen gibt, von denen kaum jemand weiß, der nicht täglich damit konfrontiert wird!!!! Los geht´s, Beispiele der letzten Wochen, die nur die Spitze des Eisbergs sind und sich mehren: Da kommt ein vitaler Mensch, PG 3 ( laut Arztbrief so angekündigt ) mit einem HB von 6,5 und bekannter Anämie bei uns an, der war kurz darauf nicht mehr ansprechbar, weil wir so lange mit dem Taxifahrer und der Polizei diskutieren mussten, dass wir diesen Menschen in dem Zustand auf gar keinen Fall aufnehmen und dass der Mann sofort wieder ins Krankenhaus gehört – wobei uns scheißegal ist, wer den Transport zahlt. Nett war auch die Dame, deren Extremititäten bereits zu marmorieren begannen, die in einem Krankentransport ( sitzend !!!!) gebracht wurde, die haben wir auch postwendend wieder zurück geschickt. Und die Angehörigen über den bevorstehenden Tod informiert. Ganz klasse war der angebliche Arzt, der mich ernsthaft darüber belehren wollte, dass bei einem Patienten 5 Tage nach Feststellung von Covid der folgende PCR Test eh nicht mehr aussagekräftig wäre und der wegen Long Covid auch nie wieder negativ würde und dass eine Isolation folglich nicht nötig wäre ( … der Patient verstarb 2 Nächte später im KH, berichteten die Angehörigen ). Und der „Arzt“ konnte überhaupt nicht verstehen, dass hier das Gesundheitsamt klare Regelungen getroffen hat: Aufnahme zur KZP mit positivem PCR Test ist untersagt. Punkt. Bewohner, die von Euch kommen, sind momentan gefühlt echt sehr selten Dauergäste und das liegt nicht in der KZP begründet, sondern die werden alle raus getragen. Arztbrief und Wirklichkeit klaffen immer weiter auseinander; Angehörige lügen, dass sich die Balken biegen, nur um einen Platz zu ergattern und bieten zum Teil „Spenden gegen Platz“ an. Ein Arzt war wenigstens so anständig, die Hinlauftendenz und Fremdaggression vor der Neuaufnahme mit Rat zur Unterbringung zu erwähnen, was derzeit überhaupt nicht mehr selbstverständlich ist – wir sind ein offenes Haus, ohne diesen Hinweis hätten wir ein richtiges Problem bekommen – na danke. Steinerweichend die Ehefrau, die sagte, wir könnten ihren Mann auch in den Keller stellen, es würd reichen, wenn ab und zu mal jemand guckt, aber er müsse schnell aus dem KH und sie könne ihn nicht pflegen, Deku Grad 4, Taschenbildung, nekrotisch an den Rändern. Kein Wort mehr von palliativ in den Arztbriefen – und wir „dürfen“ seit Wochen so oft den Bestatter rufen, so oft kurz nach Heimeinzug den neuen Bewohner wieder zurück ins Krankenhaus schicken, wo er/sie dann verstirbt ………..von den Angehörigen, deren Verwandte seit Jahren in einer Einrichtung leben, gar nicht zu reden, die sich wegen der hohen Fluktuationsrate richtig Sorgen machen – wenn ich die Zeit, die ich derzeit ( befeuert durch die Medien ) damit verbringen muss, unsre Schutzmassnahmen zu erklären, nur einmal für die Bewohner übrig hätte – man, was hätten wir dann ne coole Besetzung! Wie oft kommen die Leute Freitags nachmittags aus dem KH und haben nicht mal Medis für 3 Tage mit und auch keine Rezepte? Klar, ihr vom KH seid nicht dazu verpfichtet … aber die Heime haben keine Ärzte in Bereitschaft und wenn es ganz blöd läuft sind auch noch Feiertage und der Mensch hat dann auch gern mal 5 Tage keine Medikamente, weil wir die gar nicht bevorraten dürfen und auch nicht von „andren nehmen“ ( wird auch gern vorgeschlagen ). Von BTM gar nicht zu reden. Okay, ich weiß, dass eine Unterbringung vom KH aus in die Heime sehr schwer geworden ist. Das liegt daran, dass diese seit der neuesten Gesetzesänderung nur noch zögerlich Verträge mit Patienten aus dem KH abschließen – Heimrecht im Sozialgesetzbuch, still und heimlich durchgesetzt und zum Nachteil der Heimbetreiber geändert. Vorher konnten die Heime Verträge abschließen, wenn ihr uns gemeldet habt: Aufnahme ab Tag x möglich, Betreuung und Sozialhilfe beantragt. Ab dem Tag lief der Vertrag und auch wenn sich der tatsächliche Einzug verzögerte oder jemand Zahlungsschwierigkeiten hatte, konnten wir einen gewissen Betrag garantiert abrechnen – die Zimmer frei zu halten, war also kein Problem. Seit Monaten schon gilt: Zahlung erst ab Einzugstag. Reservierung nicht mehr möglich und gefühlt wird es seitdem immer schlimmer, die Wartelisten immer länger und die Anfragen immer drängender. Die meisten Heime sind einfach voll und wer eine Chance auf einen Platz haben will, hat einiges vor sich. Im Voraus vorzulegen von einem Bevollmächtigten: gültige Vollmachten, bestenfalls von einem bereits vorhandenen Berufsbetreuer; eine dokumentenechte aktuelle Bescheinigung über die Freiheit von Infektionskrankheiten; eine Rentenübersicht sowie Kontoauszüge und Lastschriftmandat und einiges mehr. Fehlt etwas davon – wird die Aufnahme rigoros abgelehnt, es stehen viel zu viele hintendran und schon das alles zu Beschaffen überfordert die meisten. . Grund für diese Haltung: die Heime in Deutschland sitzen auf Millionen von Kosten, die durch zahlungsunwillige Kurzzeit-Bewohner; Kinder, denen Geld wichtiger war als die Eltern im Heim; Falschangaben; dem Nicht-Regeln von Behördengängen ect verursacht wurden und die alle über die Gerichte eingeklagt werden müssen, bezahlt häufig letzlich von Steuergeldern. Ich lebe in einer Großstadt, wir haben mehrere Kliniken hier, IS nirgends voll belegt, daher kann ich persönlich keinen Zusammenhang zu Corona entdecken ( wenn die Zahlen stimmen ) – und aus allen kommen trotzdem Hilferufe von den sozialen Diensten und Angehörigen, die absolut in keinem Heim mehr einen Platz finden ( und wir haben davon 36 offene und 3 mit gesetzlicher Unterbringung, also Platz für 10% der Gesamtbevölkerung der Stadt ist vorhanden, hat bisher locker gereicht ). Ist das nur ein lokales Phänomen? Kennt Ihr diese Häufung von „ich werd das Gefühl nicht los, dass die Krankenhäuser die Sterberate mit Gewalt verkleinern“ aus Eurer Gegend auch – und wenn ja, könnt ihr mir erklären, was zur Hölle gerade in den Kliniken los ist? Hat das Kostengründe? Platzmangel? Absoluter Personalnotstand? Dienstanweisung: Sterberaten drücken? Ich möchte keine Grundsatzdiskussion, ich möchte nur ehrlich wissen, warum so viele Menschen kurz vor ihrem Tod seit Neustem in die Heime verlegt werden sollen ( die nebenbei auch so schon überlastet sind, auch ohne wöchentlich mehrere SIS anlegen zu müssen, Sterbebegleitung zu leisten und Neueinzüge zu regeln, für die dann wenn´s dumm läuft auch noch eine Iso nötig ist ). Vielleicht hab ich auch nur ein Brett vor dem Kopf und mir fehlt ein Stück Wissen – ich bin auf jeden Fall für Erklärungen offen. Danke im Voraus!

Endlich Live aus dem Klinikum senden.

Heute überraschte uns @hospitalporter auf Twitter mit der Nachricht, dass seine Klinik überlege, Lifestreams aus den Häusern zu senden. Da so viele auf Dokus aus den Krankenhäusern abgehen, und meinen, ich nörgele nur, habe ich mich entschlossen, das super zu finden und das Projekt in jedem Fall zu unterstützen.

Endlich gäbe es Aufmerksamkeit nicht nur für Stars. Jeder wird Star sein. Gut, ob er will oder nicht, aber man muss das große Ganze sehen. Immerhin verlangt die Pflege ein Einstiegsgehalt von 4000 Euro, das will ja irgendwie finanziert werden. Und natürlich wollen alle, dass die Gesellschaft endlich weiß, wie es wirklich ist.

Deshalb lasse ich mich nicht mit ein paar Ideen lumpen.

Zuerst einmal denke ich, man muss das Projekt ja nicht auf Zugucken beschränken. Weshalb eigentlich kann man nicht über Jochen Schweizer Erlebnisgutscheine Herzoperationen verticken? Da kann dann jeder für einen kleinen Obolus mal die Haken halten, dabei sein. Das geht nicht nur ans Herz, das geht ins Herz. Und um Herz gehts doch. Als Gadget kann man sich dann ein OP-Oberteil mitnehmen. Bioklappe! Ich war dabei! Und danach gibt es Schweine-Herzragout in der Klinikkantine als den besonderen Kick.

Jahrelang hat die Pornoindustrie den echten Kliniken Gemeinerweise den Rang abgelaufen. Das echte Geld wird doch eh auf YouTube gemacht. Also los, legt Euch ins Zeug. Wenn wir massenhaft Videos hochladen, wo man gaaaaaanz junge Schwestern gaaaaaaaanz langsam gaaaaaaanz alte Männer waschen sieht, begründen wir einen neuen Trend. Das gibt Likes ohne Ende. Und auf Likes kommt es doch an. Dabei schön alle 2 Minuten die eigenen Lippen lecken, das geht ab „vong Like her“ wie Schmitts Katze.

Stuhlgangfetische, Urinfetische. All die Jahre taten wir es falsch! Statt Privatsphäre zu schützen, muss man heute ein bisschen exhibitionistisch sein, wenn man was erreichen will. Also hoch die Becken, in die Kamera. Ich sehe uns ein ganzes Imperium aufbauen, ja quasi die monetäre Weltherrschaft durch Pflegetube-Videos erreichen.

Natürlich muss ein Fans Only Zugang möglich sein. Für, sagen wir, 19,99 Euro kann man dafür den erschöpften Kollegen beim Heulen auf dem Klo zugucken. Die dürfen sich nur nicht so anstellen und müssen sich bis zur Sendezeit einfach zusammenreißen. Von dem Geld kann man wenigstens eine Leihkraft anstellen, ohne dass es ins Geld geht, dann war das Mimimimi wenigstens zu irgendwas gut. Traumapornkanal, YEAH!

UMKLEIDEVIDEOS! Das muss nunmal sein. Damit kann man schon eine Zielgruppe ab 14 Jahren erreichen.

Für einen Fans Only XXL Zugang könnte aus dem Lifestream dann ein LIfescream werden. Voll gut! Abgehackte Beine, abgehackte Finger. Man weiß doch, wann die Discounter wieder die Kreissägen anbieten. Natürlich darf der Zugang nur ab 18 sein. Wir sagen einfach, das dient der Aufklärung über die Gefährlichkeit von Haushaltsgeräten. ZNA-Porn in der Endstufe.

Aber nicht alle haben das große Geld.

Ich schlage vor: REA zugucken, 1 Euro

Klogang 2,50

Endlich kann Pflege dazu beitragen, sich selbst zu finanzieren.

Dass mir hier keiner nölt. Ihr wart doch für Aufmerksamkeit um jeden Preis, ich war für Aufmerksamkeit durch Profis. Das ist der Kompromiss. Jetzt kann jeder ein Star werden, ob er will, oder nicht.

Jeder Patient. Das verringert auch Besuchszeiten, denn jetzt kann jeder Omi-Nightwatch machen. Auch da sind die Möglichkeiten unendlich. Jetzt kann jeder mal ne Sitzwache machen. Da machen wir gleich telenursing draus. Dann kann die echte Nurse arbeiten und die Zuschauer übernehmen die virtuellen Zimmerrunden. Im Minutentakt. Was soll da schiefgehen?

Das wird der nächste Hype auf der Exklusivstation. Die nämlich lassen wir nicht überwache….. äh… streamen. Dann will da jeder hin. Das wird wie Squidgame. Nur mit Kliniken. Und es kann jeden treffen.